27.9.11

Wickie auf großer Fahrt

BRD 2011 Regie: Christian Ditter mit Jonas Hämmerle, Waldemar Kobus, Valeria Eisenbart, Nic Romm, Günther Kaufmann, Christoph Maria Herbst

Er hat einfach nichts gelernt: Noch immer versucht Wikinger-Chef Halvar (Waldemar Kobus) seinem viel zu cleveren Sohn Wickie (Jonas Hämmerle) furchtloses Wikinger-Gehabe aufzuzwingen. Der Überfall auf die Ritter geht aber vor allem deswegen schief, weil Schrecklicher Sven wieder vorher da war und ein keckes Mädel namens Svenja (Valeria Eisenbart) auch noch das letzte Schatzkästchen vor Wickies Nase wegklaut. Diese humorlose Göre betrügt und betäubt später noch das ganze Dorf. Doch was es mit der Karte und den entführten Eskimos auf sich hat, erfahren wir erst später. Denn nachdem Halvar entführt wurde, übernimmt nun gemäß der Tradition sein Sohn die Führung des räuberischen Rudels. Das findet zwar keiner toll, selbst Wickie nicht, doch irgendwer muss den Vater ja befreien. Beim Ablegen zur großen Reise nimmt der junge Wikinger noch den ganzen Bootssteg mit, doch letztendlich setzen sich Verstand und „Wir sollten erst mal drüber reden" gegen Dickschädel und Faust aufs Auge durch.

Wenn in einer arg künstlichen Grotte aus digitalem Eis der Hammer Thors erkämpft wird, wenn sich die eher albernen als starken Männer im Schlosse Svens in Ritterrüstungen verstecken, dann läuft dies alles genau nach dem Rezept, das schon in den Mythen der Edda und der Wickie-Pedia notiert ist. 08 bis 15 Gramm Abenteuer, dazu etwas Rumkasperln, am besten auf dem niederen Stromberg, bestanden von dürren Ulmen. Heraus kommt die Moral für kleine Helden, so zu handeln, wie sie es für richtig halten. Auch oder vor allem wenn der Vater ein großer Pirat ist.

„Wickie und die starken Männer" war 2009 ein Riesen-Erfolg. Da mag sich ein Produzent sein Goldnäschen gerieben und flugs noch einen Wickie-Film gemacht haben. Wieder wurden die alten Mären der beliebten Zeichentricksserie aus vergangenen Jahrzehnten nun in einen Realfilm mit Schauspielern aus Fleisch und Blut sowie Effekten aus Bits und Bytes gegossen. Doch heraus kam eine Fortsetzung, die noch ganz anständig erzählt, aber so gut wie keine Höhepunkte hat. Sowohl beim Spaß als auch beim Abenteuer. Das ist nicht mehr Michael „Bully" Herbig, schmerzlich vermisst man die Abwesenheit des Multitalents vom ersten Moment an. Nicht unbedingt wegen seiner Rolle als spanischer Chronist, aber auch. Doch vor allem als Macher hinter den Kulissen, als Produzent, Autor und Regisseur. „Wickie 2" fährt nur mit halber Fahrt. Jede Szene ist schwächer, das Abenteuer weniger abenteuerlich, statt großem Kino für Kinder nur ein Kinderfilmchen. Zwar kommt das Zielpublikum jetzt nicht mit jahrelanger Erfahrung und dem vergleichenden Maßstab besserer Wickies in den Saal, doch wenn Produzenten Filme „nur für Kinder" inszenieren, geht es meistens nicht gut. Kinder sind zwar klein, doch sie können ganz schön große Augen machen, wenn man es richtig anstellt, wie zuletzt beim „Sandmännchen". Regisseur und Co-Autor Christin Ditter, der mit seinen Remakes der „Vorstadtkrokodile" exzellente Kinder- und Jugendabenteuer auf die Leinwand gebracht hat, enttäuscht hier doch sehr. Hat man hier wirklich gespart? „Die (gar nicht) große Fahrt" wirkt in vielen Details einfacher gemacht, es fehlt der leicht verdrehte, schräge Witz, selbst die Darsteller scheinen nicht motiviert zu sein. Das kann man sich als großes und kleines Publikum im Gegenzug auch sparen. Falls sich die kleinen Dickschädel doch durchsetzen, lässt sich wenigstens guten Gewissens auf das überflüssige 3D verzichten.

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