BRD 2014 Regie: Felix Fuchssteiner, Katharina Schöde mit Maria Ehrich, Jannis Niewöhner, Peter Simonischek, Josefine Preuß, Katharina Thalbach 116 Min. FSK: ab 6
Der zweite Teil der Verfilmungen von Kerstin Giers „Edelstein"-Trilogie springt mitten rein in die recht unübersichtliche Handlung einer Liebe und einer Verschwörung über die Grenzen der Zeit hinweg. Wir landen mit einer neuerlichen Zeitreise 1609 in einer Kneipe und erleben Shakespeare als Vorleser. Erst nach ein paar Minuten schiebt „Saphirblau" eine dröge Zusammenfassung des bisher in „Rubinrot" Geschehenen nach - sehr ungeschickt. Die 16-jährige bodenständige Gwendolyn Shepherd (Maria Ehrich) bekommt es dank ihres Zeitreise-Gens mit einem arroganten, aufgeplusterten Verschwörungsklan zu tun. Doch in den jungen Sprössling dieser Brut, Gideon de Villiers (Jannis Niewöhner), verliebt sie sich trotzdem und die dramaturgisch nicht sehr simpel motivierten Zeitsprünge geben der Teenie-Liebe reichlich Gelegenheit für Zweifel, Streit und Versöhnungen. Außerdem ist es auch nett, wenn man sich für „das erste Mal" nicht in irgendeiner Kammer sondern gleich in irgendeinem Jahrhundert verstecken kann.
Aber gerade bei diesen mäßig romantischen oder kribbeligen Treffen in Raum und Zeit werden die typisch reizvollen Momente des Zeitreisen-Genres überhaupt nicht genutzt. Außerdem wird man den Eindruck nicht los, man hätte das alles schon einmal gesehen, hier würden Stücke aus „Rubinrot" wiederverwertet. Andauernd wird vergeheimnisst, niemand spricht seine Sätze zu Ende, weil dann wohl auch der Film aus wäre. Zur Verhüllung dünner Substanz trägt auch die immer noch die gleiche Kapuzenmänner-Verschwörung mit ihrem Latein-Gebrabbel bei. Ansonsten langweilig platte Dialoge, eine völlig reizlose Sprache, nicht verständliche Zwänge, unnötig verkomplizierte Situationen. Kurz gesagt: Es passiert so gut wie nichts und das Nichts ist auch noch schlecht gemacht.
Um dieses öde Filmchen aufzupeppeln, fügte man digital einen tollpatschigen Wasserspeier hinzu, den nur Gwendoline sehen kann. Was wiederum das Zielpublikum verwässert: Welcher echte Teenager begeistert sich öffentlich für so einen „Babykram"? Überhaupt ist zweifelhaft, ob die entscheidenden Zuschauer die völlig leblosen Dialoge ernst nehmen werden. Das Schauspiel, wenn man es überhaupt so nennen kann, schwankt von sehr mäßig bis zu unangenehmem Overacting bei Witzfiguren wie dem überzeichnet ekligern Aufpasser der Gilde. Und wenn man denkt, schlimmer geht es nimmer, tritt auch noch Veronika Ferres auf. „Saphirblau" ist vor allem eine Teenie-Romanze, die extrem drunter leidet, dass beide Hauptdarsteller null Charismas haben. Sollten sie zwischen den Teilen ausgetauscht werden, kein Zuschauer würde es merken.
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11.8.14
10.8.14
Locarno 2014 Ariane Schröder, Autorin von HIN UND WEG
Schon auf der Pressekonferenz vor einer Handvoll internationaler Journalisten wirkt sie trotz des leuchtend orangen Kleides eher scheu neben ihrem Produzenten, dem Regisseur und den Schauspielstars ihres ersten realisierten Drehbuchs „Hin und Weg". Die 1985 in Eupen geborene Ariane Schröder muss auch nicht beim xten Teamfotos dabei sein und schaut sich den Trubel des großen A-Festivals von Locarno lieber von der Seite an. Die Ostbelgierin Schröder absolvierte nach dem Abitur ein Bachelor-Studium der Kommunikations- und Politischen Wissenschaften an der RWTH Aachen. Dieses Studium hat ihr außer der Erkenntnis, dass sie eigentlich etwas anderes machen möchte, nicht viel gebracht. Da waren schon die beiden Aufführungen im Theater 99, bei denen sie mitspielte, wichtiger. Danach ging es ab 2007 an die Hochschule für Fernsehen und Film in München, zum Studiengang Drehbuch und Dramaturgie. Bereits während ihres Studiums realisierte sie diverse, preisgekrönte Dokumentarfilme. Mit der Tragikomödie „Hin und Weg" landete ihr Abschlussfilm und Drehbuchdebüt für einen Kinospielfilm gleich bei einem der größten Festivals der Welt, auf der größten Open Air-Leinwand Europas. Aber sie möchte auch Filme für großes Publikum machen. Locarno mit ein paar Tausend Menschen in einer Vorführung war da schon ein guter Anfang.
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Locarno 2014 Belgien sehen und sterben
Deutsche Piazza zum totlachen und todernst
Man kann die italienische Journalistin gut verstehen, die sich wunderte, weshalb all diese deutschen Weltpremieren auf der Piazza-Grande des 67. Filmfestival Locarnos (6.-16. August) nach Belgien fahren und da den Tod suchen. Auch Benjamin Hermann, Produzent der Tragikomödie „Hin und Weg", musste da lachen. Aber nein, es gab kein Geld aus Belgien und das westbelgische Ostende stand schon im Drehbuch der Ostbelgierin Ariane Schröder als Zielort der Radtour vom todkranken Hannes und seinen Freunden fest. Auch dass der „Euro-Bond" Benno Fürmann bei „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" ausgerechnet im Land von Pommes, Pralinen und Brüssler Bürokratie seinen ersten Auftrag versemmelt, ist kafkaesk logisch.
„Hin und Weg" zieht es wie viele Filme über Todkranke noch ein letztes Mal ans Meer. Doch der mit Leichtigkeit daherkommende Film von Regisseur Christian Zübert („Lammbock", „Dreiviertelmond") setzt nicht auf Rührung: Jedes Jahr machen sechs Freunde zusammen eine Fahrradtour. Einer bestimmt, wohin es geht, und auf der Strecke bekommt jeder eine geheime Aufgabe, um den Spaß noch zu vergrößern. Dieses Jahr will Hannes (Florian David Fitz) nach Belgien, doch der Grund ist nicht lustig: Der 36-jährige leidet an einer erblichen, für ihn unheilbaren Krankheit. Das quälende letzte Jahr erlebte er beim Vater mit und will seinen Tod nun selbst bestimmen - in Ostende per bereits arrangierter Sterbehilfe. Erst auf der Strecke erfahren die Freunde vom eigentlichen Ziel, bleiben aber nach kurzen Protesten doch zusammen. Die Abschiedstour lässt die kleinen Probleme der anderen zurücktreten, wichtiger als die Diskussion um Hannes' Entscheidung wird die außergewöhnliche Freundschaft. So gelingt „Hin und Weg" der Umgang mit einem sensiblen Thema vor allem auch als Ensemble-Film. Julia Koschitz spielt Hannes' Freundin, Jürgen Vogel einen Casanova, Hannelore Elsner die Mutter des Todkranken und Miriam Stein, Volker Bruch, Victoria Mayer sowie Johannes Allmayer den Freundeskreis. („Hin und Weg" wird ab dem 23.Oktober in den Kinos zu sehen sein.)
Großartiges Schauspiel lieferte auch Benno Fürmann in der Komödie „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss", ebenfalls als Weltpremiere vor großer Piazza-Kulisse: Der Auftragskiller Koralnik im geheimen Einsatz für eine noch geheimere EU-Sondertruppe bekam bei der Ausbildung beste Noten - und seit acht Jahren keinen einzigen Auftrag. Da kann selbst der härteste Agent schon mal seltsam werden und Koralnik wurde sehr seltsam. Das allein vergnügt vortrefflich, dann verunfallt auch noch die Betrügerin Rosa (Mavie Hörbiger) in sein Leben. Just als ihn doch der erste Auftrag nach Belgien ruft und prompt alles schief geht, auf der absurd-komischen Odyssee zu zweit. Fürmann gewinnt mit dem Alter stark an Charakter und wie er im schwarzen Anzug mit Rollkragenpullover durch seine einsame Existenz stakst, ist große Komödien-Kunst. Ein manchmal absurder Spaß-Trip durchs Hohe Venn und bis ins Finale bei Verviers. Da will Regisseur Florian Mischa Böder dann noch etwas über den Irrsinn von allgegenwärtiger Bedrohungs-Paranoia aussagen, was auch gesagt werden sollte. Nur verliert der Film etwas von seiner Spaßdichte. („Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" startet im Herbst in den deutschen Kinos.)
Begossener Leopard
Ausgerechnet als der Klassiker „Der Leopard" von Luchino Visconti im Rahmen der exzellenten Retrospektive zur legendären italienischen Produktionsfirma Titanus auf der Piazza gezeigt wurde, ging nach Mitternacht ein auch historisch sein wollendes Gewitter nieder. Der Leopard - gleichzeitig Wappentier - wurde heftig begossen, was die Begeisterung trübte, allerdings nicht die Stimmung in der Kasse: Die Karten waren schon verkauft und werden im Falle einer Filmverlegung in die umfunktionierte Sportarena namens Fevi nicht erstattet. Auch gestern Abend war es feucht. Die wahre Geschichte der 1885 blind, taub und stumm geborenen „Marie Heurtin" lässt die Bemühungen des selbst kränklichen Ordensschwester Marguerite (Isabelle Carré) miterleben, dem Mädchen (Ariana Rivoire) eine Sprache zu geben und sie so aus dem Gefängnis ihrer Behinderungen zu befreien. Wie Der Regisseur Jean-Pierre Améris („Die anonymen Romantiker") mit zarten Pastellfarben und ganz sparsamen Streicherklängen bei dieses Wunder der Sprache erleben lässt, ist unbeschreiblich, unheimlich bewegend und zu Tränen rührend. „Marie Heurtin" (Start: 1.1.2015) damit eindeutiger Kandidat für den Publikumspreis der Piazza.
Man kann die italienische Journalistin gut verstehen, die sich wunderte, weshalb all diese deutschen Weltpremieren auf der Piazza-Grande des 67. Filmfestival Locarnos (6.-16. August) nach Belgien fahren und da den Tod suchen. Auch Benjamin Hermann, Produzent der Tragikomödie „Hin und Weg", musste da lachen. Aber nein, es gab kein Geld aus Belgien und das westbelgische Ostende stand schon im Drehbuch der Ostbelgierin Ariane Schröder als Zielort der Radtour vom todkranken Hannes und seinen Freunden fest. Auch dass der „Euro-Bond" Benno Fürmann bei „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" ausgerechnet im Land von Pommes, Pralinen und Brüssler Bürokratie seinen ersten Auftrag versemmelt, ist kafkaesk logisch.
„Hin und Weg" zieht es wie viele Filme über Todkranke noch ein letztes Mal ans Meer. Doch der mit Leichtigkeit daherkommende Film von Regisseur Christian Zübert („Lammbock", „Dreiviertelmond") setzt nicht auf Rührung: Jedes Jahr machen sechs Freunde zusammen eine Fahrradtour. Einer bestimmt, wohin es geht, und auf der Strecke bekommt jeder eine geheime Aufgabe, um den Spaß noch zu vergrößern. Dieses Jahr will Hannes (Florian David Fitz) nach Belgien, doch der Grund ist nicht lustig: Der 36-jährige leidet an einer erblichen, für ihn unheilbaren Krankheit. Das quälende letzte Jahr erlebte er beim Vater mit und will seinen Tod nun selbst bestimmen - in Ostende per bereits arrangierter Sterbehilfe. Erst auf der Strecke erfahren die Freunde vom eigentlichen Ziel, bleiben aber nach kurzen Protesten doch zusammen. Die Abschiedstour lässt die kleinen Probleme der anderen zurücktreten, wichtiger als die Diskussion um Hannes' Entscheidung wird die außergewöhnliche Freundschaft. So gelingt „Hin und Weg" der Umgang mit einem sensiblen Thema vor allem auch als Ensemble-Film. Julia Koschitz spielt Hannes' Freundin, Jürgen Vogel einen Casanova, Hannelore Elsner die Mutter des Todkranken und Miriam Stein, Volker Bruch, Victoria Mayer sowie Johannes Allmayer den Freundeskreis. („Hin und Weg" wird ab dem 23.Oktober in den Kinos zu sehen sein.)
Großartiges Schauspiel lieferte auch Benno Fürmann in der Komödie „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss", ebenfalls als Weltpremiere vor großer Piazza-Kulisse: Der Auftragskiller Koralnik im geheimen Einsatz für eine noch geheimere EU-Sondertruppe bekam bei der Ausbildung beste Noten - und seit acht Jahren keinen einzigen Auftrag. Da kann selbst der härteste Agent schon mal seltsam werden und Koralnik wurde sehr seltsam. Das allein vergnügt vortrefflich, dann verunfallt auch noch die Betrügerin Rosa (Mavie Hörbiger) in sein Leben. Just als ihn doch der erste Auftrag nach Belgien ruft und prompt alles schief geht, auf der absurd-komischen Odyssee zu zweit. Fürmann gewinnt mit dem Alter stark an Charakter und wie er im schwarzen Anzug mit Rollkragenpullover durch seine einsame Existenz stakst, ist große Komödien-Kunst. Ein manchmal absurder Spaß-Trip durchs Hohe Venn und bis ins Finale bei Verviers. Da will Regisseur Florian Mischa Böder dann noch etwas über den Irrsinn von allgegenwärtiger Bedrohungs-Paranoia aussagen, was auch gesagt werden sollte. Nur verliert der Film etwas von seiner Spaßdichte. („Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" startet im Herbst in den deutschen Kinos.)
Begossener Leopard
Ausgerechnet als der Klassiker „Der Leopard" von Luchino Visconti im Rahmen der exzellenten Retrospektive zur legendären italienischen Produktionsfirma Titanus auf der Piazza gezeigt wurde, ging nach Mitternacht ein auch historisch sein wollendes Gewitter nieder. Der Leopard - gleichzeitig Wappentier - wurde heftig begossen, was die Begeisterung trübte, allerdings nicht die Stimmung in der Kasse: Die Karten waren schon verkauft und werden im Falle einer Filmverlegung in die umfunktionierte Sportarena namens Fevi nicht erstattet. Auch gestern Abend war es feucht. Die wahre Geschichte der 1885 blind, taub und stumm geborenen „Marie Heurtin" lässt die Bemühungen des selbst kränklichen Ordensschwester Marguerite (Isabelle Carré) miterleben, dem Mädchen (Ariana Rivoire) eine Sprache zu geben und sie so aus dem Gefängnis ihrer Behinderungen zu befreien. Wie Der Regisseur Jean-Pierre Améris („Die anonymen Romantiker") mit zarten Pastellfarben und ganz sparsamen Streicherklängen bei dieses Wunder der Sprache erleben lässt, ist unbeschreiblich, unheimlich bewegend und zu Tränen rührend. „Marie Heurtin" (Start: 1.1.2015) damit eindeutiger Kandidat für den Publikumspreis der Piazza.
Jimmy’s Hall
Großbritannien, Frankreich, Irland 2014 Regie: Ken Loach mit Barry Ward, Simone Kirby, Andrew Scott, Jim Norton 106 Min.
Die Geschichte ist eigentlich unglaublich und doch wahr: Im August 1933 wird der Ire James Gralton seines eigenen Landes verwiesen. Ein einmaliger Vorfall! Dabei kam der Jimmy genannte James (Barry Ward) erst kurz zuvor aus New York zurück - in seine Heimat und zu seiner alten Mutter. Der Empfang der Freunde und Mitbewohner ist respektvoll. Und auch wenn Jimmy, dieser stille, ernste Mann, mit anderen in diesen baren Zeiten zum Torfstechen geht, die Jugendlichen, die ihn auf der Straße ansprechen, machen seine besondere Position klar: Am Wegesrand liegt verlassen ein großes Haus, die Pearse-Connolly Hall. Benannt wurde das Gemeindezentrum nach zwei der Anführer des Aufstandes von 1916, gebaut wurde es von Jimmy und seinen Freunden bevor er das erste Mal fliehen musste. Und dabei nicht nur seine Mutter, sondern auch seine Liebe Oonagh (Simone Kirby) zurückließ.
Es dauert nicht lange, bis der weitgereiste Jimmy das Sozialzentrum wieder entstaubt und eröffnet. Jung und alt betreiben begeistert Volksbildung, lesen und interpretieren Yates, malen, singen und tanzen. Wobei die Pflege irischer Sprache und Traditionen eine besondere Rolle spielt. Doch auch Jazz wird von Jimmy importiert und mit großer Leidenschaft angenommen. Unter der Lehrenden und Lernenden ist auch Oonagh, mittlerweile verheiratet und Mutter zweier Kinder. Beim ersten Tanzabend protokolliert der lokale Priester Father Sheridan (Jim Norton) die irrenden Schäfchen und liest am Morgen danach im Gottesdienst die Namen derer vor, die Jimmy's Hall besucht haben. Eine persönliche und versöhnliche Visite Jimmys kann den Kirchenmann nicht von seiner extremistischen Position abbringen. Sowohl den nationalistischen als auch den kolonialistischen Parteien passt dieser Hort der Freiheit nicht ins Konzept von Konfrontation und Terror. Bald brennt der utopische Ort und Jimmy muss wieder fliehen.
Auch bei seinem wahrscheinlich letzten Spielfilm arbeitete Regisseur Ken Loach mit seinem langjährigen Drehbuch-Autor Paul Laverty zusammen. Hintergrund sind die historischen Verwerfungen, die Irland in den vorhergehenden Jahrhunderten in Folge der britischen Besetzung erleben musste. Dabei zeigt sich die wache Gegenwärtigkeit dieses historischen Themas darin, dass der Kampf gegen britische Besetzer und die internen Feindschaften der Iren der nordirischen Situation der letzten Jahrzehnte zum Verwechseln gleicht. Auch wenn Stichwort wie „Los Angelisation" oder „Need and Greed" fallen, muss man an aktuelle Kulturkämpfe und die Bankenkrisen von heute denken.
Dass man den Menschen in „Jimmy's Hall" den Bildungshunger, die Lebenslust, den Kampfeswillen und das so aus der Mode gekommene solidarische Handeln glaubt, liegt auch am Star-freien aber hervorragenden und authentisch sprechenden Ensemble: Barry Ward empfiehlt sich als Jimmy für mehr. Simone Kirby fasziniert und irritiert, weil sie frappant wie eine etwas jüngere Juliane Moore aussieht. Besonders interessant ist Jim Norton in der Rolle der Gegenfigur Father Sheridan, denn letztendlich bleibt Jimmys integres Handeln auch beim intelligenten aber verhärteten Mann nicht ohne Folge.
Folgenlos wird auch der Kinobesuch in „Jimmy's Hall" nicht bleiben, denn Ken Loachs zeitloses Engagement für die unterdrückten und gar nicht so schwachen Menschen überall in der Welt ist eine seltene und um so wertvollere Erscheinung geworden. Selbst wenn „Jimmy's Hall" bei aller Lebensfreude ästhetisch nicht ganz an seinen Cannes-Sieger „The wind that shakes the Barley" heranreicht - die vielleicht letzte Gelegenheit, einen neuen Loach im Kino zu sehen, darf man sich nicht entgehen lassen.
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Die Geschichte ist eigentlich unglaublich und doch wahr: Im August 1933 wird der Ire James Gralton seines eigenen Landes verwiesen. Ein einmaliger Vorfall! Dabei kam der Jimmy genannte James (Barry Ward) erst kurz zuvor aus New York zurück - in seine Heimat und zu seiner alten Mutter. Der Empfang der Freunde und Mitbewohner ist respektvoll. Und auch wenn Jimmy, dieser stille, ernste Mann, mit anderen in diesen baren Zeiten zum Torfstechen geht, die Jugendlichen, die ihn auf der Straße ansprechen, machen seine besondere Position klar: Am Wegesrand liegt verlassen ein großes Haus, die Pearse-Connolly Hall. Benannt wurde das Gemeindezentrum nach zwei der Anführer des Aufstandes von 1916, gebaut wurde es von Jimmy und seinen Freunden bevor er das erste Mal fliehen musste. Und dabei nicht nur seine Mutter, sondern auch seine Liebe Oonagh (Simone Kirby) zurückließ.
Es dauert nicht lange, bis der weitgereiste Jimmy das Sozialzentrum wieder entstaubt und eröffnet. Jung und alt betreiben begeistert Volksbildung, lesen und interpretieren Yates, malen, singen und tanzen. Wobei die Pflege irischer Sprache und Traditionen eine besondere Rolle spielt. Doch auch Jazz wird von Jimmy importiert und mit großer Leidenschaft angenommen. Unter der Lehrenden und Lernenden ist auch Oonagh, mittlerweile verheiratet und Mutter zweier Kinder. Beim ersten Tanzabend protokolliert der lokale Priester Father Sheridan (Jim Norton) die irrenden Schäfchen und liest am Morgen danach im Gottesdienst die Namen derer vor, die Jimmy's Hall besucht haben. Eine persönliche und versöhnliche Visite Jimmys kann den Kirchenmann nicht von seiner extremistischen Position abbringen. Sowohl den nationalistischen als auch den kolonialistischen Parteien passt dieser Hort der Freiheit nicht ins Konzept von Konfrontation und Terror. Bald brennt der utopische Ort und Jimmy muss wieder fliehen.
Auch bei seinem wahrscheinlich letzten Spielfilm arbeitete Regisseur Ken Loach mit seinem langjährigen Drehbuch-Autor Paul Laverty zusammen. Hintergrund sind die historischen Verwerfungen, die Irland in den vorhergehenden Jahrhunderten in Folge der britischen Besetzung erleben musste. Dabei zeigt sich die wache Gegenwärtigkeit dieses historischen Themas darin, dass der Kampf gegen britische Besetzer und die internen Feindschaften der Iren der nordirischen Situation der letzten Jahrzehnte zum Verwechseln gleicht. Auch wenn Stichwort wie „Los Angelisation" oder „Need and Greed" fallen, muss man an aktuelle Kulturkämpfe und die Bankenkrisen von heute denken.
Dass man den Menschen in „Jimmy's Hall" den Bildungshunger, die Lebenslust, den Kampfeswillen und das so aus der Mode gekommene solidarische Handeln glaubt, liegt auch am Star-freien aber hervorragenden und authentisch sprechenden Ensemble: Barry Ward empfiehlt sich als Jimmy für mehr. Simone Kirby fasziniert und irritiert, weil sie frappant wie eine etwas jüngere Juliane Moore aussieht. Besonders interessant ist Jim Norton in der Rolle der Gegenfigur Father Sheridan, denn letztendlich bleibt Jimmys integres Handeln auch beim intelligenten aber verhärteten Mann nicht ohne Folge.
Folgenlos wird auch der Kinobesuch in „Jimmy's Hall" nicht bleiben, denn Ken Loachs zeitloses Engagement für die unterdrückten und gar nicht so schwachen Menschen überall in der Welt ist eine seltene und um so wertvollere Erscheinung geworden. Selbst wenn „Jimmy's Hall" bei aller Lebensfreude ästhetisch nicht ganz an seinen Cannes-Sieger „The wind that shakes the Barley" heranreicht - die vielleicht letzte Gelegenheit, einen neuen Loach im Kino zu sehen, darf man sich nicht entgehen lassen.
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Planes 2 - Immer im Einsatz
USA 2014 (Planes: Fire & Rescue) Regie: Roberts Gannaway 84 Min. FSK: ab 0
„Planes", die entfernten Animations-Verwandten von Disneys „Cars", starten im zweiten Teil durch. Nach einem flügellahmen Abklatsch der Rennfahrer- beziehungsweise Flieger-Geschichte bekommt Dusty Crophopper nun Feuer unter dem Hintern und einen neuen Job. Zuerst nimmt die steile Karriere vom ehemaligen Pflanzengift-Sprüher ein jähes Ende - sein Getriebe ist im Eimer. (Dass so ein Ersatzteil nicht auswechselbar ist, passt gar nicht in die Zeiten von Ebay.) Gleichzeitig ist das Löschfahrzeug von Dustys Heimatort zu alt und löchrig, um noch die Genehmigung zum Betrieb des Flughafens zu behalten. Ausgerechnet jetzt, wo das Dorffest von Propwash ansteht und viele Gäste erwartet werden.
Kurzentschlossen will sich Dusty als Löschflugzeug ausbilden lassen. Im Nationalpark findet er im Hubschrauber Blade Ranger erneut einen strengen, alten Meister. Und der hat - Überraschung - wieder ein dunkles Geheimnis. Was wir vorerst wissen: Er war einst TV-Star in der Serie „Chops".
Dass hier die Motorrad-Serie „Cops" gemeint ist, gehört zu den vielen kleinen Scherzen und Wortwitzen bei diesen VIP - Very Important Planes - und den Pickup-Trucks, die wegen ihres Bar-Benehmens auf Deutsch „Anmach-Laster" heißen sollten. Um Dusty gibt es wieder ein ähnliches Team aus kleinen und großen Maschinen. Zum Glück erleben wir dank der heldenhaften Firefighters beim Buschbrand-Einsatz mal nicht das ausgelutschtes Format eines finalen Rennens. So sieht auch der Flug durch das Flammenmeer ganz anders, nämlich düsterer als die sonstige kunterbunte Nichtigkeit aus. Trotzdem ist auch der zweite „Planes" selbstverständlich immer wieder mal rührend, pathetisch und dramatisch in der Rettung eines alten Camper-Paares. Der eher rasante als sorgfältige Mix aus menschlichen Autos, Zügen und Booten ist schnelle, alberne und witzig Fast-Food-Unterhaltung.
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„Planes", die entfernten Animations-Verwandten von Disneys „Cars", starten im zweiten Teil durch. Nach einem flügellahmen Abklatsch der Rennfahrer- beziehungsweise Flieger-Geschichte bekommt Dusty Crophopper nun Feuer unter dem Hintern und einen neuen Job. Zuerst nimmt die steile Karriere vom ehemaligen Pflanzengift-Sprüher ein jähes Ende - sein Getriebe ist im Eimer. (Dass so ein Ersatzteil nicht auswechselbar ist, passt gar nicht in die Zeiten von Ebay.) Gleichzeitig ist das Löschfahrzeug von Dustys Heimatort zu alt und löchrig, um noch die Genehmigung zum Betrieb des Flughafens zu behalten. Ausgerechnet jetzt, wo das Dorffest von Propwash ansteht und viele Gäste erwartet werden.
Kurzentschlossen will sich Dusty als Löschflugzeug ausbilden lassen. Im Nationalpark findet er im Hubschrauber Blade Ranger erneut einen strengen, alten Meister. Und der hat - Überraschung - wieder ein dunkles Geheimnis. Was wir vorerst wissen: Er war einst TV-Star in der Serie „Chops".
Dass hier die Motorrad-Serie „Cops" gemeint ist, gehört zu den vielen kleinen Scherzen und Wortwitzen bei diesen VIP - Very Important Planes - und den Pickup-Trucks, die wegen ihres Bar-Benehmens auf Deutsch „Anmach-Laster" heißen sollten. Um Dusty gibt es wieder ein ähnliches Team aus kleinen und großen Maschinen. Zum Glück erleben wir dank der heldenhaften Firefighters beim Buschbrand-Einsatz mal nicht das ausgelutschtes Format eines finalen Rennens. So sieht auch der Flug durch das Flammenmeer ganz anders, nämlich düsterer als die sonstige kunterbunte Nichtigkeit aus. Trotzdem ist auch der zweite „Planes" selbstverständlich immer wieder mal rührend, pathetisch und dramatisch in der Rettung eines alten Camper-Paares. Der eher rasante als sorgfältige Mix aus menschlichen Autos, Zügen und Booten ist schnelle, alberne und witzig Fast-Food-Unterhaltung.
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7.8.14
Locarno 2014 Das Geheimnis um FRG
FRG - Die Rache der Geschichte?
Das Festivalprogramm von Locarno 2014 bemüht sich um Geschichts-„Schreibung". Da tauchen west-deutsche Filme von Mitte der 40er-Jahre bis Anfang der 90er unter der Kennung „ex Federal Republik of Germany", Abkürzung „FRG" auf. FRG? Das klingt überhaupt nicht cool wie damals TAFKAP (The Artist Formerly Known As Prince) und fast so schlimm wie „Fyrom" (Formerly yugoslavian republic of Macedonia), der Kampf-Name nationalistischer Griechen, die kein Mazedonien außerhalb ihrer Staatsgrenzen dulden wollen. Aber vielleicht liegt hier die Lösung: Wer hat sich nicht schon gewundert, dass Ost-Deutschland nachträglich zur „Ex-DDR" wurde. In extrem unsinnigen Zusammenhängen, denn die Hyper-Revisionisten schreckten nicht davor zurück, zu sagen „Erich Honecker war der Staatsratsvorsitzende der Ex-DDR". Was Schwachsinn ist, denn eine Weile war der real existierende Sozialismus ja ziemlich existent und blühte im Glanze usw. Und aus Honeckers Genuschels war nicht ein hartes „Ex" rauszuhören, immer deutlich eine „dschedmkrascherepBLIK!" Aber es gibt Leute, die wollen Jahrzehnte, nachdem die DDR aufgelöst wurde, selbst die Jahre davor ausexen - Tipp-Ex für die Geschichtsschreibung. Da ist es doch nur gerecht, wenn auch nicht korrekt, dass auch die BRD ein Ex-Land wird. Selbst wenn das 16-Länder-Land von heute die staatsrechtlich ungebrochene Fortsetzung des 11-Länder-Provisorium ist.
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Das Festivalprogramm von Locarno 2014 bemüht sich um Geschichts-„Schreibung". Da tauchen west-deutsche Filme von Mitte der 40er-Jahre bis Anfang der 90er unter der Kennung „ex Federal Republik of Germany", Abkürzung „FRG" auf. FRG? Das klingt überhaupt nicht cool wie damals TAFKAP (The Artist Formerly Known As Prince) und fast so schlimm wie „Fyrom" (Formerly yugoslavian republic of Macedonia), der Kampf-Name nationalistischer Griechen, die kein Mazedonien außerhalb ihrer Staatsgrenzen dulden wollen. Aber vielleicht liegt hier die Lösung: Wer hat sich nicht schon gewundert, dass Ost-Deutschland nachträglich zur „Ex-DDR" wurde. In extrem unsinnigen Zusammenhängen, denn die Hyper-Revisionisten schreckten nicht davor zurück, zu sagen „Erich Honecker war der Staatsratsvorsitzende der Ex-DDR". Was Schwachsinn ist, denn eine Weile war der real existierende Sozialismus ja ziemlich existent und blühte im Glanze usw. Und aus Honeckers Genuschels war nicht ein hartes „Ex" rauszuhören, immer deutlich eine „dschedmkrascherepBLIK!" Aber es gibt Leute, die wollen Jahrzehnte, nachdem die DDR aufgelöst wurde, selbst die Jahre davor ausexen - Tipp-Ex für die Geschichtsschreibung. Da ist es doch nur gerecht, wenn auch nicht korrekt, dass auch die BRD ein Ex-Land wird. Selbst wenn das 16-Länder-Land von heute die staatsrechtlich ungebrochene Fortsetzung des 11-Länder-Provisorium ist.
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Lucy (2014)
Frankreich 2014 Regie: Luc Besson mit Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Min-sik Choi 90 Min.
Mit dem immer wieder lohnenswerten Denkansatz „Was wäre wenn...?" reizt Luc Besson („Im Rausch der Tiefe", „Leon- Der Profi", „Transporter") die Möglichkeiten des menschlichen Hirns im hübschen Kopf von Scarlett Johansson aus. Das führt zu einem unterhaltsamen Science Fiction mit Humor und Action, der in Ansätzen sehr reizvoll ist. Dass Besson hier nicht an seinen Klassiker „Das fünfte Element" ranreicht, liegt wahrscheinlich daran, dass der fleißige Regisseur, Autor, Produzent und Studiogründer sein eigenes Vermögen nur rudimentär ausgereizt hat.
Als blonde Frau aus dem Westen für einen Party- und Drogen-Bekannten einen Koffer unbekannten Inhalts in ein koreanisches Hotel bringen und dafür 500 Dollar kassieren? Die Studentin Lucy (Scarlett Johansson) ist dazu viel zu helle in ihrem Köpfchen. Doch der Typ ist noch viel dreister und nur Minuten später klebt er tot an der Glasfassade während sie in einer Suite zwischen bedrohlichen Bodyguards sitzt. Lost in Translation und auch sonst ziemlich verloren, erlebt Lucy die erschreckende Wirkung einiger blauer Kristalle und wacht dann mit einer Wunde am Bauch auf: Der koreanische Pate Mr. Jang (Choi Min-sik) ließ ihr ein Päckchen der neuen Droge in den Körper einnähen, zwingt dann sie und andere, den (fiktiven) Stoff namens CPH 4 nach Europa zu schmuggeln.
Als die brutale Prügel der Handlanger das Päckchen in ihrem Bauch platzen lassen, erlebt Lucy ein paar Millionen Jahre Evolution in Sekunden: Sie kann die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns immer mehr und weit über die üblichen 10 Prozent einsetzen, wie Morgan Freeman als Professor Norman parallel vorträgt. Im umgekehrten Countdown bis zur 100-prozentigen Nutzung ihrer neuronalen Fähigkeiten wird Lucy Gedanken und Materie manipulieren, das gesamte Handynetz scannen. Radio oder TV-Wellen modulieren, ist dabei eine der einfachsten Übungen. Eine ganze Bande koreanischer Killer an der Decke kleben lassen, ein der spaßigsten.
Besson fährt reichlich erstaunliche Fähigkeiten seiner Heldin und noch mehr filmische Gimmicks auf. Schon das knappe, einleitende Gespräch, mit dem Lucy in die Falle gelockt wird, begleiten Clips von lauernden Leoparden und Mausefallen. Das ergibt einen wilden aber originellen Science Fiction, der vor allem keine Zeit für unnötige Wiederholungen hat. Die philosophische Ebene bietet als Fast Food für den Kopf eine Geschichte allen Lebens, eine Art Terrence Malick „Tree of Life" 3.0 an. Allerdings nicht als große Komposition sondern als Abfolge von nicht immer gelungenen Pointen. Jedoch auch mit einigen Volltreffern wie der neuen Version von Michelangelos Erschaffung Adams: Hier ist Lucy gleichzeitig Gott und Äffin, gibt nach einer rasanten Reise durch die Erdgeschichte den Funken ihrer Erkenntnis in einer genialen Rückkopplung weiter.
Das geriet als Gedankenspiel viel spannender als die brutale Korea-Mafia, die gegen diese neue Wonder-Woman chancenlos ist. (Die asiatischen Produzenten zeigen sich auch in der allgegenwärtigen Samsung-Werbung.) Auch die anderen Action-Typen des Films, mit denen Besson seine „Taxi"- und „Transporter"-Filme zitiert, können nur staunen - mit offenem Mund und offenen Wunden. „Lucy" ist eher grandioser Science Fiction als Action-Thriller. Schön dabei, dass der Franzose immer noch sehr verrückt mit allem rumspielt, was Film ist. Schade, dass das Ergebnis unsorgfältig und zu rasch fertig gestellt wirkt. Aber wahrscheinlich hat Luc Besson einfach noch viel zu viel zu tun, bevor er sich als Multitalent in jedem Bit der filmischen Welt verewigt hat.
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Mit dem immer wieder lohnenswerten Denkansatz „Was wäre wenn...?" reizt Luc Besson („Im Rausch der Tiefe", „Leon- Der Profi", „Transporter") die Möglichkeiten des menschlichen Hirns im hübschen Kopf von Scarlett Johansson aus. Das führt zu einem unterhaltsamen Science Fiction mit Humor und Action, der in Ansätzen sehr reizvoll ist. Dass Besson hier nicht an seinen Klassiker „Das fünfte Element" ranreicht, liegt wahrscheinlich daran, dass der fleißige Regisseur, Autor, Produzent und Studiogründer sein eigenes Vermögen nur rudimentär ausgereizt hat.
Als blonde Frau aus dem Westen für einen Party- und Drogen-Bekannten einen Koffer unbekannten Inhalts in ein koreanisches Hotel bringen und dafür 500 Dollar kassieren? Die Studentin Lucy (Scarlett Johansson) ist dazu viel zu helle in ihrem Köpfchen. Doch der Typ ist noch viel dreister und nur Minuten später klebt er tot an der Glasfassade während sie in einer Suite zwischen bedrohlichen Bodyguards sitzt. Lost in Translation und auch sonst ziemlich verloren, erlebt Lucy die erschreckende Wirkung einiger blauer Kristalle und wacht dann mit einer Wunde am Bauch auf: Der koreanische Pate Mr. Jang (Choi Min-sik) ließ ihr ein Päckchen der neuen Droge in den Körper einnähen, zwingt dann sie und andere, den (fiktiven) Stoff namens CPH 4 nach Europa zu schmuggeln.
Als die brutale Prügel der Handlanger das Päckchen in ihrem Bauch platzen lassen, erlebt Lucy ein paar Millionen Jahre Evolution in Sekunden: Sie kann die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns immer mehr und weit über die üblichen 10 Prozent einsetzen, wie Morgan Freeman als Professor Norman parallel vorträgt. Im umgekehrten Countdown bis zur 100-prozentigen Nutzung ihrer neuronalen Fähigkeiten wird Lucy Gedanken und Materie manipulieren, das gesamte Handynetz scannen. Radio oder TV-Wellen modulieren, ist dabei eine der einfachsten Übungen. Eine ganze Bande koreanischer Killer an der Decke kleben lassen, ein der spaßigsten.
Besson fährt reichlich erstaunliche Fähigkeiten seiner Heldin und noch mehr filmische Gimmicks auf. Schon das knappe, einleitende Gespräch, mit dem Lucy in die Falle gelockt wird, begleiten Clips von lauernden Leoparden und Mausefallen. Das ergibt einen wilden aber originellen Science Fiction, der vor allem keine Zeit für unnötige Wiederholungen hat. Die philosophische Ebene bietet als Fast Food für den Kopf eine Geschichte allen Lebens, eine Art Terrence Malick „Tree of Life" 3.0 an. Allerdings nicht als große Komposition sondern als Abfolge von nicht immer gelungenen Pointen. Jedoch auch mit einigen Volltreffern wie der neuen Version von Michelangelos Erschaffung Adams: Hier ist Lucy gleichzeitig Gott und Äffin, gibt nach einer rasanten Reise durch die Erdgeschichte den Funken ihrer Erkenntnis in einer genialen Rückkopplung weiter.
Das geriet als Gedankenspiel viel spannender als die brutale Korea-Mafia, die gegen diese neue Wonder-Woman chancenlos ist. (Die asiatischen Produzenten zeigen sich auch in der allgegenwärtigen Samsung-Werbung.) Auch die anderen Action-Typen des Films, mit denen Besson seine „Taxi"- und „Transporter"-Filme zitiert, können nur staunen - mit offenem Mund und offenen Wunden. „Lucy" ist eher grandioser Science Fiction als Action-Thriller. Schön dabei, dass der Franzose immer noch sehr verrückt mit allem rumspielt, was Film ist. Schade, dass das Ergebnis unsorgfältig und zu rasch fertig gestellt wirkt. Aber wahrscheinlich hat Luc Besson einfach noch viel zu viel zu tun, bevor er sich als Multitalent in jedem Bit der filmischen Welt verewigt hat.
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Lucy (2014)
Frankreich 2014 Regie: Luc Besson mit Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Min-sik Choi 90 Min.
Mit dem immer wieder lohnenswerten Denkansatz „Was wäre wenn...?" reizt Luc Besson („Im Rausch der Tiefe", „Leon- Der Profi", „Transporter") die Möglichkeiten des menschlichen Hirns im hübschen Kopf von Scarlett Johansson aus. Das führt zu einem unterhaltsamen Science Fiction mit Humor und Action, der in Ansätzen sehr reizvoll ist. Dass Besson hier nicht an seinen Klassiker „Das fünfte Element" ranreicht, liegt wahrscheinlich daran, dass der fleißige Regisseur, Autor, Produzent und Studiogründer sein eigenes Vermögen nur rudimentär ausgereizt hat.
Als blonde Frau aus dem Westen für einen Party- und Drogen-Bekannten einen Koffer unbekannten Inhalts in ein koreanisches Hotel bringen und dafür 500 Dollar kassieren? Die Studentin Lucy (Scarlett Johansson) ist dazu viel zu helle in ihrem Köpfchen. Doch der Typ ist noch viel dreister und nur Minuten später klebt er tot an der Glasfassade während sie in einer Suite zwischen bedrohlichen Bodyguards sitzt. Lost in Translation und auch sonst ziemlich verloren, erlebt Lucy die erschreckende Wirkung einiger blauer Kristalle und wacht dann mit einer Wunde am Bauch auf: Der koreanische Pate Mr. Jang (Choi Min-sik) ließ ihr ein Päckchen der neuen Droge in den Körper einnähen, zwingt dann sie und andere, den (fiktiven) Stoff namens CPH 4 nach Europa zu schmuggeln.
Als die brutale Prügel der Handlanger das Päckchen in ihrem Bauch platzen lassen, erlebt Lucy ein paar Millionen Jahre Evolution in Sekunden: Sie kann die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns immer mehr und weit über die üblichen 10 Prozent einsetzen, wie Morgan Freeman als Professor Norman parallel vorträgt. Im umgekehrten Countdown bis zur 100-prozentigen Nutzung ihrer neuronalen Fähigkeiten wird Lucy Gedanken und Materie manipulieren, das gesamte Handynetz scannen. Radio oder TV-Wellen modulieren, ist dabei eine der einfachsten Übungen. Eine ganze Bande koreanischer Killer an der Decke kleben lassen, ein der spaßigsten.
Besson fährt reichlich erstaunliche Fähigkeiten seiner Heldin und noch mehr filmische Gimmicks auf. Schon das knappe, einleitende Gespräch, mit dem Lucy in die Falle gelockt wird, begleiten Clips von lauernden Leoparden und Mausefallen. Das ergibt einen wilden aber originellen Science Fiction, der vor allem keine Zeit für unnötige Wiederholungen hat. Die philosophische Ebene bietet als Fast Food für den Kopf eine Geschichte allen Lebens, eine Art Terrence Malick „Tree of Life" 3.0 an. Allerdings nicht als große Komposition sondern als Abfolge von nicht immer gelungenen Pointen. Jedoch auch mit einigen Volltreffern wie der neuen Version von Michelangelos Erschaffung Adams: Hier ist Lucy gleichzeitig Gott und Äffin, gibt nach einer rasanten Reise durch die Erdgeschichte den Funken ihrer Erkenntnis in einer genialen Rückkopplung weiter.
Das geriet als Gedankenspiel viel spannender als die brutale Korea-Mafia, die gegen diese neue Wonder-Woman chancenlos ist. (Die asiatischen Produzenten zeigen sich auch in der allgegenwärtigen Samsung-Werbung.) Auch die anderen Action-Typen des Films, mit denen Besson seine „Taxi"- und „Transporter"-Filme zitiert, können nur staunen - mit offenem Mund und offenen Wunden. „Lucy" ist eher grandioser Science Fiction als Action-Thriller. Schön dabei, dass der Franzose immer noch sehr verrückt mit allem rumspielt, was Film ist. Schade, dass das Ergebnis unsorgfältig und zu rasch fertig gestellt wirkt. Aber wahrscheinlich hat Luc Besson einfach noch viel zu viel zu tun, bevor er sich als Multitalent in jedem Bit der filmischen Welt verewigt hat.
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Mit dem immer wieder lohnenswerten Denkansatz „Was wäre wenn...?" reizt Luc Besson („Im Rausch der Tiefe", „Leon- Der Profi", „Transporter") die Möglichkeiten des menschlichen Hirns im hübschen Kopf von Scarlett Johansson aus. Das führt zu einem unterhaltsamen Science Fiction mit Humor und Action, der in Ansätzen sehr reizvoll ist. Dass Besson hier nicht an seinen Klassiker „Das fünfte Element" ranreicht, liegt wahrscheinlich daran, dass der fleißige Regisseur, Autor, Produzent und Studiogründer sein eigenes Vermögen nur rudimentär ausgereizt hat.
Als blonde Frau aus dem Westen für einen Party- und Drogen-Bekannten einen Koffer unbekannten Inhalts in ein koreanisches Hotel bringen und dafür 500 Dollar kassieren? Die Studentin Lucy (Scarlett Johansson) ist dazu viel zu helle in ihrem Köpfchen. Doch der Typ ist noch viel dreister und nur Minuten später klebt er tot an der Glasfassade während sie in einer Suite zwischen bedrohlichen Bodyguards sitzt. Lost in Translation und auch sonst ziemlich verloren, erlebt Lucy die erschreckende Wirkung einiger blauer Kristalle und wacht dann mit einer Wunde am Bauch auf: Der koreanische Pate Mr. Jang (Choi Min-sik) ließ ihr ein Päckchen der neuen Droge in den Körper einnähen, zwingt dann sie und andere, den (fiktiven) Stoff namens CPH 4 nach Europa zu schmuggeln.
Als die brutale Prügel der Handlanger das Päckchen in ihrem Bauch platzen lassen, erlebt Lucy ein paar Millionen Jahre Evolution in Sekunden: Sie kann die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns immer mehr und weit über die üblichen 10 Prozent einsetzen, wie Morgan Freeman als Professor Norman parallel vorträgt. Im umgekehrten Countdown bis zur 100-prozentigen Nutzung ihrer neuronalen Fähigkeiten wird Lucy Gedanken und Materie manipulieren, das gesamte Handynetz scannen. Radio oder TV-Wellen modulieren, ist dabei eine der einfachsten Übungen. Eine ganze Bande koreanischer Killer an der Decke kleben lassen, ein der spaßigsten.
Besson fährt reichlich erstaunliche Fähigkeiten seiner Heldin und noch mehr filmische Gimmicks auf. Schon das knappe, einleitende Gespräch, mit dem Lucy in die Falle gelockt wird, begleiten Clips von lauernden Leoparden und Mausefallen. Das ergibt einen wilden aber originellen Science Fiction, der vor allem keine Zeit für unnötige Wiederholungen hat. Die philosophische Ebene bietet als Fast Food für den Kopf eine Geschichte allen Lebens, eine Art Terrence Malick „Tree of Life" 3.0 an. Allerdings nicht als große Komposition sondern als Abfolge von nicht immer gelungenen Pointen. Jedoch auch mit einigen Volltreffern wie der neuen Version von Michelangelos Erschaffung Adams: Hier ist Lucy gleichzeitig Gott und Äffin, gibt nach einer rasanten Reise durch die Erdgeschichte den Funken ihrer Erkenntnis in einer genialen Rückkopplung weiter.
Das geriet als Gedankenspiel viel spannender als die brutale Korea-Mafia, die gegen diese neue Wonder-Woman chancenlos ist. (Die asiatischen Produzenten zeigen sich auch in der allgegenwärtigen Samsung-Werbung.) Auch die anderen Action-Typen des Films, mit denen Besson seine „Taxi"- und „Transporter"-Filme zitiert, können nur staunen - mit offenem Mund und offenen Wunden. „Lucy" ist eher grandioser Science Fiction als Action-Thriller. Schön dabei, dass der Franzose immer noch sehr verrückt mit allem rumspielt, was Film ist. Schade, dass das Ergebnis unsorgfältig und zu rasch fertig gestellt wirkt. Aber wahrscheinlich hat Luc Besson einfach noch viel zu viel zu tun, bevor er sich als Multitalent in jedem Bit der filmischen Welt verewigt hat.
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6.8.14
Locarno 2014 Eröffnung
Luc, Lucy und Léaud am Lago
Locarno. Gestern Abend wurde das 67. „Festival del film" von Locarno (6. – 16. August 2014) feierlich im Open Air-Kino der Piazza Grande eröffnet. Das stimmungsvollste Kino Europas klotzte gleich zu Beginn an allen Ecken des Schweizer Ferien-Örtchens am Lago Maggiore. Rund um Luc Bessons aufsehenerregenden Eröffnungsfilm „Lucy" mit Scarlett Johansson und Morgan Freeman reichte die Spanne am Abend von der Nouvelle Vague bis zum neuen Zampano des französischen Kinos, Luc Besson. Jean-Pierre Léaud, das ehemals junge Gesicht der Nouvelle Vague in Truffauts Antoine Doinel-Filmen, erhielt einen Ehrenleoparden für sein Lebenswerk. Luc Besson („Im Rausch der Tiefe", „Das fünfte Element", „Leon- Der Profi", „Transporter"), der noch fleißig als Regisseur, Autor, Produzent und Studiogründer an seinem Lebenswerk werkelt, hielt seine Pressekonferenz direkt Open Air und öffentlich.
„Lucy" ist mehr grandioser Science Fiction als Action-Thriller. Dabei verliert der Film, der nächste Woche in Deutschland startet, keine Zeit, um Lucy (Scarlett Johansson) in die Hände von koreanischen Drogenschmugglern zu werfen. Doch der neue Stoff löst sich in ihrem Körper-Versteck unter der Bauchdecke auf. Sie kann die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns immer mehr und weit über die üblichen 10 Prozent einsetzen, wie Morgan Freeman als Professor parallel vorträgt. Das geriet als Gedankenspiel viel spannender als die brutale Korea-Mafia, die gegen dieses neue Wonder-Woman chancenlos ist. Im umgekehrten Countdown bis zur 100-prozentigen Nutzung der neuronalen Fähigkeiten fährt Besson reichlich erstaunliche Tricks seiner Heldin und noch mehr filmische Gimmicks auf. Das ergibt einen wilden aber originellen Science Fiction, der vor allem so gut wie keine Zeit für unnötige Wiederholungen verschwendet. Die philosophische Ebene bietet eine Geschichte allen Lebens als Fast Food, eine Art Terrence Malick 3.0 an. Allerdings nicht als große Komposition sondern als Abfolge von Pointen. Bis zum neuen Schöpfungs-Sinnbild, in dem Lucy mit einem Fingerzeig gleichzeitig Gott und als Äffin Adam ist.
Das vielfältige Kinofest Locarnos begann im zweiten Jahr des künstlerischen Leiters Carlo Chatrian dabei sogar schon am Nachmittag mit wahrlich anderen modernen Zeiten, einer Aufführung von Charlie Chaplins „Moderne Zeiten" unter Orchester-Begleitung. Und es sollte als Film-Party bis tief in die Nacht mit Ehrengast Melanie Griffith weitergehen. Dass sie sich auf einer Champagner-Party zeigt, ist dabei die eigentliche Sensation. Als Hauptdarstellerin von „Thirst", einem mäßigen Kurzfilm der Reihe „Pardi di domani", spielt sie eine heruntergekommene, versoffene Prostituierte, die eher wie siebzig und nicht wie kurz vor ihrem 57-Geburtstag am 9. August aussieht. Die jungen sexy Rollen übernimmt jetzt ihre Tochter als Hauptdarstellerin von „Fifty Shades of Grey", der hier zum Glück weit und breit nicht zu sehen ist.
Als Begleitprogramm zu den 274 kurzen, mittellangen und langen Filmen aus 47 Ländern werden unter anderem Juliette Binoche, Julie Depardieu, Mia Farrow, Florian David Fitz, Tony Gatlif, Giancarlo Giannini, Armin Mueller-Stahl, Roman Polanski, Jonathan Price, Jason Schwartzmann, Emmanuelle Seigner, Agnès Varda und Jürgen Vogel erwartet. Heute startet in den Kinosälen der Wettbewerb um die Goldenen Leoparden, die zum Abschluss am 16. August verliehen werden. Hier gehen die deutschen Koproduktionen „A blast" von Syllas Tzoumerkas sowie „Dos Disparos" von Martín Rejtman als Weltpremieren ins Rennen. Auf der Piazza geht es hingegen mit einer anderen Stimmungslage weiter: Mit der israelisch-deutsch-französischen Produktion „Dancing Arabs" will Regisseur Eran Riklis („Die syrische Braut", „Lemon Tree") ein Plädoyer für ein menschliches Zusammenleben in der derzeit wieder extrem krisengeschüttelten Region auf die Leinwand bringen. Ein starkes Argument für die Evolutions-Geschichte nach Bessson, die Lucy im Schlusssatz zusammenfasst: „Das Leben wurde uns vor einer Billiarde Jahren gegeben. Jetzt wisst ihr, was ihr damit machen sollt!" Wahrscheinlich ins Kino gehen!
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Auf www.pardolive.ch gibt es neben Trailern und exklusiven Berichten auch die Präsentationen auf der Piazza Grande und die Gespräche mit Ehrengästen als Livestreaming zu sehen.
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Locarno. Gestern Abend wurde das 67. „Festival del film" von Locarno (6. – 16. August 2014) feierlich im Open Air-Kino der Piazza Grande eröffnet. Das stimmungsvollste Kino Europas klotzte gleich zu Beginn an allen Ecken des Schweizer Ferien-Örtchens am Lago Maggiore. Rund um Luc Bessons aufsehenerregenden Eröffnungsfilm „Lucy" mit Scarlett Johansson und Morgan Freeman reichte die Spanne am Abend von der Nouvelle Vague bis zum neuen Zampano des französischen Kinos, Luc Besson. Jean-Pierre Léaud, das ehemals junge Gesicht der Nouvelle Vague in Truffauts Antoine Doinel-Filmen, erhielt einen Ehrenleoparden für sein Lebenswerk. Luc Besson („Im Rausch der Tiefe", „Das fünfte Element", „Leon- Der Profi", „Transporter"), der noch fleißig als Regisseur, Autor, Produzent und Studiogründer an seinem Lebenswerk werkelt, hielt seine Pressekonferenz direkt Open Air und öffentlich.
„Lucy" ist mehr grandioser Science Fiction als Action-Thriller. Dabei verliert der Film, der nächste Woche in Deutschland startet, keine Zeit, um Lucy (Scarlett Johansson) in die Hände von koreanischen Drogenschmugglern zu werfen. Doch der neue Stoff löst sich in ihrem Körper-Versteck unter der Bauchdecke auf. Sie kann die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns immer mehr und weit über die üblichen 10 Prozent einsetzen, wie Morgan Freeman als Professor parallel vorträgt. Das geriet als Gedankenspiel viel spannender als die brutale Korea-Mafia, die gegen dieses neue Wonder-Woman chancenlos ist. Im umgekehrten Countdown bis zur 100-prozentigen Nutzung der neuronalen Fähigkeiten fährt Besson reichlich erstaunliche Tricks seiner Heldin und noch mehr filmische Gimmicks auf. Das ergibt einen wilden aber originellen Science Fiction, der vor allem so gut wie keine Zeit für unnötige Wiederholungen verschwendet. Die philosophische Ebene bietet eine Geschichte allen Lebens als Fast Food, eine Art Terrence Malick 3.0 an. Allerdings nicht als große Komposition sondern als Abfolge von Pointen. Bis zum neuen Schöpfungs-Sinnbild, in dem Lucy mit einem Fingerzeig gleichzeitig Gott und als Äffin Adam ist.
Das vielfältige Kinofest Locarnos begann im zweiten Jahr des künstlerischen Leiters Carlo Chatrian dabei sogar schon am Nachmittag mit wahrlich anderen modernen Zeiten, einer Aufführung von Charlie Chaplins „Moderne Zeiten" unter Orchester-Begleitung. Und es sollte als Film-Party bis tief in die Nacht mit Ehrengast Melanie Griffith weitergehen. Dass sie sich auf einer Champagner-Party zeigt, ist dabei die eigentliche Sensation. Als Hauptdarstellerin von „Thirst", einem mäßigen Kurzfilm der Reihe „Pardi di domani", spielt sie eine heruntergekommene, versoffene Prostituierte, die eher wie siebzig und nicht wie kurz vor ihrem 57-Geburtstag am 9. August aussieht. Die jungen sexy Rollen übernimmt jetzt ihre Tochter als Hauptdarstellerin von „Fifty Shades of Grey", der hier zum Glück weit und breit nicht zu sehen ist.
Als Begleitprogramm zu den 274 kurzen, mittellangen und langen Filmen aus 47 Ländern werden unter anderem Juliette Binoche, Julie Depardieu, Mia Farrow, Florian David Fitz, Tony Gatlif, Giancarlo Giannini, Armin Mueller-Stahl, Roman Polanski, Jonathan Price, Jason Schwartzmann, Emmanuelle Seigner, Agnès Varda und Jürgen Vogel erwartet. Heute startet in den Kinosälen der Wettbewerb um die Goldenen Leoparden, die zum Abschluss am 16. August verliehen werden. Hier gehen die deutschen Koproduktionen „A blast" von Syllas Tzoumerkas sowie „Dos Disparos" von Martín Rejtman als Weltpremieren ins Rennen. Auf der Piazza geht es hingegen mit einer anderen Stimmungslage weiter: Mit der israelisch-deutsch-französischen Produktion „Dancing Arabs" will Regisseur Eran Riklis („Die syrische Braut", „Lemon Tree") ein Plädoyer für ein menschliches Zusammenleben in der derzeit wieder extrem krisengeschüttelten Region auf die Leinwand bringen. Ein starkes Argument für die Evolutions-Geschichte nach Bessson, die Lucy im Schlusssatz zusammenfasst: „Das Leben wurde uns vor einer Billiarde Jahren gegeben. Jetzt wisst ihr, was ihr damit machen sollt!" Wahrscheinlich ins Kino gehen!
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Auf www.pardolive.ch gibt es neben Trailern und exklusiven Berichten auch die Präsentationen auf der Piazza Grande und die Gespräche mit Ehrengästen als Livestreaming zu sehen.
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3.8.14
Ab durch den Dschungel
Südkorea, Mexiko 2014 (Jungle Shuffle) Regie: Taedong Park, Mauricio De la Orta (Co-Regie) 82 Min. FSK: ab 0
„Ab durch den Dschungel" ist ein südkoreanisch-mexikanischer Versuch auf dem artenreichen Markt der Tieranimationen eine eigene Duftnote zu setzen. Leider fällt alles, was anders gemacht wird, erstaunlich viel schlechter, hässlicher, grober oder ungeschickter aus. Sehr bunt, flach und mechanisch sehen die Nasenbär-Figuren mit der Südsee-Deko aus, unter denen der kluge kleine Held Manu seine rosa (!) Prinzessin Sasha aus Menschenhand retten will. Wie immer ist ein Tier-Team aus eigenwilligen Charakteren zusammengesetzt, nur diesmal kann keiner irgendwelche Herzen gewinnen. So ist ein immer nerviger Sidekick dabei und ein grimmiger Panther auf Manus Spuren. Über allem schwebt auch noch der Geist eines großen weißen Adlers. Vor allem wenn die vorhersehbare Handlung wieder mal an Schwung verliert, quälen die gummi-zähen Dialoge mit dümmlichen Texten und Stimmen. Billig auch Musik.
Obwohl „Ab durch den Dschungel" hemmungslos von „Indiana Jones" bis zum „Dschungelbuch" kopiert, haben diese Nasenbären keine Chance gegen die allgegenwärtige Meeraffen-Konkurrenz aus Madagaskar. Wenn erst die gezeichneten Menschen ins Spiel kommen, wird es noch viel schlimmer. Selbst wer meint, „die Kleinen" bräuchten keine guten Filme, sollte sich hier Gedanken machen, ob ein Inka-Opferritual wirklich kindgerecht ist.
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„Ab durch den Dschungel" ist ein südkoreanisch-mexikanischer Versuch auf dem artenreichen Markt der Tieranimationen eine eigene Duftnote zu setzen. Leider fällt alles, was anders gemacht wird, erstaunlich viel schlechter, hässlicher, grober oder ungeschickter aus. Sehr bunt, flach und mechanisch sehen die Nasenbär-Figuren mit der Südsee-Deko aus, unter denen der kluge kleine Held Manu seine rosa (!) Prinzessin Sasha aus Menschenhand retten will. Wie immer ist ein Tier-Team aus eigenwilligen Charakteren zusammengesetzt, nur diesmal kann keiner irgendwelche Herzen gewinnen. So ist ein immer nerviger Sidekick dabei und ein grimmiger Panther auf Manus Spuren. Über allem schwebt auch noch der Geist eines großen weißen Adlers. Vor allem wenn die vorhersehbare Handlung wieder mal an Schwung verliert, quälen die gummi-zähen Dialoge mit dümmlichen Texten und Stimmen. Billig auch Musik.
Obwohl „Ab durch den Dschungel" hemmungslos von „Indiana Jones" bis zum „Dschungelbuch" kopiert, haben diese Nasenbären keine Chance gegen die allgegenwärtige Meeraffen-Konkurrenz aus Madagaskar. Wenn erst die gezeichneten Menschen ins Spiel kommen, wird es noch viel schlimmer. Selbst wer meint, „die Kleinen" bräuchten keine guten Filme, sollte sich hier Gedanken machen, ob ein Inka-Opferritual wirklich kindgerecht ist.
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Ein Augenblick Liebe
Frankreich 2014 (Une recontre) Regie: Lisa Azuelos mit Sophie Marceau, François Cluzet, Lisa Azuelos, Alexandre Astier 82 Min. FSK: ab 0
Elsa (Sophie Marceau) und Pierre (François Cluzet), zwei Gelegenheits-Kiffer, lernen sich bei einer Party und der lustigen Suche nach Blättchen für einen Joint kennen, mögen sich sehr, aber können nicht zueinander kommen, weil er verheiratet ist und sie nichts mit verheirateten Männern anfängt. Mit vielen reizvollen Bildern und originellen Inszenierungs-Ideen läuft nun parallel beider Leben mit den jeweiligen Kindern ab. So düst Elsa direkt durch ihren Kleiderschrank in eine Party, auf der zufällig auch Pierre ist. Noch so ein Gespräch, bei dem alles klickt und stimmt, ein paar enge Tänze und lange, heftige Küsse, bis sie am Ende des Abends entscheiden, doch lieber nicht die Telefonnummern auszutauschen. Dabei gab es zu ein paar Robin Williams-Klängen schon den imaginierten Schnelldurchlauf von Glück und Drama einer möglichen Affäre.
Allerdings verliert sich der erfolgreiche Anwalt Pierre schon mal in der Recherche nach der bekannten Autorin Elsa. Und nicht nur bringt die originelle Montage das Aneinanderdenken beide Sehnenden immer wieder in ein Bild und einen Raum, es gibt weitere ungeplante Treffen. Bis sie in London im gleichen Hotel landen...
„Ein Augenblick Liebe" wirkt wie eine gekürzte, geschmäcklerische Kopie von „In the Mood for Love", Wong Kar-Wais Meisterwerk des liebenden Verharrens. Der französische Flirt-Moment ist witzig inszeniertes Warten für die Frauen-Matinee, eine möglichst nicht zu heiße Romanze für das Ü30-Publikum. Die allerdings durchaus wirkungsvoll und auf ihre Art gut gemacht ist. Die beiden hervorragenden Hauptdarsteller Sophie Marceau und François Cluzet schaffen es, die Chemie zwischen ihren Figuren spüren zu lassen. Der intensive Einsatz von Match-Cuts und gemeinsam gehörten Liedern bringt Nähe in die räumliche Trennung. Und die guten Songs sorgen für Wärme in der verspielten Inszenierung.
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Elsa (Sophie Marceau) und Pierre (François Cluzet), zwei Gelegenheits-Kiffer, lernen sich bei einer Party und der lustigen Suche nach Blättchen für einen Joint kennen, mögen sich sehr, aber können nicht zueinander kommen, weil er verheiratet ist und sie nichts mit verheirateten Männern anfängt. Mit vielen reizvollen Bildern und originellen Inszenierungs-Ideen läuft nun parallel beider Leben mit den jeweiligen Kindern ab. So düst Elsa direkt durch ihren Kleiderschrank in eine Party, auf der zufällig auch Pierre ist. Noch so ein Gespräch, bei dem alles klickt und stimmt, ein paar enge Tänze und lange, heftige Küsse, bis sie am Ende des Abends entscheiden, doch lieber nicht die Telefonnummern auszutauschen. Dabei gab es zu ein paar Robin Williams-Klängen schon den imaginierten Schnelldurchlauf von Glück und Drama einer möglichen Affäre.
Allerdings verliert sich der erfolgreiche Anwalt Pierre schon mal in der Recherche nach der bekannten Autorin Elsa. Und nicht nur bringt die originelle Montage das Aneinanderdenken beide Sehnenden immer wieder in ein Bild und einen Raum, es gibt weitere ungeplante Treffen. Bis sie in London im gleichen Hotel landen...
„Ein Augenblick Liebe" wirkt wie eine gekürzte, geschmäcklerische Kopie von „In the Mood for Love", Wong Kar-Wais Meisterwerk des liebenden Verharrens. Der französische Flirt-Moment ist witzig inszeniertes Warten für die Frauen-Matinee, eine möglichst nicht zu heiße Romanze für das Ü30-Publikum. Die allerdings durchaus wirkungsvoll und auf ihre Art gut gemacht ist. Die beiden hervorragenden Hauptdarsteller Sophie Marceau und François Cluzet schaffen es, die Chemie zwischen ihren Figuren spüren zu lassen. Der intensive Einsatz von Match-Cuts und gemeinsam gehörten Liedern bringt Nähe in die räumliche Trennung. Und die guten Songs sorgen für Wärme in der verspielten Inszenierung.
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Gott verhüte!
Kroatien, Serbien 2013 (Svecenikova djeca) Regie: Vinko Bresan mit Kresimir Mikic, Drazen Kühn, Marija Skaricic, Niksa Butijer 97 Min. FSK: ab 12
Wie witzig: Da setzt sich ein Priesterlein auf einer kroatischen Insel in den naiven Kopf, den Bevölkerungsrückgang zu stoppen, indem er systematisch und fast-industriell Kondome noch in der Verpackung durchlöchert. Pater Fabian (Kresimir Mikic), durch die Beliebtheit seines immer noch aktiven Vorgängers unter Druck, nutzt die Beichte des Buden-Besitzers Petar (Niksa Butijer), um mit diesem gegen die sündige Verhütung vorzugehen. Anfangs scheint alles spaßig zu klappen. Wenn auch eine Schwangere unter Vortäuschung falscher Tatsachen mit einem der sexuell sehr aktiven Junggesellen zwangsverheiratet wird. Und auch wenn das Lachen über den mitverschworenen Apotheker Marin (Drazen Kühn), der die Antibaby-Pillen austauscht, schon den Klang wie bei Hitler-Witzen bekommt. Marins Rassismus ist nämlich nicht mehr nur skurril. Der Kriegsveteran will ganz im Geiste der Jugoslawien-Konflikte nur die Kroaten-Vermehrung. Serben und Bosnier bekommen keine präparierten Kondome!
Doch halt. Ist es wirklich lustig, dass Kirchenvertreter massiv ins Liebes-Leben der Menschen eingreifen. Dass sie bestimmen, ob man Kinder bekommt oder nicht? Nein! Und deshalb ist „Gott verhüte!" mit seinen kantigen und schrulligen Figuren „irgendwo aus dem Osten" nur in der ersten Hälfte sehr, sehr komisch und danach keineswegs eine glatte, leicht eingängige Komödie. Sondern eine mit Noppen, Ecken, Kanten und sogar Widerhaken. Denn irgendwann gibt es Tote - nicht nur den deutschen Touristen, der beim Baden auf der bald berühmten „Fruchtbarkeitsinsel" im zu kalten Wasser einen Herzschlag bekam.
Anfangs ist es höchst amüsant (inszeniert), wer in dem kleinen Hafenort alles mit wem etwas anfängt, wer es überraschend und sogar partei-übergreifend mit wem treibt. Doch als der Bischof mit seiner Luxus-Jacht nach einer anonymen Kondom-Einsendung angerauscht kommt, wird schnell klar, dass auch Kirchenvertreter zu den Kunden von Billy Boy & Co. gehören. Denn sie haben Verantwortung: Wenn man schon kleine Jungs und Mädels vergewaltigt, dann bitte auch mit Kondom. Und vor allem auch so, dass alles unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit bleibt - „Gott verhüte!"
So bedeutet der Originaltitel „Svecenikova Djeca" auch deutlicher: „Die Kinder des Priesters". Mit später ganz bösem Humor und einer erschreckenden Klarheit werden nicht nur platt Scheinheiligkeit und Sexualverbrechen der Kirche vorgeführt. Vor allem das System des Verschweigens, dem Beichtgeheimnis inhärent, klagt Regisseur und Autor Vinko Bresan an, der mit seinem Film einen riesigen Erfolg im katholischen Kroatien hatte. Dabei ist Bresan nicht nur mit einem Thema politisch: Der, im Apotheker verkörperte, wahnsinnige Nationalismus kommt ebenso vor wie die Verlogenheit der Partei-Politiker, die als vermeintliche Gegner hier tatsächlich miteinander ins Bett gehen.
Vor allem gelang Bresan jedoch mit „Gott verhüte!" ein außergewöhnlicher Film: Was sich in der Analyse angestrengt und überladen anhören mag, beginnt als beste Unterhaltung und endet in echter Erschütterung. Dabei ist die Entwicklung der Figuren ebenso stimmig, wie die der Stimmung mutig ist. Man darf hier tatsächlich an die meisterliche tragikomische Balance der Gefühle in Lubitschs „Sein oder nicht sein" erinnern.
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Wie witzig: Da setzt sich ein Priesterlein auf einer kroatischen Insel in den naiven Kopf, den Bevölkerungsrückgang zu stoppen, indem er systematisch und fast-industriell Kondome noch in der Verpackung durchlöchert. Pater Fabian (Kresimir Mikic), durch die Beliebtheit seines immer noch aktiven Vorgängers unter Druck, nutzt die Beichte des Buden-Besitzers Petar (Niksa Butijer), um mit diesem gegen die sündige Verhütung vorzugehen. Anfangs scheint alles spaßig zu klappen. Wenn auch eine Schwangere unter Vortäuschung falscher Tatsachen mit einem der sexuell sehr aktiven Junggesellen zwangsverheiratet wird. Und auch wenn das Lachen über den mitverschworenen Apotheker Marin (Drazen Kühn), der die Antibaby-Pillen austauscht, schon den Klang wie bei Hitler-Witzen bekommt. Marins Rassismus ist nämlich nicht mehr nur skurril. Der Kriegsveteran will ganz im Geiste der Jugoslawien-Konflikte nur die Kroaten-Vermehrung. Serben und Bosnier bekommen keine präparierten Kondome!
Doch halt. Ist es wirklich lustig, dass Kirchenvertreter massiv ins Liebes-Leben der Menschen eingreifen. Dass sie bestimmen, ob man Kinder bekommt oder nicht? Nein! Und deshalb ist „Gott verhüte!" mit seinen kantigen und schrulligen Figuren „irgendwo aus dem Osten" nur in der ersten Hälfte sehr, sehr komisch und danach keineswegs eine glatte, leicht eingängige Komödie. Sondern eine mit Noppen, Ecken, Kanten und sogar Widerhaken. Denn irgendwann gibt es Tote - nicht nur den deutschen Touristen, der beim Baden auf der bald berühmten „Fruchtbarkeitsinsel" im zu kalten Wasser einen Herzschlag bekam.
Anfangs ist es höchst amüsant (inszeniert), wer in dem kleinen Hafenort alles mit wem etwas anfängt, wer es überraschend und sogar partei-übergreifend mit wem treibt. Doch als der Bischof mit seiner Luxus-Jacht nach einer anonymen Kondom-Einsendung angerauscht kommt, wird schnell klar, dass auch Kirchenvertreter zu den Kunden von Billy Boy & Co. gehören. Denn sie haben Verantwortung: Wenn man schon kleine Jungs und Mädels vergewaltigt, dann bitte auch mit Kondom. Und vor allem auch so, dass alles unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit bleibt - „Gott verhüte!"
So bedeutet der Originaltitel „Svecenikova Djeca" auch deutlicher: „Die Kinder des Priesters". Mit später ganz bösem Humor und einer erschreckenden Klarheit werden nicht nur platt Scheinheiligkeit und Sexualverbrechen der Kirche vorgeführt. Vor allem das System des Verschweigens, dem Beichtgeheimnis inhärent, klagt Regisseur und Autor Vinko Bresan an, der mit seinem Film einen riesigen Erfolg im katholischen Kroatien hatte. Dabei ist Bresan nicht nur mit einem Thema politisch: Der, im Apotheker verkörperte, wahnsinnige Nationalismus kommt ebenso vor wie die Verlogenheit der Partei-Politiker, die als vermeintliche Gegner hier tatsächlich miteinander ins Bett gehen.
Vor allem gelang Bresan jedoch mit „Gott verhüte!" ein außergewöhnlicher Film: Was sich in der Analyse angestrengt und überladen anhören mag, beginnt als beste Unterhaltung und endet in echter Erschütterung. Dabei ist die Entwicklung der Figuren ebenso stimmig, wie die der Stimmung mutig ist. Man darf hier tatsächlich an die meisterliche tragikomische Balance der Gefühle in Lubitschs „Sein oder nicht sein" erinnern.
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Affentheater D-Box
Früher war es befremdlich bis besorgniserregend, wenn der Stiernacken in der Kinoreihe hinter einem seine Knie in die eigene Rückenlehne hämmerte und dabei schrie „Mach ihn fertig! Mach ihn fertig!". Heute nennt sich das Verfahren D-Box und man soll einen Aufpreis dafür zahlen.
Die noch wenigen Kinos mit dem Angebot der D-Box genannten Sitze preisen selbstverständlich das zusätzliche Erlebnis an. Was bei einigen Achterbahn-Filmen durchaus reizvoll und witzig sein mag. Doch bei diesem „Planet der Affen" ist das Ganze nicht nur sinn- und witzlos, es geht auch völlig schief: Das Rütteln der Sitze hat bei diesem Film meist nur entfernten Bezug zu den zentralen Figuren. Deshalb wird nicht das Erleben des Films verstärkt. Man wird im Gegenteil dauernd herausgerissen, weil man sich fragt, wieso der Sitz denn jetzt wieder wackelt und was das mit dem Film zu tun haben soll. Hier hat jemand ohne Sinn und Verstand an den Rüttel-Knöpfen rumgewerkelt, um ein paar Euro mehr aus dem Film zu schütteln. Das kann man sich getrost sparen. (ghj)
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Die noch wenigen Kinos mit dem Angebot der D-Box genannten Sitze preisen selbstverständlich das zusätzliche Erlebnis an. Was bei einigen Achterbahn-Filmen durchaus reizvoll und witzig sein mag. Doch bei diesem „Planet der Affen" ist das Ganze nicht nur sinn- und witzlos, es geht auch völlig schief: Das Rütteln der Sitze hat bei diesem Film meist nur entfernten Bezug zu den zentralen Figuren. Deshalb wird nicht das Erleben des Films verstärkt. Man wird im Gegenteil dauernd herausgerissen, weil man sich fragt, wieso der Sitz denn jetzt wieder wackelt und was das mit dem Film zu tun haben soll. Hier hat jemand ohne Sinn und Verstand an den Rüttel-Knöpfen rumgewerkelt, um ein paar Euro mehr aus dem Film zu schütteln. Das kann man sich getrost sparen. (ghj)
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Planet der Affen - Revolution
USA 2014 (Dawn of the Planet of the Apes) Regie: Matt Reeves mit Andy Serkis, Jason Clarke, Keri Russell, Gary Oldman, Judy Greer 131 Min. FSK: ab 12
In „Planet der Affen - Prevolution" erreichte der Labor-Affe Caesar aufgrund einer Droge nicht nur selbst die Intelligenz der Menschen, er infizierte auch seine Mitgefangenen und startete eine Revolution gegen die Menschen. Zehn Jahre später hat genau dieses Virus weltweit die Menschheit fast ausgerottet. Die Überlebenden hausen in den Ruinen der Städte. Die Affen leben in den Wäldern in neuen Gesellschaften. Diese Fortsetzung des Vorspiels vor den alten „Planet der Affen"-Filmen begeistert gleichzeitig mit ihrer sagenhaften Geschichte, mit atemberaubender Inszenierung und Ideen, die unter die Haut gehen.
Caesar (Andy Serkis) hat auf der Basis seiner schrecklichen Erfahrungen in Menschenlaboren eine neue Gemeinschaft gegründet, die vor allem eine Regel befolgt: Affe tötet nicht Affe. Das erledigen jedoch zuverlässig ein paar Menschen, die von den Trümmern San Franciscos auf dem Weg zu einem Damm sind, um wieder an Elektrizität zu kommen. Ein hasserfüllter Hitzkopf erschießt einen erschrockenen Affen, doch Caesar lässt die anderen Menschen straffrei gehen. Die faszinierende Begegnung mit einem sprechenden Schimpansen lässt Malcom (Jason Clarke), einen der beiden Anführer der Menschen in Frisco, nicht mehr los. Er geht wehrlos zur Affenfestung und überzeugt Caesar, sie das Wasserkraftwerk reparieren zu lassen. Dass Caesar mit dem von Laborversuchen verstümmelten Koba (Toby Kebbell) diskutiert, was die Elektrizität für die Entwicklung der Menschen bedeutet, ist nur der Anfang eines ganzen Netzes an sozialen und politologischen Gedankenspielen, die der Film unauffällig in seine sensationellen Bilder einwebt.
Bilder bei denen man stillstehen muss, so wie „Planet der Affen - Revolution" selbst scheinbar immer ein paar Extra-Sekunden stillsteht, um die Waldfestung der Affen oder die Gerüstkrone eines Hochhauses im Zentrum der Stadt als dreidimensionales Gemälde zu würdigen. Ebenso gibt es fast Standbilder im Sinne von Statuen, denn der Film regt zum Denken über Herrschaft und deren Legitimation an. Dabei ähneln sich die Strukturen in den Gemeinschaften von Affen und Menschen ebenso wie ihre Gene. Während der auf Verständigung bedachte Caesar von Koba hintertrieben wird, rüstet Malcolms Partner Dreyfus (Gary Oldman) heimlich auf. Alle wollen sie ihre Kinder schützen und haben mehr Angst vor den anderen als nötig.
Während Andy Serkis („King Kong", „Der Herr der Ringe") auch in der Fortsetzung den Schimpansen Caesar zum Leben erweckt, sind die Figuren aus „Prevolution" nicht mehr im Spiel. Zum Faszinierenden von „Planet der Affen - Revolution" gehört überhaupt die auch dramaturgische Vorherrschaft der Affen. Nicht nur tricktechnisch ist diese „Revolution" weit von der simplen Logik entfernt, dass der Affe der bessere Mensch sei. Vielleicht ist Caesar klüger als die Menschen, aber der stille Abgang von Malcolm ins Dunkle gibt auch dieser Figur eine ganz besondere Größe. Eine Szene übrigens, die wie viele andere ein inszenatorischer Leckerbissen ist.
Caesar ist jedoch eindeutig die Hauptfigur, ein charismatischer Führer, der nicht töten und herrschen will. Doch die Entwicklung lässt ihm keine andere Wahl - das ist endlich einmal tatsächlich so und nicht vorgeschoben wie in vielen Rachefilmen. Wie er am Ende staatsmännisch verantwortungsvoll eine Richtung einschlägt, in die er nicht wollte, macht ihn zu einer großen Filmfigur und Serkis mit oder trotz aller digitalen Verkleidung zu einem großartigen Darsteller.
„Planet der Affen - Prevolution" ist technisch und von der Geschichte her großartig. Regisseur Matt Reeves hat nach „Cloverfield" (2008) und dem Kinder-Vampir-Remake „Let Me In" (2010) wieder ein Paket voller Hollywood-Attraktionen geliefert, dass sich im Mut zu anderen Perspektiven und in den Angeboten zum Weiterdenken weit von der Mainstream-Kost abgesetzt hat. Ein wirklich großer, bewegender Film, ein Abenteuer der Menschheit, das vorerst kein gutes Ende findet. Wenngleich der eindringliche Blick aus Caesars Augen ein unvergessliches Filmende ist.
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In „Planet der Affen - Prevolution" erreichte der Labor-Affe Caesar aufgrund einer Droge nicht nur selbst die Intelligenz der Menschen, er infizierte auch seine Mitgefangenen und startete eine Revolution gegen die Menschen. Zehn Jahre später hat genau dieses Virus weltweit die Menschheit fast ausgerottet. Die Überlebenden hausen in den Ruinen der Städte. Die Affen leben in den Wäldern in neuen Gesellschaften. Diese Fortsetzung des Vorspiels vor den alten „Planet der Affen"-Filmen begeistert gleichzeitig mit ihrer sagenhaften Geschichte, mit atemberaubender Inszenierung und Ideen, die unter die Haut gehen.
Caesar (Andy Serkis) hat auf der Basis seiner schrecklichen Erfahrungen in Menschenlaboren eine neue Gemeinschaft gegründet, die vor allem eine Regel befolgt: Affe tötet nicht Affe. Das erledigen jedoch zuverlässig ein paar Menschen, die von den Trümmern San Franciscos auf dem Weg zu einem Damm sind, um wieder an Elektrizität zu kommen. Ein hasserfüllter Hitzkopf erschießt einen erschrockenen Affen, doch Caesar lässt die anderen Menschen straffrei gehen. Die faszinierende Begegnung mit einem sprechenden Schimpansen lässt Malcom (Jason Clarke), einen der beiden Anführer der Menschen in Frisco, nicht mehr los. Er geht wehrlos zur Affenfestung und überzeugt Caesar, sie das Wasserkraftwerk reparieren zu lassen. Dass Caesar mit dem von Laborversuchen verstümmelten Koba (Toby Kebbell) diskutiert, was die Elektrizität für die Entwicklung der Menschen bedeutet, ist nur der Anfang eines ganzen Netzes an sozialen und politologischen Gedankenspielen, die der Film unauffällig in seine sensationellen Bilder einwebt.
Bilder bei denen man stillstehen muss, so wie „Planet der Affen - Revolution" selbst scheinbar immer ein paar Extra-Sekunden stillsteht, um die Waldfestung der Affen oder die Gerüstkrone eines Hochhauses im Zentrum der Stadt als dreidimensionales Gemälde zu würdigen. Ebenso gibt es fast Standbilder im Sinne von Statuen, denn der Film regt zum Denken über Herrschaft und deren Legitimation an. Dabei ähneln sich die Strukturen in den Gemeinschaften von Affen und Menschen ebenso wie ihre Gene. Während der auf Verständigung bedachte Caesar von Koba hintertrieben wird, rüstet Malcolms Partner Dreyfus (Gary Oldman) heimlich auf. Alle wollen sie ihre Kinder schützen und haben mehr Angst vor den anderen als nötig.
Während Andy Serkis („King Kong", „Der Herr der Ringe") auch in der Fortsetzung den Schimpansen Caesar zum Leben erweckt, sind die Figuren aus „Prevolution" nicht mehr im Spiel. Zum Faszinierenden von „Planet der Affen - Revolution" gehört überhaupt die auch dramaturgische Vorherrschaft der Affen. Nicht nur tricktechnisch ist diese „Revolution" weit von der simplen Logik entfernt, dass der Affe der bessere Mensch sei. Vielleicht ist Caesar klüger als die Menschen, aber der stille Abgang von Malcolm ins Dunkle gibt auch dieser Figur eine ganz besondere Größe. Eine Szene übrigens, die wie viele andere ein inszenatorischer Leckerbissen ist.
Caesar ist jedoch eindeutig die Hauptfigur, ein charismatischer Führer, der nicht töten und herrschen will. Doch die Entwicklung lässt ihm keine andere Wahl - das ist endlich einmal tatsächlich so und nicht vorgeschoben wie in vielen Rachefilmen. Wie er am Ende staatsmännisch verantwortungsvoll eine Richtung einschlägt, in die er nicht wollte, macht ihn zu einer großen Filmfigur und Serkis mit oder trotz aller digitalen Verkleidung zu einem großartigen Darsteller.
„Planet der Affen - Prevolution" ist technisch und von der Geschichte her großartig. Regisseur Matt Reeves hat nach „Cloverfield" (2008) und dem Kinder-Vampir-Remake „Let Me In" (2010) wieder ein Paket voller Hollywood-Attraktionen geliefert, dass sich im Mut zu anderen Perspektiven und in den Angeboten zum Weiterdenken weit von der Mainstream-Kost abgesetzt hat. Ein wirklich großer, bewegender Film, ein Abenteuer der Menschheit, das vorerst kein gutes Ende findet. Wenngleich der eindringliche Blick aus Caesars Augen ein unvergessliches Filmende ist.
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ghj: Planet der Affen - Revolution ****
*** eine ghj-kritik **************************************
Alle Rechte beim Autor. Veröffentlichung nur gegen Honorar-Zahlung.
Leiten Sie diese Filmkritiken bitte an Ihre Kulturredaktion weiter.
Sollten Sie sie nicht erhalten wollen, teilen Sie mir Ihr Missfallen mit, ich nehme Ihre Adressen dann aus dem Verteiler.
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Planet der Affen - Revolution
USA 2014 (Dawn of the Planet of the Apes) Regie: Matt Reeves mit Andy Serkis, Jason Clarke, Keri Russell, Gary Oldman, Judy Greer 131 Min. FSK: ab 12
In „Planet der Affen - Prevolution" erreichte der Labor-Affe Caesar aufgrund einer Droge nicht nur selbst die Intelligenz der Menschen, er infizierte auch seine Mitgefangenen und startete eine Revolution gegen die Menschen. Zehn Jahre später hat genau dieses Virus weltweit die Menschheit fast ausgerottet. Die Überlebenden hausen in den Ruinen der Städte. Die Affen leben in den Wäldern in neuen Gesellschaften. Diese Fortsetzung des Vorspiels vor den alten „Planet der Affen"-Filmen begeistert gleichzeitig mit ihrer sagenhaften Geschichte, mit atemberaubender Inszenierung und Ideen, die unter die Haut gehen.
Caesar (Andy Serkis) hat auf der Basis seiner schrecklichen Erfahrungen in Menschenlaboren eine neue Gemeinschaft gegründet, die vor allem eine Regel befolgt: Affe tötet nicht Affe. Das erledigen jedoch zuverlässig ein paar Menschen, die von den Trümmern San Franciscos auf dem Weg zu einem Damm sind, um wieder an Elektrizität zu kommen. Ein hasserfüllter Hitzkopf erschießt einen erschrockenen Affen, doch Caesar lässt die anderen Menschen straffrei gehen. Die faszinierende Begegnung mit einem sprechenden Schimpansen lässt Malcom (Jason Clarke), einen der beiden Anführer der Menschen in Frisco, nicht mehr los. Er geht wehrlos zur Affenfestung und überzeugt Caesar, sie das Wasserkraftwerk reparieren zu lassen. Dass Caesar mit dem von Laborversuchen verstümmelten Koba (Toby Kebbell) diskutiert, was die Elektrizität für die Entwicklung der Menschen bedeutet, ist nur der Anfang eines ganzen Netzes an sozialen und politologischen Gedankenspielen, die der Film unauffällig in seine sensationellen Bilder einwebt.
Bilder bei denen man stillstehen muss, so wie „Planet der Affen - Revolution" selbst scheinbar immer ein paar Extra-Sekunden stillsteht, um die Waldfestung der Affen oder die Gerüstkrone eines Hochhauses im Zentrum der Stadt als dreidimensionales Gemälde zu würdigen. Ebenso gibt es fast Standbilder im Sinne von Statuen, denn der Film regt zum Denken über Herrschaft und deren Legitimation an. Dabei ähneln sich die Strukturen in den Gemeinschaften von Affen und Menschen ebenso wie ihre Gene. Während der auf Verständigung bedachte Caesar von Koba hintertrieben wird, rüstet Malcolms Partner Dreyfus (Gary Oldman) heimlich auf. Alle wollen sie ihre Kinder schützen und haben mehr Angst vor den anderen als nötig.
Während Andy Serkis („King Kong", „Der Herr der Ringe") auch in der Fortsetzung den Schimpansen Caesar zum Leben erweckt, sind die Figuren aus „Prevolution" nicht mehr im Spiel. Zum Faszinierenden von „Planet der Affen - Revolution" gehört überhaupt die auch dramaturgische Vorherrschaft der Affen. Nicht nur tricktechnisch ist diese „Revolution" weit von der simplen Logik entfernt, dass der Affe der bessere Mensch sei. Vielleicht ist Caesar klüger als die Menschen, aber der stille Abgang von Malcolm ins Dunkle gibt auch dieser Figur eine ganz besondere Größe. Eine Szene übrigens, die wie viele andere ein inszenatorischer Leckerbissen ist.
Caesar ist jedoch eindeutig die Hauptfigur, ein charismatischer Führer, der nicht töten und herrschen will. Doch die Entwicklung lässt ihm keine andere Wahl - das ist endlich einmal tatsächlich so und nicht vorgeschoben wie in vielen Rachefilmen. Wie er am Ende staatsmännisch verantwortungsvoll eine Richtung einschlägt, in die er nicht wollte, macht ihn zu einer großen Filmfigur und Serkis mit oder trotz aller digitalen Verkleidung zu einem großartigen Darsteller.
„Planet der Affen - Prevolution" ist technisch und von der Geschichte her großartig. Regisseur Matt Reeves hat nach „Cloverfield" (2008) und dem Kinder-Vampir-Remake „Let Me In" (2010) wieder ein Paket voller Hollywood-Attraktionen geliefert, dass sich im Mut zu anderen Perspektiven und in den Angeboten zum Weiterdenken weit von der Mainstream-Kost abgesetzt hat. Ein wirklich großer, bewegender Film, ein Abenteuer der Menschheit, das vorerst kein gutes Ende findet. Wenngleich der eindringliche Blick aus Caesars Augen ein unvergessliches Filmende ist.
Günter H. Jekubzik * guenter@jekubzik.de
Alle Rechte beim Autor. Veröffentlichung nur gegen Honorar-Zahlung.
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Planet der Affen - Revolution
USA 2014 (Dawn of the Planet of the Apes) Regie: Matt Reeves mit Andy Serkis, Jason Clarke, Keri Russell, Gary Oldman, Judy Greer 131 Min. FSK: ab 12
In „Planet der Affen - Prevolution" erreichte der Labor-Affe Caesar aufgrund einer Droge nicht nur selbst die Intelligenz der Menschen, er infizierte auch seine Mitgefangenen und startete eine Revolution gegen die Menschen. Zehn Jahre später hat genau dieses Virus weltweit die Menschheit fast ausgerottet. Die Überlebenden hausen in den Ruinen der Städte. Die Affen leben in den Wäldern in neuen Gesellschaften. Diese Fortsetzung des Vorspiels vor den alten „Planet der Affen"-Filmen begeistert gleichzeitig mit ihrer sagenhaften Geschichte, mit atemberaubender Inszenierung und Ideen, die unter die Haut gehen.
Caesar (Andy Serkis) hat auf der Basis seiner schrecklichen Erfahrungen in Menschenlaboren eine neue Gemeinschaft gegründet, die vor allem eine Regel befolgt: Affe tötet nicht Affe. Das erledigen jedoch zuverlässig ein paar Menschen, die von den Trümmern San Franciscos auf dem Weg zu einem Damm sind, um wieder an Elektrizität zu kommen. Ein hasserfüllter Hitzkopf erschießt einen erschrockenen Affen, doch Caesar lässt die anderen Menschen straffrei gehen. Die faszinierende Begegnung mit einem sprechenden Schimpansen lässt Malcom (Jason Clarke), einen der beiden Anführer der Menschen in Frisco, nicht mehr los. Er geht wehrlos zur Affenfestung und überzeugt Caesar, sie das Wasserkraftwerk reparieren zu lassen. Dass Caesar mit dem von Laborversuchen verstümmelten Koba (Toby Kebbell) diskutiert, was die Elektrizität für die Entwicklung der Menschen bedeutet, ist nur der Anfang eines ganzen Netzes an sozialen und politologischen Gedankenspielen, die der Film unauffällig in seine sensationellen Bilder einwebt.
Bilder bei denen man stillstehen muss, so wie „Planet der Affen - Revolution" selbst scheinbar immer ein paar Extra-Sekunden stillsteht, um die Waldfestung der Affen oder die Gerüstkrone eines Hochhauses im Zentrum der Stadt als dreidimensionales Gemälde zu würdigen. Ebenso gibt es fast Standbilder im Sinne von Statuen, denn der Film regt zum Denken über Herrschaft und deren Legitimation an. Dabei ähneln sich die Strukturen in den Gemeinschaften von Affen und Menschen ebenso wie ihre Gene. Während der auf Verständigung bedachte Caesar von Koba hintertrieben wird, rüstet Malcolms Partner Dreyfus (Gary Oldman) heimlich auf. Alle wollen sie ihre Kinder schützen und haben mehr Angst vor den anderen als nötig.
Während Andy Serkis („King Kong", „Der Herr der Ringe") auch in der Fortsetzung den Schimpansen Caesar zum Leben erweckt, sind die Figuren aus „Prevolution" nicht mehr im Spiel. Zum Faszinierenden von „Planet der Affen - Revolution" gehört überhaupt die auch dramaturgische Vorherrschaft der Affen. Nicht nur tricktechnisch ist diese „Revolution" weit von der simplen Logik entfernt, dass der Affe der bessere Mensch sei. Vielleicht ist Caesar klüger als die Menschen, aber der stille Abgang von Malcolm ins Dunkle gibt auch dieser Figur eine ganz besondere Größe. Eine Szene übrigens, die wie viele andere ein inszenatorischer Leckerbissen ist.
Caesar ist jedoch eindeutig die Hauptfigur, ein charismatischer Führer, der nicht töten und herrschen will. Doch die Entwicklung lässt ihm keine andere Wahl - das ist endlich einmal tatsächlich so und nicht vorgeschoben wie in vielen Rachefilmen. Wie er am Ende staatsmännisch verantwortungsvoll eine Richtung einschlägt, in die er nicht wollte, macht ihn zu einer großen Filmfigur und Serkis mit oder trotz aller digitalen Verkleidung zu einem großartigen Darsteller.
„Planet der Affen - Prevolution" ist technisch und von der Geschichte her großartig. Regisseur Matt Reeves hat nach „Cloverfield" (2008) und dem Kinder-Vampir-Remake „Let Me In" (2010) wieder ein Paket voller Hollywood-Attraktionen geliefert, dass sich im Mut zu anderen Perspektiven und in den Angeboten zum Weiterdenken weit von der Mainstream-Kost abgesetzt hat. Ein wirklich großer, bewegender Film, ein Abenteuer der Menschheit, das vorerst kein gutes Ende findet. Wenngleich der eindringliche Blick aus Caesars Augen ein unvergessliches Filmende ist.
Günter H. Jekubzik * guenter@jekubzik.de
29.7.14
The Purge: Anarchy
USA 2014 Regie: James DeMonaco mit Frank Grillo, Carmen Ejogo, Zach Gilford, Kiele Sanchez 103 Min. FSK ab 16
Im Jahr 2023 ist die US-amerikanische Gesellschaft befriedet. Auch durch das „Säuberungs"-Ritual von „The Purge" (2013), das in einer Nacht des Jahres für zwölf Stunden jedes Verbrechen ohne Strafverfolgung erlaubt. Das ist wie Karneval, nur noch etwas hemmungsloser und extremer, in diesem Film extrem brutal und blutig. Er beginnt etwas mehr als zwei Stunden vor der Nacht, in der alle Masken der Zivilisation fallen. Doch damit ist dem Konstrukt schon zu viel des Gutes beigeschrieben worden. Denn Zivilisationskritik leistet „The Purge" nicht, höchstens Gesellschaftskritik. Diese aber auch nicht besonders schlüssig oder weiterführend. Während das Prinzip der Zombie-Filme immer wieder eine reizvolle Folie für den Umgang mit Außenseitern bietet, erschließt sich bei dieser Gewaltorgie, in der große Teile der Gesellschaft plötzlich nichts anderes als morden wollen, nicht der Sinn des Ganzen. Trotzdem konzentriert sich der zweite Teil bei vergleichsweise reduzierten Geschichten noch mehr auf die Gewalt-Orgie.
Im Zentrum steht ein Mann, der sich rächen will. Eher wiederwillig sammelt er unterwegs ein verlorenes Pärchen auf, dessen Auto im unpassendsten Moment den Geist aufgibt. Und zwei Schwestern, deren kranker Vater sich als Opfer für den kranken Ritus verkauft hat. Sie kommen hinter das Geheimnis einer hochgerüsteten Untergrund-Armee und fliehen vor geheimnisvollen, maskierten Typen. Dabei erweisen sich der Staat und die weiße Oberschicht als wahre Gegner, gegen die ein schwarzer Widerstands-Kämpfer auf gehakten Bildschirmen aufbegehrt. Reich gegen arm und schwarz gegen weiß, komplexer wird das Schlachten nicht. Dass ästhetische Qualitäten bei der Gewaltverherrlichung erkennbar sind, entschuldigt nichts.
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Im Jahr 2023 ist die US-amerikanische Gesellschaft befriedet. Auch durch das „Säuberungs"-Ritual von „The Purge" (2013), das in einer Nacht des Jahres für zwölf Stunden jedes Verbrechen ohne Strafverfolgung erlaubt. Das ist wie Karneval, nur noch etwas hemmungsloser und extremer, in diesem Film extrem brutal und blutig. Er beginnt etwas mehr als zwei Stunden vor der Nacht, in der alle Masken der Zivilisation fallen. Doch damit ist dem Konstrukt schon zu viel des Gutes beigeschrieben worden. Denn Zivilisationskritik leistet „The Purge" nicht, höchstens Gesellschaftskritik. Diese aber auch nicht besonders schlüssig oder weiterführend. Während das Prinzip der Zombie-Filme immer wieder eine reizvolle Folie für den Umgang mit Außenseitern bietet, erschließt sich bei dieser Gewaltorgie, in der große Teile der Gesellschaft plötzlich nichts anderes als morden wollen, nicht der Sinn des Ganzen. Trotzdem konzentriert sich der zweite Teil bei vergleichsweise reduzierten Geschichten noch mehr auf die Gewalt-Orgie.
Im Zentrum steht ein Mann, der sich rächen will. Eher wiederwillig sammelt er unterwegs ein verlorenes Pärchen auf, dessen Auto im unpassendsten Moment den Geist aufgibt. Und zwei Schwestern, deren kranker Vater sich als Opfer für den kranken Ritus verkauft hat. Sie kommen hinter das Geheimnis einer hochgerüsteten Untergrund-Armee und fliehen vor geheimnisvollen, maskierten Typen. Dabei erweisen sich der Staat und die weiße Oberschicht als wahre Gegner, gegen die ein schwarzer Widerstands-Kämpfer auf gehakten Bildschirmen aufbegehrt. Reich gegen arm und schwarz gegen weiß, komplexer wird das Schlachten nicht. Dass ästhetische Qualitäten bei der Gewaltverherrlichung erkennbar sind, entschuldigt nichts.
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Jersey Boys
USA 2014 Regie: Clint Eastwood mit John Lloyd Young, Erich Bergen, Michael Lomenda, Vincent Piazza, Christopher Walken 134 Min.
Clint Eastwood („Million Dollar Baby", „Erbarmungslos") ist nicht nur Cowboy und einer der besten Regisseure unserer Zeit. Er ist auch Musiker, komponiert schon mal selbst für seine Filme. So war er auch eine gute Wahl, um „Jersey Boys", das erfolgreiche Musical über die Karriere von Frankie Valli und den „Four Seasons", auf die Leinwand zu bringen. Es erzählt einerseits eine Geschichte vom Aufstieg aus armen und kriminellen Verhältnissen wie bei Martin Scorsese. Und spielt andererseits eine Menge Oldies der „Doo-wop Band" wie „Can't Take My Eyes Off", „December 1963 (Oh, What A Night)", „You Big Girls Don't Cry" und „Sherry" - immer bestimmt vom Falsettgesang Frankie Vallis.
„Wenn man in New Jersey lebt, gibt es drei Wege aus der armen Gegend rauszukommen: Den Militärdienst, die Mafia oder man wird berühmt." Francis Stephen Castelluccio (John Lloyd Young) - so der eigentliche Name des 1937 geborenen Musikers - probiert es Anfang der fünfziger Jahre erst auf dem kriminellen Weg, doch das Zusammenspiel seiner Band leidet stark darunter, dass immer einer von ihnen im Knast sitzt. Doch nicht Gyp DeCarlo (Christopher Walken), der sich als Pate des Viertels in die Bank verliebt, bringt den entscheidenden Karriereschritt. Die vier Jungs selbst besorgen sich einen Plattenvertrag, der sie erst mal zu Background-Sängern für andere macht. Doch der Durchbruch ist bei dieser Band-Biografie unvermeidlich, genau wie der Verrat von Frankies bestem Freund Tommy DeVito (Vincent Piazza), der seine Schuldenberge mit der mittlerweile reich gefüllten Band-Kasse abbauen will. Jetzt rettet Gyp DeCarlo in einem großen Mobster-Moment Leben, und Frankie verdingt sich bei den Kredithaien für ein jahrelanges Tourleben, das schließlich seine Familie zerstört.
Die recht konventionelle Musicalverfilmung aus einer Zeit, in der junge Musik noch ziemlich alt war, setzt ganz auf die mit Preisen überhäuften Bühnendarsteller, die einen guten Eindruck machen. Als Zugabe hat Christopher Walken ein paar große Szenen und tanzt selbstverständlich auch einige Schrittchen (im Abspann). Ganz großes Drama darf man bei einem „Four Seasons"-Musical, das von Menschen aus der Umgebung der Band produziert wurde und bei dem die alten Herren am Schluss alle zusammen noch einmal singen, nicht erwarten. Da bringt nur Frankies erste Trennung ein paar Emotionen und einen passenden Song. Selbstverständlich ist es auch schwer, als die Band auseinander fällt, vor allem für einen Familien-Menschen aus Jersey, für den Freundschaft besonders viel bedeutet. Der Mafia-Hintergrund bleibt im Hintergrund. (Nur ein irritierendes Detail setzt sich fest, dass nämlich der Schauspieler Joe Pesci in jungen Jahren als Freund von Tommy DeVito tatsächlich die „Four Seasons" zusammenbrachte und später in „Goodfellas" genau diesen Tommy DeVito spielt.) Letztlich ist „Jersey Boys" sicherlich der Eastwood mit am wenigsten Eastwood drin, aber immerhin ein nettes, sehr souverän und sorgsam inszeniertes Stück Musikgeschichte.
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Clint Eastwood („Million Dollar Baby", „Erbarmungslos") ist nicht nur Cowboy und einer der besten Regisseure unserer Zeit. Er ist auch Musiker, komponiert schon mal selbst für seine Filme. So war er auch eine gute Wahl, um „Jersey Boys", das erfolgreiche Musical über die Karriere von Frankie Valli und den „Four Seasons", auf die Leinwand zu bringen. Es erzählt einerseits eine Geschichte vom Aufstieg aus armen und kriminellen Verhältnissen wie bei Martin Scorsese. Und spielt andererseits eine Menge Oldies der „Doo-wop Band" wie „Can't Take My Eyes Off", „December 1963 (Oh, What A Night)", „You Big Girls Don't Cry" und „Sherry" - immer bestimmt vom Falsettgesang Frankie Vallis.
„Wenn man in New Jersey lebt, gibt es drei Wege aus der armen Gegend rauszukommen: Den Militärdienst, die Mafia oder man wird berühmt." Francis Stephen Castelluccio (John Lloyd Young) - so der eigentliche Name des 1937 geborenen Musikers - probiert es Anfang der fünfziger Jahre erst auf dem kriminellen Weg, doch das Zusammenspiel seiner Band leidet stark darunter, dass immer einer von ihnen im Knast sitzt. Doch nicht Gyp DeCarlo (Christopher Walken), der sich als Pate des Viertels in die Bank verliebt, bringt den entscheidenden Karriereschritt. Die vier Jungs selbst besorgen sich einen Plattenvertrag, der sie erst mal zu Background-Sängern für andere macht. Doch der Durchbruch ist bei dieser Band-Biografie unvermeidlich, genau wie der Verrat von Frankies bestem Freund Tommy DeVito (Vincent Piazza), der seine Schuldenberge mit der mittlerweile reich gefüllten Band-Kasse abbauen will. Jetzt rettet Gyp DeCarlo in einem großen Mobster-Moment Leben, und Frankie verdingt sich bei den Kredithaien für ein jahrelanges Tourleben, das schließlich seine Familie zerstört.
Die recht konventionelle Musicalverfilmung aus einer Zeit, in der junge Musik noch ziemlich alt war, setzt ganz auf die mit Preisen überhäuften Bühnendarsteller, die einen guten Eindruck machen. Als Zugabe hat Christopher Walken ein paar große Szenen und tanzt selbstverständlich auch einige Schrittchen (im Abspann). Ganz großes Drama darf man bei einem „Four Seasons"-Musical, das von Menschen aus der Umgebung der Band produziert wurde und bei dem die alten Herren am Schluss alle zusammen noch einmal singen, nicht erwarten. Da bringt nur Frankies erste Trennung ein paar Emotionen und einen passenden Song. Selbstverständlich ist es auch schwer, als die Band auseinander fällt, vor allem für einen Familien-Menschen aus Jersey, für den Freundschaft besonders viel bedeutet. Der Mafia-Hintergrund bleibt im Hintergrund. (Nur ein irritierendes Detail setzt sich fest, dass nämlich der Schauspieler Joe Pesci in jungen Jahren als Freund von Tommy DeVito tatsächlich die „Four Seasons" zusammenbrachte und später in „Goodfellas" genau diesen Tommy DeVito spielt.) Letztlich ist „Jersey Boys" sicherlich der Eastwood mit am wenigsten Eastwood drin, aber immerhin ein nettes, sehr souverän und sorgsam inszeniertes Stück Musikgeschichte.
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22 Jump Street
USA 2014 Regie: Phil Lord, Christopher Miller mit Jonah Hill, Channing Tatum, Peter Stormare, Wyatt Russell, Amber Stevens 112 Min. FSK: ab 12
Teil 2 und Spaß dabei
„22 Jump Street" präsentiert die postmoderne Rekonstruktion des ansonsten so nervigen zweiten Teils. Doch keine Angst, es tut nicht weh im Kopf, nur an den Lachmuskeln, wenn Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) als Dick und Doof zur Undercover-Uni gehen.
Das Remake der TV-Serie „21 Jump Street" aus den 80ern ist eine extrem aufwändige und teure Albernheit. Totaler Klamauk mit einem Twist, denn nicht das übliche Jagen von Drogendealer auf Schulhof (Teil 1) oder Campus scheint das Thema. Dauernd wird selbstironisch ein „zweites Mal" erwähnt, bei dem das Budget verdoppelt wurde, so dass man nun mehr rumballern und noch mehr Verfolgungsjagden machen könne. Allerdings ist auch dieser Mehrwert schnell verpulvert, was dann zu Raser-Action auf einem Golfcart führt.
„22 Jump Street" macht genau das Gleiche wie beim letzten Mal. Nur dass die Undercover-Zentrale der Polizei nicht in der koreanischen Kirche mit Hausnummer 21, sondern in einer vietnamesischen mit Nummer 22 direkt gegenüber liegt. Die selbstverständlich doppelt so groß ist. Die Rollen sind vertauscht: Schmidt wird diesmal zum kreativ angehauchten Außenseiter und beim Poetry Slam zum Liebhaber der Studentin Maya (Amber Stevens), die sich später als Tochter des cholerischen Vorgesetzten Captain Dickson (Ice Cube) erweist. Jenko ist tatsächlich seinem Image entsprechend auch undercover gut gebauter Football-Star und heißbegehrt in einer Studentenvereinigung. Besonders heiß wird die Freundschaft mit dem anderen Schönling des Clubs, Zook (Wyatt Russell). Die voller homoerotischer Andeutungen nur so aus den knappen Shirts platzende Männerfreundschaft führt zu herzzerreißenden Eifersuchtsszenen mit der dicken Zicke Schmidt. Diese melodramatische Liebes-Parodie übertrifft im Schmalzfaktor viele echte Romanzen. Bis zum Undercover-Einsatz beim Psychiater, den sie als zerstrittenes schwules Pärchen bestreiten.
Nebenbei geht es um die mörderische Droge „Why Phy", die nicht nur so klingt wie Wifi, sondern auch überall auf dem Campus zu haben ist. Dabei ist der Blödelfaktor so hoch wie bei „Nackte Kanone" und der Schrägheitsgrad in einigen Momenten steiler als in Ben Stillers Model-Parodie „Zoolander" mit Owen Wilson. Es gibt ein Live-Zitat zu „Alien" mit Oktopus, nach Geschlechts-Umwandlung extrem durchgeknatterte Knastis, eine Widergeburt von Miss Piggy als Zimmergenossin, im Hintergrund ein „Benjamin Hill Center for Film Studies". Schnell-Denker Jenko verwechselt schon mal Carte Blanche mit Cate Blanchett und greift seinem „Partner" selbst im Action-Finale noch tief in den Schritt.
So kindisch, wie Schmidt und Janko ihre Studenten-Bude einrichten, so stürzt sich auch der Film in allen möglichen Spaß. Auch in den kenntnisreichen. Hirnrissiges und Raffiniertes gehen in inniger, feuchter Umarmung miteinander. Genau wie der Blöde und der schön Blöde unter einer Decke zusammenstecken. Oder wie der, wieder als Spitzen-Split-Screen-Scherz präsentierte, Stereo-Trip in Horror und rosarot. Man sieht tatsächlich, dass jeder dieser Helden hat nur eine Hirnhälfte hat und dass sie zusammengehören.
Die intelligenteste Fortsetzung, seit es „Aliens" gibt, erlebt ihren umwerfenden Höhepunkt schließlich im Abspann - einem Feuerwerk an Fortsetzungstrailern für die nächsten Jahrzehnte bis zum Rentenalter der Hauptdarsteller und bis zu „2121 Jump Street - Space-Kadetten im All", samt Videospiel und Merchandise. Auch auf die Gefahr hin, sich zu wiederholen: Das macht Spaß!
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Teil 2 und Spaß dabei
„22 Jump Street" präsentiert die postmoderne Rekonstruktion des ansonsten so nervigen zweiten Teils. Doch keine Angst, es tut nicht weh im Kopf, nur an den Lachmuskeln, wenn Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) als Dick und Doof zur Undercover-Uni gehen.
Das Remake der TV-Serie „21 Jump Street" aus den 80ern ist eine extrem aufwändige und teure Albernheit. Totaler Klamauk mit einem Twist, denn nicht das übliche Jagen von Drogendealer auf Schulhof (Teil 1) oder Campus scheint das Thema. Dauernd wird selbstironisch ein „zweites Mal" erwähnt, bei dem das Budget verdoppelt wurde, so dass man nun mehr rumballern und noch mehr Verfolgungsjagden machen könne. Allerdings ist auch dieser Mehrwert schnell verpulvert, was dann zu Raser-Action auf einem Golfcart führt.
„22 Jump Street" macht genau das Gleiche wie beim letzten Mal. Nur dass die Undercover-Zentrale der Polizei nicht in der koreanischen Kirche mit Hausnummer 21, sondern in einer vietnamesischen mit Nummer 22 direkt gegenüber liegt. Die selbstverständlich doppelt so groß ist. Die Rollen sind vertauscht: Schmidt wird diesmal zum kreativ angehauchten Außenseiter und beim Poetry Slam zum Liebhaber der Studentin Maya (Amber Stevens), die sich später als Tochter des cholerischen Vorgesetzten Captain Dickson (Ice Cube) erweist. Jenko ist tatsächlich seinem Image entsprechend auch undercover gut gebauter Football-Star und heißbegehrt in einer Studentenvereinigung. Besonders heiß wird die Freundschaft mit dem anderen Schönling des Clubs, Zook (Wyatt Russell). Die voller homoerotischer Andeutungen nur so aus den knappen Shirts platzende Männerfreundschaft führt zu herzzerreißenden Eifersuchtsszenen mit der dicken Zicke Schmidt. Diese melodramatische Liebes-Parodie übertrifft im Schmalzfaktor viele echte Romanzen. Bis zum Undercover-Einsatz beim Psychiater, den sie als zerstrittenes schwules Pärchen bestreiten.
Nebenbei geht es um die mörderische Droge „Why Phy", die nicht nur so klingt wie Wifi, sondern auch überall auf dem Campus zu haben ist. Dabei ist der Blödelfaktor so hoch wie bei „Nackte Kanone" und der Schrägheitsgrad in einigen Momenten steiler als in Ben Stillers Model-Parodie „Zoolander" mit Owen Wilson. Es gibt ein Live-Zitat zu „Alien" mit Oktopus, nach Geschlechts-Umwandlung extrem durchgeknatterte Knastis, eine Widergeburt von Miss Piggy als Zimmergenossin, im Hintergrund ein „Benjamin Hill Center for Film Studies". Schnell-Denker Jenko verwechselt schon mal Carte Blanche mit Cate Blanchett und greift seinem „Partner" selbst im Action-Finale noch tief in den Schritt.
So kindisch, wie Schmidt und Janko ihre Studenten-Bude einrichten, so stürzt sich auch der Film in allen möglichen Spaß. Auch in den kenntnisreichen. Hirnrissiges und Raffiniertes gehen in inniger, feuchter Umarmung miteinander. Genau wie der Blöde und der schön Blöde unter einer Decke zusammenstecken. Oder wie der, wieder als Spitzen-Split-Screen-Scherz präsentierte, Stereo-Trip in Horror und rosarot. Man sieht tatsächlich, dass jeder dieser Helden hat nur eine Hirnhälfte hat und dass sie zusammengehören.
Die intelligenteste Fortsetzung, seit es „Aliens" gibt, erlebt ihren umwerfenden Höhepunkt schließlich im Abspann - einem Feuerwerk an Fortsetzungstrailern für die nächsten Jahrzehnte bis zum Rentenalter der Hauptdarsteller und bis zu „2121 Jump Street - Space-Kadetten im All", samt Videospiel und Merchandise. Auch auf die Gefahr hin, sich zu wiederholen: Das macht Spaß!
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Eyjafjallajökull - Der unaussprechliche Vulkanfilm
Frankreich, BRD, Belgien 2013 Regie: Alexandre Coffre mit Valérie Bonneton, Dany Boon, Denis Ménochet, Albert Delpy 92 Min. FSK: ab 6
Unaussprechlich oder doch unausstehlich? Können zwei extreme Unsympathen Spaß machen? Im Prinzip ja, nur hier wünscht man Dany Boon und Valérie Bonneton als zerstrittenes Paar schnell dahin, wo der Pfeffer wächst oder der Vulkan qualmt.
Dass bei der zufälligen Begegnung der heftig geschiedenen Ehemals-Partner Valérie (Valérie Bonneton) und Alain (Dany Boon) sie ihm direkt hochhackig auf die Hand tritt und er sie im Flugzeug-Klo einsperrt, ist nur der Auftakt eines zwanghaften Rosenkrieges on the Road. Valérie und Alain wollen auf möglichst getrennten Wegen von Paris zur Hochzeit der Tochter auf einer griechischen Insel. Doch die Flugasche des isländischen Eyjafjallajökull bringt sie schon in München auf den Boden ihres Streites zurück. Der einfach gestrickte Fahrlehrer kann für nur 4000 Euro den letzten Leihwagen ergattern aber die biestige Ex-Gattin entert den Familienporsche. Der Onkel (Julies Papa Albert Delpy) haut schon vor der Abfahrt ab, die Freunde der Tochter steigen bei der ersten Gelegenheit aus diesem Wahnsinn aus.
Nur wir im Kino müssen sitzen bleiben, wenn die hinterhältige Hexe und ihr bösartiger Troll in dem rollenden Rosenkrieg einen schweren Autobahnunfall verursachen, einen Bus abfackeln, erst einen Polizeiwagen und dann ein Flugzeug klauen. Selbstverständlich geht anders als im Flugsimulator, den Alain so gut beherrscht, echten Flugzeugen schon mal das Benzin aus. Doch die eigentliche Bruchlandung ist der Film selbst. Die Figuren bleiben dünn, unglaubwürdig und nervig. Ein religiöser Extremist in fahrender Arche mit ABS, der den Vulkanausbruch als Zeichen der Apokalypse sieht, interessiert da in fünf Minuten viel mehr als der ganze Rest. Irgendwann fallen Valérie und Alain völlig ohne Vorzeichen sogar leidenschaftlich übereinander her und riskieren ihr Leben füreinander. Größer als dieser Klops sind nur die Schlampereien, dass der Slowenische Flughafen sowie die Österreicher Autobahn unübersehbar in Belgien gedreht wurden. Und überhaupt war anscheinend der Bereich zwischen München und Athen gar nicht von der Vulkanasche betroffen - ein unnötiger Film also.
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Unaussprechlich oder doch unausstehlich? Können zwei extreme Unsympathen Spaß machen? Im Prinzip ja, nur hier wünscht man Dany Boon und Valérie Bonneton als zerstrittenes Paar schnell dahin, wo der Pfeffer wächst oder der Vulkan qualmt.
Dass bei der zufälligen Begegnung der heftig geschiedenen Ehemals-Partner Valérie (Valérie Bonneton) und Alain (Dany Boon) sie ihm direkt hochhackig auf die Hand tritt und er sie im Flugzeug-Klo einsperrt, ist nur der Auftakt eines zwanghaften Rosenkrieges on the Road. Valérie und Alain wollen auf möglichst getrennten Wegen von Paris zur Hochzeit der Tochter auf einer griechischen Insel. Doch die Flugasche des isländischen Eyjafjallajökull bringt sie schon in München auf den Boden ihres Streites zurück. Der einfach gestrickte Fahrlehrer kann für nur 4000 Euro den letzten Leihwagen ergattern aber die biestige Ex-Gattin entert den Familienporsche. Der Onkel (Julies Papa Albert Delpy) haut schon vor der Abfahrt ab, die Freunde der Tochter steigen bei der ersten Gelegenheit aus diesem Wahnsinn aus.
Nur wir im Kino müssen sitzen bleiben, wenn die hinterhältige Hexe und ihr bösartiger Troll in dem rollenden Rosenkrieg einen schweren Autobahnunfall verursachen, einen Bus abfackeln, erst einen Polizeiwagen und dann ein Flugzeug klauen. Selbstverständlich geht anders als im Flugsimulator, den Alain so gut beherrscht, echten Flugzeugen schon mal das Benzin aus. Doch die eigentliche Bruchlandung ist der Film selbst. Die Figuren bleiben dünn, unglaubwürdig und nervig. Ein religiöser Extremist in fahrender Arche mit ABS, der den Vulkanausbruch als Zeichen der Apokalypse sieht, interessiert da in fünf Minuten viel mehr als der ganze Rest. Irgendwann fallen Valérie und Alain völlig ohne Vorzeichen sogar leidenschaftlich übereinander her und riskieren ihr Leben füreinander. Größer als dieser Klops sind nur die Schlampereien, dass der Slowenische Flughafen sowie die Österreicher Autobahn unübersehbar in Belgien gedreht wurden. Und überhaupt war anscheinend der Bereich zwischen München und Athen gar nicht von der Vulkanasche betroffen - ein unnötiger Film also.
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28.7.14
Die geliebten Schwestern
BRD 2014 Regie: Dominik Graf mit Hannah Herzsprung, Florian Stetter, Henriette Confurius, Claudia Messner, Ronald Zehrfeld 130 Min.
Als die junge Charlotte von Lengefeld (Henriette Confurius) im Herbst 1787 von Rudolstadt an der Saale nach Weimar zu ihrer Patentante, der Frau von Stein (Maja Maranow) zieht, verabscheut die Adelige aus verarmten Hause schnell die Gesellschaft der Stadt. Bis sie zufällig den jungen, aus Württemberg verbannten Autor Friedrich Schiller (Florian Stetter) kennenlernt. Die Initiative ihrer älteren, wegen des Geldes unglücklich verheirateten Schwester Caroline von Beulwitz (Hannah Herzsprung) bringt Schiller nach Rudolfstadt, wo sich eine innige Beziehung zwischen den dreien entwickelt. Sie schicken sich codierte Briefe und landen schließlich zusammen im Bett des kranken Schiller. Die Schwestern, die sich schon früher unter dem Rauschen des Rheinfalls bei Schaffhausen Treue und ewige Offenheit schworen, beschließen, dass die Lollo genannte Charlotte Schiller heiratet, damit auch „Line" ihm nah sein kann. Doch die Berufung Schillers an die Universität Jenas und Caroline Flucht vor der zunehmend unerträglichere Ehe bringen die drei im Laufe der Jahre auseinander. Zuerst verzichtet die ältere für die geliebte Schwester auf den geliebten Mann, dann verheimlicht sie Jahre später ein leidenschaftliches Treffen.
„Die geliebten Schwestern", diese ungewöhnliche Liebesgeschichte dreier Figuren, die 13 Jahre überdauert, bedeutet die Rückkehr des vielfach ausgezeichneten Regisseurs Dominik Graf (u.a. 10 Grimme-Preise, Deutscher- und Bayerischer Fernsehpreis) ins Kino. Auch das Drehbuch über die außerordentliche Liebe zwischen Friedrich Schiller und den beiden Schwestern Caroline von Beulwitz und Charlotte von Lengefeld stammt aus der Feder des Machers von „Im Angesicht des Verbrechens", dieser sagenhaft guten TV-Mehrteilers.
Dominik Graf ergeht sich in seiner schönen historischen Liebesgeschichte immer wieder mal in Langsamkeit. Die literarischen und Weltereignisse spielen vom Rande her rein, ergänzen etwa als Berichte von grausamen Auswüchsen der Französischen Revolution das Gefühlsspektrum. Auch wenn die finanzielle Situation des verarmten Adels eine wichtige Rolle spielt, „Die geliebten Schwestern" ist kein Jane Austen-Roman. Die kleinen Anspielungen und netten Momente verweisen ins Hier und Jetzt wie die in 3D posierten Scharaden als damaliges Heimkino. Goethe, der in Italien weilt und fast nur am Rande auftaucht, ist fast ein Running Gag. Die historische, erste Begegnung der beiden Dichter wird eine herrliche Lachnummer über Fans und Prominenz. Vielleicht kann man auch die Weimarer Gesellschaft und Charlottens vernichtendes Urteil über diese auf die Filmszene übertragen.
Während die Bilder der TV-Koproduktion nicht die Üppigkeit großer Hollywood-Dramen erreichen können, überzeugen die Darsteller, unterstützt durch die feine Sprache. Dabei darf man keine Schiller-Biografie erwarten, die Caroline später als erste schreiben wird. Der große Dichter kommt nicht immer gut weg, verschläft die blutige Geburt seines Sohnes nebenan. Im Zentrum steht des Experiment einer außergewöhnlichen Liebe, bei der sich anfangs die Schwestern gegenseitig übertreffen, mit liebevoller Aufopferung und Entsagen für den anderen. Am Ende sind sie in Weimar angekommen und angenommen, doch in ihrer Liebe gescheitert. Die Euphorie des Anfangs wich einer Tristesse der Bürgerlichkeit. Dieses mutige Experiment mitzuerleben, berührt und interessiert.
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Als die junge Charlotte von Lengefeld (Henriette Confurius) im Herbst 1787 von Rudolstadt an der Saale nach Weimar zu ihrer Patentante, der Frau von Stein (Maja Maranow) zieht, verabscheut die Adelige aus verarmten Hause schnell die Gesellschaft der Stadt. Bis sie zufällig den jungen, aus Württemberg verbannten Autor Friedrich Schiller (Florian Stetter) kennenlernt. Die Initiative ihrer älteren, wegen des Geldes unglücklich verheirateten Schwester Caroline von Beulwitz (Hannah Herzsprung) bringt Schiller nach Rudolfstadt, wo sich eine innige Beziehung zwischen den dreien entwickelt. Sie schicken sich codierte Briefe und landen schließlich zusammen im Bett des kranken Schiller. Die Schwestern, die sich schon früher unter dem Rauschen des Rheinfalls bei Schaffhausen Treue und ewige Offenheit schworen, beschließen, dass die Lollo genannte Charlotte Schiller heiratet, damit auch „Line" ihm nah sein kann. Doch die Berufung Schillers an die Universität Jenas und Caroline Flucht vor der zunehmend unerträglichere Ehe bringen die drei im Laufe der Jahre auseinander. Zuerst verzichtet die ältere für die geliebte Schwester auf den geliebten Mann, dann verheimlicht sie Jahre später ein leidenschaftliches Treffen.
„Die geliebten Schwestern", diese ungewöhnliche Liebesgeschichte dreier Figuren, die 13 Jahre überdauert, bedeutet die Rückkehr des vielfach ausgezeichneten Regisseurs Dominik Graf (u.a. 10 Grimme-Preise, Deutscher- und Bayerischer Fernsehpreis) ins Kino. Auch das Drehbuch über die außerordentliche Liebe zwischen Friedrich Schiller und den beiden Schwestern Caroline von Beulwitz und Charlotte von Lengefeld stammt aus der Feder des Machers von „Im Angesicht des Verbrechens", dieser sagenhaft guten TV-Mehrteilers.
Dominik Graf ergeht sich in seiner schönen historischen Liebesgeschichte immer wieder mal in Langsamkeit. Die literarischen und Weltereignisse spielen vom Rande her rein, ergänzen etwa als Berichte von grausamen Auswüchsen der Französischen Revolution das Gefühlsspektrum. Auch wenn die finanzielle Situation des verarmten Adels eine wichtige Rolle spielt, „Die geliebten Schwestern" ist kein Jane Austen-Roman. Die kleinen Anspielungen und netten Momente verweisen ins Hier und Jetzt wie die in 3D posierten Scharaden als damaliges Heimkino. Goethe, der in Italien weilt und fast nur am Rande auftaucht, ist fast ein Running Gag. Die historische, erste Begegnung der beiden Dichter wird eine herrliche Lachnummer über Fans und Prominenz. Vielleicht kann man auch die Weimarer Gesellschaft und Charlottens vernichtendes Urteil über diese auf die Filmszene übertragen.
Während die Bilder der TV-Koproduktion nicht die Üppigkeit großer Hollywood-Dramen erreichen können, überzeugen die Darsteller, unterstützt durch die feine Sprache. Dabei darf man keine Schiller-Biografie erwarten, die Caroline später als erste schreiben wird. Der große Dichter kommt nicht immer gut weg, verschläft die blutige Geburt seines Sohnes nebenan. Im Zentrum steht des Experiment einer außergewöhnlichen Liebe, bei der sich anfangs die Schwestern gegenseitig übertreffen, mit liebevoller Aufopferung und Entsagen für den anderen. Am Ende sind sie in Weimar angekommen und angenommen, doch in ihrer Liebe gescheitert. Die Euphorie des Anfangs wich einer Tristesse der Bürgerlichkeit. Dieses mutige Experiment mitzuerleben, berührt und interessiert.
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