21.10.11

Ach so, sprach Zarathustra


„Heinz im Sinn & die Geteiltdurchs" spielten symphonisch in der Aula auf

Von Günter H. Jekubzik

Metallica machte es, Peter Gabriel auch, Sting macht sowieso alles: Wer schon jeden Erfolg hinter sich hat, vor Goldenen Platten keine Tapete mehr sieht, spielt irgendwann seine größten Hits symphonisch ein. Nun also auch „Heinz im Sinn & die Geteiltdurchs" potenziert mit dem Aachener Studentenorchester im Konzertsaal - oder der Aula der RWTH. Die Fanclubs brachten Reisewege von über 300 Kilometer hinter sich, Kopfrechnen brauchten sie trotz des philosophierenden Titels „Ach so, sprach Zarathustra" selten. Stattdessen die bekannten, trotz konstanter Selbstkasteiung weit über dem dumpfen Comedy-Sumpf stehenden Wortwitze, die hintersinnigen und auch mal herrliche platten Belustigungen der Aachener Kabaretisten-Truppe.

Vor exakt einem Jahr kam Benedikt Eschbach vom Aachener Studentenorchester anlässlich des Heinz-Liedes vom „Sockenfresser" auf die Idee, die einfach wirkenden Melodien des Quartetts orchestral aufzupimpen. Eschbachs Arrangements und die finale Performance nach nur drei gemeinsamen Proben begeisterte am letzten Samstag: Statt des erwarteten Clashs of Civilizations zwischen jungen Musikern und vier auch satt zotigen Herren, die nun schon seit zwölf Jahren „diesen Scheiß" (O-Ton Front-Denker Gerhard Horriar) machen, entstand Harmonie selbst in der gewollten Disharmonie bei „Lieder wie dieses". Durch den vollen Klangkörper der Symphoniker hörten sich die genial bis absurden Blödeleien plötzlich groß und gut an. Dieser Samstagabend bescherte tatsächlich den gleichen Effekt wie bei Gabriels „Scratch my back": Man kratzte sich am Kopf, weil so hat man die Lieder noch nie gehört. Derart gerieten auch die Klassiker des Vorgänger-Quintetts „Vakante Genies" zu neuen alten Bekannten.

Vor allem Michael „der Sohn des Lecters" Stetter entführte mit seiner neunminütigen „Hanniballade" namens „Morden, Morden" und der diabolisch hochgezogenen Augenbraue in einen epischen Serienmörderfilm, der unter die Haut ging. Auch das extrem eingängige Beatles-Cover „Westerwave" (bitte mitsummen: Yesterday...) über unseren, des Englischen unfähigen „Minister des Äußersten" (Horriar), schien schon immer auf richtige Streicher gewartet zu haben, um sich zu entfalten. Bislang gaben Jo Siemon und Stetter nur phantastisch pantomimisch den nicht vorhandenen Bass. 

Das alte, vakante Motto „Filmfein, Liedgut, Textgehtso" bewahrheitet sich in Bezug aufs Lied unerwartet, wobei beim einen oder anderen Wortwitz das Verständnis - akustisch oder geistig - in der Holzvertäfelung der altehrwürdigen Aula hängen blieb. Auch wenn dies nicht Prinzip war, wie bei der Kant-Vertonung vom „regulativen Prinzip der systematischen Einheit der Natur". Die spontanen Frotzeleien von Horriar, Siemon, Stetter und Keyborder Mathias Wien hielten sich in diesem Rahmen zurück, die Meinung darüber gehörten zu den „Geteiltdurchs" des Abends.

Nach der unplugged „Bushäuschentour 2009" (noch immer auf der Website von „Heinz im Sinn" verewigt), ein weiterer Höhepunkt der Band-Karriere, die sich unverständlicherweise nicht aus der Region raustraut. Denn Elder Germanist Gerhard Horriar stellte, rauchend wie Helmut Schmidt, zu Recht fest „dies könnte ein erfolgreiches Lied sein". Ein erfolgreicher Abend war es auf jeden Fall. Einer, der wiederholt werden sollte. Das Quartett ohne Orchester gibt es wieder am 28. Januar  2012 im Franz, Franzstraße, Aachen.

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