16.9.08

Tage des Zorns


Dänemark, BRD 2008 (Flammen og Citronen) Regie: Ole Christian Madsen mit Mads Mikkelsen, Thure Lindhardt, Stine Stengade 136 Min. FSK: ab 12

"Für's Vaterland!" - dieser Aufruf aus dem Munde von tapferen Widerstandskämpfern, das können nur gute Kerle oder zumindest Helden sein. „Tage des Zorns“, ein in Dänemark sehr erfolgreicher Spielfilm, sieht genauer hin. Im Kopenhagen des Jahres 1944 ermorden Flame (Thure Lindhardt) und Citron (Bond-Killer Mads Mikkelsen) gnadenlos Kollaborateure. Wohlgemerkt nicht die deutschen Besatzer, das würde zu Vergeltungs-Aktionen führen. Und eine bürokratische Widerstands-Leitung handelt detailliert aus, gegen wen man kämpfen darf. Doch in Gesprächen und im Off-Gedankenstrom von Flame tauchen immer wieder Fragen auf: „Warum tust du das? Warum ermordest du so viele Menschen?“ Der junge, rothaarige Auftragskiller Flame hat verschiedene Erklärungen. Von körperlicher Übelkeit angesichts der deutschen Truppen bis zu einer ganz persönlichen Geschichte von einem jüdischem Mädchen, das seine Freundin war und brutal zusammen geschlagen wurde. „So weit darf es hier nie kommen“, lautet sein Entschluss.

Eine Weile lang exekutieren Flame und Citron - so ihre Decknamen - erfolgreich. Aber ausgerechnet mit deutschen Gegnern ergeben sich tiefsinnige Gespräche über das Wesen des Widerstandskämpfers und des Soldaten. Diese und die Begegnung mit der mysteriösen Geheimagentin Ketty bringen den Widerstand aus der Spur, es gibt Verrat unter ihnen und Grabenkämpfe. Denn „die Kommunisten“ kämpfen zwar auch gegen die Deutschen, aber man muss sie nebenbei auch bekämpfen - politische Ränkespiele waren auch in Dänemark wichtiger als der Freiheitskampf. Der Widerstand zeigt sich immer mehr als schmutziges Geschäft. Dazu wird Citron, der Fahrer, aus Geldnot zum Erpresser, zu einem Verbrecher in der Logik des Widerstandes.

Während Verhoeven in „Zwart Boek“, seinem niederländischen Blick auf einen zwiespältigen Widerstand, das Drama einer jüdischen Spionin hochstilisierte, bleibt der Däne Ole Christian Madsen („Kira“) enger beim moralischen Dilemma seiner beiden Hauptfiguren. Ähnlich wie in Spielbergs „München“ werden die Bedenken immer lauter, immer spürbarer. „Tage des Zorns“ ist dabei spannend, hervorragend im historischen Gefühl und bringt auch eine Liebesgeschichte mit. Thure Lindhardt und Mads Mikkelsen („Nach der Hochzeit“) spielen sehr beeindruckend und so sollte „Tage des Zorns“ auch in Deutschland einige erfolgreiche Wochen der Erschütterung und Nachdenklichkeit über all dies Morden erleben.