9.2.22

Tod auf dem Nil (2020)


USA 2020 (Death on the Nile) Regie: Kenneth Branagh, mit Kenneth Branagh, Gal Gadot, Armie Hammer, 127 Min., FSK: ab 12

Nach seinem „Mord im Orient Express" im Jahr 2017 klebt sich Kenneth Branagh erneut einen überdimensionierten Schnauzbart für seinen Hercule Poirot an für die Neuverfilmung eines weiteren Agatha-Christie-Romans. Die Geschichte samt Auflösung sind spätestens nach der Ustinov-Version von 1977 und der gleichnamigen Serie von 2004 bekannt: Während einer glamourösen Kreuzfahrt auf dem Nil an Bord der luxuriösen S.S. Karnak muss der exzentrische belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh) bei seinem zweiten Fall eine Reihe von Morden aufklären.

Zwei Rückblenden zum ersten Weltkrieg und zu einem lustvollen Londoner Club versprechen, dass „Tod auf dem Nil" weniger gediegen als die Vorgänger ausfallen könnte. Doch einmal in der Kulisse Ägyptens angekommen, verlässt er sich auf biedere Schauwerte und die eindimensional spannende Vorlage. Eine filmische Kreuzfahrt mit Unterhaltungsprogramm, aber ohne viel wirkliche Aufregung. Das ist fast Kunstgewerbe, für das Branagh kaum seine sechste Oscar-Nominierung erhalten wird.

Die Verfilmung basiert auf Agatha Christies Roman „Tod auf dem Nil" aus dem Jahr 1937, der von Michael Green für die Leinwand adaptiert wurde. Wobei die Besetzung ist nicht so altbacken glamourös wie bei seiner ersten Agatha Christie-Verfilmung. Gal Gadot und die anderen machen auf dem Plakat nicht so viel her wie Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Willem Dafoe, Penélope Cruz, Judi Dench und Derek Jacobi. Ganz zu schweigen von Ustinov, Jane Birkin, Bette Davis, David Niven und Mia Farrow beim ersten Film. Eine Schrulligkeit von Branagh ist die Verwendung von 65mm Panavision-Kameras (Kameramann Haris Zambarloukos). So will er dem Film das Gefühl von etwas Altem geben. Ansonsten blitzt nur ganz kurz das enorme Können des Regisseurs auf. 

Denn nach den Verfilmungen mit Peter Ustinov als Poirot, gibt der ehemalige Shakespeare-Spezialist Kenneth Branagh („Hamlet" 1996, „Verlorene Liebesmüh" 2000, „Wie es euch gefällt" 2006) den Geschichten wenig Neues oder Zeitgemäßes, aber dem belgischen Detektiv mehr persönliche Tiefe und Tragik. Auf den ersten Weltkrieg sind die entstellenden Narben im Gesicht - der Grund für den überbordenden Schnauzbart – ebenso zurückzuführen, wie der Verlust seiner großen Liebe Katherine. Die Erkenntnis „Liebe ist nicht sicher" wird beim fünffachen Mord auf der Kreuzfahrt bestätigt. Dabei sind bewegender als die Luftaufnahmen von Pyramiden und Nil die Innenansichten eines einsamen Mannes, der gnädig auf die niederen Taten und Gründe seiner Mitmenschen schaut.