17.11.10

Still Walking


Japan 2008 (Aruitemo, aruitemo) Regie: Hirokazu Kore-eda mit Hiroshi Abe, You, Yoshio Harada, Yui Natsukawa 114 Min.

Die außerordentliche Geschichte von japanischen Geschwistern, die nach dem Verschwinden ihrer Mutter monatelang allein überleben, stand im Zentrum des Festivalerfolges „Nobody Knows“. Nun widmet sich Regisseur Hirokazu Kore-eda in dem unbedingt sehenswerten „Still Walking“ wieder einem Familienthema und es ist völlig erstaunlich, wie wiedererkennbar die Strukturen und Gefühle dreier japanischer Generationen auch für uns sind.

Die Frauen quatschen in der Küche und drehen lästernd den Rest der Familie durch den Wolf: Der Sohn Ryota wird mit einer „gebrauchten“ Frau kommen, einer Witwe mit Sohn aus dieser früheren Ehe. Während sich Großmama mit den erwachsenen Kindern und den Verschwägerten trotz des stetig grummelnden Großvaters freundlich versteht, sind ansonsten Mauern zwischen den Generationen spürbar. Der pensionierte Arzt wirft seinem Sohn unausgesprochen vor, das dieser einen anderen Beruf wählte. Und immer steht der verstorbene ältere Sohn im Raum, nicht nur weil wieder der Jahrestag seines Todes gefeiert wird. Doch Ryota tut sich selbst mit seinem Stiefsohn schwer, der hinter seinem Rücken Prinz ohne Lächeln genannt wird.

Ryota ist eigentlich dem Eltern-Haus entwachsen, stößt sich immer wieder den Kopf und sieht den eigenen Vater erstmals hilflos bei einem Krankheitsfall in der Nachbarschaft. Der verstorbene, bessere Bruder schaut vom Foto auf dem Altar zu und flattert in einem magischen Moment als gelber Schmetterling, der seine Wiedergeburt sein könnte, herein. Hirokazu Kore-eda gibt dem allen mit begrenzten Räumen und ruhender Kamera einen festen Rahmen. Er zeichnet Stillleben, die zur Kontemplation einladen. Wie die unbelebte Aufnahme eines Raumes einmal mit fehlender und dann mit wieder vorhandener Schublade.

Es sind erstaunlich universale Themen, die da fast am anderen Ende der Welt auf den mit Sushi reichlich gedeckten Tisch kommen, mit der Mais-Tempura platzen Erinnerungen auf, um den titelgebenden Schlager deutet sich ein altes Ehedrama an. Die Großmama zeigt, dass man sie nicht unterschätzen darf: Sie lädt immer noch den Jungen ein, bei dessen Rettung der älteste Sohn ertrank - um ihn zu quälen! Doch dieses im Großen und Kleinsten unglaublich stimmige und sorgfältige Meisterwerk zeigt enorm viel Verständnis für die Menschen und verbreitet das Glück des wahren Lebens.