21.7.19

Vox Lux

USA 2018 Regie: Brady Corbet, mit Natalie Portman, Jude Law, Stacy Martin 114 Min.

Natalie Portman ist der „Star" dieses Films und gleichzeitig sagenhaft anders. „Vox Lux", das Porträt des 21. Jahrhunderts („A Twenty First Century Portrait"), mal ein Film, der sich nicht in drei Sätzen abhandeln lässt und im Kopf noch lange arbeitet.

1999 überlebt die 13-jährige Celeste (Raffey Cassidy) ein Schul-Massaker -der Attentäter wollte doch tatsächlich nicht mit dem gläubigen Mädchen beten. Ihr eher kläglich vorgetragener Song bei der Trauerfeier wird zur Hymne der Nation kurz: Ein Hit. Zusammen mit ihrer Schwester (Stacy Martin), die alle Lieder schreibt, und einem schmierigen Talentmanager (Jude Law) erlebt sie einen kometenhaften Aufstieg zum Popstar. Nach einem fast komplett im Zeitraffer gezeigten Trip nach Stockholm springt die Handlung ins Jahr 2017 mit Natalie Portman als Celeste. Als „Re-Genesis", Wiedergeburt nach einem besoffenen Auto-Unfall steht ein Comeback mit dem Album „Vox Lux" an.

Aus dem jungen Schwan mit dem steifen Hals in Folge des Schusses in die Wirbelsäule ist ein schwarzes Entlein geworden. Das gläubige Mädchen flucht jetzt selbst, säuft viel und kann nur voll auf Drogen ihre sportliche Bühnenshow abliefern. Eine überkandidelte, kaum noch tragische Witzfigur. Die Tochter - wieder gespielt von Raffey Cassidy - wächst bei der Schwester auf, mit der Celeste zerstritten ist.

Die Kompositionen des echten Popstars Sia erkennt man direkt zu Anfang, wobei sich das „Ouevre" von Celeste eher durch einen erstaunlichen Grad an Banalität auszeichnet. „Popmusik ist dazu da, dass man nicht zu sehr denken muss", sagt sie einmal. So ist denn auch dieser äußerst bemerkenswerte Film von Brady Corbet nur auf einer Ebene „Pop". Von Anfang an, der mit dem Film-Abspann beginnt, verstört er auf mehreren Ebenen. Der Erzähler Willem Dafoe referiert die Lebensgeschichte von Celeste mit einer Stimmlage zwischen sachlich und spöttisch.

Die Kamera ist immer irgendwie zu nah, selbst New York und Erfolg sehen hier dunkel und bedrohlich aus. Blitzlichter zerstückeln das erste von vielen Musikvideos, als die man den Film auch sehen kann. Konsequent wird hier die glatte Oberfläche verweigert, dieser Blick geht immer schon hinter die Fassade, unter die Haut.

Thematisch kommt der Terror wieder hoch, vermischt mit Pop, als Attentäter in den Masken von Celeste Menschen am Strand erschießen. Außerdem war schon 9/11 eine Katastrophe weil der junge Star zeitgleich das erste Mal Sex hatte und direkt schwanger wurde.

Eigentlich vom Ende zum Anfang erzählt und strukturiert mit Kapiteln wie „Prolog", „Act 1 - Genesis", „Act 2 - Regenesis" bleibt alles in diesem ungewöhnlichen Film ungewöhnlich faszinierend. Vor allem ist Natalie „Black Swan" Portman in dieser Celeste überhaupt nicht wieder zu erkennen. „Vox Lux" ist alles andere als ein Star-Vehikel. Halt ein „A Twenty First Century Portrait", wie es im Filmtitel heißt, der am Ende endlich erscheint. Ein Porträt eines Phänomens im Phänomen Pop. Zwar beklagt Celeste, dass im Kulturwandel gewalttätige Nihilisten durch Terror-Akte selbst Superstars werden wollen, doch ihre ganze Existenz samt der ausführlichen Bühnenshow im Finale ist auch eine verstörende Null-Nummer.