17.10.11

Die Haut, in der ich wohne

Spanien 2011 (La piel que habito) Regie: Pedro Almodóvar mit Antonio Banderas, Elena Anaya, Marisa Paredes, Blanca Suárez 121 Min. FSK ab 16

Die spanische Regie-Legende Pedro Almodovar präsentiert in „Die Haut, in der ich wohne" mit dem ihm eigenen ästhetischen Augenkitzel, den knalligen Farben und der exquisiten Ausstattung einen komplexen und verschachtelten Thriller, der einigen Aufwand treibt, um zur großartigen Endszene zu kommen.

Antonia Banderas, der schon viel jünger bei „Atame - Fessle mich" mit Almodovar drehte, betreibt in dessen 18. Spielfilm als Robert Ledgard, als Spezialist für Schönheits-Operationen ein Frankenstein-Labor in seiner Luxus-Villa bei Toledo. Ledgards Schöpfung Val, die er auf riesigen Bildschirmen wie ein Gemälde beobachtet, reiht sich in die anderen Kunstwerke und Akte des Anwesens ein. Aber ihre Haut ist widerstandsfähig gegen Feuer und Stiche. Das erfährt Val, die ohne Scheren, Messer oder spitze Gegenstände eingesperrt ist, beim Selbstmordversuch mit der Kante eines Buchumschlages. Was Roberto wirklich mit Val vorhat, erklärt sich in Rückblenden. Sie erzählen vom Tode der Frau Ledgards und dem Selbstmord seiner geisteskranken Tochter Norma, die zuvor bei einem Ausflug aus ihrer Anstalt wohl vergewaltigt wurde.

Auch wenn es in der Zusammenfassung sehr melodramatisch klingt, Almodovar hält sich von seinem Lieblings-Genre fern, spielt die Schrecknisse nur an. Dafür schaut humorvoll zitierend der Horror klassischer Frankenstein-Geschichten rein, wenn Kunsthaut nach Schnittmuster zubereitet wird und andere kleine Gruselmomente ins Bild geraten. Zudem gibt es einen Krimi um den bankräuberischen Sohn der alten Angestellten Marilia. Und wie immer beim alten Romantiker Almodovar - eine Liebesgeschichte. Dass hier etwas möglich wird, was gesellschaftlich - auch in Spanien - immer noch sehr schwierig verläuft, zeigt noch einmal die enorme Themen-Elastizität dieser letztlich sehr spannenden und auch im verkünstelten Almodovar-Kosmos zeitgemäßen Geschichte. Die Basis war übrigens der 1984 erschienene Roman „Tarantula" des Franzosen Thierry Jonquet.

Die Kreation von Almodovar/Ledgard ist jedoch höchst modern, nicht nur ein verbotenes genetisches Experiment auch das Thema einer Geschlechtsumwandlung sorgt für Diskussionen. Der wahre Clou von „Die Haut, in der ich wohne" erweist sich allerdings viel atemberaubender. Almodovar betreibt einen enormen Aufwand für diese grandiose Pointe. Doch wenn Almodovar erzählt, geht man die verzweigten Wege der Handlung gerne mit. Vor allem wenn das Ensemble mit einem konzentrierten Antonio Banderas, mit Elena Anaya als Vera und Marisa Paredes als eingeweihte brasilianische Haushälterin Marilia in großartiger Form ist.

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