16.11.09

Gesetz der Rache


USA 2009 (Law Abiding Citizen) Regie: F. Gary Gray mit Gerard Butler, Jamie Foxx, Michael Gambon 109 Min. FSK: ab 16

Was würde Michael Kohlhaas, diese über alle Maßen gerechte Kleist-Figur, zu den Absprachen sagen, die in der deutschen Justiz immer beliebter werden? Wenn die Zumwinkels, die Hartz’ oder die Ackermanns nach Anklagen zu millionenschweren Verbrechen in Kurzverfahren für ein wenig Kleingeld - Peanuts - freigesprochen werden? In den USA heißen diese Absprachen Deals und haben eine längere Justiz- und Filmgeschichte. Das „Gesetz der Rache“ bringt das überdeutliche Gefühl, dass Absprachen nichts mit Gerechtigkeit zu tun haben, auf eine ganz andere Ebene:

Clyde Sheltons (Gerard Butler) Frau und Tochter werden in der heftigen Anfangsszene brutal umgebracht. Danach geht die Justiz ebenso schnell ihren Gang. Da die Beweislage nicht ganz sicher ist, fädelt der ehrgeizige Staatsanwalt Nick Rice (Jamie Foxx) einen Deal ein. Der Mörder sagt gegen seinen Mittäter aus und erhält dadurch eine milde Gefängnisstrafe. Clyde Shelton ist wütend, weil es keine gerechte (Todes-) Strafe für beide Täter gibt. Wie wütend, zeigt sich zehn Jahre später. Erst wird die Hinrichtung des zum Tode Verurteilten zur Horrorshow, weil jemand die Chemikalien vertauschte. Dann zerstückelt Shelton den anderen Täter bei vollem Bewusstsein mit Kreissäge und Skalpell. Und stellt sich danach der Polizei. In einem raffinierten Spiel mit dem Ankläger Nick Rice gesteht er die Taten, ermordet aber aus dem Gefängnis heraus alle Richter und Juristen, die am Deal vor zehn Jahren beteiligt waren, weil sie „anderen Gerechtigkeit vorenthielten“. Nur Rice bleibt inmitten der Explosionen und Leichen am Leben - er soll einsehen, dass er einen Fehler begangen hat, und gezwungen werden, gegen die Regeln des Gesetzes einen Mörder zu stoppen...

Da will jemand den „verseuchten, korrupten Tempel der Justiz zum Einsturz bringen“. Am Ende bleibt beim „Gesetz der Rache“ Selbstjustiz mit einem Twist. Mit den Deals und Absprachen wird hier die ganze Justiz abgeschafft. Dabei spielt der Film nicht fair und während die mäßige Umsetzung ihn uninteressant macht, sind seine populistischen Aussagen sehr bedenklich.

Regisseur F. Gary Gray („The Italian Job“) holt irgendwann einen Informanten aus Sheltons Vergangenheit zu Hilfe, um den Mörder zum supergefährlichen Killer-Genie zu machen. Dieses Image konnte der Film ihm bis dahin nicht verpassen. Der schwache „300“-Hauptdarsteller Butler wirkt eher wie ein grober Kerl, denn wie ein gerissenes Superhirn. Anthony Hopkins etwa schien in „Schweigen der Lämmer“ erst einmal harmlos. Dass er hinter dem extrem ruhigen Lächeln ein Monster versteckte, machte seine Rolle so spannend.

Außerdem fehlt dem „Gesetz der Rache“, das was den letzten „Batman“ so gut machte: Die Skrupel in den Figuren, die eigene Zerrissenheit zwischen Recht und Gerechtigkeit. Da blieb eine Erkenntnis: Mit Rache haben unsere Gesetze nichts zu tun. Dieser Film übrigens auch nicht, es geht hier um Rechthaberei. Dass er versucht, sein Publikum reinzulegen, wiegt schwerer als die uneinheitliche Umsetzung. Trotzdem ist der Gedanke reizvoll, Richtern diesen Film vor der nächsten Absprache in Sachen Ackerman & Co mal zu zeigen. Dann gibt es vielleicht ein ernsteres Nachdenken, welches Rechtsgut mit solchen Entscheidungen leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird.