6.9.11

Freunde mit gewissen Vorzügen

USA 2011 (Friends with benefits) Regie: Will Gluck mit Justin Timberlake, Mila Kunis, Patricia Clarkson, Jenna Elfman 109 Min. FSK ab 12

Wer erinnert sich nicht an das geniale Türen-Versteckspiel von Jonathan Demme in „Das Schweigen der Lämmer"? Jodie Foster hat die Spur des Serienmörders entdeckt, das FBI eilt rasant zum Wohnort des Täters, steht rechtzeitig vor der Tür, um eine Frau zu retten ... doch es ist die falsche Tür. Die Parallel-Montage des Films hat uns reingelegt. Ähnlich raffiniert beginnt die Romantische Komödie „Freunde mit gewissen Vorzügen". Über Leichen geht hier keiner, doch es ist schon heftig, wie Beziehungen beendet werden. Gebannt verfolgen wir in der flotten Eingangssequenz (Schnitt: Tia Nolan), wie es den Publikumslieblingen Justin Timberlake und Mila Kunis ergeht. Doch wieder reingelegt: Die Partner sind jeweils ganz andere, abserviert werden sie aber trotzdem und haben erst mal von Beziehungen die Nase voll.

Danach darf der Film noch mal loslegen. Justin Timberlake kommt als erfolgreicher Web-Redakteur Dylan aus Los Angeles nur widerwillig nach New York. Die Headhunterin Jamie (Mila Kunis) will ihn unbedingt als Chef-Layouter für das Männermagazin GQ anwerben. Mit einer reizenden Mischung aus Charme und Tollpatschigkeit gibt sie dem eingefleischten Westküsten-Bewohner eine persönliche New York-Tour mit einem Flash-Dance-Mob als Höhepunkt. Hier sind wir längst von der Traumwelt derartiger Rom-Koms gefangen, Dylan bekommt den Job und ganz zufällig gehen die beiden noch mal zusammen aus. Um sich dabei über gar nicht romantische Probleme des Beziehungslebens auszutauschen. Wie schön wäre es doch, wenn man das Gute - sprich: den Sex - ohne all die Verbiegungen und Kompromisse haben könnte. Dass die beiden bald auf rein freundschaftlicher Basis in der Kiste landen, ist ebenso klar, wie die Probleme mit kurz nachher aufflammenden Gefühlen, die mehr wollen. Aber wie die beiden getrennt geschlechtlichen Kumpels zur Sache gehen, ist richtig komisch!

Und dazu gar nicht pubertär zotig - sensationell! Auf dem gleichen erwachsenen Niveau sind auch die intelligenten, witzige Dialoge. Selbst wenn diese recht eindeutig sind, bleibt es im Bild typisch Hollywood prüde. Nach dem Spaß kommt in diesem Genre immer der Kater, doch auch hier punktet der Film: Die Schwierigkeiten der beiden, sich aufeinander einzulassen sind nachvollziehbar, die Episode mit Dylans Familie und dem dementen Vater noch rührender. Timberlake und Kunis spielen gut und glaubwürdig. Er ist gar nicht Popstar, sondern richtig präsent auf der Leinwand. Als Zugabe gibt es Woody Harrelson in der Rolle eines völlig abgedrehten, schwulen Sportreporters - noch seltener zu finden als schwule Fußballer. Auf Jamies Seite darf eine reichlich wilde Mutter (Patricia Clarkson) mindestens zehn mögliche Väter einbringen, aber am Ende einmal das Richtige sagen. Dann gibt es noch mal einen Flash-Mob - statt Fleurop die Romantik unserer Zeit.

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