23.11.21

Hope (2019)


Norwegen, Schweden 2019 (Hap) Regie: Maria Sødahl, mit Andrea Bræin Hovig, Stellan Skarsgård, 126 Min., FSK: ab 12

Dass eine Tumor-Diagnose ohne Chance auf Heilung am Anfang eines trotzdem beglückenden Films stehen kann, beweist „Hope" mit der autobiografischen Geschichte der Regisseurin Maria Sødahl: Es ist kurz vor Weihnachten, als die Choreografin Anja (Andrea Bræin Hovig) von einem erfolgreichen Auslandsaufenthalt zu ihrer Familie zurückkehrt. Und die Kopfschmerzen von einem großen Tumor stammend diagnostiziert werden. Ein Jahr nachdem der Lungenkrebs scheinbar erfolgreich besiegt wurde. Schmerzen und Panik sind groß, trotzdem beschließt Anja mit ihrem Mann, dem Regisseur Tomas (Stellan Skarsgård), den sechs Kindern nichts zu sagen. Und dann macht er ihr im Sprechzimmer eines Arztes auch noch einen Heiratsantrag.

Märchenhafte Weihnachten, Anjas Geburtstag, eine Hochzeit, Neujahr und wahrscheinlich ein baldiger Todestag in einem Rutsch – „Hope" hält sich nur scheinbar nicht zurück. Denn der bewegendste und schönste Film der Woche bleibt ohne übertriebene Dramatik lebensnah, sehr detailliert und glaubhaft. 

Deutlich die ähnlichen Erfahrungen der Filmregisseurin Maria Sødahl, wenn die Nebenwirkungen Anja hyperaktiv machen und wir uns über einen Hausputz im Eiltempo amüsieren können. Geistreich geht das Paar, das sich eigentlich auseinandergelebt hatte, mit der Situation um: Auf sein „Wie geht es dir?" antwortet sie, deren Sehnerv eingeklemmt ist, „Blind"! Beim grandiosen Weihnachtsfest hängen alle balancierend und lachend in einem großen Knoten auf Papa, der vorher die Hausarbeit an die älteren Kinder delegiert hatte. Selbst die Liebe, die im Alltag verloren gegangen ist, lebt in Todesnähe wieder auf.

Die Abschiede vor der Operation sind nicht einfach anzusehen, aber „Hope" ist kein Melodram, das explizit auf die Tränendrüse drückt. Die Fast-Tragikomödie zeigt eine problematische Beziehung, in der doch noch viel Liebe, Verständnis und innige Kenntnis des anderen steckt. Das macht aus „Hope" auch einen Liebesfilm. Und eine Anti-Rauch-Kampagne.