18.9.20

Blackbird

Blackbird

USA, Großbritannien 2019 Regie: Roger Michell, mit Susan Sarandon, Kate Winslet, Mia Wasikowska, Sam Neill 97 Min.

Warum sollte man die Mona Lisa neu malen? Weil eine prominente Person Model sitzen möchte? Mit „Blackbird"
drängt sich die Sinn-Frage eines Remakes heftig auf, auch wenn schon das dänische Original „Silent Heart" nicht ganz überzeugte. Eine Familie und viele oberflächliche Klischees finden sich ein, weil die schwer kranke Mutter selbstbestimmt aus dem Leben scheiden möchte.

Das Remake, bei dem wieder Christian Torpe das Buch schrieb, macht es nicht wirklich geschickter, wenn der Film direkt mit Lilys (Susan Sarandon) Krankheit ALS ins Bild fällt. Wer dann heran fährt und auftritt, ist weniger Personen als Figur: Die gestresste und alles kontrollierende Tochter Jennifer (Kate Winslet) mit lächerlichem Ehemann und zu stillem Sohn. Dann die rebellische Tochter Anna (Mia Wasikowska) mit Suchtproblemen sowie der neuen Geliebten, die auch die alte ist. Zuletzt Lilys älteste Freundin (Lindsay Duncan) - für die spätere Überraschung im Film. Alle bringen den üblichen Haufen persönlicher Probleme mit.

„Es" wird auch nach wenigen Minuten erwähnt: Die Familie kommt nicht nur für den Geburtstag zusammen, sondern auch für den ersten Todestag. Denn Mama hat sich entschieden, morgen aus dem Leben zu scheiden. Pflichtschuldig wird darüber mal gestritten. Selbst Annas Plan, alles mit einem Anruf bei der Polizei zu stoppen, zerplatzt hier im Remake wie eine Seifenblase.

Auch „Blackbird" hat seine Momente. Lily geht mit einer schockierenden Offenheit mit ihrer Situation um, morgens ruft sie die jungen Leute zum Frühstück: „Kommt runter, ich bin bald tot." Dann kiffen alle Generationen entspannt zusammen, bevor das nächste Problem kommt, dann das rührselige Schlussbild. Kate Winslet ist als Jennifer kaum zu erkennen, auch weil sie aus der Rolle nichts Bemerkenswertes macht.

Man kann sich dem Scheitern dieses Remakes auch über die Ausstattung nähern: während im Dänemark des Originals das kleine Haus genug Platz bot, schön in der Natur lag und geschmackvoll eingerichtet war, ist bei „Blackbird" in den USA alles übermäßig und protzig: Der Reichtum, die Anzahl der Räume, das Design. Das gleiche gilt für die Schauspieler-Riege und andere Produktionswerte. Der Kern der Sache geht bei dieser äußerlichen Angeberei völlig verloren.