4.1.12

Ziemlich beste Freunde

Frankreich 2011 (Intouchables) Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache mit François Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot, Clotilde Mollet 110 Min. FSK ab 6

Der schwarze, junge Arbeitslose Driss (Omar Sy) will sich bei der Vorstellung für einen Pfleger-Job eigentlich nur eine Unterschrift abholen, doch seine respektlose Art beeindruckt den gelähmten Superreichen Philippe (François Cluzet), der ansonsten von übermäßig rücksichtsvollen Personal umgeben ist. Geschickt überzeugt er Driss, doch für ihn zu arbeiten und eine ganze Weile amüsiert man sich an der sorglosen Haltung des eigentlich ungeeigneten Fürsorgers. Er ist eher an den weiblichen Mitarbeitern interessiert und lässt den Querschnittsgelähmten auch schon mal fallen. Nicht erst bei der gemeinsamen Freude am Sportwagen Fahren wird klar, dass hier aus zwei Männern aus unterschiedlichen Milieus, mit völlig verschiedener Bildung und meist anderen Interessen Freunde werden. Der Mann aus dem eindrucksvollen Stadtpalast, der Kunst für unfassbare Summen kauft, kippt in einsamen Nächten sein Herz aus. Driss hält erst mal seine gute Laune dagegen und sorgt recht ruppig dafür, dass Philippe seinen üblichen Trott aufgibt: Mit der Brieffreundin muss er gezwungenermaßen sprechen, statt des Rollstuhl-gerechten Krankenbusses nehmen die beiden fortan den Sportwagen und Philippe genießt es, mal einen Joint zu rauchen.

Driss kümmert sich nicht nur um seinen Auftraggeber und im ernsteren Teil um seine arme Familie, sondern gleich auch um alle Frauen in Philippes Palast, samt Tochter und Haushälterin. Dabei weist der kräftige, sehr gut gebaute Mann mit Messer und Schlagstock im Gepäck auch mal einen Autofahrer, der die Einfahrt versperrt, brutal auf Regeln und Rücksicht hin. Aber keine Sorge, in diesem Film ist alles nett: Die Lähmung, die Pflege, die Gegensätze. Eigentlich eine schöne Utopie, manche werden sagen: Ziemlich verlogen. „Ziemlich beste Freunde" könnte ein ziemlich netter Film sein, hätte es nicht mehr als ein Jahr vorher „Renn, wenn du kannst" von Dietrich Brüggemann gegeben. Dieser ehrlichere Film legte insgesamt die unverkrampfte Haltung an den Tag, mit der Driss hier seinen Arbeitgeber beeindruckt.

Die beiden Regisseure und Autoren Olivier Nakache und Eric Toledano, die schon 2005 mit „Zwei ungleiche Freunde" eine Buddy-Komödie an den Start brachten, legen einen hervorragenden Film mit exzellenten Darstellern hin. Super Szenen gibt es in Serie, ein Musik-Battle mit „Earth, Wind and Fire" vom iPod gegen Vivaldi vom Kammerorchester ist nur ein gelungener Höhepunkt. Perfekte Unterhaltung, gutes Gefühlskino, bei dem man nur nicht an die Straßenschlachten und die Sarkozys sozialen Katastrophengebiete denken darf, in denen Driss stecken würde, wenn ihn nicht dieses Märchen in einen Palast versetzte. Trotzdem waren die französischen Kinokassen begeistert.

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