24.2.14

Jack Ryan: Shadow Recruit

USA, Russland 2014 (Jack Ryan: Shadow Recruit) Regie: Kenneth Branagh mit Chris Pine, Keira Knightley, Kevin Costner, Kenneth Branagh 105 Min. FSK ab 12

Wenn die Hintergründe spannender sind als der eigentliche Film, ist das nicht ideal - besonders bei einem Thriller. Nach zwölf Jahren gibt es wieder einen Film mit der Tom Clancy-Figur Jack Ryan. Ist dies nun ein Comeback, ein Remake oder nur Etikettenschwindel? Von allem etwas, denn wohlgemerkt gab es als Vorlage keinen Roman von Tom Clancy. „Jack Ryan: Shadow Recruit" entstand nach Motiven des Autors. Allerdings mit Hilfe von Star-Schreiber David Koepp (zuletzt „Indiana Jones IV").

Und um es noch spannender, oder komplexer zu machen: Der CIA-Agent Jack Ryan wird zwar vor und während seines ersten Falls gezeigt, doch zeitgeschichtlich spielt sich alles eindeutig nach seinen bisherigen Auftritten ab. Aber da nach Ben Affleck („Der Anschlag"), Harrison Ford („Die Stunde des Patrioten" und „Das Kartell") und Alec Baldwin („Jagd auf Roter Oktober") nun mit Chris Pine der junge Captain Kirk die Titel-Rolle übernimmt, wird all diese Verwirrung dank Zeitmaschine ganz übersichtlich.

Der russische Oligarch Viktor Cherevin (Kenneth Branagh) plant einen Terroranschlag auf die amerikanische Wirtschaft, den er so sicher im Kino gesehen hat. CIA-Offizier William Harper (Kevin Costner, sehr gelassen und eindrucksvoll) schickt Jack Ryan (Chris Pine) nach Moskau, denn der Ex-Soldat arbeitet Undercover-Agent an der Wall Street. Zwar will Ryan nach einem Afghanistan-Abschuss nie mehr vom Schreibtisch-Job als Analyst weg. Doch scheinbar hat er besondere Qualitäten, er kann beispielsweise ein achtstelliges Passwort fehlerfrei eingeben.

Probleme macht zuerst ein Auftragsmörder und dann Ryans Freundin Cathy (Keira Knightley) mit ganz banaler Eifersucht. Wie sie ihm hinterher reist und ihn dann glücklich umarmt, weil er keine Geliebte hat, sondern nur bei der CIA ist, hat Komödien-Qualitäten. Dass sie dann in einer äußerst geschickt gespielten Aktion Cherevin beim Abendessen beschäftigt, während Ryan gegenüber umständlich in ein Gebäude und einen Computer einbricht, belastet die Glaubwürdigkeit stark. Ist der Agentenjob so banal, dass Quereinsteiger ohne Vorbereitung mitmachen können?

Scheinbar, denn auch beim Rest macht Ryan nicht viel Eindruck. Recht wenige Spannungs- und Action-Momente sind über den Film verteilt, das Niveau ist eher unterdurchschnittlich. Am besten kommt der Film noch weg, wenn er eine lange Verfolgungsjagd durch die Straßen Moskaus mit intensivem Kammerspiel kombiniert, bei dem die schöne Cathy vom biestigen Oligarchen bedroht wird. Schauspieler Branagh will den skrupellosen und tragischen Kulturmenschen geben, war aber früher bei den Klassikern um Welten besser. Wenn man unter einem Klassiker nicht eine Figur von Tom Clancy, sondern eher einen Stoff von Shakespeare versteht.

James T. Kirk-Darsteller Chris Pine tut beim ersten Mord Ryan, den der nicht in Soldaten-Uniform begeht, kurz so schockiert, wie es ein richtiger Mensch sein sollte. Doch später bekommt er selbstverständlich wieder Superman- und Super-Agenten-Eigenschaften, wenn es mit dem Moped erneut auf Verfolgungsjagd - diesmal in den Straßen New Yorks - geht. Da übersteht er einen Auffahrunfall ohne Helm oder Kratzer, um sich darauf munter mit einem erfahrenen Berufskiller zu prügeln, während die übliche Bombe tickt.

Zudem ist das Timing äußerst ungeschickt: Ein Krimi über böse Russen kann nach dieser Olympiade und den anderen unfassbaren Verbrechen an der Demokratie kaum noch beeindrucken. Die alten Bösen und fiktionale Wirtschafts- und Börsen-Betrügereien, die gegenüber der realen Abzocke realer Banken reine Portokassen-Nummern sind, reißen genau so wenig vom Stuhl wie dieser altmodische Agent mit jungem Gesicht.
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19.2.14

Killing Time - Zeit zu sterben

Rumänien 2012 Regie: Florin Piersic jr. mit Cristian Gutau, Florin Piersic jr., Olimpia Melinte 107 Min. FSK: ab 16

Mit Souveränität und nur leicht zitternder Hand an der Zigarette erkundigt sich ein alter Mann in Großaufnahme nach dem Wohlergehen seines unsichtbaren Gegenübers, den er schon als Kind kannte. Fünf Minuten dauert dieser Monolog, dann fährt die Kamera wackelig um den Mann herum zum Zuhörer mit schlecht sitzenden Anzug und zotteligen Haaren. Noch ein paar Sätze und der Alte wird erschossen, obwohl er nicht weiß, was er dem Boss Gambone getan haben soll. Solche Szenen kennt man als retardierendes Element aus vielen Krimis. Hier stellen sie völlig losgelöst den einzigen Inhalt dar. Der ganz blöde Killer und der stille, nachdenkliche Killer unterhalten sich über Belanglosigkeiten wie die Länge des Genitals von Batman während sie auf ein Opfer warten. Mit Zeiteinblendungen vergeht der Tag, nur die langen Filmminuten ziehen sich wie Blei, das im Film selbst nur selten fliegt. Am Ende eines langen Tages erschießt der eine Killer den anderen. „Killing Time" ist ein Kammerspiel mit langen, sehr langen Dialogen und starren Einstellungen. Es wirkt wie ein schlechter Scherz von der Filmhochschule. Selbst unter den unangenehmen Methoden, Zeit totzuschlagen, sind die meisten anderen attraktiver.
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18.2.14

Nymphomaniac - Teil 1

Dänemark, BRD, Frankreich, Belgien, Großbritannien 2013 Regie: Lars von Trier mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater 118 Min.

An einem kalten Winterabend findet der ältere Junggeselle Seligman (Stellan Skarsgård) eine zusammengeschlagene Frau (Charlotte Gainsbourg) in einem Labyrinth aus Gängen und Ziegelwänden vor seinem Haus. Er nimmt sie mit in seine Wohnung, wo er ihre Wunden versorgt und ihr ein karges Bett samt Tee anbietet. Sehr brav und keusch entwickelt sich ein Gespräch zwischen den beiden, ein Dialog der literarisch und nicht von heute wirkt. Nach kurzem Zögern meint die Frau namens Joe, sie müsse bei ihrer Geburt anfangen, es würde auch lang und moralisch werden. „Lang ist gut", meint der Zuhörer und der Kritiker stimmt nach drei Stunden „unzensiertem" Teil 1 ein.

Seligman hört aufmerksam zu, während Joe über vier Kapitel (in Teil 1) die sehr lustvolle Geschichte ihres Lebens als Nymphomanin erzählt. Und er widerspricht immer wieder überzeugend den Selbstvorwürfen Joes, sie sei ein schlechter Mensch. Dabei geht es nicht nur um Selbstbefriedigung im Kindesalter, um jugendliche Sex-Experimente und die leichte Verführbarkeit von Männern in einem Zug. Es geht ums Leben, zu dem beispielsweise auch der Tod gehört. Ein ganzes Kapital ist dem Tod des Vaters (Christian Slater) gewidmet und da ist der wahllose Sex Joes mit dem Pflegepersonal des Krankenhauses ein sehr verzweifelter. Mehr als erotisch ist „Nymphomaniac 1" vor allem witzig und raffiniert: Seligman vergleicht das Anlocken der Männer mit seinen Erfahrungen beim Fliegenfischen, fügt erstaunlich passende Exkurse zu Bachs Kompositionskunst und zur Fibonacci-Reihe hinzu.

Lars von Trier ist mit „Nymphomaniac" wieder mit voller Wucht zurück. Einem rätselhaften Geräusch ohne Bild folgt gleich zu Anfang die in Stille liegende Verwundete, bevor ein Lied von Rammstein ohrenbetäubend hereinbricht. Das ist nicht die Bildpracht von „Melancholia", aber wieso sollte Lars von Trier das Filmemachen verlernt haben, bloß weil „Nymphomaniac" als Porno werbewirksam skandalisiert wurde? Dabei achtete man bei der Produktion sehr wohl auf die Grenze zwischen E- und P-Kultur: Porno-Double wurden für die expliziten Sex-Szenen eingesetzt und ein künstlicher Schambereich musste in stundenlanger Arbeit der exzellent aufspielenden jungen Joe (Stacy Martin) „aufgeschminkt" werden, ohne dass man etwas davon bemerkt. Wer die Filme des Dänen liebt oder schätzt, erkennt in den ersten Minuten den Meister: Hier fließt „Wasser, Wasser überall", wie 1984 im Erstling „Element of Crime" der Detektiv Fisher bemerkte. (Und ist nicht Seligman hier nicht ganz Fischer, aber zumindest Angler?) Die Wände überall um die blutig am Boden liegende Joe, sind künstliche Kulisse wie in „Dogville" und „Manderlay". Das Verzweifeln am Bett des sterbenden Vaters, das im Sex mit Krankenpflegern Erlösung sucht, ähnelt dem hilflosen Suchen nach Erlösung von Emily Watson in „Braking the Waves". Die Frage, ob etwas Schlechtes in dieser Frau steckt, stellte sich schon im „Antichrist".

Nach vier von acht Kapiteln ist es für eine komplette Filmbewertung viel zu früh. Zu viele Fragen sind noch offen: Werden wir die Elemente B-A-C-H in der zweiten Hälfte im April wiederentdecken? Bleibt das Verhältnis zwischen Joe und Seligman distanziert? Wie wurde Joe verletzt? Begeisterung, Faszination und eine große Neugierde lässt sich auf jeden Fall schon konstatieren.
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17.2.14

Stromberg - Der Film

BRD 2013 Regie: Arne Feldhusen mit Christoph Maria Herbst, Bjarne Mädel, Oliver K. Wnuk, Diana Staehly, Milena Dreißig 100 Min.

Mit längerem Atem und eindrucksvoller Unterstützung durch Fans via Crowdfunding hat nun auch „Stromberg" den Sprung von der TV-Komik auf die große Leinwand gewagt. Das scheitert meistens, aber diesmal ist es besonders tragisch - trifft es doch einen der Besten. Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) ist ein Ekel. Dass jedoch er seine Fangemeinde mit breit gewalzter Langeweile brüskiert, hätte ihm niemand zugetraut.

Schräge Heimmusik mit Ernie Heisterkamp (Bjarne Mädel) als Dirigenten macht schmerzlich klar: Die Capitol-Versicherung feiert bald 50-Jahr-Jubiläumsfeier irgendwo im Landhotel. Da macht Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) selbstverständlich nicht mit und sich dadurch nicht nur wiedermal Ernie zum Feind. Als der selbstgefällige, egozentrische Ober-Mobber Stromberg jedoch ausgerechnet von einem erfolglos niedergequatschten Hausmeister erfährt, dass die Capitol-Filiale in Köln dichtgemacht wird, muss auch „der Papa" zum Firmen-Fest, um sich für einen Job in der Zentrale einzuschleimen. Schon die fidele Busfahrt mit „Happy Tours" wird zur Katastrophe dank übernächtigtem Busfahrer, überfülltem Klo und übermäßig engagiertem Ernie. Im typischen Tagungshotel gibt dann der Widerling der Nation richtig Gas: Stromberg trifft alle sexistischen, rassistischen und sonstigen Fettnäpfen auf Anhieb. Doch sein unverschämtes und ordinäres Video ist im Gegensatz zur selbstgefälligen Präsentation einer ehemaligen Vorgesetzten der Knaller im Saal. Das nicht „political" oder sonst wie korrekte Verhalten verschafft ihm einen Freifahrtschein zur Vorstands-Orgie im Edelpuff. Doch da ist ja noch Kollegin „Schirmchen", mit der endlich mal was laufen könnte. In einer atemberaubenden Wende wird der unmöglichste aller Vorgesetzen zum weltweit gefeierten Gewerkschafts-Kämpfer, bekommt sogar einen Job bei der SPD und 'nen warmen Händedruck von Steinmeier. Doch für den Film ist es da schon viel zu spät - man hat sich über eine Stunde lang so gelangweilt, wie nie zuvor in fünf Staffeln Fernseh-Stromberg.

Beim Wiedersehen mit „Stromberg" nach fünf TV-Staffeln dürfen alle Figuren ihre festgelegten Rollen in der eher mühsamen Vorstellung der Abteilung fortschreiben: Ernie, der mittlerweile Bluetooth-Headset und eigenes Büro hat, macht sich mit abstoßender Gutmütigkeit zum Deppen. „Schirmchen" Jennifer Schirrmann (Milena Dreißig) schwankt weiter zwischen niedlicher Naivität und weinerlicher Traurigkeit, zwischen Anziehung und Ablehnung von Stromberg. Sie sondert selten mal gute Sätze ab, wie: „Männer sind auch nur so was wie Facebook, wo alle sagen, musste machen. Aber was hast du denn am Ende davon? Am Ende sitzt du doch alleine da." Ulf und Tanja (Oliver K. Wnuk, Diana Staehly) treten mit ihren Streitereien etwas in den Hintergrund für ihren probeweisen Pflegesohn Marvin (Max Kluge), der praktisch den ganzen Film mit Penis-Bildchen vollkrickelt.

Das Ganze ist wieder wie eine Reality-Dokumentation inszeniert, vor allem Stromberg kommentiert mit seinem Schnapp-Lachen eifrig in die Kamera hinein. Das funktioniert als Stimmungskanone beim zähen Betriebsfest, aber nicht als Spielfilm im Kino. Die Bissigkeit des Serienfolgen erreicht das große Format fast nie, nur mal wenn im Hintergrund die Titelmelodie zu „Jenseits von Afrika" läuft und jemand ins Besprechungszimmer souffliert, wie vieler Toter des Betriebsjahres noch gedacht wird. Selbstverständlich ist das Vorstandsfest mit Prostituierten aus dem wahren Geschäftsleben bekannt als „Sex-Skandal" der Ergo-Versicherung. Und auch deswegen nicht besonders provokativ. So bleibt am Schluss nur die Wende Strombergs bemerkenswert und die Entdeckung eines romantischen Herzens. Oder eines Herzes überhaupt. Doch gerade mit der einzig originellen Idee des Films schießt „Stromberg" sich versicherungstechnisch nicht erstattungsfähig selbst ins Knie: Wer will einen verliebtes Ekel als Gewerkschafts-Ikone sehen?

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden

USA/Deutschland, 2014 (The Monuments Men) Regie: George Clooney mit George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin, Cate Blanchett, Bob Balaban, Hugh Bonneville 118 Min.

„Ist ein Kunstwerk ein Menschenleben wert?" So lautet die Kernfrage von „Monuments Men". Regisseur und Produzent George Clooney trägt diese Frage in seinem fünften Film in seiner (Haupt-) Rolle als Lieutenant Frank Stokes dem US-Präsidenten Roosevelt vor und malt den drohenden Verlust europäischer Kunstschätze im vermeintlich schon gewonnenen Krieg gegen Deutschland aus. „Wer kümmert sich darum, dass die Mona Lisa noch lächelt?" Zum Erhalt unseres kulturellen Erbes sammelt der biedere Indiana Jones darauf er ein paar Künstler und Kunsthistoriker-Kumpels ein, die im Schnelldurchlauf zu Soldaten gemacht werden. Diese eher komische, weil für Krieg ungeeignete Truppe landet mit der Nachhut in der Normandie, um von dort der Front folgend den gigantischen Kunstraub unter Reichsmarschall Göring aufzudecken. Vor allen das Genter Altarbild und die Brügger Madonna von Michelangelo liegen der Gang besonders am Herzen. James Granger (Matt Damon) gewinnt im bereits befreiten Paris trotz schlechtem Französisch das Vertrauen der Einheimischen Claure Simone (Cate Blanchett), die sowohl mit den deutschen Kunsträubern als auch mit dem Widerstand zusammengearbeitet hat. Der Architekt Richard Campbell (Bill Murray) und der Bildhauer Walter Garfield (John Goodman) geraten mit ihren Kameraden Jean Claude Clermont (Jean Dujardin) und Preston Savitz (Bob Balaban) doch noch in den Ardennen, in Aachen und Siegen zwischen die Fronten. Letztlich werden zehntausende, in Bergwerken versteckte Kunstwerke vor der Vernichtung bewahrt. Allerdings fordert dieser so ähnlich tatsächlich stattgefundene Einsatz auch Menschenleben.

Von Anfang an versucht George Clooney, seinem oft komödiantischen Kriegs-Abenteuer „Monuments Men" die Unbeschwertheit von Hollywoodfilmen der Fünfziger zu geben. So wie seine Truppe Kunstwerke rettet, versucht er selbst wieder, alte Film-Stile auszugraben. Das misslingt diesmal jedoch, weil es der Film nicht konsequent durchhält. Ebenso bekommt die starke Schauspielertruppe um Clooney teilweise recht wenig Substanz für ihre Figuren. Nur von Murrays Architekten erfahren wir in einem sentimentalen Moment etwas Persönliches. Und der mit dem Drama des Alkoholismus ausgestattete Brite Donald (Hugh Bonneville), der sich für die Brügger Madonna opfert, ist ausgerechnet als Toter eine besonders intensive Figur.

Letztlich wird die Attraktivität der Besetzung und die Einzigartigkeit der wahren Geschichte genügend Interesse wecken. Zudem bleibt das Thema Kunstraub nicht allein durch den Münchener Fund aktuell. Hier wird das Ausmaß des organisierten Nazi-Raubzuges nur angedeutet, wenn in einer rührenden Szene Matt Damon ein gerettetes Bild in einer verlassenen und zerstörten jüdischen Wohnung wieder aufhängt, oder wenn unter Tonnen von Goldbarren auch ein Fass mit Zahngold entdeckt wird. Allerdings hat der Regisseur, der mit „Confessions of a Dangerous Mind" (2002), „Good Night, and Good Luck" (2008) und „The Ides of March (Tage des Verrats)" (2011) drei exzellente Filme hingelegt hat, hier die zugegeben hohen Erwartungen enttäuscht.

Kartenverlosung für NYMPH( )MANIAC Preview

Am Tag vor dem Kinostart des ersten Teils von NYMPH( )MANIAC am 20. Februar wird es als besonderes Ereignis in Aachen am Mittwoch 19. Februar 2014 um 19:30 Uhr im Apollo Filmtheater eine exklusive Publikums-Preview mit beiden Teilen des Films geben.

Filmtabs verlost 3x2 Karten für das sexy Double-Feature.

Bitte email an leserbrief@jekubzik.de

11.2.14

Das finstere Tal

Österreich, BRD 2013 Regie: Andreas Prochaska mit Sam Riley, Paula Beer, Tobias Moretti, Clemens Schick, Hans-Michael Rehberg 115 Min, FSK: ab 12

„Das finstere Tal" ist ein düsterer und starker Alpen-Western, über den man sich hellauf begeistern kann: Ein einsamer Reiter kommt Ende des 19. Jahrhunderts nach langem Ritt in ein sehr abgelegenes Bergdorf voller finsterer Gestalten. Die Wortführer wollen ihn sofort wieder wegschicken, doch unter dem Vorwand, er wolle die Berge mit diesem modernen Apparat auf Bilder bannen, und mit Nachdruck vieler Geldstücke darf Greider (Sam Riley) bleiben. Auch den Winter über, wenn keiner das eingeschneite Tal verlassen kann. Schnell wird klar, dass hier der Brenner-Bauer (Michael Rehberg) mit seinen sechs Söhnen alle anderen terrorisiert. Besonders die junge, verliebte Tochter von Greiders Gastwirtin bebt vor Angst, angesichts dessen, was nach ihrer erzwungenen Hochzeit passieren wird. Doch Greider hat nicht nur Fotoapparat sondern auch ein modernes Repetier-Gewehr dabei und rächt sich an den Brennern und ihren Mitläufern...

Mit großartiger Landschaft, einer exzellenten Inszenierung und drei außergewöhnlichen Darstellern in den Hauptrollen beeindruckt dieser Austria-Western sehr. Ein Rachefilm mit Pferde und Gewehren im Tiefschnee ist etwas besonderes, auch wenn das Racheschema nicht ganz neu erscheint. Die wohl in der gleichnamigen Vorlage von Thomas Willmann ausführlich geschilderten Vergewaltigungen lässt der Film weg. Das Grauen und die Angst angesichts des barbarischen Rituals der „ersten Nacht" sind trotzdem spürbar. Sam Riley wirkt unter seiner Hutkrempe manchmal wie der junge DiCaprio, bevor er dann mit klirrenden Sporen dem nächsten Brenner auflauert. Tobias Moretti, der einzige der Terror-Familie ohne debilem Blick, macht schon allein wegen der stahlblau leuchtenden Augen viel her und Paula Beer als verliebte junge Luzi und Erzählerin ist eine Entdeckung. Merke: Reiten und Schießen können sie nicht nur in Hollywood und Jugoslawien.

Madame empfiehlt sich

Frankreich 2013 (Elle s'en va) Regie: Emmanuelle Bercot mit Catherine Deneuve, Nemo Schiffman, Gérard Garouste, Camille 113 Min. FSK: ab 6

Madame kümmert sich um ein Restaurant in der Bretagne und um die quengelnde Mutter im gleichen Haus. Um den Liebhaber braucht sie sich nicht mehr zu kümmern, der gab ihr den Laufpass. Mit Rufus Wainwrights „I don't know what it is" als musikalischem Rückenwind fährt Bettie, wie Madame eigentlich heißt, in einer großartigen Szene einfach weg. Vordergründig immer auf der Suche nach Zigaretten. In einer sehr rustikalen Kneipe mit ruppigen aber herzlichen Typen findet sie Kippen und einen Kerl. Im Bett von ihm wacht sie dann auch am nächsten Morgen auf. Er ist allerdings nicht nur viel zu jung, sondern auch auf lustige und besorgniserregende Weise in sie verschossen. Wie oft in diesem frischen, unkonventionellen Film gibt es dann eine überraschende Wende: Ein Anruf der alleinerziehenden Tochter setzt Madame den Enkel ins Auto, damit der bei Großvater väterlicherseits abgegeben wird. Nun nervt der Kleine und Oma zickt im großen Stil zurück. Immerhin schaffen sie es zu einem Wiedersehen mit den anderen Schönheitsköniginnen des Jahres 1969 und ins Dorf des Opas, wo noch andere Überraschungen auf sie warten...

Madame in „Madame empfiehlt sich" ist vor allem Catherine Deneuve, für die diese Rolle geschrieben wurde. Sie gibt sowohl die genervte, abgeschobene 60-Jährige wie auch die ehemalige Schönheitskönigin und die frisch Verliebte mit eindrucksvoller Verve. Spaß macht „Madame" aber auch wegen der jungen Kamera und den vielen starken Szenen. Wie die Selbstgedrehte eines sehr alten Mannes in irgendeinem Dorf dank seiner sehr dicken Finger zur Geduldsprobe wird, ist so ein filmisches Zuckerstückchen. Erst wenn der Road Trip der Seniorin im fast idyllischen Schoß einer großen Patchwork-Familie ankommt, biegt er etwas in Richtung vorhersehbarer Familienfilm ab.

10.2.14

American Hustle

USA 2013 Regie: David O. Russell mit Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jeremy Renner, Jennifer Lawrence 138 Min. FSK: ab 6

Irving Rosenfeld (Christian Bale) und Sydney Prosser (Amy Adams) sind ein klassisches Betrügerpärchen, die Kreditsuchenden ein paar Tausender abknöpfen. Bis die Betrüger selbst vom FBI reingelegt werden. Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper) will mit ihner Hilfe ein paar größere Fische der Korruption zu überführen. Zuerst den angesehenen Bürgermeister Carmine Polito (das ist „sauber" auf italienisch!) überführen. Der engagierte Bürgermeister (Jeremy Renner mit Elvis-Locke) von Camden in New Jersey will mit nicht ganz legalen Investitionen die Spielerstadt Atlantic City aufmöbeln. Gierig greift der FBI-Mann DiMaso mit seinem Plan nicht nur Politiker an, sondern auch noch die ehrenwerte Familie, die seit jeher das Glücksspielgeschäft kontrolliert. Derweil wird aus der doppelten eine dreifache Eifersucht, weil nicht nur Edith die beiden Männer im Komplott ausspielt und an sehr kurzer erotischer Leine hält. Es gibt da noch Rosalyn (Jennifer Lawrence), die Ehefrau Irvings, die aufgrund ihrer Beschränktheit die Mafia sehr nervös macht. Hier treffen sich endgültig die Stile von Scorsese und den Coens zu einer grandiosen und gut gezeichneten Drama-Komödie.

In „American Hustle" liegen sich die Leute weniger in den Haaren, als dass sie mit ihren Haaren lügen: Schon die erste Szene zeigt, wie Irving seine seitlichen Strähnen mühsam über die Halbglatze legt und ein Haarteil anklebt. Richie, der sich sehr schön oft albern zeigt, läuft zuhause mit kleinen Lockenwicklern rum und auch Edith antwortet bei einem Telefongespräch mitten im Frisuraufbau. Nur Robert DeNiro als Oberboss der Florida-Mafia trägt seine Glatze mit Stolz. DeNiro und Mafia - das ist wirklich echt. Zum Spaß über eitle Männer und ihre Haare gesellt sich die Geschmacksnerven herausfordernde Mode der Disco-Periode. Der Film spielt schließlich Ende der 70er-Jahre.

Nach eigenem Drehbuch schickt Russell seine „Silver Linings"-Stars Bradley Cooper und Jennifer Lawrence samt Kollegen durch einen Strudel absurd-verrückter Einfälle und Explosionen. Ihm gelingen reihenweise ganz große Szenen, wenn zum Beispiel Irving und Polito im italienischen Restaurant Tom Jones' „Delilah" schmettern oder wenn das einzige Geständnis von Sydney zum großen Auftritt und zur Abrechnung wird. Diese Sydney Prosser von Amy Adams ist besonders faszinierend, wenn sie bedroht und verletzt ist. So wird sie zur Verführerin zwischen zwei Tricksern und nicht nur Irving fragt sich, welche Gefühle echt sind.

Dass nur Fälschungen alter und teuerer Meisterwerke an den Wänden hängen, ist sicher. Die ganze Echtheits-Expertise wird auf die Spitze getrieben, als Irvings vorgeblich reicher Scheich, der eigentlich in Queens Häuser isoliert, vom FBI durch einen noch falscheren falschen Scheich ersetzt wird. Doch diese Figuren, obwohl manchmal albern und herrlich lächerlich, sind in ihren emotionalen Motiven spürbar (und) echt. Darin ist „American Hustle" einmalig und deswegen so großartig.

Zu den vier Oscar-Nominierungen muss man unbedingt die Extra-Rolle der genial eingesetzten Songs würdigen: Schon die Musik allein ist von Duke Ellington zum Kennenlernen bis Bowies „Jean Genie" ein Genuss. Der falsche Scheich bekommt eine arabische Version von Jefferson Airplanes „White rabbit" (durch Mayssa Karaa) aufs Ohr. Und wenn dann Rosalyn nach ihrem Verrat mit Gummihandschuhen zu „Live and let die" (Wings) die Wohnung putzt, während Irving eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt bekommt, weiß man, dies wird ein Klassiker.

Und morgen mittag bin ich tot

Und morgen mittag bin ich tot

BRD 2013 Regie: Frederik Steiner mit Liv Lisa Fries, Lena Stolze, Sophie Rogall, Bibiana Beglau 102 Min. FSK: ab 12

Jede Stufe stellt für Lea (Liv Lisa Fries) ein riesiges Hindernis dar, eine Treppe ist nur mit Sauerstoffflasche zu überwinden. Die 22-jährige Frau leidet an Mukoviszidose im Endstadion. Leidet so sehr, dass sie fröhlich zum Lebensende in die Schweiz fährt. An ihrem Geburtstag möchte sie sterben, um die Qual zu beenden. „Warum wollen sie sterben?", fragt eine Betreuerin der Sterbehilfe-Organisation (Bibiana Beglau). „Weil ich sowieso sterben werde und ich mich ein Leben lang mit dieser Scheißkrankheit rumgequält habe", lautet die klare Antwort. „Langsam zu ersticken, finde ich ehrlich gesagt ziemlich zum Kotzen", macht sie noch deutlicher. Mit der wenigen Luft, die ihr noch bleibt, ist Lea sehr beredt und äußerst schlagfertig. Für eine Lungentransplantation als Alternative ist es mittlerweile zu spät. Lea war nach eigener Aussage zu beschäftigt damit, zu leben. Aber vielleicht war auch die Tatsache, dass ihr älterer Bruder kurz nach dieser Operation starb, zu erschreckend.

Lea ist eine sehr hübsche, meist lächelnde Frau, die davon träumt, in ihrer Parallelwelt ganz frei davon zu düsen. Doch nach zehn Minuten wird der Erst der Lage drastisch klar. Nicht so sehr ihre Hustenanfälle oder das Übergeben dabei, sondern die Entscheidung Leas schnürt einem beim Zusehen die Luft ab.

Nun brechen die Frauen der Familie auf zur finalen Geburtstagsparty in Zürich. „Und morgen Mittag bin ich tot" ist auch eine Frauen-Familiengeschichte mit Mutter Hannah (Lena Stolze) und Oma Maria (Kerstin de Ahna), die sich gar nicht grün sind, und mit der älteren Schwester Rita. Es entsteht ein Kaleidoskop der Reaktionen auf den selbst bestimmten Tod, bei der ruppigen, aber solidarischen Schwester, bei der Mutter, die den sicheren Tod verdrängen will und auch sonst gerne wegläuft. Und auch bei der gütigen Oma, die cooler tut, als sie wirklich ist. Dass es fast nur Frauen sind, erklärt sich im Film selbst: Leas Vater machte sich früh davon, als er von ihrer Erkrankung erfuhr.

Die vielen, konzentrierten Gespräche kümmern sich wenig um die, mit herbstlichen Farben konsequent unterstützende Zürich-Kulisse. Ganz gegen alle Erwartungen ist „Und morgen Mittag bin ich tot" kein Trauerspiel. Mal nennt die eigene Schwester Lea „der Muco". „Die kleine Hustinette" ruft der hilfsbereite und neugierige Nachbar in diesem Hotel Terminus, der gegen seine unerträglichen Stimmen im Kopf keinen Termin für Sterbehilfe bekommen hat. Schon dieser zusätzliche „Fall" macht deutlich, dass es dem Film bei sehr, sehr berührenden Momenten und viel unverschämten Humor vor allem ernst ist mit dem Leben und dem selbst gewählten Tod.

Die sehr sympathische Hauptdarstellerin - und freudige Entdeckung des Films - Liv Lisa Fries legt ein Tortour de force hin. Ihre Lea, für die sie den „Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin" erhielt, muss, auch wenn sie fast wie das blühende Leben aussieht, durchgehend nach Luft schnappen. Lena Stolze gibt die besorgte Mutter, Sophie Rogall beeindruckt als raue Schwester Rita.

Ähnlich wie Dietrich Brüggemanns „Renn wenn du kannst" nähert sich das beeindruckende Kinodebüt von Regisseur Frederik Steiner mit Humor und Leichtigkeit einem schweren Thema an. Er ist dabei bewegend wie „Broken Circle" und auch hier hat die Montage - neben der durchgehend großartig aufspielenden Besetzung – einen wichtigen Anteil am Gelingen des Films. Intensiv und still eindringlich ist die Wirkung dieses Beitrags zu einem schwierigen Thema. Das Für und Wider wird nicht groß diskutiert, sondern mit Konzentration auf eine sehr subjektive Perspektive fühlbar gemacht. Was wichtig und heikel zugleich ist.

5.2.14

Berlinale 2014 American Hustle

USA 2013 Regie: David O. Russell mit Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jeremy Renner, Jennifer Lawrence, Michael Peña, Alessandro Nivola, Robert De Niro

Zum Auftakt der 64. Berlinale (6. - 16. Februar 2014) - und als Werbung für den Kinostart schon nächste Woche - bietet der große Oscar-Favorit „American Hustle" ein echtes Kinofest. Wobei das Wort „echt" nach diesem Film sehr viel bedachtsamer verwendet wird. „Echt" ist das große Schlüsselwort in dieser raffinierten und multiplen Betrugs- und Verführungsgeschichte. Jeder will in ihr jemand anders sein. Als Prolog für eine Verstellungs-Orgie gibt es die große Verkleidungsszene in der Reste-Kammer einer Reinigung beim Kennenlernen von Irving Rosenfeld (Christian Bale) und Sydney Prosser (Amy Adams). Er erbte eine Glaserei und lernte früh, dass es Ehrlichkeit nicht weit bringt. Nun ist sein Trick, Kredite zu versprechen. Was schon reicht, damit ihm die Leute Geld rüberreichen. Die Gier nach noch mehr Geld macht sehr blind. Sydney, die sich Edith nennt, war Stripperin, sieht Irvings Plautze und das Toupet, mag aber direkt seine Authentizität. Zusammen begeistern und erotisieren sich die Auf- und Aussteiger aus armen Verhältnissen mit einem Mix aus Abenteuer und der Sicherheit, die ihnen das ergaunerte Geld gibt. Bis die Betrüger selbst vom FBI reingelegt werden. Der wegen dieses Fangs sehr stolze Richie DiMaso (Bradley Cooper) will jedoch bei den beiden in die Lehre gehen, sich von ihnen helfen lassen, ein paar größere Fische der Korruption zu überführen.

Richie will zuerst den angesehenen Bürgermeister Carmine Polito (das ist „sauber" auf italienisch!) überführen. Der engagierte Bürgermeister (Jeremy Renner mit Elvis-Locke) von Camden in New Jersey, will wirklich Gutes für seine Bürger und deshalb mit nicht ganz legalen Investitionen die Spielerstadt Atlantic City aufmöbeln. Gierig greift der FBI-Mann DiMaso mit seinem Plan nicht nur Politiker an, sondern auch noch die ehrenwerte Familie, die seit jeher das Glücksspielgeschäft kontrolliert. Derweil wird aus der doppelten eine dreifache Eifersucht, weil nicht nur Edith die beiden Männer im Komplott ausspielt und an sehr kurzer erotischer Leine hält. Es gibt da noch Rosalyn (Jennifer Lawrence), die Ehefrau Irvings, die aufgrund ihrer Beschränktheit die Mafia sehr nervös macht. Hier treffen sich endgültig die Stile von Scorsese und den Coens zu einer grandiosen und gut gezeichneten Drama-Komödie.

In „American Hustle" liegen sich die Leute weniger in den Haaren, als dass sie mit ihren Haaren lügen: Schon die erste Szene zeigt, wie Irving seine seitlichen Strähnen mühsam über die Halbglatze legt und ein Haarteil anklebt. Richie, der sich sehr schön oft albern zeigt, läuft zuhause mit kleinen Lockenwicklern rum und auch Edith antwortet bei einem Telefongespräch mitten im Frisuraufbau. Nur Robert DeNiro als Oberboss der Florida-Mafia trägt seine Glatze mit Stolz. DeNiro und Mafia - das ist wirklich echt. Zum Spaß über eitle Männer und ihre Haare gesellt sich die Geschmacksnerven herausfordernde Mode der Disco-Periode. Der Film spielt schließlich Ende der 70er-Jahre.

Nach eigenem Drehbuch schickt Russell seine „Silver Linings"-Stars Bradley Cooper und Jennifer Lawrence samt Kollegen durch einen Strudel absurd-verrückter Einfälle und Explosionen. Ihm gelingen reihenweise ganz große Szenen, wenn zum Beispiel Irving und Polito im italienischen Restaurant Tom Jones' „Delilah" schmettern oder wenn das einzige Geständnis von Sydney zum großen Auftritt und zur Abrechnung wird. Diese Sydney Prosser von Amy Adams ist besonders faszinierend, wenn sie bedroht und verletzt ist. So wird sie zur Verführerin zwischen zwei Tricksern und nicht nur Irving fragt sich, welche Gefühle echt sind.

Dass nur Fälschungen alter und teuerer Meisterwerke an den Wänden hängen, ist sicher. Die ganze Echtheits-Expertise wird auf die Spitze getrieben, als Irvings vorgeblich reicher Scheich, der eigentlich in Queens Häuser isoliert, vom FBI durch einen noch falscheren falschen Scheich ersetzt wird. Doch diese Figuren, obwohl manchmal albern und herrlich lächerlich, sind in ihren emotionalen Motiven spürbar (und) echt. Darin ist „American Hustle" einmalig und deswegen so großartig.

Zu den vier Oscar-Nominierungen muss man unbedingt die Extra-Rolle der genial eingesetzten Songs würdigen: Schon die Musik allein ist von Duke Ellington zum Kennenlernen bis Bowies „Jean Genie" ein Genuss. Der falsche Scheich bekommt eine arabische Version von Jefferson Airplanes „White rabbit" (durch Mayssa Karaa) aufs Ohr. Und wenn dann Rosalyn nach ihrem Verrat mit Gummihandschuhen zu „Live and let die" (Wings) die Wohnung putzt, während Irving eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt bekommt, weiß man, dies wird ein Klassiker.

4.2.14

Jappeloup - Eine Legende

Frankreich, Kanada 2013 (Jappeloup) Regie: Christian Duguay mit Guillaume Canet, Marina Hands, Daniel Auteuil 136 Min. FSK: ab 6

Hoppe, hoppe Reiter, und wenn er fällt ... dann probiert er es noch einmal. Das ist, etwas kurz gehalten, das Motto dieser holperigen Siegergeschichte. Jappeloup hat eine ungewöhnliche Eigenschaft für ein Siegerpferd auf dem Springreiter-Parcours: Das Thema springt mit den Hufen voran geradezu ins malerische Bild, um kurz vor dem Hindernis zu stoppen und seinen Reiter abzuwerfen. Jappeloup war in den Achtzigern ein Pferd, das um olympisches Gold konkurrierte. Es aber in diese Stadien zu bringen erforderte viel Geduld. Vor allem sein Reiter Pierre Durand (Autor und Hauptdarsteller Guillaume Canet) glaubte nicht an ihn. Doch auch mit Hilfe der einfühlsameren Pflegerin wendet sich das Blatt.

Wie langweilig eine reine Pferdegeschichte sein kann, bewies ausgerechnet Steven Spielberg, der aus einer Hai-Prothese einen Welthit schuf. Doch die Pferde-Narren Regisseur Christian Duguay („Coco Chanel, 2008) und Autor Guillaume Canet sind klug genug, reichlich menschelnde Geschichten rund um den Parcours aufzubauen. Da sind vor allem der zweibeinige Held Pierre und sein schwieriges Erbe in einer Reitstall-Familie. Dazu ist „Jappeloup" für noch so eine Tiere-und-Sport-Geschichte mit extraordinären Schauspielern wie Daniel Auteuil, Donald Sutherland oder Tchéky Karyo hochgradig besetzt. Das macht die wahre Geschichte, die Reit-Fans wohl kennen werden, für genau diese interessant und ansehnlich, für fachfremde Zuschauer höchstens in den aufwändigen Turnierszenen ganz nett.

Meine Schwestern

Meine Schwestern

BRD 2013 Regie: Lars Kraume mit Jördis Triebel, Nina Kunzendorf, Lisa Hagmeister 88 Min.

Es ist ein ungewöhnlicher Blick zurück vom Leichenkeller eines Krankenhauses: Linda (Jördis Triebel) wurde mit einem schweren Herzfehler geboren, die Ärzte gaben ihr nur ein paar Jahr. Im Alter von 30 stirbt sie bei einer Herz-Operation und erinnert sich an das letztes Wochenende, das sie mit ihren beiden Schwestern verbrachte. Ganz spontan bricht die herzkranke Linda auf, um die Schwestern einzusammeln und für ein Wochenende an die Küste, an den Ferienort der Kindheit zu fahren. In Tating an der Nordsee gibt es ein paar Erinnerungen, Wiedersehen auf einer Party, aber vor allem die Auseinandersetzungen der drei unterschiedlichen Frauen. Schnell wird klar, dass Katharina (Nina Kunzendorf) als Älteste die Nase voll davon hat, immer Verantwortung und Kontrolle zu übernehmen. Auch die Haltlosigkeit von Clara (Lisa Hagmeister), die meint, nicht richtig dazuzugehören, ist offensichtlich. Dabei kümmern sich beide ebenso viel um Linda, die dauernd zusammenbricht, wie umgekehrt Linda viele Animositäten der anderen ausgleicht.

Zusammen mit der kleinen Clara und der äußerlich harten Katharina brechen sie dann noch einmal spontan nach Paris auf, besuchen eine Tante, irren durch nächtliche Straßen. Auch hier lässt die Kamera touristische Motive meist links liegen. Selbst wenn kein dramatischer Moment zu vermelden ist, hält das Zusammenspiel der Schwestern und ihrer Schauspielerinnen die Aufmerksamkeit ganz eng bei sich. Regisseur und Autor Lars Kraume, der neben einigen Tatorten, mit „Die kommenden Tage", „This Is Love" oder „Guten Morgen, Herr Grothe" gleich eine ganze Reihe sehr bemerkenswerter Film realisierte, hat den intensiven Film zusammen mit seinen Darstellerinnen entwickelt und dann auch – ganz entgegen den üblichen Verfahren – chronologisch gedreht. Das führt zu einem ungemein intensiven Erlebnis, obwohl, oder gerade weil „Meine Schwestern" sehr einfühlsam, still und vorsichtig beobachtet, begleitet von einem sehr dezenten Musikeinsatz.

Jördis Triebel erinnert in der zurückhaltend angelegten Hauptrolle an ihren tollen Auftritt bei „Emmas Glück". Es gibt nebenbei ein Auftritt von Angela Winkler als Tante in Paris und eine zufällige Begegnung mit Béatrice Dalle, deren Zahnlücke gewachsen scheint. Und in all den vielen Nebenbeis, die in lauten Filmen weggelassen werden, findet sich Leben und Miteinander hier in einer besonders ansprechenden Form.

Dallas Buyers Club

USA 2013 Regie: Jean-Marc Vallée mit Matthew McConaughey, Jennifer Garner, Jared Leto, Michael O'Neill 117 Min. FSK: ab 12

Mit dem Bewusstsein über AIDS verschwand die Krankheit in den letzten Jahren auch aus der filmischen Aufmerksamkeit. 20 Jahre nach Jonathan Demmes „Philadelphia" taucht der „Dallas Buyers Club" mit großer Besetzung gleich als verdienter Oscar-Kandidat auf. Der von Matthew McConaughey eindrucksvoll verkörperte Ron Woodroof ist allerdings in dessen wahrer Geschichte ein veritabler Anti-Körper zu Tom Hanks.

Ein Spieler und Zocker, der beim Rodeo auf den falschen Reiter setzt und den wütenden Mitspielern nur entkommt, weil er einem befreundeten Polizisten eine runterhaut. Ein ausgezehrter Säufer, ein Raucher und ausgesucht homophober Sexist. Als der einfach gestrickte Elektriker Ron Woodroof (Matthew McConaughey) 1985 die Diagnose HIV-positiv erhält, will er den Arzt erst einmal verprügeln – er sei erwiesenermaßen auf keinen Fall schwul! Doch das Urteil, er habe nur noch dreißig Tage zu leben, bringt den Raudi zum Nachdenken.

Die Öffentlichkeit erfuhr 1985 vom AIDS-Schicksal des Filmstars Rock Hudson und wusste ansonsten nichts von dieser Krankheit. Die Medizin wusste nicht viel mehr. So erscheint im Krankenhaus von Dallas das einzige Mittel der Kliniktest eines unausgereiften, wegen seiner Gefahren früher schon mal verbotenen Medikaments. Neben den unbekannten Risiken bekommt auch nur die Hälfte der Patienten die neue Droge, der Rest erhält Placebos, erklärt Dr. Eve Saks (Jennifer Garner) Woodroof. Das passt dem aufbrausenden Kerl überhaupt nicht. In Eigen-Medikation schluckt er aus dem Krankenhaus-Müll geklauten Pillen, die er mit Koks und Schnaps verdünnt. Er liest sich in Bibliotheken ein und entdeckt - auch mit Hilfe von Außenseitern im Pharma-System - neue Quellen.

Die dreißig Tage sind mittlerweile abgelaufen und Woodroof lebt immer noch. Der Countdown kippt zu einer erstaunlichen Überlebensgeschichte, die gleichzeitig ergreifendes Porträt und Anklage von Pharma- und Gesundheitswesen ist. Denn das Musterexemplar von Texas-White Trash, der Hallodri wandelt sich zum gerissenen Schlitzohr, wenn er beispielsweise als vermeintlicher Priester den US-Grenzbeamten überzeugt, dass er einen ganzen Kofferraum voller Pillen für seinen eigenen Bedarf der nächsten drei Monate braucht. Woodroof schmuggelt effektive, aber von der Gesundheitsbehörde nicht zugelassene Pillen aus Mexiko, fliegt sogar zu einem Hersteller nach Japan. Letztlich verschenkt er die Medikamente an ebenfalls infizierte Leidensgenossen – die sich in seinem privaten Sanatorium als zahlendes Clubmitglied anmelden. Und das im andauernden Kampf mit den US-Behörden, die den Rebell im Gesundheitssystem klein kriegen wollen.

Ebenso erstaunlich wie die äußere Wandlung Woodroof in einen eleganten Geschäftsmann ist die Reifung des ehemaligen Schwulen-Hassers. Einmal infiziert erlebt Ron Ausgrenzung, Angriffe und Angst von Freunden, Bekannten wie Nachbarn im texanischen Wohnwagen-Camp. Er braucht allerdings noch ein paar deftige Denkanstöße, bis er den Transvestiten Rayon (Jared Leto) akzeptieren kann, der schließlich zu einem sehr guten Freund wird.

Matthew McConaughey („The Wolf of Wall Street", „Magic Mike", „Der Mandant") legt gerade mit viel Mut zu brüchigen Charakteren eine eindrucksvolle Leistung nach der nächsten hin. Für die tolle Rolle des geläuterten Ron Woodroof nahm er 20 Kilogramm ab, aber auch ohne dies wäre er ein ganz heißer Oscar-Kandidat. Während die Hollywood-Inszenierung des großartigen Regisseur Jean-Marc Vallée nach seinen Meisterwerken „Café de Flore" und „C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben" sich mit vielen starken Momenten (Kamera: Yves Bélanger) auf seine Hauptfigur konzentriert, bröckelt die Figurenzeichnung (Buch: Craig Borten, Melisa Wallack) zum Rand hin ab und auch thematisch wäre eine Erweiterung der autobiografischen Sicht wünschenswert. Doch „Dallas Buyers Club" bleibt nicht allein wegen Matthew McConaughey ein sehenswertes, eindringliches Drama.

Free Birds

USA 2013 Regie: Jimmy Hayward 91 Min. FSK: ab 6

Wenn man einen Truthahn in rauchende und blitzende Zeitmaschinen a la „Zurück in die Zukunft" steckt, müsste eigentlich ein deftiger Braten rauskommen. In der ungelenken Animation „Free Birds" nach einem Drehbuch der Kevin Smith Mitarbeiter Jimmy Hayward und Scott Mosier erfährt man hingegen, wie ein besonders cleverer Truthahn zurück in die Zeit reist, um das Massenschlachten an seiner Art zu Thanksgiving zu verhindern. Ein paar weitere nette Ideen reichen leider nicht aus, um bei den Trickfilm-Schwergewichten im Hahnen-Kampf mitzumachen.

Reggie ist ein mit Intelligenz begnadeter Truthahn – im Gegensatz zu den lächerlich dummen Kollegen auf der Farm. So bleibt der freundlicherweise mit blauem Kopf unterscheidbare Außenseiter ein Einzelgänger, bis er tatsächlich begnadigt wird. Die Tochter des US-Präsidenten wählt ihn für das alljährliche Ritual der Tier-Amnestie aus und aus Reggie wird ein fliegender Truthahn, der mit dem mit Hubschrauber zur Sommer-Rezidenz Camp David düst. Dort erwartet ihn ein gemütlicher Lebensabend. Er sieht fern, bestellt selbst Pizza und dann mit der vom Präsidenten gemopsten Fernbedienung – mit Laserstrahl! - noch mehr Pizza. Bis Jake auftaucht, ein simpler, muskelbepackter Truthahn mit einer Mission. Das Mitglied der Truthahn-Befreiungs-Armee soll Reggie im Auftrag des Großen Truthahns zu einer geheimen Zeitmaschine und dann ins Jahr 1621 bringen. Drei Tage bevor Thanksgiving erstmals mit Truthahn-Braten gefeiert wurde.

Wenn ein dämlicher Geheimagent mit Erinnerungsproblemen in einer Scheune nach Zeitmaschinen sucht und Reggie das skeptisch kommentiert, blitzen sofort Bilder aus „Ich einfach unverbesserlich" auf. Doch „Free Birds" spielt auch eine Legeklasse tiefer als Nick Park und Peter Lord mit ihrem Stop-Motion-Animationsfilm „Chicken Run" im gleichen Genre des Gefängnis-Geflügels. Die kantige Animation nicht nur bei der Hauptfigur stört zunehmend. Die Einfallslosigkeit in der Charakterzeichnung drückt sich darin aus, dass Reggie vor allem einen blauen Kopf hat, Jake hauptsächlich groß ist und auch im Weiteren eher die groben Formen variieren, als dass Feinzeichnung praktiziert wurde.

Vom Zeitreisen-Ei Steve in den November 1621 transportiert, treffen Reggie und Jake auf einen wilden Truthahn-Stamm, eine intelligente und pazifistische Mischung aus Indianer und den Na'vi von Camerons „Avatar". Wenn die raffinierten Truthahn-Tricks auf der Flucht vor den Siedlern einer Angriffstaktik weichen („Die Freiheit der Keule am Hindukusch verteidigen") kann nur noch eines den Frieden zwischen Farmern, Indianern und der Kreatur retten: Pizza für alle. Diese gleichzeitig (teil-) vegetarische Lösung malt man sich jedoch nur als beabsichtige Aussage aus, weil der Film selbst zu wenig ausmalt.

So punktet etwa am Rande die kleine Präsidenten-Tochter viel mehr, wenn sie über die ganze Entourage Papas die Wahrheit verrät. Und auch der wahnsinnige Verteidigungsminister der USA hat mehr Mimik als eine ganze Geflügelzucht. Jimmy Hayward und Scott Mosier, Drehbuchautoren aus dem Umfeld von Kevin Smith, schreibt man gerne die Idee einer TV-Fernbedienung zu, die auf Knopfdruck Pizza bestellt. Ansonsten inszenierte Regisseur Hayward mehr Ideen als gelungene Ausführung. Auf die Originalstimmen von Owen Wilson und Woody Harrelson muss man ebenfalls verzichten in diesem halbgaren Trickfilm-Spaß.

29.1.14

Blick in den Abgrund

Österreich, BRD 2013 Regie: Barbara Eder 88 Min. FSK: ab 16

Profiler sind auf dem Bildschirm und der Leinwand extrem populär. Was hinter dieser professionellen Fassade wirklich steckt, versucht der Dokumentarfilm „Blick in den Abgrund" herauszufinden. Der Titel referiert dabei auf ein Nietzsche Zitat: „Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein."

Er beginnt friedlich mit zwei Finnen beim Angeln am Meer. Doch wenn Helinä Häkkänen-Nyholm einen Kollegen in Südafrika um Hilfe bittet, beginnt das Grausen langsam hochzukriechen: Der beantwortet am Telefon beim Mittagessen Fragen über rituelle Stichwunden rund um die Augen. Auch die detaillierte Beschreibung einer Vergewaltigung, die ein deutscher Profiler bei der Bahnfahrt in sein Diktiergerät spricht, macht klar, dass diese Menschen nicht unbedingt zu den glücklicheren gehören. Obwohl die amerikanischen FBI-Senioren die von Thomas Harris für seinen befragt worden und die dann ihre Charaktere im Film „Das Schweigen der Lämmer" wieder finden, Humor in die Studie einer Berufs-Deformation bringen. Die nach-inszenierten Szenen bestechen mit hochwertiger Kameraarbeit und klaren, gut aussehende Bildern, nehmen aber - eben weil sie inszeniert sind - den Personen viel spontanen Ausdruck und Authentizität.

28.1.14

Kill Your Darlings - Junge Wilde

USA 2013 (Kill Your Darlings) Regie: John Krokidas mit Daniel Radcliffe, Dane DeHaan, Michael C. Hall, Jack Huston, Ben Foster 103 Min. FSK: ab 16

Der Titel „Kill your darlings" ist ein schönes Bild, denn seine Lieblingsstellen aufzugeben, zu kürzen, ist meist notwendig für die Vollendung eines Werkes. Manchmal jedoch auch, einen echten Darling, einen Liebling zurückzulassen oder gar zu ermorden, um die eigene Karriere zu fördern. Wie diese frühe Geschichte aus dem Leben der Beatpoeten Jack Kerouac, William S. Burroughs und Allen Ginsberg bitter zeigt. Dabei geht es eher um amouröse Erkundungen der Jungmänner, denn um die Geburt eines neuen literarischen Stils. Mit Daniel „Potter" Radcliffe als Ginsberg ist der Film ausgerechnet im Zentrum eklatant fehlbesetzt.

Im Jahre 1943 nimmt der junge Allen Ginsberg (Daniel Radcliffe) ein Literaturstudium auf, um wie sein Vater Dichter zu werden. Oder genau nicht wie sein Vater, denn auch dieser junge Wilde will das Alte einreißen, um ein noch unbestimmtes Neues zu schaffen. In dem Kommilitonen Lucien Carr (Dane DeHaan) findet er in den verstaubten Hallen einen Geistesverwandten aber auch einen gefährlichen Verführer mit leuchtend blauen Augen und blondem Haar. Die Freunde Jack Kerouac (Jack Huston) und William Burroughs (Ben Foster mit sehr schön imitierter knorriger Stimme) machen mit bei den geistreichen Revolten, begleiten die ersten literarischen Gehversuche, angestachelt von Drogen-Experimenten und einer exzessiven Party-Gesellschaft, die versucht, den Weltkrieg in Europa und dem Pazifik zu verdrängen. Als weiterer Antrieb fungiert Lucien, der ein Verhältnis mit Kerouac, Ginsberg und dem als Hausmeister getarnten, liebestollen Professor David Kammerer (Michael C. Hall) hat, dazu umgibt ihn ein dunkles Geheimnis.

Lucien wird der „fünfte Beatle" sein, auf der Strecke bleiben, während drei andere Berühmtheit erlangen. Auf dieser schmutzigen Schuld wurzeln ihrer Karrieren, die großen Literatur-Figuren scheitern daran, einen Freund zu retten. Der Film von John Krokidas, der nicht wie „Howl" versucht, den Beat-Stil zu imitieren, scheitert mit harten Schnitten und Handkamera vor allem an Daniel Radcliffe, dem bis in kleinste Nebenrollen schwächsten Schauspieler. Er versucht sich zwar an großen Gesichtern, doch die wirken meist aufgesetzt und wenig nuanciert.

Le passe - Das Vergangene

Frankreich, Italien 2013 (Le passé) Regie: Asghar Farhadi mit Bérénice Bejo, Tahar Rahim, Ali Mosaffa, Pauline Burlet 130 Min. FSK: ab 12

Es sind noch ein paar alte Sachen von Ahmad (Ali Mosaffa) in der alten Pariser Wohnung, die er zusammen mit seiner Frau Marie (Bérénice Bejo) bewohnte, bevor er in den Iran zurückkehrte. Nun fliegt er aus Teheran ein, um die Ehe zu beenden. Er weiß allerdings nicht, dass dort gerade Samir (Tahar Rahim) einziehen und auch Marie heiraten will. Die Patchwork-Situation mit einer kleinen und einer älteren Tochter aus früheren Beziehungen von Marie wäre schon schwierig genug, denn die 17-jährige Tochter Lucie (eindrucksvoll: Pauline Burlet) will nicht mit wieder einem neuen Freund der Mutter unter einem Dach sein. Doch da ist auch Samirs kleiner Sohn, der ganz verstört ist und sich nur über Wutanfälle ausdrücken kann. Im Krankenhaus liegt zudem noch Samirs Frau seit einem Selbstmordversuch im Koma. Eigentlich will Ahmad gleich wieder gehen, doch als er die Situation erkennt, bleibt er um zu helfen.

Der iranische Oscar-, Berlinale-, Golden Globe- und Césarpreisträger Asghar Farhadi („Alles über Elly" 2009, „Nader und Simin - Eine Trennung" 2011) schafft es, in seinem sechsten und ersten außerhalb des Iran entstandenen Film. diese hochkomplexe Situation vom ersten Moment an atemberaubend spannend zu gestalten. Schon das erste (Nicht-) Sehen von Ahmad und Marie am Flughafen, die erste gestörte Kommunikation, wenn sie sich nur durch eine Scheibe berühren und nicht verstehen können, ist das perfekte Beispiel für Farhadis Meisterschaft auf mehreren Ebenen. Im gelang ein ungemein bewegendes Psychogramm moderner Familienkonstellationen, ein Psychothriller um Schuld und heftige Gefühle, eine vorsichtige Moral-Suche zwischen Orient und Westen.

Die Patchwork-Familie rund um seine Ex (Bejo) fordert den klugen und großherzigen Ahmad heraus. Wie er seine nervöse und fahrige Frau mitten im Umzugsstress beruhigt und auch mit dem wütenden Kind redet, macht ihn sehr sympathisch: Sanft, milde, verständnisvoll und trotz eigenem Schmerz klug. Doch als die Tochter ins Restaurant iranischer Freunde abhaut, wird das vergangene Verschwinden des Familienvaters fragwürdig. Wäre all dies schon fesselnd und vielschichtig genug, um tagelang über den Film zu reden – was auch in Cannes passierte – das Geheimnis um den Selbstmord von Samirs Frau gewinnt hitchcocksche Dimensionen! Dabei eröffnet sich, wie schon in „Nader und Simin - eine Trennung" gleich ein ganzer Kosmos moralischer Zwickmühlen. Ein hervorragendes Ensemble rundet „Le Passé" zum Meisterwerk ab. Bérénice Bejo, das betörende Lachen aus „The Artist", erhielt in Cannes den Preis als Beste Darstellerin, Asghar Farhadi den der ökumenischen Jury.

Anchorman - Die Legende kehrt zurück

USA 2013 (Anchorman 2: The legend continues) Regie: Adam McKay mit Will Ferrell, Steve Carell, Paul Rudd, David Koechner, Christina Applegate 119 Min. FSK: ab 12

Geht es noch blöder? „Anchorman" war eine schwer fassbare Ansammlung von Trotteln und genial idiotischen Einfällen. Jetzt geht die Geschichte mit den gleichen Gestalten weiter und unterhält noch einmal mit hochwertig produziertem Blödsinn, der alle Grenzen überschreitet. Will Ferrell als Anchorman Ron Burgundy und Steve Carell als hochneurotischer Wetterheini vergnügen sich und das Publikum.

Harrison Ford höchstpersönlich darf als Senderchef an seinem Sprecherpaar Ron Burgundy (Will Ferrell) und Veronica Corningstone (Christina Applegate) schnuppern, bevor er entscheidet: Sie wird seine Nachfolgerin, er fliegt raus. Was nur Ron überrascht, denn allein die lautstarke Vorbereitung auf die Livesendungen des minderbemittelten Prompter-Ablesers enthält mehr absurde Geräusche als ein ganzer Jerry Lewis-Film. Nach dem Rausschmiss aus Sender und der Ehe mit Veronica ist Ron bereit, den Weg der Samurai zu gehen - sich an einer Neonröhre aufzuhängen, für die er selbstverständlich zu schwer ist. So landet er als besoffener Ansager bei Sea World, um für ein völlig bescheuertes Projekt wieder nach New York zu kommen: Ein australischer Medientycoon, den man meist nicht versteht, will auf GNN rund um die Uhr Nachrichten versenden.

Zu Anfang der Achtziger war das News-Geschäft scheinbar noch in Ordnung. Bis Ron und seine trotteligen Kumpel in ihrer Beschränktheit so ziemlich all das einführen, was heutzutage als Medien-Abfall die Kanäle verstopft: Er bringt als erster die Verfolgungsjagd eines flüchtenden Automobilisten live auf den Sender. Er beginnt damit, den Menschen zu erzählen, was sie hören wollen, statt dem, was sie hören müssten. Die Quote schnellt nach oben und Ron hebt ab für den Absturz im zweiten Teil der überdrehten Klamotte.

Zwar ist Will Ferrell, der seine unfassbare Frisur mit Stolz trägt und das Drehbuch zusammen mit Adam McKay selbst geschrieben hat, als Anchorman der Star, doch auch der zweite Film ist kongenial blöde Team-Arbeit. Und keine Minute lang „politcal correct". Burgundy versammelt ums sich ein Team aus Rassisten und Sexisten, das auch in den 80er skandalös gewesen wäre. Er selbst „gönnt" sich nicht nur einen rassistischen Scherz angesichts der neuen afroamerikanischen Chefin, nein, gleich eine ganze Szene lang kann er nichts anderes entgeistert stammeln als „black, black, black..." Das kann man als nicht korrekt betrachten oder als extreme Übertreibung, die durchaus konstruktiv für Rassismus sensibilisiert. Wobei diese Erklärung bei den Machern wahrscheinlich einen Lachanfall hervorrufen würde. Deshalb hält man sich einfach an Burgundys schweinische Flüche von (im Original) ausgesuchter Originalität und an ganz gemeine Treffer in Sachen Medienkritik. Denn Ron macht auch Mediengeschichte, indem seine Verfolgungsjagd dem Live-Interview seiner Ex Veronica mit Arafat den Saft abdreht.

Will jetzt noch jemand wissen, dass ein freche Parodie auf Blinden-Filmmelodramen folgt, nachdem Burgundy wie Ikarus bei Kunsteislaufen zu hoch springt? Wie man einen Weißen Hai mit der Flasche großzieht? Oder wie viele Prominente bei der finalen Massenschlägerei aus internationalen News-Teams in noch so einer unfassbaren Szene neben Jim Carrey, Borat, John C. Reilly, Will Smith, Kirsten Dunst, Marion Cotillard, Liam Neeson oder Vince Vaughn Scorseses „Gangs of New York" parodieren? Dann hilft nur noch ein Kinobesuch. Denn Klamauk kann klasse sein, je nachdem, wer ihn macht und wie weit das Maß des Wahnsinns über jedes Hollywood-Niveau hinaus schießt.

Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

Großbritannien, Südafrika 2013 (Mandela - Long walk to freedom) Regie: Justin Chadwick mit Idris Elba, Naomie Harris, Tony Kgoroge, Riaad Moosa 141 Min. FSK: ab 12

Nach Spielfilmen wie „Goodbye Bafana" und einigen Dokumentationen zur Gefängniszeit wie zur Präsidentschaft von Nelson Mandela (1918-2013) erwischt jetzt eine weitere Biografie nach dessen Tod im Dezember 2013 vor allem einen günstigen Verwertungs-Zeitpunkt. „Mandela: Der lange Weg zur Freiheit" nach Mandelas Autobiografie ist als Einstieg interessant und vor allem als emotionaler Film gelungen. Die besondere, eigene Perspektive bringt zwangsläufig Verzerrungen mit sich. Leider ist aber auch der charismatische Geist der außergewöhnlichen Persönlichkeit in den Bildern zu seinen eigenen Zeilen nicht sehr präsent.

Vom ersten Moment an, von der melancholischen, erträumten Rückkehr ins Haus seiner Kindheit, im Dorf Mvezo am Ufer des Mbashe-Flusses, erzählt „Mandela: Der lange Weg zur Freiheit" mit viel Sentiment. Aber auch rasant lässt er die Jugend, ein Initiations-Ritual in der Steppe, Mandelas Arbeit als Anwalt-Assistent, den Rassismus auf der Straße und im Gerichtssaal vorbeiziehen. Ein kurzes Beispiel für die extreme Gewalt und Polizei-Willkür in den 40er- und 50-Jahren Südafrikas zeigt, wie der Fall eines zu Tode geprügelten Schwarzen nicht vor Gericht kommt. Frustriert von Gewalt und Unrecht tritt Mandela (Idris Elba) dem kämpferischen ANC (African National Congress) bei und wird nach einer Eskalierung des Widerstandes schließlich verhaftet und zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt.

Immer wieder sehnt sich der Film zurück zum goldenen Gras der Steppe, zu seinem Heimatdorf in den Bergen. Etwa bei der traditionellen Hochzeit zur (zweiten) Ehe mit der Aktivistin Winnie Madikizela (Naomie Harris). Die andere Realität sind die Panzerwagen, die in den Townships durchs Bild fahren, das Massaker von Sharpville und andere willkürliche Ermordungen. Die Verbrennung der Zwangs-Ausweise des Buren-Regimes ist eine sanftere Form des Widerstandes. Später kommen Brandanschläge und die Verbrennung von vermeintlichen Kollaborateuren mit Autoreifen hinzu. Die Spirale der Gewalt im Bürgerkrieg, die erst nach der Freilassung und der Präsidentschaft Mandelas ein (vorläufiges) Ende findet, ist neben dem persönlichen Kampf des Protagonisten das durchgehende Motiv dieser Biografie.

So zeigt sich der machtlose, aber weisere Widerstand in der Haft in kleinen Schritten: Erst verlangt Mandela lange Hosen, denn die Afrikaner müssen wie „Boys" kurze tragen. Die in den Jahrzehnten der Haft gewonnene Souveränität gipfelt beim den ersten geheimen Treffen mit weißen Regierungsvertretern in einer extrem entspannten Haltung, die das Konzept einer Versöhnung ohne Rache vorstellt und fordert.

Eine Haltung, die der Film selbst nicht durchhält. Wenn Mandela selbst seinen teils brutalen Wärtern immer mit Respekt begegnete, wie „Goodbye Bafana" 2006 erzählte, bleibt es hier bei einem Schwarz-Weiß-Schema. Es ist einfach keine Zeit, für einen Blick auf das Wesen des Unterdrückers. Die Zweieinhalbstunden für ein sehr ereignisreiches Leben funktionieren so als Biografie für „Einsteiger", andere Darstellungen sind selbstverständlich differenzierter, kritischer und teilweise auch intensiver.

Die besten Momente hat der Film mit seinen eindrucksvollen historischen Kulissen, wenn er nicht chronologisch erzählt und so die Schichten der Persönlichkeit Mandelas in eine filmische Gleichzeitigkeit bringt. Berührend ist er immer wieder, so bei der ersten Umarmung zwischen Nelson und Winnie nach 21 Jahren. Allerdings bleiben auch Lücken: Wie fühlt sich ein Mensch, der den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen soll? Ein paar Sekunden sieht man das Gesicht vor dem Fenster, dann ein Blick von außen und in Flug über die Gefängnisanlage – das funktioniert gar nicht. Positiv könnte man sagen, der Film behält seinen Anfangsschwung bei, allerdings auf Kosten einer zunehmend irritierenden Ruhelosigkeit.

Hauptdarsteller Idris Elba gelingt es, Nelson Mandela über eine lange Lebensspanne nahe zu kommen, indem er auch dessen Tonfall imitiert. In den besten Momenten gelingt es dem starken Schauspiel, wie der charismatische Politiker Mandela selbst, einen in seinen Bann zu ziehen. Allerdings war darin Morgan Freeman seinen kurzen Auftritten für Eastwoods „Invictus" noch eindrucksvoller – selbst ohne große Ähnlichkeit.

47 Ronin

USA 2013 Regie: Carl Rinsch mit Keanu Reeves, Hiroyuki Sanada, Tadanobu Asano, Rinko Kikuchi, Cary-Hiroyuki Tagawa 119 Min. FSK: ab 12

Neo heißt jetzt Kai und Matrix liegt in Japan. Sonst ändert sich nix! Das Remake des wirkungsmächtigen japanischen Ronin-Mythos verirrt sich irgendwo im Mix aus japanischer Tradition und Fantasy-Elementen. Keanu Reeves gibt den aussätzigen Krieger, die eindrucksvolle Staffage um ihn herum wirkt nur zeitweise.

Samurai, deren Feudalherren getötet wurden, mussten früher unter Schande durchs Land ziehen und wurden Ronin genannt. Bekannt sind die Ronin vor allem durch die Historie eines Massenselbstmordes von 47 „arbeitslosen" Ronin zu Anfang des 18. Jahrhunderts westlicher Zeitrechnung. Dieses für traditionelle Japaner zentrale Verständnis von Ehre wurde nicht nur mit zahllosen einheimischen (Film-) Werken verankert, selbst international fand solch eine Haltung viel Interesse - wenn auch oft verbunden mit kopfschüttelndem Staunen. So schickte beispielsweise Regisseur John Frankenheimer 1998 in seinem „Ronin" sechs moderne, freigestellte „Krieger" (unter anderem Robert De Niro, Jean Reno, Stellan Skarsgard) auf einen Rache- und Raubzug. In der aktuellsten Variante „47 Ronin", von Werbe- und Kurzfilmregisseur Carl Erik Rinsch wird nun viel drumrum gezaubert und damit die Kerngeschichte verwässert.

Der Prolog, wie der gute Fürst von einem Konkurrenten mit Hilfe einer mächtigen Hexe hinterhältig in den traditionellen Selbstmord getrieben wird, wie des Fürsten Tochter und seine Samurai herrenlos werden, ist dem Film fast die erste Stunde wert. Dabei steht die hierarchische Randfigur Kai (Reeves), ein niederer Diener, ein Bastard-Kind einer Japanerin und eines Westlers zentral. Als Findling im verwunschenen Wand aufgelesen, wächst er mit der Fürstentochter auf. Als Erwachsener, vom Herrn und Hof geachtet, erlegt er schon mal einen panischen, riesigen Monster-Hirsch und rettet dabei einem Adeligen Ruhm und Leben.

Und immer droht aus dem Unterholz ein Schneefuchs mit unterschiedlichen Augenfarben, der sich in eine attraktiven Hexe mit faszinierender, lebendiger Dreadlocks-Frisur verwandelt. Der Rest ist Geschichte aufgehübscht mit viel Fantasy. So besorgt Kai für die verbannten Samurai Schwerter ausgerechnet im verwunschenen Wald seiner Kindheit. Während der fast mystische doppelt aussätzige Kai mit einem Schlangenmenschen verhandelt, findet draußen einer der vielen Schwertkämpfe statt: Gegner ist eine ganze Schlange aus Gestalten in orangen Mönchsgewändern. So verschmilzt quasi Mythisches aus Japan und aus Hollywoods Computern. Das Industrie-Produkt „47 Ronin", das einen alten Kult eher verwertet als ihm Ehre erweist, wird notdürftig mit bekannten japanischen Gesichtern wie Cary-Hiroyuki Tagawa („Die Geisha, Pearl Harbor"), Tadanobu Asano („Thor – The Dark Kingdom", „Battleship") und Rinko Kikuchi („Pacific Rim", „Babel") „aufgepimpt", die allerdings Randfiguren bleiben müssen - ausgerechnet neben der „Langnase" Reeves.

Mehr Eindruck schaffen so tatsächlich die bunten Fabelwesen aus dem Computer. Keanu Reeves ist mit Vollbart und einer stark wiedererkennbaren Mimik oft am Rande der Lächerlichkeit, er hätte vielleicht nicht auch noch zwischendurch die Merkel-Raute machen dürfen. Insgesamt verpufft der ganze Aufwand und übrig bleiben nur 4,7 Ronin auf der nach unten offenen Richterskala der Klassikerverfilmungen.

21.1.14

Hannas Reise

BRD, Israel 2013 Regie: Julia von Heinz mit Karoline Schuch, Doron Amit, Max Mauff 100 Min. FSK: ab 0

Eines Tages, Baby, werden wir alt sein und uns fragen, was haben eigentlich unsere Großeltern damals gemacht. In Variation des „Reckoning Song" von Asaf Avidan, der in Vor- und Abspann angespielt wird, schickt Regisseurin Julia von Heinz (nach Theresa Bäuerleins Roman „Das war der gute Teil des Tages") eine auf Karriere gebügelte BWL-Opportunistin aus Berlin in ein israelisches Behindertenheim. Das sollte eigentlich nur im Lebenslauf stehen, aber da ihre Mama keine Verbindungen ins gelobte Land (aus-) spielen lässt, muss Hanna (Karoline Schuch) da durch: „Das mit Juden kommt halt immer gut, behinderte Juden zählen doppelt." Während der israelische Kollege Itay (Doron Amit) mit entspannten Holocaust-Scherzen erst die Positionen und dann ihren Kopf verdreht, begegnet Hanna beim obligatorischen Besuch eines Holocaust-Überlebenden dem eigenen, schwierigen Verhältnis zur Mutter. Phrasen wie historische Verantwortung finden hier nett ausgeleuchtete Bilder, die Friedensaktivisten deklinieren Israel-Haltungen durch und der Film will dann auch noch die angespannte Situation des Landes zwischen den Fronten sowie zwischen gestern und heute vermitteln.

Die notwendige Frage, was die Eltern „in der Nazi-Zeit" getan haben, wandelt sich zum Nachfragen, weshalb die eigenen Eltern gegen die ihre revoltiert haben. Dabei gibt Hannas Freund Alex eine beschränkte Karikatur, die sich am Strand von Tel Aviv fragt, „ob das hier eigentlich alles Juden sind?" Derweil beschäftigt Hanna eine andere Liebesgeschichte, die auch in der Erzählung holperig verläuft. Die Hauptdarstellerin Karoline Schuch treibt ihre Reserviertheit vielleicht etwas zu weit, der Film hätte in seinen Vorhaben zurückhaltender sein können.

Homefront

USA 2013 Regie: Gary Fleder mit Jason Statham, James Franco, Izabela Vidovic, Kate Bosworth, Winona Ryder 100 Min. FSK: ab 16

Das ist mal eine neue Idee, um einem Film von Anfang die Spannung zu nehmen: Als Undercover-Polizist sorgt Jason Statham, der ambitionierte Mix aus Action-Figur und Schauspieler dafür, dass der Sohn des Drogenbosses erschossen wird. Dessen Fluch in Richtung unseres langhaarigen (was waren wir damals jung!) Helden verrät schon alles: „Du bist tot, deine Kinder sind tot!" Dabei machen die folgenden Titel neugierig, denn neben dem Star-Chamäleon James Franco („Spring Breakers", „127 Hours", „Howl") ist auch Winona Ryder mit dabei.

Nach seiner Karriere als Drogenfahnder zieht sich Phil Broker (Jason Statham) ins Privatleben eines kleinen Städtchens zurück. Doch sowohl er als auch sein Töchterchen Maddy (Izabela Vidovic) wissen sich zu wehren und werden schnell auffällig. Als Maddy dem größeren Schulhofbullie die Nase bricht, beschwert sich dessen hysterische Zicke von Mutter mit Namen Klum (Kate Bosworth) bei ihrem Bruder. Dieser Morgan 'Gator' Bodine (James Franco) ist zufällig der Drogen- und Gangster-Boss der Gegend. Die Gier nach einem ganz großen Drogengeschäft bringt ihn auf die Idee, den leicht enttarnten Undercover-Agenten zu verkaufen.

Wenn man für die dunkle Bedrohung James Franco engagiert, dann verspricht das einiges. Man muss bei seiner Figur Gabor an den ähnlich wirkenden aber anders gepolten Alien aus „Spring Breakers" denken. Andererseits ist hier Sylvester Stallone für das Drehbuch verantwortlich! Wenn man diesem groben Schauspieler noch für die simple Gedankenführung der Handlung dankbar sein kann, tut das Skript spätestens dann weh, wenn der Held sehr gerissen seine Tarnung aufbaut, aber seine Undercover-Personalakte so im Keller versteckt, dass man sie auf Anhieb findet. Falls Fragen vom Finanzamt kommen?

So schwankt diese Heimat-Front aus Selbstverteidigungs-Eiche auf Dünnbrett-Basis durchgehend zwischen Fließband-Action und interessanten Momenten, zwischen hohler Selbstjustiz als US-amerikanischer Vater-Tugend und kritischen Michael Kohlhaas-Momenten. Wenn Broker eines dieser Crystal Meth-Labore, die er früher hat hochgehen lassen, in MacGuyver-Manier vermint und ihm dann sein gutes Herz für das kleine Kätzchen der Tochter im Weg steht, ist das fast gelungene Satire der harten Herren. Auch das Ende mit explosiver Ausleuchtung hätte richtig tragisch werden können, doch dies ist kein Kohlhaas nur ein Stallone.

20.1.14

Erbarmen

Dänemark, BRD, Schweden 2013 (Kvinden i buret) Regie: Mikkel Nørgaard mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Sonja Richter
97 Min.

Erbarmen, noch ein Skandi-Krimi! Könnte man ausrufen, doch auch dieser Auftakt einer Thriller-Reihe nach bekannten Roman-Bestsellern im Kielwasser von „Verblendung" überzeugt in jeder Hinsicht: Kommissar Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) dreht bei einer Observierung durch und die Polizisten laufen in eine Falle. Danach liegt ein Kollege tot in seinem Blut, ein weiterer als Pflegefall im Krankenhaus und Carl selbst wird in den Keller abgeschoben, in die neu gegründete Kopenhagener Sonderabteilung Q. Er soll (auf) keinen Fall mehr selbst ermitteln, nur die ungelösten Angelegenheiten von rechts nach links sortieren.

Doch schnell fixiert Carl sich zusammen mit seinem neuen Assistenten Assad (Fares Fares) aus Schweden auf das Verschwinden von Merete Lynggaard (Sonja Richter). Die bekannte Politikerin reiste vor Jahren mit ihrem geistig behinderten Bruder auf einer Passagierfähre und wurde seitdem nicht mehr gesehen. Der einzige Zeuge, ihr Bruder, ist noch verstörter als zuvor und redet mit niemandem. Selbstmord sagen die Akten, doch Carl und Assad finden Hinweise, die sie an dieser Version zweifeln lassen.

Das beschert uns eine Reihe von Rückblenden: Was passierte auf der Fähre, was vorher und was musste die Politikerin danach erleiden. Denn „Erbarmen" hat derart viele Spannungsmomente, dass man eines verraten kann: Merete Lynggaard lebt noch. Nur wie lange noch, das ist fraglich und nervenzerreißend.

Carl und Assad wühlen nicht nur in den Akten rum und suchen Tatorte auf, sie laufen sogar durch die Szenen der Rückblenden, ähnlich wie Detective Carrie Wells in der US-Serie „Unforgettable". Eine reizvoller Twist im dunklen, zu Grausamkeit und Horror passenden Stil des Films, der zwar die üblichen Vorgesetzen mit ihrer Bremserfunktion auffährt, doch ansonsten weitestgehend klischeefrei bleibt. So sind auch die beiden spannenden Typen im Zentrum - oder im Keller - gut nuanciert: Carl, der besessene Workaholic, der sein Lachen verloren hat, wähnt sich anfangs auf einem Abstellgleis. Dem Verbitterten steht der positive, offene Charakter Assads entgegen, der an Menschen glaubt und viel lächelt. Beide haben selbstverständlich ihre Drogen, der eine schlechten Kaffee, der andere den Nikotin. Ebenso unterschiedlich sind ihre Vorgehensweisen: Während der eine sich in Material einwühlt, freundet sich der andere mit dem autistischen Bruder der Verschwundenen an.

Wenn der zerrüttete Kommissar Carl Mørck gemeinsam mit seinem unkonventionellen Assistenten Assad in der dänischen Sonderabteilung Q bislang ungelöste Fälle wieder aufnimmt, bringt das den „Borgen"-Regisseur Mikkel Nørgaard, den Drehbuchautor von „Verblendung" sowie „Die Königin und der Leibarzt" Nikolaj Arcel und den „Illuminati"-Darsteller Nikolaj Lie Kaas zusammen. Das Ergebnis ist dementsprechend erstklassig. Die Verfilmung des gleichnamigen ersten Romans von Jussi Adler-Olsens Bestseller-Reihe sorgt schon mit dem deutschen Titel für Wiedererkennen mit ähnlichen Krimi-Marken aus Skandinavien, das sich bei der dunklen Ausleuchtung, der großartigen Kameraarbeit zwischen Düsternis und Poesie, bei den gebrochenen Charakteren, den grausamen Verbrechen und der spannenden Dramaturgie fortsetzt. In den Hauptrollen beeindrucken Nikolaj Lie Kaas („Illuminati", „Open Hearts", „Adams Äpfel") und Fares Fares („Zero Dark Thirty", „Kops", „Jalla Jalla").

Das dänische „Schweigen der Lämmer" aus der (nicht nur wegen Lars von Trier) berühmt-berüchtigten Zentropa-Produktion ist der gelungene Auftakt zu einer Spielfilm-Reihe, denn drei weitere Romane der Reihe - „Schändung", „Erlösung" und „Verachtung" - sind bereits in Deutschland erschienen, der fünfte Band „Erwartung" wird im Oktober 2013 erwartet. Der zweite Film „Schändung" ist schon mitten in der Produktion.

14.1.14

12 years a slave

USA, Großbritannien 2013 Regie: Steve McQueen mit Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Lupita Nyong'o, Brad Pitt, Paul Giamatti, Benedict Cumberbatch, Paul Dano 135 Min. FSK: ab 12

Am Sonntag erhielt „12 years a slave" bei den Golden Globes den Hauptpreis als bestes Filmdrama. Ein Vorschuss auf den fast sicheren Preisregen bei den Oscars. Die ganz außergewöhnliche, wahre Geschichte eines freien afroamerikanischen Bürgers aus Washington, der im Jahre 1841 als Sklave in den Süden der USA verschleppt wird, ist der bislang konventionellste Film des Briten Steve McQueen. Dabei allerdings erzählerisch und emotional weit über andere Werke zur Sklaverei wie Quentin Tarantinos „Django unchained" oder „Butler" herausragend.

Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) ist ein angesehener Bürger im Staate New York. Der Violinist spielt zum Gesellschaftstanz auf, lebt mit Frau und seinen Kinder, hat Geldprobleme, ist aber frei. Zwar ist mittlerweile Sklavenhandel verboten, aber Sklaverei herrscht immer in einigen Südstaaten, der Bürgerkrieg findet erst in zwei Jahrzehnten statt. Und auch Solomon Northup wird wie viele Schwarze in dieser gespaltenen Situation entführt und zum Sklaven auf den Baumwollfeldern erniedrigt.

Der krasse Gegensatz zwischen Solomons freiem Leben und der Sklaverei, in der er Platt genannt wird, das Erstaunen des freien Mannes, der sich in Ketten und Kerker wiederfindet, zeigt eine historische Realität gleichzeitig als etwas Unbegreifliches. Der Film schafft es durch diese, immer wieder in Rückblenden aufgebaute Fallhöhe, den Blick von heute mitten in den Horror von Sklaverei zu bringen. Ein unmittelbares Nebeneinander, so wie in einer Einstellung ein Kamera-Schwenk das Kellerverlies des Entführten mit dem Blick auf das Capitol in Washington, dem Symbol für die US-Demokratie, verbindet. Und ein Verweis auf unsere freie Welt, die moderne Sklaverei überall nebenan duldet.

Schnell begreift Solomon, dass er seine Bildung verheimlichen muss. Zwar ist er klüger als seine tumben Aufseher vom Lande, doch das bringt ihm nur den Hass des gemeinen, prügelnden Sklavenaufsehers. Als ihn selbst sein „Besitzer" nicht mehr vor der Rache des gedemütigten Pöbels schützen kann, kommt Solomon zur Plantage von Edwin Epps (Michael Fassbender), einem lüsternen Tier, das allerdings in einer neurotischen Ehesituation, selbst - wieder mal - besoffen seiner Frau brutal klar sagen kann, dass sie weniger wert sei, als das Kapital, welches die Sklaven darstellen.

Michael Fassbender, regelmäßig Darsteller bei McQueen, ist wieder einmal herausragend. Diesmal als monströser Abschaum, der die angebliche Überlegenheit der weißen Rasse in einer Verfolgung höhnt, die ihn im Schlamm des Schweinestalls landen lässt. Trotzdem - und mit Ausnahme von Brad Pitt als edlem Retter und Ko-Produzenten - verhindert die exzellente Besetzung der Nebenrollen eine simple Schwarz-Weiß-Zeichnung.

Schon beim Boots-Transport in den Süden beschließt der Familien-Vater Solomon: Ich will nicht kämpfen, ich will leben! Dabei ist die interne Unterscheidung, dass auf dem Schiff unter allen Gefangenen nur drei Männer seien, die kämpfen würden, „die anderen seien Nigger", einer der vielen Momente, in denen der Film von einer spezifischen Situation der US-amerikanischen Geschichte auf universelle Zwangs-Situationen verweist. Die wahre Geschichte von Solomon Northup, die 150 Jahre nach ihrer Veröffentlichung verfilmt wurde, kulminiert in einer unerträglichen Schlüsselszene, wenn Solomon selbst seine ausgebeutete und immer wieder vergewaltigte Mitgefangene Patsey bis auf die Knochen auspeitscht, um sein eigenes Leben zu retten. Da ist kein Platz für Heldentum oder Rachefantasien, wie in Tarantinos ersten erwachsenen und im Vergleich doch kindischen Film „Django unchained", der auf ganz andere Weise die Sklaverei anklagt.

In die Abfolge starker und erschütternder Szenen reiht sich auch die absurde Situation eines Kaffeekränzchen auf der Veranda eines Herrenhauses mit drei Schwarzen, die bitter zwischen Feld- und Haus-Sklaven unterscheiden. „12 years a slave" gibt der Unmenschlichkeit viele erschreckende Gesichter, dabei bleibt es immer unbegreiflich, wie man Menschen als Sklaven betrachten kann. Steve McQueen belegt nach dem Häftlings-Drama „Hunger" und der Sexsucht-Geschichte „Shame" (beides mit Fassbender) seine enorme Inszenierungskunst in vielen Formen und Facetten. Dabei arbeitet er diesmal konventioneller, ist aber deshalb auch Hauptfavorit für die anstehende Oscar-Verleihung.

Nebraska

USA 2013 Regie: Alexander Payne mit Bruce Dern, Will Forte, June Squibb, Bob Odenkirk 115 Min. FSK: ab 6

„Wenn der Vater mit dem Sohne…" - einige Jahrzehnte und viel Alkohol später: Der alte Mann (Bruce Dern), der sein Leben lang viel getrunken hat, glaubt tatsächlich der Werbe-Post von einem Millionen-Gewinn und will diesen unbedingt ein paar Staaten und 900 Meilen weiter in Lincoln, Nebraska abholen. Notfalls auch zu Fuß, Autofahren darf Woody Grant schon seit einer Weile nicht mehr. Also macht er sich auf den Weg und geht los - auf dem Highway. Nachdem der erwachsene Sohn David (Will Forte), dessen Leben nur aus Job und Fernsehen besteht, den Alters-Verwirrten mehrmals bei der Polizei abholen musste, beschließt er, einfach mit dem Vater loszufahren, so verrückt das Ziel auch scheint.

Die garstigen Gattin Kate und Mutter (June Squibb) ist froh, dass sie den ehemaligen Trinker, der seine Tabletten nicht nehmen will, eine Weile los ist. Mit einem Abstecher bei reichlich debiler Verwandtschaft im Geburtsort auf dem Lande kommen sich die beiden Männer in vielen komischen und auch peinlichen Situationen näher. Man klaut zwar keine Pferde, aber aus der Farm eines Bauern nach 40 Jahren einen Kompressor zurück. Nur leider ist es die falsche Farm. Die eigene Logik der alten und kauzigen Leutchen ist herzlich komisch. Doch Regisseur Payne schafft über rührende Szenen des späten Kennenlernens mit diesem Road Trip eine ganz besondere Familien-Geschichte und viel Hoffnung. Bruce Dern („Django Unchained", „Monster") erhielt in Cannes 2013 die Auszeichnung als Bester Darsteller des Festivals.

„Nebraska" ist nach „The Descendants" mit George Clooney wieder eine ganz andere Familiengeschichte und nach „About Schmidt" mit Jack Nicholson und dem weinseligen „Sideways" mit Paul Giametti wieder ein Road Movie. Dass der mit zwei Drehbuch-Oscars ausgezeichnete Payne nicht in diese Genre-Schubladen passt, machen direkt die amerikanischen Landschaften in Schwarz-Weiß deutlich: Es sind nicht berauschende Hintergründe eines Auf- und Ausbruchs, die vor der Windschutzscheibe vorbeiziehen. Solch dreckige Farblosigkeit ist ähnlich deprimierend wie die Grant-Familie aus lauter Couch-Potatos oder die Zimmerpflanze bei Sohn David, die im trostlosen Apartment keine Überlebens-Chance hat. Aber „Nebraska" macht als einfühlsame Tragikomödie vor allem Spaß. Wenn Woody Grant immer wieder - mal als Scherz, dann ziemlich ernst - sein Gebiss verliert, ist das der gleiche Humor, mit dem Payne einst Jack Nicholson als frischen Witwer ein Badezimmer vollpinkeln ließ.

Alle skurrilen und tristen Szenen spiegeln kitsch-frei einen schönen Weg der Annäherung zwischen Vater und Sohn. Der erfährt spät von der Vergangenheit der Eltern, von den Dingen „die einen in Wahnsinn treiben". Und so wird - auch wenn es in Nebraska nur einen Trostpreis gibt - die Heimreise zu einer Triumphfahrt, die das Vergnügen dieses Films wunderbar vollendet.

13.1.14

The Wolf Of Wall Street

USA 2013 Regie: Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, Matthew McConaughey 180 Min. FSK: ab 16

Ein feistes Kerlchen mit gierig verzerrtem Gesicht - dieser DiCaprio ist ganz anders als sein großer Gatsby: Sein Zocker-Lehrling Jordan Belfort hat gerade die Lizenz als Börsenmakler an der Wall Street erhalten, als einer dieser Banken-Crashs (diesmal vom Oktober 1987) die Firma ruiniert, die vorher andere ruinierte. Doch ganz unten gründet er die Maklerfirma „Stratton Oakmont" und macht mit eindrucksvollem Verkaufs-Talent und erschreckender Rücksichtlosigkeit ein obszönes Vermögen. Es sind durch die Reihe systemrelevante Arschlöcher, die Jordan Belfort am Anfang in einer Autowerkstatt um sich versammelt. Denn der arbeitslose Zocker entdeckt, dass man mit Penny Stocks, also Billig-Aktien meist völlig wertloser Firmen, gleich fünfzig Prozent Provision kassieren kann. Von nun an werden mittellose Menschen um ihr Erspartes gebracht - „Müll an Müllmänner verkaufen".

Dabei gehören die großen Szene der ersten zwei Stunden seinen Mitspielern: Matthew McConaughey (mit neuer Perücke und dem gleichen Wahnsinn wie in Soderberghs „Magic Mike") kommt als Jordans erster Mentor Mark Hanna ganz nah an die Skurrilität eines Christopher Walken heran, wenn er mehrfach tägliche Selbstbefriedigung verschreibt und im edlen Restaurant ein Indianer-Rap anstimmt. Koks und Prostituierte gehören selbstverständlich zum Grundumsatz. Jetzt wissen wir wenigstens, wie unsere Steuer-Milliarden zum Erhalt der „systemrelevanten" Banker „verpulvert" wurden, die sich einen Wolf koksen.

Auch Jonah Hill („Cyrus", „Superbad") darf als Donnie Azoff, Jordans Geschäfts-Partner fast bis zum Ende, eine großartige Comedy-Nummer hinlegen. Und schließlich kann Margot Robbie („Alles eine Frage der Zeit") als zweite Frau Belfords mehr als nur die übliche weibliche Dekoration geben. Das ist immer noch viel weniger als Sharon Stone in „Casino", aber dieser „Wolf" heult halt auch viel zahmer als damals Robert De Niro.

Unverschämt viel Geld verdient Jordan Belfort. Mit 72.000 Dollar im Monat geht es los, später regt sich sein zwar zu recht „Mad Max" genannte, aber in diesem Umfeld sehr geerdete Vater über 300.000 Dollar-Rechnungen für Prostituierte und Gelage auf. Diese „Master of the Universe" pflegen durchgehend sehr deftige Sitten und eine ebensolche Sprache. Eine neue Strategie des Telefon-Verkaufs wird mit einer nicht jugendfreien Pantomime eingeführt (auch dieses Wort darf man sich derb dargestellt vorstellen).

Da Martin Scorsese diesmal die gleichnamige Autobiografie von Jordan Belfort verfilmt, überrascht es nicht, dass ein faszinierend uncharismatischer FBI-Agent (Kyle Chandler) mit seiner Beharrlichkeit letztendlich siegt. Der aberwitzige Versuch, Millionen über persönliche Kuriere - die osteuropäische Familie einer nicht sehr vertrauenswürdigen Blondine - endet mit einer deftigen Katastrophe: Es bedarf insgesamt des Todes der Strohfrau, des Untergangs einer Riesenjacht samt Helikopter und Jet-Skis sowie des Absturzes eines Rettungsfliegers, um die Hybris von Belfort endlich auf Grund laufen zu lassen. Dass man selbst befreundeten Bankern ebenso wenig trauen kann wie Mafia-Killern, ist ja mittlerweile Allgemeinwissen. Jeder verrät jeden, aber mit dem geklauten Geld ist selbst die Haft nicht so heftig. So erzählt es Belfort selbst, denn er ist auch der Erzähler, der mal mitten im Text die Farbe seines Lamborghini austauscht.

In Abwesenheit der bei Scorsese üblichen, exzessiven Gewaltmomente wird einem klar, welche Wirkung diese Szenen in seinen bisherigen Filmen hatten. Das Leben eines Mittelständlers ähnelt im Verfilmen seiner hochkriminellen Biografie den bekannten Mafia-Berichten und wirkt doch anders, auf den ersten Blick nicht so packend. Unser Protagonist Jordan Belfort ist in vielen Momenten ein charismatischer Emporkömmling, ein grandioser Prediger des Börsen-Parketts. Aber halt kein berüchtigter Massenmörder. Jedoch verläuft die Wirkung des Films so wie die der sagenhaften Pillen Lemmon 714 die Jordan am liebsten einwirft: Erst ist man nicht besonders beeindruckt. Doch irgendwann, nach mehreren Stunden, kickt die Wirkung ein: Man erinnert nicht so sehr einzelne Szenen, sondern immer wieder das Gefühl dieser wahnsinnigen Horde Mittelklässler, dieses „Floors" habgieriger Wölflein in schlecht sitzenden Anzügen, die sich auf ihrem Abzock-Trip wie „Master of the Universe" fühlen. Denn auch ein mäßiger Scorsese ist immer noch ein großer Film. Und im Reigen von Dokus und Spielfilmen wie „Margin Call", von Theaterstücken wie Veiels „Das Himbeerreich" eines der deutlichsten Statements gegen den Wahnwitz der Investment-Banker, der uns alle Milliarden kostet.

7.1.14

Diana

Großbritannien, Frankreich, Schweden, Belgien 2013 (Diana) Regie: Oliver Hirschbiegel mit Naomi Watts, Naveen Andrews, Douglas Hodge, Geraldine James 113 Min. FSK: ab 0

Wer bislang öfters mal nichts Wichtigeres zu tun hatte, als sich für ein britisches Prinzeßchen zu interessieren - die aus Monaco sind ja so zickig geworden - muss nun noch einmal zwei Stunden Lebenszeit nachlegen, um auch den filmischen Nachklatsch dieser Boulevard-Story abzusitzen. Oliver Hirschbiegels „Diana" kann durchaus als Strafe verstanden werden: Die - wegen Öffentlichkeit, royaler Verwandtschaft und so - schwierige Beziehungskiste mit üblem Ausgang vermag so gut wie nie zu interessieren.

Drei Jahre nach der Trennung von Prince Charles und zwei vor ihrem tödlichen Unfall im Pariser Tunnel trifft die noch mit den Windsors verheiratete Lady Di (Naomi Watts) auf den Herz-Chirurgen Hasnat Khan (Naveen Andrews), der sie nicht wie eine Prinzessin behandelt. Wie ein verliebtes Mädchen nähert sich die in Schloss und Protokoll Gezwängte dem sehr entspannten Kultur-Menschen, besorgt sich ein medizinisches Handbuch und versucht für ihn zu kochen. Ein spaßiges erstes Date im Schloss mit Unsicherheiten auf beiden Seiten und baldiger Offenheit bei Wein, Burger und Sport im Fernsehen führt zu einer Beziehung, die trotz schicker Tarnung unter schwarzer Perücke nicht lange geheim bleiben kann. Der aus Pakistan stammende Hasnat Khan, der seinen mit Mühen erarbeiteten Beruf sehr ernst nimmt, scheut als zurückgezogen lebender Mensch die Öffentlichkeit sehr. Auch wegen seiner Familie, die Diana nur teilweise akzeptiert, zieht er sich aus dem Liebesverhältnis zurück. Um Hasnat eifersüchtig zu machen, inszeniert die unglückliche Prinzessin für die bisher verhassten Paparazzi eine öffentliche Affäre mit Dodi Al-Fayed. Wegen des tödlichen Autounfalls werden wir nie erfahren, ob es funktioniert hätte und sie bis an ihr Lebensende usw....

Hirschbiegel hat dem Kino einen „Untergang" beschert, die Größte Fatzkerei aller Kinozeiten mit dem schlechtesten Bruno Ganz seit Hitlers Gedenken. Nun verfilmt er das letzte Flackern vom berühmtesten Windlicht aller Boulevard-Spalten! Oh, Diana! Wirst du nie Ruhe geben, denken da Anti-Royalisten und Kindergärtnerinnen, die nicht jedem dahergelaufenen Möchtegern-König in den Rolls rauschen. Trotz der im Rahmen ihrer Figuren und Sätze gut spielenden Hauptdarsteller Naomi Watts und Naveen Andrews leiden alle an diesem Film. Vor allem die Australierin Watts muss einen Teil ihres schauspielerischen Vermögens darauf verwenden, Szenen mit der echten Diana nachzustellen. Dabei bleibt dem Film zwangsläufig zu wenig Zeit für eine irgendwie interessante Figur Diana.

Die Geschichte ist nicht sonderlich komplex und auch nicht schwer umzusetzen: Diana allein mit ihrer Musik im Palast, allein beim Joggen im Garten, allein in der Oper. Was sie von ihrem untreuen Ex hält, wie sie ihre Kinder vermisst, etwas Küchenpsychologie bei der Akupunktur. Hirschbiegel versucht das Triviale zu überhöhen, deshalb folgen immer wieder Fahrten ihren Füßen durch Fluchten von Räumen und Gängen. Viel Aufhebens wird um ein berühmtes Fernsehinterview gemacht - was man wohl nur verstehen kann, wenn man dieser Real-Soap damals Aufmerksamkeit geschenkt hat. Spätestens hier funktioniert der Film nicht mehr eigenständig, „Diana" reduziert sich auf eine DVD-Beilage für Society-Schmuddelblätter.

Klingt der Name Hirschbiegel schon ein wenig wie Unfall mit Wildschaden, ist sein neuer Film „Diana" ein Musterbeispiel für ein sich zwischen ganz viel Stühle Setzen: Er hat ja einiges probiert, sogar mal Filmkunst mit auffälligem Kameraeinsatz. Handwerklich ist dem zum größten Teil deutschen Inszenierungs-Team (Regie, Kamera, Schnitt) auch nichts vorzuwerfen. Nur es funktioniert nichts! Selbst im großen kollektiven Moment der Trauer um Diana, bei dem man eigentlich aus dem riesigen Gefühls-Pool aller Gala- und Bunte-Leserinnen schöpfen kann und einfach nur nichts falsch machen darf, kommt mehr Verwunderung als Gefühl auf. Wobei es hier nicht im geringsten interessiert, ob Diana „richtig" wiedergegeben wurde.

Gescheitert ist somit auch das Melodram, weil es sich das große Gefühl verbaut. Wenn es überhaupt geplant war. Eine gewisse, absichtliche Distanz in der Anlage dieses Projekt sollte man Hirschbiegel zugute halten. Ansonsten ist der Film für alle möglichen Zielgruppen ein großer Unfall.

Die Pute von Panem - The Starving Games

USA 2013 (The Starving Games) Regie: Jason Friedberg, Aaron Seltzer mit Maiara Walsh, Cody Christian, Brant Daugherty, Ross Wyngaarden 83 Min. FSK: ab 12

Der Erfolg der „Tribute von Panem" zog zwangsläufig eine Parodie nach sich. Dass es so ein monothematischer Langeweiler wie „Die Pute von Panem" werden würde, ist die einzige Überraschung dabei.

Die sehr dumme Pute Kantmiss Evershot (Maiara Walsh) opfert sich für ihre Schwester, um ihr armes Dorf in den mörderischen Hunger Games zu vertreten. Als gute Bogenschützin überlebt sie und bietet dem Diktator President Snowballs (Diedrich Bader) die Stirn. Die Nacherzählung der „Hunger Games" mit ein paar absurden Twist kopiert einige Details eins zu eins, wobei in jedem Bild und in den erbärmlichen Tricks der billige Nachdreh erkennbar ist. So gibt es statt großem Publikum in Panem nur einen schäbigen Kinosaal. Im Rahmen der dreisten iGeräte-Werbung bekommt die Spracherkennung Siri als Game-Direktor eine wichtige Rolle und macht den sehr mäßigen Hauptdarstellern Konkurrenz.

Der Stinkefinger als Symbol des Widerstands ist noch das Harmloseste in einer Reihe von Obszönitäten, Furz-Scherzen, anderen Humor-Flatulenzen oder Splatter-Einlagen. Ist es ein akzeptabler Scherz, dass Oprah in einer vorherigen Ausgabe alle Konkurrenten aufaß? Wenn dann einer der Spott-Drosseln aus dem Logo des Films auf Kantmiss scheißt, muss das direkt eimerweise geschehen. Es gibt kein besseres Symbol für den auch nicht ansatzweise funktionierend getimten und abgemessenen Humor.

Wo sich andere schwache Genre-Parodien mit der Fülle von durch den Kakao gezogenen Filmen über die Zeit retten, gibt es hier zusätzlich nur einen verspäteten „Avatar"-Scherz („Stolzes und altes Volk von James Cameron geschaffen"). Das einzige Positive ist die angenehme Kürze der „Pute von Panem" im Vergleich zum Original. Dass dabei eine Konzentration auf das Gemetzel stattfindet, stößt wiederum mächtig ab. Auch hier herrscht Einfallslosigkeit, wenn die Hunger-Spiele wie beim Football mit Kommentatoren und Chearleadern aufgepeppt werden. So etwas gehört zu den vielen Referenzen, die man nicht versteht, wenn man nicht täglich in den USA vor dem Fernseher hängt.

All is lost

USA 2013 (All is lost) Regie: J.C. Chandor mit Robert Redford 106 Min. FSK: ab 6

Der alte Mann Redford und das Meer halten einen in J. C. Chandors Ein-Mann-Drama „All is lost" für fast zwei Stunden gefangen: Das Drama eines einsamen Hochseeseglers, der zuerst von einem herumtreibenden Container gerammt, dann von einem heftigen Sturm in die Mangel genommen und schließlich auf eine Rettungsinsel flüchtet, ist ein durch und durch gelungenes Stück eigentlich unwahrscheinlichen Kinos.

1700 Meilen vom nächsten Stückchen Land, also so mitten im Indischen Ozean, wie man es sich schwer vorstellen kann, segelt ein alter Mann. Der Abschied von der Familie liegt acht Tage zurück, da kracht ein verwaister Container voller Kinderschuhe in das Boot. Diese eigentlich absurde Situation eines ungleichen Zusammenstoßes im Nirgendwo fängt der aus dem Schlaf im kniehohen Wasser erwachende Skipper mit einer erstaunlichen Ruhe auf. Auch der Film macht jetzt nicht auf Drama oder Panik, die Tonspur hält sich extrem zurück. Man darf dem sichtlich erfahrenen Seemann beim Denken und Handeln zusehen. Dabei verzichtet „All is lost" bis auf eine, eindrucksvolle Ausnahme komplett auf Sprache. Wir hören also nicht wie bei John Sturges' Klassiker „Der alte Mann und das Meer" (1958 nach einem Roman von Ernest Hemingway) die Gedanken des einsamen Kämpfers. Dafür sehen wir die sicheren Handgriffe, die das große Loch in der Schiffswand provisorisch mit Kunstharz flicken und ohne dass dauernd Haiflossen umherschwimmen (die kommen später), ist diese fast dokumentarische Nähe am Agieren fesselnd.

Rechtzeitig vor einem herannahenden Sturm, den man auch ohne die abgesoffenen Navigationshilfen nicht übersehen kann, ist wieder klar Schiff und noch Zeit sich zu rasieren. Im Kino sollte man sich jetzt anschnallen, denn nach einer veritablen Eskimorolle mit einer Zwölf-Meter-Jacht bewundert man Robert Redford nicht nur für sein schauspielerisches Können in dieser Solonummer, sondern auch für den extremen Einsatz des 76-Jährigen im Wassertank. Regisseur J.C. Chandor („Der große Crash - Margin Call" , 2011) manövrierte den Film mittlerweile in einen Hurrikan der Hochspannung, und dass ganz ohne billige Dramaturgie-Kniffe.

Das schließlich sinkende Schiff tauscht der Kapitän gegen eine Rettungsinsel und auch bald steht er mit der kopf. Mit einer immer erstaunlicheren Ruhe, in die sich nur langsam ängstliche Blicke schleichen, navigiert der alte Mann mit schnell angelesenem Wissen und Behelfs-Sextanten zu den einzigen Schifffahrtslinien weit und breit. Am Ende fackelt er sogar sein Rettungsboot ab, aber die Hoffnung geht zuletzt unter...

„All is lost" begeistert mit der geballten Schauspielkunst von Robert Redford und immer wieder unaufdringlich wechselnden Kameraperspektiven. Die Unterwasser-Bilder sind zwar nicht poetisch wie bei Ang Lees „Schiffbruch mit Tiger", aber auch auf ihre Art packend. J.C. Chandor war 2012 mit „Der Große Crash – Margin Call" für das Beste Original-Drehbuch Oscar-nominiert. Diesmal weiß man gar nicht, was besser ist: Das mutige und konsequente Buch oder die gegen alle elementaren Gefahren eines Ein-Personen-Stücks bravourös gelungene Inszenierung. Im Vergleich zu „Zwei vom alten Schlag", der im Kino nebenan läuft, ein herausragendes Alterswerk.

Zwei vom alten Schlag

USA 2013 (Grudge Match) Regie: Peter Segal mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Kevin Hart, Alan Arkin und Kim Basinger 113 Min. FSK: ab 12

„Raging Bull" gegen „Rocky". Das ist wie „Schmetterling" Muhammad Ali gegen Volldampf-George Frazier. Filigrane Technik gegen ewig gleiche Dampfhammer-Dramaturgie. Wenn nun die alten Protagonisten beider bemerkenswerter Filmerscheinungen Jahrzehnte später im Ring aufeinandertreffen, ist das vor allem auf der Meta-Ebene eine interessante Geschichte. Robert De Niro, der „Raging Bull" von Martin Scorsese, gegen Sylvester Stallone, ein „Rocky" und „Rambo" der Filmgeschichte, der einfach nicht aufhören will, die Leinwand zu belästigen. Höchste Schauspielkunst gegen ein halbseitig gelähmtes Gesicht in einer anständigen Komödie nach routiniertem Rezept.

„Wie ein wilder Stier" - so der deutsche Titel von „Raging Bull" - säuft, flucht und hurt der ehemalige Box-Champion Billy „The Kid" McDonnen (Robert De Niro) nur noch rum. Dreißig Jahre ist es her seit, seit ein legendäres Ring-Duell gegen Henry „Razor" Sharp (Sylvester Stallone) über zwei Kämpfe unentschieden ausging. Vor der entscheidenden Revanche beendete Henry ohne Begründung seine Karriere, was ihm Billy nie verzieh. Allerdings gab es auch eine Frau zwischen den beiden.

Während sich der einfache und ehrliche Stahl-Arbeiter Henry mit seinem wortwörtlich stillen und bescheidenen Leben zufrieden gibt, lässt der wohlhabende und laut lärmende Autoverkäufer Billy die Sache nicht ruhen. Als Entlassungen, die Pflegeheimkosten des alten Trainers Lightning (Alan Arkin) und der nervige Box-Promoter Dante Slate Jr. (Kevin Hart) den Ring-Ruheständler doch zu einem Comeback-Kampf zwingen, lernen die Veteranen erst einmal, was virales Marketing ist: Ihre schwelende Feindschaft bricht bei jeder Begegnung aus, was zu sehr erfolgreichen Klöppereien auf YouTube führt.

Wenn die alten Herren in albernen Overalls für ein Videospiel vor Blue-Screen schattenboxen, wenn Trainer Lightning seinen Schützling mit dem Senioren-Scooter abhängt oder wenn sich alle über hüpfende Männerbrüste beim Seilchen-Springen („Bad Bay Watch") amüsieren, läuft der Schlagabtausch durchaus gelungen als Komödie ab. Kim Basinger rettet als alte Liebe Henrys und als Mutter von Billys Sohn B.J. (Jon Bernthal) die mäßig romantischen Szenen, in denen Stallone als tollpatschiger Opa nur mit Zurückhaltung überleben kann. Was ihn rettet, sind die exzellenten Dialoge mit klasse Sprüchen im Minutentakt (Buch: Tim Kelleher). Der beste Gag und die Hauptattraktion des Film haben ihre Referenz-Punkte in der auswärtigen Filmgeschichte, in den Verweisen auf andere, bessere Werke, etwa wenn Stallone diesmal nicht wie Frazier und Rocky auf Rinderhälften eindreschen darf.

Robert De Niro ist körperlich längst nicht mehr der Jake La Motta aus Martin Scorseses „Raging Bull" („Wie ein wilder Stier") von vor über dreißig Jahren. Doch beide Senioren machen „oben ohne" im unvermeidlichen Prügel-Finale eine erstaunlich gute Figur, wobei Stallone in Shorts gewinnt und DeNiro unter blutiger Matschgesicht-Maske etwas an Ausdruck verliert. „Zwei vom alten Schlag" ergeben längst noch keinen Boxerfilm vom alten Schlag, aber dank toller Texte und Nachhilfe in Sachen Sentiment durch gute Nebenfiguren (Kim Basinger, Alan Arkin, Jon Bernthal) zumindest nette Unterhaltung.