14.1.14

Nebraska

USA 2013 Regie: Alexander Payne mit Bruce Dern, Will Forte, June Squibb, Bob Odenkirk 115 Min. FSK: ab 6

„Wenn der Vater mit dem Sohne…" - einige Jahrzehnte und viel Alkohol später: Der alte Mann (Bruce Dern), der sein Leben lang viel getrunken hat, glaubt tatsächlich der Werbe-Post von einem Millionen-Gewinn und will diesen unbedingt ein paar Staaten und 900 Meilen weiter in Lincoln, Nebraska abholen. Notfalls auch zu Fuß, Autofahren darf Woody Grant schon seit einer Weile nicht mehr. Also macht er sich auf den Weg und geht los - auf dem Highway. Nachdem der erwachsene Sohn David (Will Forte), dessen Leben nur aus Job und Fernsehen besteht, den Alters-Verwirrten mehrmals bei der Polizei abholen musste, beschließt er, einfach mit dem Vater loszufahren, so verrückt das Ziel auch scheint.

Die garstigen Gattin Kate und Mutter (June Squibb) ist froh, dass sie den ehemaligen Trinker, der seine Tabletten nicht nehmen will, eine Weile los ist. Mit einem Abstecher bei reichlich debiler Verwandtschaft im Geburtsort auf dem Lande kommen sich die beiden Männer in vielen komischen und auch peinlichen Situationen näher. Man klaut zwar keine Pferde, aber aus der Farm eines Bauern nach 40 Jahren einen Kompressor zurück. Nur leider ist es die falsche Farm. Die eigene Logik der alten und kauzigen Leutchen ist herzlich komisch. Doch Regisseur Payne schafft über rührende Szenen des späten Kennenlernens mit diesem Road Trip eine ganz besondere Familien-Geschichte und viel Hoffnung. Bruce Dern („Django Unchained", „Monster") erhielt in Cannes 2013 die Auszeichnung als Bester Darsteller des Festivals.

„Nebraska" ist nach „The Descendants" mit George Clooney wieder eine ganz andere Familiengeschichte und nach „About Schmidt" mit Jack Nicholson und dem weinseligen „Sideways" mit Paul Giametti wieder ein Road Movie. Dass der mit zwei Drehbuch-Oscars ausgezeichnete Payne nicht in diese Genre-Schubladen passt, machen direkt die amerikanischen Landschaften in Schwarz-Weiß deutlich: Es sind nicht berauschende Hintergründe eines Auf- und Ausbruchs, die vor der Windschutzscheibe vorbeiziehen. Solch dreckige Farblosigkeit ist ähnlich deprimierend wie die Grant-Familie aus lauter Couch-Potatos oder die Zimmerpflanze bei Sohn David, die im trostlosen Apartment keine Überlebens-Chance hat. Aber „Nebraska" macht als einfühlsame Tragikomödie vor allem Spaß. Wenn Woody Grant immer wieder - mal als Scherz, dann ziemlich ernst - sein Gebiss verliert, ist das der gleiche Humor, mit dem Payne einst Jack Nicholson als frischen Witwer ein Badezimmer vollpinkeln ließ.

Alle skurrilen und tristen Szenen spiegeln kitsch-frei einen schönen Weg der Annäherung zwischen Vater und Sohn. Der erfährt spät von der Vergangenheit der Eltern, von den Dingen „die einen in Wahnsinn treiben". Und so wird - auch wenn es in Nebraska nur einen Trostpreis gibt - die Heimreise zu einer Triumphfahrt, die das Vergnügen dieses Films wunderbar vollendet.

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