10.10.11

Jesus Christus Erlöser (WA)

BRD 2008 Regie: Peter Geyer mit Klaus Kinski 84 Min.

"Halt's Maul und folge mir nach!" Das Kinski-Evangelium mag ungewöhnlich sein, doch dieser Kraftausdruck des jähzornigen Schauspielers mag der chaotischen Atmosphäre und der aggressiven Stimmung eines einmaligen Live-Auftritts geschuldet sein: Am 20. November 1971 versucht Klaus Kinski die „erregendste Geschichte der Menschheit" erzählen – das Leben von Jesus Christus, das er aus seiner Sicht aufbereitet hat. Doch die 68-er sind immer noch im Publikum, Kinski hat seinen Ruf und so ist es ein Drama, das wütend und traurig macht, wie der durchaus ernsthafte Schauspieler und Erzähler seinen spannenden Text einfach nicht fortführen kann. Immer wieder setzt er an, dass man Jesus unter den Ausgegrenzten, den Huren, den Arbeitslosen suchen solle, doch Kinski wird durch Zwischenrufe unterbrochen. Von Linken, deren Bretter vor dem Kopf erschreckend dick sind. Dies ist eine Entdeckung der äußerst spannenden Dokumentation, die von Peter Geyer zusammengeschnitten wurde: Die Helden der 68er, die den Muff von 1000 Jahren wegwischen wollten, sind auch ziemlich bornierte Spießer.

Und dann aber doch Kinski, der Wahnsinnige! Immer wieder verlässt er die Bühne, schreit, geifert, diskutiert und lässt Leute rausschmeißen. Am Ende dieses eindrucksvollen Dokuments, das in Aachen schon beim Filmfestival Aachen-Maastricht zu sehen war, darf Kunst auch dies sagen: "Halt's Maul und folge mir nach!"

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