3.10.11

Kein Mittel gegen die Liebe

USA 2011 (A Little Bit of Heaven) Regie: Nicole Kassell mit Gael García Bernal, Kate Hudson, Rosemarie DeWitt, Whoopi Goldberg, Kathy Bates 107 Min. FSK ab 6

Das „Terminal Romantische Drama" (TRD) ist als Genre beliebt und bietet sich geradezu an: Wie kann sich Liebe stärker ausdrücken, als wenn sie nur noch kurze Zeit zu leben hat. Die Liebe, die Frau oder seltener auch der Mann. „Love Story" hieß das ganz einfach in den Siebzigern. Nun gewinnt die TRK - „Terminal Romantische Komödie" immer mehr an Boden. Sehen wir die ganze Sache mit dem Sterben doch mal von der lustigen Seite, denn „Das Beste kommt zum Schluss", die Pointe sozusagen. In der neuesten TRK „Kein Mittel gegen die Liebe" darf sich Skandalnudel Kate Hudson beinahe totlachen. Der Krebs gibt ihr den Rest.

Alles ist nett, cool und ganz schön schön im Leben der Werbefrau Marley Corbett (Kate Hudson): Fröhlich durch ein sonnenüberflutetes New Orleans radeln, um beim improvisierten Pitch mal eben Vize-Chefin zu werden. Danach die tollen, witzigen und herzlichen Freunde; ganz später dann der Liebhaber, den sich die Beziehungs-Versagerin leistet. Ein Leben wie im Film! Dazu winselt eine lustige Bulldogge vor der Tür, falls es bis dahin noch nicht reichte mit dem vielen tollen Humor. Selbst bei der Darmspiegelung bleibt die extrem lebenslustige Marley noch verspielt und flirty.

Das Ergebnis ist allerdings: Darmkrebs, terminal. Vor dem Nachtisch erfahren es die Freunde, ein Gespräch mit der Göttin gibt es auch. (Whoopy Goldberg, die beste Göttin seit Alanis Morissette „Dogma" aufmischte und Debra Winger in „Made in Heaven" kettenrauchte.) Sie gewährt drei Wünsche. Die Million gibt es allerdings nicht steuerfrei, denn selbst Göttin legt sich nicht mit dem Finanzamt an. Und den Mann fürs Leben hat sie ja schon. Nun muss sich Marley noch durchringen, sich und dem süßen mexikanisch-jüdischen Arzt Julian Goldstein (Gael García Bernal) ihre Liebe einzugestehen. Zitat: „Wo außer in deinem Leben und in einer Arztserie sehen Ärzte so aus?" Genau!

Nach "Love Life - Liebe trifft Leben" dachte man, es geht nicht schlimmer. Doch nie war New Orleans schöner als nach Chemotherapie und einer Nacht an der Kloschüssel, nie war der Blues wärmer im goldigen Clublicht. Die Todkranke sieht nur etwas blass aus und trägt witzigergweise ein T-Shirt mit Knochengerippe. Dies gut gelaunte, blonde Engelchen Marley leidet eindeutig an einer Hollywood-Krankheit, so wie Hollywood selbst eine Krankheit ist. Geweint wird bei der vorhersehbaren Abschiedstour selbstverständlich viel, rühren tut das auch ein wenig: Aber: kann Gutes in einem falschen, verlogenen Film vom Lebensende sein? Trotz ein paar menschelnder Züge ist „Kein Mittel gegen die Liebe" eine ziemlich große Lüge aus der neuen Ausgabe von „Schöner sterben". Dekorativ bis zum letzten Atemzug unter in erdigen Tönen gestrickter Decke - die Farben dieses Herbstes. Wenn zu Recht festgestellt wird, dass der Tod aus unseren vom Jugendwahn bestimmten Leben verdrängt wird, verdrängt so ein Film ebenso wie das Verschweigen. (Als Gegenmittel wäre Andreas Dresens „Halt auf freier Strecke" ab dem 17. November zu empfehlen.) Dr. Goldstein sagt Marley allerdings einmal, er kenne keinen Menschen, der so viel redet, ohne etwas zu sagen. Wird der Film hier kritisch, sollen wie den Wandel eines oberflächlichen, albernen Huhns miterleben? Nein, keine Sorge, der Spaß geht weiter mit einer Party als Happy End.

Kate Hudson, die in der Wahl ihrer Filme äußerst unglücklich ist, zeigt nur etwas von der Verrücktheit aus Cameron Crowe „Almost famous" als sie noch nicht ganz berühmt war. Dabei ist die Figur „Marley" eigentlich erfreulich, wie sie sich nichts sagen lasst. Und toll, wie sie sich um alle Freundschaften und die Beziehung zu ihren Eltern kümmert: Marley vergräbt sich nicht in Gram oder Beleidigtsein, sie springt über ihren Schatten und versöhnt sich selbst mit dem steifen Vater, der überhaupt nicht weiß, was er mit seinen Gefühlen machen soll. Eine sehr weise Frau, eine kluge Hedonistin, das kommt vielleicht vom Weingeist. Regisseurin Nicole Kassell hat neben einigen Fernsehfolgen, vor allem mit „Der Dämon in mir" (The Woodsman, 2004), der Geschichte eine Pädophilen beeindruckt.

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