12.11.12

Dredd 3D

Großbritannien, USA, Indien 2012 Regie: Pete Travis mit Karl Urban, Olivia Thirlby, Lena Headey 96 Min. FSK ab 18

Nein, auf den alten Dredd mit seinem tiefkehligen Selbstjustiz-Spruch „Das Gesetz bin ich", hatte ich nicht noch mal Lust. Sylvester Stallone reizte mit seinem Senioren-Spott „The Expendables" das Interesse an seinen Remakes derart aus, dass man auch seine Figuren nicht mehr sehen will. (Außerdem ist der Satz geklaut: „Die Kritik bin ich!") Doch die erneute Verfilmung einer Comic-Geschichte um einen zukünftigen Polizisten und Richter in einer, martialisch bewehrten Figur namens Dredd, überrascht. Die erwartete, nicht jugendfreie Gewaltorgie wurde gradlinig inszeniert, das Nischen-Produkt verballert viele gute Action-Ideen.

In der Zukunft sind die USA ein gigantisches urbanes Katastrophen-Gebiet namens Mega City One mit 800 Millionen Einwohnern, gerne gestapelt in überdimensionierten Hochhäusern. Eines dieser Silos heißt Peach Trees, obwohl weit und breit nicht mal mehr ein Strauch zu sehen ist. Hier herrscht von einem der oberen Stockwerke her Mama (Lena Headey), die ehemalige Prostituierte, deren Rachezug immer mehr Gangs erliegen. Als drei gehäutete Menschen in den Innenhof des Komplexes stürzen, kommt Judge Dredd (Karl Urban) zum Einsatz. In Begleitung einer Anfängerin: Cassandra Anderon (Olivia Thirlby) fiel zwar durch die Polizei-Prüfung, ihre Mutanten-Fähigkeit, Gedanken lesen zu können, ist allerdings so wertvoll, dass sie im Außen-Einsatz eine letzte Chance bekommen soll. Der dauer-mürrische Dredd grunzt nur kurz sein Missfallen und schon wird zufällig einer der Handlanger von Mama festgenommen. Die schließt darauf hin den Wohnkomplex hermetisch ab und setzt eine Kopfprämie auf die Judges aus...

Das abgeschlossene Spielfeld eines Hochhauses, 96 Prozent Arbeitslosigkeit, Kriminalität und die Vertreter des Gesetzes auf verlorenem Posten. Man befürchtet, „Dredd 3D" läuft ebenso Videospiel-schematisch ab wie kürzlich der indonesische Actionfilm „The Raid". Doch bei bescheidener Charakterentwicklung - von Dredd sind nur meist schweigsame Mundwinkel zu sehen - legt sich die Ästhetik-Abteilung besonders ins Zeug: Von Badeschaum-Tropfen in 3D bis zum intensiven Höhentrip über viele Top Shots kickt hier das 3D in der Sonderausführung 3Düster richtig gut. Die neue Droge, um die sich alles dreht, heißt nicht nur SloMo, wie die Zeitlupe auf Englisch. Das Zeugs täuscht dem Gehirn auch vor, alles liefe extrem langsam ab - ein gefundenes Fressen für Action-Effekte.

Action gibt es reichlich und vom härtesten, in dieser von der Tonspur dumpf dröhnenden Dystopie mit aus „Blade Runner" übrig gebliebenen Falt-Tierchen: Die totalitäre Selbstjustiz lebt sich in martialischen Hinrichtungen aus, „Dredd 3D" gerät zur Anatomie-Stunde und reißt mehrfach die „unter 18"-Hürde. Das verleidet einem auch alles andere: Die sehr reizvollen Psycho-Duelle zwischen Cassandra und einem gefangenen Killer, die mehr Raum in den Köpfen und im Film einnehmen könnten. (Der fehlende Helm Cassandras ist weniger ihren telepathischen Fähigkeiten als den weiblichen Schauwerten geschuldet.) Zwar versucht Regisseur Pete Travis sogar optisch revolutionär den 3D-Guckkasten zur Seite hin zu öffnen, gedanklich bleibt die Verknüpfung von Exekutive (Polizei) und Judikative (Gerichte) in einer hämisch mordenden Person als der Schrecken jeder Demokratie und als Anfang von Diktaturen sträflich unterbelichtet.