Großbritannien, USA, BRD 2013 Regie: Anton Corbijn mit Philip Seymour Hoffman, Rachel McAdams, Robin Wright, Grigori Dobrygin, Nina Hoss, Daniel Brühl, Willem Dafoe 122 Min. FSK: ab 6
Ein neuer Film des niederländischen Star-Fotografen Anton Corbijn („Control", „The American") ist immer ein Fest für alle, die Kino sehen und nicht nur Explosion hören wollen. Seine Verfilmung von John Le Carrés Roman „A Most Wanted Man" (mit dem enthüllenden deutschen Buchtitel „Marionetten") garantiert Augenschmaus, Spannung und gesellschaftliche Brisanz. Wobei sich die Action sich auf handgestoppte zwei Szenen beschränkt. Zudem ist noch ein großartiger Auftritt des im Februar 2014 verstorbenen Philip Seymour Hoffman zu feiern.
Nachdem sich einige der vermeintlichen 9/11-Attentäter rund um Mohammed Atta in Hamburg aufhielten, geriet die Stadt verstärkt ins Visier der Geheimdienste. Unter ihnen ist in „A Most Wanted Man" der anscheinend strafversetzte Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman) Chef einer kleinen deutschen Einheit, die einen Job machen sollen, den deutsche Gesetze eigentlich nicht erlauben. In ihr Netz gerät nun der tschetschenische Flüchtling Issa Karpov (Grigori Dobrygin) direkt als er als Fremder die sehr bedrohlich dargestellte und komplett überwachte Stadt betritt. Nun reißen sich nicht nur das CIA mit der täuschend freundlichen Martha Sullivan (Robin Wright) und die offiziellen deutschen Schnüffler (bürokratisch: Rainer Bock) um ihn, auch die Menschenrechts-Anwältin Annabel Richter (Rachel McAdams) will ihn - erst einmal unterstützen. Issa ist hasserfüllter Sohn einer mit 15 Jahren vergewaltigten Tschetschenin und eines russischen Offiziers und Vergewaltigers, der viele geraubte Millionen bei der Hamburger Bank von Tommy Brue (Willem Dafoe) gebunkert hat. Während Bachmann mit seinem Team (mit unter anderem Nina Hoss und Daniel Brühl in kleinen Rollen) Issa in einem fairen Deal als Lockvogel für größere Fische und internationale Waffenlieferungen nutzen will, folgt die geheime Konkurrenz bewährten Prinzipien: Erst erschießen oder foltern, dann Fragen stellen.
Die Handlung ist diesmal nicht so unübersichtlich wie zuletzt in dem ebenfalls großartigen „Dame, König, As, Spion". Doch wieder packend durch Schauspiel auf höchstem Niveau sowie eine besonders sorgfältige Inszenierung. Dass man den Film immer wieder anhalten möchte, um einzelne Bildkompositionen zu „liken", war zu erwarten, ist aber trotzdem nicht alltäglich im Kino. Die Hamburger Filmförderung darf für ihr verfilmtes Geld ausführlich in Hafenkaschemmen und Reeperbahn-Kulissen schwelgen. Aber vor allem das nahezu mythisch fotografierte Pyramiden-Gebäude der deutschen Geheimdienstler wie auch ein fast in Popart gestaltetes Sitzungsbüro sind optische Leckerbissen, die sich vom üblichen Postkarten-Abfilmen absetzen. John Le Carrés äußerst skeptische Sicht auf Geheimdienste und Politik wird hier in Figuren und Atmosphären kongenial umgesetzt. Da braucht es gar nicht die naiven Spitzen der Menschenrechtlerin Frau Richter zum Weißwaschen von dreckigem Geld unter dem Codenamen Lipizzaner.
Das Plädoyer für mehr Originalversion fällt diesmal nicht ganz eindeutig aus. Denn obwohl Philip Seymour Hoffman irgendwie absurd als Deutscher mitten in Deutschland mit Deutschen Englisch spricht - es bleibt die Stimme eines großen Künstlers und nicht die eines wie auch immer begabten Synchronsprechers.
„A Most Wanted Man" ist auch eine Hommage an Philip Seymour Hoffman in einer seiner letzten Rollen. Aus einem faltigen Gesicht mit der gleichen Schlagkraft, die ein DeNiro hat, fallen nur ein paar, aber dafür sehr starke Worte und Blicke. Wie Hoffman in Körperhaltung und Kettenrauchen, mit jedem Gang wie mit jedem Gesichtszug, mit dem gleichen beigen Anzug, der veralteten S-Klasse seinem Geheimdienstler Günther Bachmann (einem Verwandten Horst Herolds, des Vaters der Rasterfahndung) dieses ganz spezielle Format gibt, könnte man seitenlang feiern. Oder immer wieder sehen.
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8.9.14
Lügen und andere Wahrheiten
BRD 2013 Regie: Vanessa Jopp mit Meret Becker, Thomas Heinze, Florian David Fitz, Jeanette Hain 106 Min.
Irgendwann will der im Film und im Kino umschwärmte, sanfte, asketische Yoga-Lehrer Andi (Florian David Fitz), der auch schon mal jemanden auf der Straße brutal zusammenschlägt, aussteigen und nach Indien. Instinktiv greift man im Kino zu seinen Sachen, um mitzugehen. Denn zum Aussteigen bietet der neue Film von Vanessa Joop, an deren andere Filme man sich einfach nicht erinnern will, viele Gelegenheiten. Da wäre die Parade der hölzernen Klischees, angefangen bei Meret Beckers egozentrischer Zahnärztin Coco („Wir haben alle unsere Probleme"). Wenige Tage vor ihrer Hochzeit befallen Coco heftigste Zweifel am Verlobten Carlos (Thomas Heinze). Ohne dass sie ahnt, wie teuer der Polterabend-Besuch im Puff war und dass ihm der Spaß auch den Führerschein kostete. Falls jetzt „Hangover" anklingt, dies ist Anti-Hangover, im Umfeld von Coco gibt es keinen Spaß und keine Gnade. So fliegt die zugegeben verlogene russische Assistentin Vera (Alina Levshin) raus, die Nachbarin Cindy (Lilith Stangenberg) bringt sich unbemerkt fast um und die beste Freundin Patti (Jeanette Hain) überlebt den Sprung aus dem Fenster nur mit Glück.
Um das Übermaß voll zu machen, hat die Künstlerin Patti noch ein Verhältnis mit dem Yoga-Beau Andi, der wiederum von Vera erpresst wird, weil deren Familie in Russland vorgibt, eine dringende Operation zahlen zu müssen. Falls es jemand noch nicht kapiert hat, zwischendurch ist allen ganz arg kalt, damit man merkt, wie kalt unsere Gesellschaft sein soll. Der Kommentar eines Zuspätkommers im Kino, „Ist das Werbung?", trifft dabei exakt den oberflächlichen Stil des Films. Die tolle Meret Becker gefällt in braver, spießiger Rolle gar nicht, auch wenn so eine nüchtern herzlose Fassade erst mal hingelegt werden muss und sie trotzdem ein paar ihrer typischen Momente hat. Ganz einfach direkt, ohne großes Getue. Thomas Heinze ist sowieso nicht so der Hit. Jeanette Hain kann als verrückte und unbefriedigte Künstlerin, die eine Ausstellung mit lauter Vulvas, vulgo: Muschis, hinhängt, in ihrer mutigen Offenheit und Tragik gefallen. Dass der schlagende Yogi Andi noch vor den offenen und dann tatsächlich mal interessanten letzten Minuten mit einer gebrochenen Figur die Aufmerksamkeit wieder weckt, bleibt leider nur eine Randerscheinung in diesem bei dünnem Gestaltungsmut stark überfrachteten Emo-Drama (Buch: Stefan Schneider, Vanessa Jopp), das problemlos montags im ZDF versendet werden könnte.
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Irgendwann will der im Film und im Kino umschwärmte, sanfte, asketische Yoga-Lehrer Andi (Florian David Fitz), der auch schon mal jemanden auf der Straße brutal zusammenschlägt, aussteigen und nach Indien. Instinktiv greift man im Kino zu seinen Sachen, um mitzugehen. Denn zum Aussteigen bietet der neue Film von Vanessa Joop, an deren andere Filme man sich einfach nicht erinnern will, viele Gelegenheiten. Da wäre die Parade der hölzernen Klischees, angefangen bei Meret Beckers egozentrischer Zahnärztin Coco („Wir haben alle unsere Probleme"). Wenige Tage vor ihrer Hochzeit befallen Coco heftigste Zweifel am Verlobten Carlos (Thomas Heinze). Ohne dass sie ahnt, wie teuer der Polterabend-Besuch im Puff war und dass ihm der Spaß auch den Führerschein kostete. Falls jetzt „Hangover" anklingt, dies ist Anti-Hangover, im Umfeld von Coco gibt es keinen Spaß und keine Gnade. So fliegt die zugegeben verlogene russische Assistentin Vera (Alina Levshin) raus, die Nachbarin Cindy (Lilith Stangenberg) bringt sich unbemerkt fast um und die beste Freundin Patti (Jeanette Hain) überlebt den Sprung aus dem Fenster nur mit Glück.
Um das Übermaß voll zu machen, hat die Künstlerin Patti noch ein Verhältnis mit dem Yoga-Beau Andi, der wiederum von Vera erpresst wird, weil deren Familie in Russland vorgibt, eine dringende Operation zahlen zu müssen. Falls es jemand noch nicht kapiert hat, zwischendurch ist allen ganz arg kalt, damit man merkt, wie kalt unsere Gesellschaft sein soll. Der Kommentar eines Zuspätkommers im Kino, „Ist das Werbung?", trifft dabei exakt den oberflächlichen Stil des Films. Die tolle Meret Becker gefällt in braver, spießiger Rolle gar nicht, auch wenn so eine nüchtern herzlose Fassade erst mal hingelegt werden muss und sie trotzdem ein paar ihrer typischen Momente hat. Ganz einfach direkt, ohne großes Getue. Thomas Heinze ist sowieso nicht so der Hit. Jeanette Hain kann als verrückte und unbefriedigte Künstlerin, die eine Ausstellung mit lauter Vulvas, vulgo: Muschis, hinhängt, in ihrer mutigen Offenheit und Tragik gefallen. Dass der schlagende Yogi Andi noch vor den offenen und dann tatsächlich mal interessanten letzten Minuten mit einer gebrochenen Figur die Aufmerksamkeit wieder weckt, bleibt leider nur eine Randerscheinung in diesem bei dünnem Gestaltungsmut stark überfrachteten Emo-Drama (Buch: Stefan Schneider, Vanessa Jopp), das problemlos montags im ZDF versendet werden könnte.
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Maps to the Stars
Kanada, BRD, USA, Frankreich 2014 Regie: David Cronenberg mit Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack, Robert Pattinson 112 Min. FSK: ab 16
Regisseur David Cronenberg ist einerseits für legendäre Horrorfilme wie „Die Fliege" (1985), „Videodrome" (1982), den Medizin-Schocker „Die Unzertrennlichen" (1988) oder „Scanners - ihre Gedanken können töten" (1980) bekannt. Aber auch für ebenso spannende wie erschreckende Werke aus andern Genres etwa den Politthriller „Dead Zone" (1983). Vor allem in den letzten Jahren sezierte der Kanadier mit den großen Freiheiten der kanadischen Filmförderung unsere westliche Gesellschaft mit verschiedensten Formen, aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Die Finanzwelt in „Cosmopolis" (2012), die Psychoanalyse von C. G. Jung in „Eine dunkle Begierde" (2011), Psychogramme von Gewalt („A History Of Violence", 2005) oder heftigster Traumata („Spider", 2002), um nur ein paar Beispiele des reichen Spektrums zu nennen. „Maps to the Stars", eine horrende Familien-Psychologie, die ihre Weltpremiere im Wettbewerb der 67. Internationalen Filmfestspiele von Cannes feierte, stürzt sich nun auf den Ruhm in Hollywood, der sich selbst verzehrt.
Eine Karte zu den Stars von Hollywood Hills - „a map to the stars" - hätte Agatha Weiss (Mia Wasikowska), die nach Brandstiftung im Elternhaus in die Psychiatrie kam, bei ihrer Rückkehr gerne. Lange, schwarze Handschuhe bedecken auch im strahlenden Licht Kaliforniens ihre vernarbten Arme. Die schwarze Limousine mit Chauffeur und Möchtegern-Schauspieler Jerome (Robert Pattinson), bringt Agatha zuerst zu den verkohlten Ruinen der Weiss-Residenz, in denen ein dunkles Geheimnis schlummert. Dann bekommt die hart blickende junge Frau einen Job bei der alternden Schauspielerin Havanna (Julianne Moore), die gerade verzweifelt auf ein Comeback hofft. Ausgerechnet mit der berühmtesten Rolle ihrer eigenen, verhassten Mutter, die ihr als Geist erscheint. Nicht ganz zufällig wird Havanna in esoterischen Sitzungen vom Hollywood-Guru Weiss (John Cusack) aufgebaut, der Agathas Vater ist. Dass sie auch Jerome rumkriegen muss, nachdem der eine Affäre mit ihrer Angestellten Agatha angefangen hat, ist nur die harmloseste der atemberaubenden Entwicklungen in dieser schrillen Hollywood-Satire. Denn eigentlich will das vom Leben gebrannte Mädchen an ihren 13-jährigen Bruder ran, den Kinderstar Benji Weiss (Evan Bird). Weil sein exorbitanter Drogenkonsum die Fortsetzung von „Bad Babysitter" verhindert, wird er nicht nur vor Agatha und dem Familiengeheimnis abgeschirmt...
Wer bei Cronenberg nun die Essenz des Films in einem Satz präsentiert haben will, ist im falschen Film. Auch wenn der Stoff für drei Jahre Soap reichte, der Meister der Spannung präsentiert all die krassen Emotionen, all die extremen Dramen mit kühler Distanz, die auch schon „Cosmopolis" bestimmte. Der Geist des Films lauert in den Fugen der offensichtlichen Bausteine Handlung, Figuren und Szenen. So schmeißt einen dieser Cronenberg nicht durchgeschüttelt und höchst emotionalisiert aus dem Kino. Er meldet sich aber in den Wochen und Monaten danach immer wieder mit Momenten oder Stimmungen, die sich auf unbewußten Wegen eingegraben haben. Das ist neben dem exzellenten Schauspiel (Goldene Palme für Julianne Moore), der bissigen Hollywood-Karikatur und der verrückten Handlung ein weiterer Grund, auch diesen Cronenberg auf keinen Fall verpassen zu dürfen.
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Regisseur David Cronenberg ist einerseits für legendäre Horrorfilme wie „Die Fliege" (1985), „Videodrome" (1982), den Medizin-Schocker „Die Unzertrennlichen" (1988) oder „Scanners - ihre Gedanken können töten" (1980) bekannt. Aber auch für ebenso spannende wie erschreckende Werke aus andern Genres etwa den Politthriller „Dead Zone" (1983). Vor allem in den letzten Jahren sezierte der Kanadier mit den großen Freiheiten der kanadischen Filmförderung unsere westliche Gesellschaft mit verschiedensten Formen, aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Die Finanzwelt in „Cosmopolis" (2012), die Psychoanalyse von C. G. Jung in „Eine dunkle Begierde" (2011), Psychogramme von Gewalt („A History Of Violence", 2005) oder heftigster Traumata („Spider", 2002), um nur ein paar Beispiele des reichen Spektrums zu nennen. „Maps to the Stars", eine horrende Familien-Psychologie, die ihre Weltpremiere im Wettbewerb der 67. Internationalen Filmfestspiele von Cannes feierte, stürzt sich nun auf den Ruhm in Hollywood, der sich selbst verzehrt.
Eine Karte zu den Stars von Hollywood Hills - „a map to the stars" - hätte Agatha Weiss (Mia Wasikowska), die nach Brandstiftung im Elternhaus in die Psychiatrie kam, bei ihrer Rückkehr gerne. Lange, schwarze Handschuhe bedecken auch im strahlenden Licht Kaliforniens ihre vernarbten Arme. Die schwarze Limousine mit Chauffeur und Möchtegern-Schauspieler Jerome (Robert Pattinson), bringt Agatha zuerst zu den verkohlten Ruinen der Weiss-Residenz, in denen ein dunkles Geheimnis schlummert. Dann bekommt die hart blickende junge Frau einen Job bei der alternden Schauspielerin Havanna (Julianne Moore), die gerade verzweifelt auf ein Comeback hofft. Ausgerechnet mit der berühmtesten Rolle ihrer eigenen, verhassten Mutter, die ihr als Geist erscheint. Nicht ganz zufällig wird Havanna in esoterischen Sitzungen vom Hollywood-Guru Weiss (John Cusack) aufgebaut, der Agathas Vater ist. Dass sie auch Jerome rumkriegen muss, nachdem der eine Affäre mit ihrer Angestellten Agatha angefangen hat, ist nur die harmloseste der atemberaubenden Entwicklungen in dieser schrillen Hollywood-Satire. Denn eigentlich will das vom Leben gebrannte Mädchen an ihren 13-jährigen Bruder ran, den Kinderstar Benji Weiss (Evan Bird). Weil sein exorbitanter Drogenkonsum die Fortsetzung von „Bad Babysitter" verhindert, wird er nicht nur vor Agatha und dem Familiengeheimnis abgeschirmt...
Wer bei Cronenberg nun die Essenz des Films in einem Satz präsentiert haben will, ist im falschen Film. Auch wenn der Stoff für drei Jahre Soap reichte, der Meister der Spannung präsentiert all die krassen Emotionen, all die extremen Dramen mit kühler Distanz, die auch schon „Cosmopolis" bestimmte. Der Geist des Films lauert in den Fugen der offensichtlichen Bausteine Handlung, Figuren und Szenen. So schmeißt einen dieser Cronenberg nicht durchgeschüttelt und höchst emotionalisiert aus dem Kino. Er meldet sich aber in den Wochen und Monaten danach immer wieder mit Momenten oder Stimmungen, die sich auf unbewußten Wegen eingegraben haben. Das ist neben dem exzellenten Schauspiel (Goldene Palme für Julianne Moore), der bissigen Hollywood-Karikatur und der verrückten Handlung ein weiterer Grund, auch diesen Cronenberg auf keinen Fall verpassen zu dürfen.
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2.9.14
Ohne Dich (2014)
BRD 2014 Regie: Alexandre Powelz mit Katja Riemann, Charly Hübner, Helen Woigk, Arne Gottschling, Meral Perin 90 Min. FSK: ab 12
Die Liebe zwischen der engagierten Hebamme Rosa (Katja Riemann) und dem unkonventionellen Therapeuten Marcel (Charly Hübner) erschüttert ihre Krebserkrankung im Endstadium. Sie will nicht noch eine Operation mitmachen, was ihn verzweifeln lässt. Die Kellnerin und Einzelgängerin Motte (Helen Woigk) ist von ihrem besten Freund Neo (Arne Gottschling) schwanger, der nicht weiß ob er schwul oder hetero ist. Rosa und Marcels Putzfrau Layla (Meral Perin) ist krampfhaft eifersüchtig auf ihren Ex (Bijan Zamani), der sie für eine jüngere Frau verlassen hat.
Die nur locker verbundenen Episoden im Kinodebut von Alexandre Powelz liefern jeweils nicht mehr Material als für einen Kurzfilm. Da kommt es dann auf die Umsetzung an, die weder in der Inszenierung noch im Schauspiel Besonderes bietet. Vor allem Katja Riemann wirkt in ihren Episoden zu bemüht exaltiert. Dreimal kleine Rührgeschichte ergibt weder große Rührung noch guten Film.
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Die Liebe zwischen der engagierten Hebamme Rosa (Katja Riemann) und dem unkonventionellen Therapeuten Marcel (Charly Hübner) erschüttert ihre Krebserkrankung im Endstadium. Sie will nicht noch eine Operation mitmachen, was ihn verzweifeln lässt. Die Kellnerin und Einzelgängerin Motte (Helen Woigk) ist von ihrem besten Freund Neo (Arne Gottschling) schwanger, der nicht weiß ob er schwul oder hetero ist. Rosa und Marcels Putzfrau Layla (Meral Perin) ist krampfhaft eifersüchtig auf ihren Ex (Bijan Zamani), der sie für eine jüngere Frau verlassen hat.
Die nur locker verbundenen Episoden im Kinodebut von Alexandre Powelz liefern jeweils nicht mehr Material als für einen Kurzfilm. Da kommt es dann auf die Umsetzung an, die weder in der Inszenierung noch im Schauspiel Besonderes bietet. Vor allem Katja Riemann wirkt in ihren Episoden zu bemüht exaltiert. Dreimal kleine Rührgeschichte ergibt weder große Rührung noch guten Film.
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Erlöse uns von dem Bösen (2014)
USA 2014 (Deliver us from evil) Regie: Scott Derrickson mit Eric Bana, Édgar Ramírez, Sean Harris, Joel McHale 118 Min. FSK: ab 16
Das Böse entsteht im Krieg. Nicht durch die Gewalt, die entmenschlichte Soldaten mit nach Hause bringen, sondern hier in „Erlöse uns von dem Bösen" mystisch überhöht, nachdem US-Marines etwas in irakischen Katakomben finden. In einer scheinbar ganz neuen Geschichte 2013 muss sich dann der Polizist Ralph Sarchie (Eric Bana) in der Bronx mit rätselhaften Verbrechen auseinander setzen.
Das bringt eine ganze Reihe spannend inszenierter Szenen, die man eher dem Thriller als dem Horror-Genre zuordnen kann. Wobei der immer wieder auftretende Priester Joe Mendoza (Édgar Ramírez) und das höllisch tiefe Sprechen einer Verhafteten sehr an „Der Exorzist" erinnern. Und die Stimme hat nichts mit der horrenden us-amerikanischen Mode-Erscheinung „Voice Fry" zu tun. Das Unheimliche wird anfangs noch mit Scherzen weggelacht. Da singt ein Besessener die Melodie der Addams Family und das genremäßige Knacken in den Rohrleitungen solle doch besser ein Klempner beseitigen.
Doch bald ist es vorbei mit nur Schreckmomenten, bald wird der Horror explizit gezeigt. Ralph Sarchie, schon immer mit einem „sechsten Sinn" ausgestattet, sieht und hört plötzlich schreckliche Dinge - die andere nicht wahrnehmen. All das belastet sein Familienleben mit Kind und schwangerer Frau sehr. Also ein anständiger, spannender, gut gespielter und inszenierter Thriller. Mit Eric Bana in der Hauptrolle des Polizisten Ralph Sarchie ist die „böse Sache" hochwertig besetzt, was dem allzu bekannten Exorzisten-Theater Einiges an Ernsthaftigkeit verleiht. Bis zum üblichen Exorzismus-Finale, aufgehübscht mit viel Blut, Lichtflackern und - besonders originell - Songs von den Doors als teuflische Musik. Dazu etwas Geschwafel über „primary evil", ursprüngliches Böses, das nicht mit menschlichem Handeln erklärt werden kann.
Dabei zeigt sich allerdings, dass die ganze Entwicklung der Tricktechnologie letztlich doch nicht so wirkungsvoll ist, wie ein wenig Kopfdrehen. Am Ende soll dann alles wieder gut sein, nur fragt man sich, ob etwas Exorzismus neben der Dienstzeit unter Überstunden läuft oder doch wie beim Frankfurter Polizeipräsidenten eher als Folter verurteilt werden sollte.
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Das Böse entsteht im Krieg. Nicht durch die Gewalt, die entmenschlichte Soldaten mit nach Hause bringen, sondern hier in „Erlöse uns von dem Bösen" mystisch überhöht, nachdem US-Marines etwas in irakischen Katakomben finden. In einer scheinbar ganz neuen Geschichte 2013 muss sich dann der Polizist Ralph Sarchie (Eric Bana) in der Bronx mit rätselhaften Verbrechen auseinander setzen.
Das bringt eine ganze Reihe spannend inszenierter Szenen, die man eher dem Thriller als dem Horror-Genre zuordnen kann. Wobei der immer wieder auftretende Priester Joe Mendoza (Édgar Ramírez) und das höllisch tiefe Sprechen einer Verhafteten sehr an „Der Exorzist" erinnern. Und die Stimme hat nichts mit der horrenden us-amerikanischen Mode-Erscheinung „Voice Fry" zu tun. Das Unheimliche wird anfangs noch mit Scherzen weggelacht. Da singt ein Besessener die Melodie der Addams Family und das genremäßige Knacken in den Rohrleitungen solle doch besser ein Klempner beseitigen.
Doch bald ist es vorbei mit nur Schreckmomenten, bald wird der Horror explizit gezeigt. Ralph Sarchie, schon immer mit einem „sechsten Sinn" ausgestattet, sieht und hört plötzlich schreckliche Dinge - die andere nicht wahrnehmen. All das belastet sein Familienleben mit Kind und schwangerer Frau sehr. Also ein anständiger, spannender, gut gespielter und inszenierter Thriller. Mit Eric Bana in der Hauptrolle des Polizisten Ralph Sarchie ist die „böse Sache" hochwertig besetzt, was dem allzu bekannten Exorzisten-Theater Einiges an Ernsthaftigkeit verleiht. Bis zum üblichen Exorzismus-Finale, aufgehübscht mit viel Blut, Lichtflackern und - besonders originell - Songs von den Doors als teuflische Musik. Dazu etwas Geschwafel über „primary evil", ursprüngliches Böses, das nicht mit menschlichem Handeln erklärt werden kann.
Dabei zeigt sich allerdings, dass die ganze Entwicklung der Tricktechnologie letztlich doch nicht so wirkungsvoll ist, wie ein wenig Kopfdrehen. Am Ende soll dann alles wieder gut sein, nur fragt man sich, ob etwas Exorzismus neben der Dienstzeit unter Überstunden läuft oder doch wie beim Frankfurter Polizeipräsidenten eher als Folter verurteilt werden sollte.
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Mr May und das Flüstern der Ewigkeit
Großbritannien, Italien 2013 (Still Life) Regie: Uberto Pasolini mit Eddie Marsan, Joanne Froggatt, Karen Drury 92 Min. FSK: ab 12
Mr. May (Eddie Marsan) besucht konfessionsübergreifend eine Beerdigung nach der anderen. Immer ist er der einzige Trauergast, wählte die Musik aus, schrieb die Trauerrede für den Priester. Mr. May kümmert sich von Amts wegen um Verstorbene ohne Angehörige. Versucht akribisch Freunde oder Bekannte zu finden, die am Tod dieses Menschen Anteil haben könnten. Plädiert selbst bei Söhnen voller Hass für einen versöhnlichen Abschied. Meist vergebens.
Dabei ist John May selber so ein trauriger Fall. Er hat, außer dem beruflichen, keinen Kontakt mit anderen Menschen. Sitzt in einem fast komplett grauen Büro und seine Wohnung sieht noch trüber aus. Das pedantisch aufgedeckte Essen - eine Dose Tunfisch und ein Toast - ist gänzlich ein Trauerspiel. Einsam und verloren geht er mit seinem leicht schiefen Kopf durchs Leben. Nie sieht man ihn lächeln. Eine traurige und komische Gestalt. Sein Blick über ein Gräberfeld wirkt wie der Blick auf das eigene Leben.
Der perfekte Hauptdarsteller Eddie Marsan hat eines dieser unverwechselbaren Gesichter, das man sofort erkennt, obwohl man sich seinen Namen niemals merkt. In „Sherlock Holmes" spielt er den Inspector Lestrade, in „The World's End" war er einer der Saufkumpane neben Simon Pegg.
Nach 22 Jahren Dienst wird Mr. May von einem dieser zynischen Effizienz-Heinis gefeuert: Er sei ja gründlich, aber auch langsam und teuer. Vielleicht wolle einfach niemand mehr an die Toten denken. Für seinen letzten Fall hat er noch drei Tage. Der ist ausgerechnet einer seiner Nachbarn. Nun geht Mays Blick immer wieder zur Wohnung gegenüber. Aber bei der bemühten Recherche in einer Bäckerei und einem Seebad begegnet der einsame, graue Beamte immer mehr Menschen. Er verlässt die eingetretenen Wege, obwohl der Versuch, mal einen frischen Fisch zu essen, großartig misslingt. Doch May entdeckt in den Nacherzählungen der Zeitgenossen das faszinierende Leben seines letzten Klienten. Billy, ein Fallschirmspringer auf den Falklands, Obdachloser, Häftling, Vater, geliebt, gehasst.
Mr. May gehört einer aussterbenden Gattung an. Wie der Dodo, den niemand außer ihm mehr zu kennen scheint. Und wie er selbst, ist auch der Film wortkarg. Dafür gibt es immer wieder sehr schöne Kleinigkeiten in den Wohnungen der Verstorbenen, die Spuren eines Lebens fast poetisch zeigen. Die Abrücke einer Hand in der Creme-Dose, das gefundene Familien-Fotoalbum. Auch die Bilder von Kameramann Stefano Falivene sind Kleinode, während die Inszenierung von Regisseur und Autor Uberto Pasolini wunderbar kuriose Szenen zeigt. (Der ehemalige Investment Banker und Produzent von „Ganz oder gar nicht" ist nicht verwandt oder verschwägert mit Paolo Pasolini, aber ein Neffe von Luchino Visconti.) Besonders das Ende ist emotional tief bewegend, wunderschön mit einer bitteren Note, wenn der Film die Aufgabe von Mr. May übernehmen muss, weil er selbst dafür nicht mehr da ist.
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Mr. May (Eddie Marsan) besucht konfessionsübergreifend eine Beerdigung nach der anderen. Immer ist er der einzige Trauergast, wählte die Musik aus, schrieb die Trauerrede für den Priester. Mr. May kümmert sich von Amts wegen um Verstorbene ohne Angehörige. Versucht akribisch Freunde oder Bekannte zu finden, die am Tod dieses Menschen Anteil haben könnten. Plädiert selbst bei Söhnen voller Hass für einen versöhnlichen Abschied. Meist vergebens.
Dabei ist John May selber so ein trauriger Fall. Er hat, außer dem beruflichen, keinen Kontakt mit anderen Menschen. Sitzt in einem fast komplett grauen Büro und seine Wohnung sieht noch trüber aus. Das pedantisch aufgedeckte Essen - eine Dose Tunfisch und ein Toast - ist gänzlich ein Trauerspiel. Einsam und verloren geht er mit seinem leicht schiefen Kopf durchs Leben. Nie sieht man ihn lächeln. Eine traurige und komische Gestalt. Sein Blick über ein Gräberfeld wirkt wie der Blick auf das eigene Leben.
Der perfekte Hauptdarsteller Eddie Marsan hat eines dieser unverwechselbaren Gesichter, das man sofort erkennt, obwohl man sich seinen Namen niemals merkt. In „Sherlock Holmes" spielt er den Inspector Lestrade, in „The World's End" war er einer der Saufkumpane neben Simon Pegg.
Nach 22 Jahren Dienst wird Mr. May von einem dieser zynischen Effizienz-Heinis gefeuert: Er sei ja gründlich, aber auch langsam und teuer. Vielleicht wolle einfach niemand mehr an die Toten denken. Für seinen letzten Fall hat er noch drei Tage. Der ist ausgerechnet einer seiner Nachbarn. Nun geht Mays Blick immer wieder zur Wohnung gegenüber. Aber bei der bemühten Recherche in einer Bäckerei und einem Seebad begegnet der einsame, graue Beamte immer mehr Menschen. Er verlässt die eingetretenen Wege, obwohl der Versuch, mal einen frischen Fisch zu essen, großartig misslingt. Doch May entdeckt in den Nacherzählungen der Zeitgenossen das faszinierende Leben seines letzten Klienten. Billy, ein Fallschirmspringer auf den Falklands, Obdachloser, Häftling, Vater, geliebt, gehasst.
Mr. May gehört einer aussterbenden Gattung an. Wie der Dodo, den niemand außer ihm mehr zu kennen scheint. Und wie er selbst, ist auch der Film wortkarg. Dafür gibt es immer wieder sehr schöne Kleinigkeiten in den Wohnungen der Verstorbenen, die Spuren eines Lebens fast poetisch zeigen. Die Abrücke einer Hand in der Creme-Dose, das gefundene Familien-Fotoalbum. Auch die Bilder von Kameramann Stefano Falivene sind Kleinode, während die Inszenierung von Regisseur und Autor Uberto Pasolini wunderbar kuriose Szenen zeigt. (Der ehemalige Investment Banker und Produzent von „Ganz oder gar nicht" ist nicht verwandt oder verschwägert mit Paolo Pasolini, aber ein Neffe von Luchino Visconti.) Besonders das Ende ist emotional tief bewegend, wunderschön mit einer bitteren Note, wenn der Film die Aufgabe von Mr. May übernehmen muss, weil er selbst dafür nicht mehr da ist.
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Amma & Appa - Eine bayerisch-indische Liebe
BRD 2014 Regie: Franziska Schönenberger, Jayakrishnan Subramanian 89 Min. FSK: ab 12
Eine bayerische Filmstudentin ist in einen tamilischen Kunststudenten verliebt. Nun denken die beiden, die sich lange Zeiten nur über Skype sehen, an Heirat und müssen die jeweiligen Eltern einbeziehen. Das (Filmemacher-) Paar Franziska Schönenberger und Jayakrishnan Subramanian hält alles mit der Kamera im Dokumentarfilm „Amma & Appa" fest, was erst zu einer Indien-Reise führt, bei der die sehr emotionale Schönenberger reichlich auf der Tonspur kommentiert. Kitschige indische Liebes-Lieder, viel Straßenstimmung und dazwischen Interviews mit den Schwiegereltern. Danach wirkt der Besuch bei den bayerischen Eltern ähnlich exotisch, vor allem als diese für ihre Indien-Reise Trachtenhosen und Dirndl einpacken. Außerdem bringen sie Lebkuchenherzen mit, und damit die herbe Schwiegermutter endlich zum Lachen. Schwiegerpapa sprühte vorher alles mit Riesendose Insektenvernichter ein, während in Deutschland noch ein letztes Mal richtig gegrillt und gegessen wurde. Hier prallen unterschiedliche Haltungen zur Aufgabe von Kindern und vor allem zum Alkohol aufeinander. Doch es gibt eine Einigkeit im Rassismus, während die Eltern zusammen sitzen und sich gegenseitig die Kinder schlecht machen.
Der Hochschulfilm von Franziska Schönenberger findet viele nette und aussagekräftige Momente, bewegt sich aber auch immer gefährlich nahe am Home Movie, wenn das Thema nicht über den privaten Tellerrand hinauskommt.
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Eine bayerische Filmstudentin ist in einen tamilischen Kunststudenten verliebt. Nun denken die beiden, die sich lange Zeiten nur über Skype sehen, an Heirat und müssen die jeweiligen Eltern einbeziehen. Das (Filmemacher-) Paar Franziska Schönenberger und Jayakrishnan Subramanian hält alles mit der Kamera im Dokumentarfilm „Amma & Appa" fest, was erst zu einer Indien-Reise führt, bei der die sehr emotionale Schönenberger reichlich auf der Tonspur kommentiert. Kitschige indische Liebes-Lieder, viel Straßenstimmung und dazwischen Interviews mit den Schwiegereltern. Danach wirkt der Besuch bei den bayerischen Eltern ähnlich exotisch, vor allem als diese für ihre Indien-Reise Trachtenhosen und Dirndl einpacken. Außerdem bringen sie Lebkuchenherzen mit, und damit die herbe Schwiegermutter endlich zum Lachen. Schwiegerpapa sprühte vorher alles mit Riesendose Insektenvernichter ein, während in Deutschland noch ein letztes Mal richtig gegrillt und gegessen wurde. Hier prallen unterschiedliche Haltungen zur Aufgabe von Kindern und vor allem zum Alkohol aufeinander. Doch es gibt eine Einigkeit im Rassismus, während die Eltern zusammen sitzen und sich gegenseitig die Kinder schlecht machen.
Der Hochschulfilm von Franziska Schönenberger findet viele nette und aussagekräftige Momente, bewegt sich aber auch immer gefährlich nahe am Home Movie, wenn das Thema nicht über den privaten Tellerrand hinauskommt.
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1.9.14
Lola auf der Erbse
BRD 2014 Regie: Thomas Heinemann mit Tabea Hanstein, Christiane Paul, Tobias Oertel, Arturo Perea Bigwood, Antoine Monot jr. 90 Min. FSK: ab 0
Ein Herz für Kinder und Kurden hat dieser trotz einiger Unzulänglichkeiten sympathische Kinderfilm: Die elfjährige Lola (Tabea Hanstein) lebt mit ihrer Mutter (Christiane Paul) auf einem Hausboot namens Erbse. Sieht idyllisch aus, doch dem Glück im Wege steht der Hafenmeister und Biedermann Herr Barkelt (Antoine Monot jr.). Und auch Lolas Mitschüler machen es dem Mädchen sehr schwer. Doch wie es immer wieder direkt in die Kamera erzählt, hat sie vielleicht selbst schuld dran. Weil sie die Stelle, an der ihr verschwundener Vater sie geküsst hat, nicht waschen will, und auch ihr rosa Haaransatz seitdem längst rausgewachsen ist.
Der Kampf gegen deutsche Spießer allerorten wird dramatisch, als spät im Film klar wird, dass Lolas neuer Freund Rebin (Arturo Perea Bigwood) und seine Familie „illegale" kurdische Flüchtlinge sind. Sie dürfen nicht offiziell zur Schule und auch nicht zum Arzt, wenn sie sich überhaupt einen leisten könnten. Nun zeigt sich, wer wirklich mutig ist und ein Herz hat. Ein ganz schön schwerer Kampf für Lola, die auch noch lernen muss, den neuen Freund der Mutter, einen bayerischen Cowboy, zu akzeptieren.
„Lola auf der Erbse" erzählt zwar eines der typischen Trennungskind-Dramen, wirkt auch lange überfrachtet, weil einiges an den Haaren herbei gezogen wird. Doch kleine Inszenierungsideen machen Spaß und bleiben hängen. So wie Lolas Schlaflied vom Papa aus dem animierten Bilderrahmen oder der gestrandete Kapitän mit Schifferklavier und viel Seemannsgarn. An der Schuldirektorin, die stellenweise grandios komisch überzeichnet, aber auch mit ihren Gewissensbissen ernst genommen wird, zeigt sich im Kleinen eine sorgfältige Figurenzeichnung. Besonders gelungen, wenn auch sehr demonstrativ, ist das nette Finale mit der Multikulti-Feier auf dem Fluss im Zusammenspiel mit der drögen Blasmusik des Hafenmeisters.
Tabea Hanstein überzeugt als Lola vor allem mit ihrem trotzigen Gesicht und ist ansonsten keine große Entdeckung. Christiane Paul wird von noch einer Mutterrolle wie schon in „Doktorspiele" eher unterfordert. Antoine Monot jr., der Technik-Nick aus der Elektromarkt-Werbung und der Tod aus dem Soap-Piloten „Jetzt ist Sense", gibt seinen gierigen Hafenmeister Herr „Bargeld" als reine Karikatur. Doch viele Szenen sind flott aufgelöst, nur die sozial betrübte Ethno-Musik auf der Tonspur nervt wirklich. Insgesamt kein ganz großer Wurf, aber besser als vieles, was mehr kostet und in der Werbung mehr Lärm produziert. Vor allem der Charme der Machart und der Mut, auch komplizierte Dinge wie „illegale Einwanderer" oder die dreigeteilte Verfolgung der Kurden zu erklären, fordern Beachtung.
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Ein Herz für Kinder und Kurden hat dieser trotz einiger Unzulänglichkeiten sympathische Kinderfilm: Die elfjährige Lola (Tabea Hanstein) lebt mit ihrer Mutter (Christiane Paul) auf einem Hausboot namens Erbse. Sieht idyllisch aus, doch dem Glück im Wege steht der Hafenmeister und Biedermann Herr Barkelt (Antoine Monot jr.). Und auch Lolas Mitschüler machen es dem Mädchen sehr schwer. Doch wie es immer wieder direkt in die Kamera erzählt, hat sie vielleicht selbst schuld dran. Weil sie die Stelle, an der ihr verschwundener Vater sie geküsst hat, nicht waschen will, und auch ihr rosa Haaransatz seitdem längst rausgewachsen ist.
Der Kampf gegen deutsche Spießer allerorten wird dramatisch, als spät im Film klar wird, dass Lolas neuer Freund Rebin (Arturo Perea Bigwood) und seine Familie „illegale" kurdische Flüchtlinge sind. Sie dürfen nicht offiziell zur Schule und auch nicht zum Arzt, wenn sie sich überhaupt einen leisten könnten. Nun zeigt sich, wer wirklich mutig ist und ein Herz hat. Ein ganz schön schwerer Kampf für Lola, die auch noch lernen muss, den neuen Freund der Mutter, einen bayerischen Cowboy, zu akzeptieren.
„Lola auf der Erbse" erzählt zwar eines der typischen Trennungskind-Dramen, wirkt auch lange überfrachtet, weil einiges an den Haaren herbei gezogen wird. Doch kleine Inszenierungsideen machen Spaß und bleiben hängen. So wie Lolas Schlaflied vom Papa aus dem animierten Bilderrahmen oder der gestrandete Kapitän mit Schifferklavier und viel Seemannsgarn. An der Schuldirektorin, die stellenweise grandios komisch überzeichnet, aber auch mit ihren Gewissensbissen ernst genommen wird, zeigt sich im Kleinen eine sorgfältige Figurenzeichnung. Besonders gelungen, wenn auch sehr demonstrativ, ist das nette Finale mit der Multikulti-Feier auf dem Fluss im Zusammenspiel mit der drögen Blasmusik des Hafenmeisters.
Tabea Hanstein überzeugt als Lola vor allem mit ihrem trotzigen Gesicht und ist ansonsten keine große Entdeckung. Christiane Paul wird von noch einer Mutterrolle wie schon in „Doktorspiele" eher unterfordert. Antoine Monot jr., der Technik-Nick aus der Elektromarkt-Werbung und der Tod aus dem Soap-Piloten „Jetzt ist Sense", gibt seinen gierigen Hafenmeister Herr „Bargeld" als reine Karikatur. Doch viele Szenen sind flott aufgelöst, nur die sozial betrübte Ethno-Musik auf der Tonspur nervt wirklich. Insgesamt kein ganz großer Wurf, aber besser als vieles, was mehr kostet und in der Werbung mehr Lärm produziert. Vor allem der Charme der Machart und der Mut, auch komplizierte Dinge wie „illegale Einwanderer" oder die dreigeteilte Verfolgung der Kurden zu erklären, fordern Beachtung.
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Hercules (2014)
USA 2014 Regie: Brett Ratner mit Dwayne Johnson, John Hurt, Joseph Fiennes, Rufus Sewell, Peter Mullan 98 Min. FSK: ab 12
Mein Gott! Oder besser: Mein Halb-Gott! Wie ist es nur möglich, dass für einen schauspielerisch mäßig begabten Ex-Wrestler haufenweise richtige Darsteller und noch mehr richtige Gelder rangekarrt werden, um ein handlungsmäßig mäßig begabtes Filmchen abzudrehen? Dwayne Johnson soll Herkules sein, doch ein echter Titanen-Job ist es, aus dem Kleiderschrank eine Titelfigur zu machen.
Die Idee ist interessant: Da haben wir einen Scharlatan, der behauptet, der Gottessohn und folglich Halbgott Herkules zu sein. Mit diesem einschüchternden Image bekämpft er mit seiner Söldnertruppe im alten Griechenland für gutes Geld ein paar Schurken. Der zynische Kämpfer hat keine Ideale, aber ein Löwenfell auf dem Kopf und einen Job. Dass er schließlich doch sein edles Herz entdeckt und für eine gute Sache kämpft, ist spätestens seit 1954 und Kurosawas „Die sieben Samurai" ein klassisches Thema für Samurai-Filme, Western oder Film-Noir. Als direkte Vorlage diente diesmal der Comic „Hercules: The Thracian Wars" von Steve Moore. Doch ansonsten ist alles so wie immer, nur schlechter.
Hercules, um jetzt orthografisch von der Mythenfigur zur Witzfigur des Films zu wechseln, wird im Kampf gegen grüne Heerscharen unterstützt von einem pessimistischen Hellseher, einen komischen Herold, von der Quoten-Amazone, die für das Auge des männlichen Zielpublikum dekorativ dabei ist, und vom Tier, einem brüllenden Wüterich - fast wie aus der Muppet-Show. Dann gibt es, als Lord Cotys (John Hurt) die Söldner gegen dämonische Zentauren zur Hilfe ruft, die übliche Ausbildung der waffenunfähigen Bauern, die gewohnten Ansprachen, die zu erwartende erste Niederlage und das Aufraffen für die entscheidende Schlacht. Dazu noch eine seltsame, behauptete Einigung des antiken Griechenlandes und etwas Verrat.
Was alles unterhaltsam sein könnte, wäre es gut gemacht. Doch hier dauert es eine halbe Stunde bis zur ersten Schlachterei, also bis der Film erstmals das Erwartete liefert. Die zweite kommt dann nach einer Stunde mit hohl und hölzern klingenden Schlacht-Reden. Überhaupt ist dies wieder mal ein Massenmorden, bei dem fast kein Tropfen Blut zu sehen ist. Töten als einfaches Vergnügen ohne Konsequenzen - so wie viele Politiker das auch sehen. Zuvor langweilte eine lange Vorstellung nicht echt vielschichtiger Figuren. „The Rock" Dwayne Johnson hat mit Bart und Zottelhaar seine bislang unattraktivste Rolle gefunden. Als sein Hercules in höchster Bedrohung zu seiner wahren Existenz steht, ist das symptomatisch ein Kraftakt und fordert jeden Muskel, außer denen im Gesicht.
So ist „Hercules" in jedem Schritt extrem vorhersehbar, die wenigen guten Momente kennt man aus dem Trailer. Während sich die Schlächter auf der Leinwand und die Streicher auf der Tonspur furchtbar abmühen, schaut man dauernd auf die Uhr, wann denn diese legendäre Langeweile endlich ende.
Dabei irritiert die erstaunlich gute Besetzung rund um die Hauptfigur. Um in der Metapher zu bleiben: Da steht ein Schauspielgott namens John Hurt, der seit Jahrzehnten reihenweise grandiose Leistungen in die unterschiedlichsten Filme legt, von „Alien" über Lynchs „Der Elefantenmensch", den Western „Heavens Gate" „1984" bis zu letztlich „Snowpiercer" oder Jarmuschs „Only Lovers Left Alive". Und neben ihm - ein Kleiderschrank in der Hauptrolle. Das schauspielerische Talent von Herrn Johnson ist in dieser Riege ohne Vergleich. Höchstens ab Schlachtreihe 16 der Statisten kann sich jemand mit ihm messen. Regisseur Brett Ratner, der mal akzeptable Action wie „Rush Hour" oder „Roter Drache" gemacht hat, setzt seinen Ausverkauf fort. Hier hat unter all den Söldner des Boxoffice hinter der Kamera niemand sein edles Herz für das wahre Filmemachen entdeckt.
Mein Gott! Oder besser: Mein Halb-Gott! Wie ist es nur möglich, dass für einen schauspielerisch mäßig begabten Ex-Wrestler haufenweise richtige Darsteller und noch mehr richtige Gelder rangekarrt werden, um ein handlungsmäßig mäßig begabtes Filmchen abzudrehen? Dwayne Johnson soll Herkules sein, doch ein echter Titanen-Job ist es, aus dem Kleiderschrank eine Titelfigur zu machen.
Die Idee ist interessant: Da haben wir einen Scharlatan, der behauptet, der Gottessohn und folglich Halbgott Herkules zu sein. Mit diesem einschüchternden Image bekämpft er mit seiner Söldnertruppe im alten Griechenland für gutes Geld ein paar Schurken. Der zynische Kämpfer hat keine Ideale, aber ein Löwenfell auf dem Kopf und einen Job. Dass er schließlich doch sein edles Herz entdeckt und für eine gute Sache kämpft, ist spätestens seit 1954 und Kurosawas „Die sieben Samurai" ein klassisches Thema für Samurai-Filme, Western oder Film-Noir. Als direkte Vorlage diente diesmal der Comic „Hercules: The Thracian Wars" von Steve Moore. Doch ansonsten ist alles so wie immer, nur schlechter.
Hercules, um jetzt orthografisch von der Mythenfigur zur Witzfigur des Films zu wechseln, wird im Kampf gegen grüne Heerscharen unterstützt von einem pessimistischen Hellseher, einen komischen Herold, von der Quoten-Amazone, die für das Auge des männlichen Zielpublikum dekorativ dabei ist, und vom Tier, einem brüllenden Wüterich - fast wie aus der Muppet-Show. Dann gibt es, als Lord Cotys (John Hurt) die Söldner gegen dämonische Zentauren zur Hilfe ruft, die übliche Ausbildung der waffenunfähigen Bauern, die gewohnten Ansprachen, die zu erwartende erste Niederlage und das Aufraffen für die entscheidende Schlacht. Dazu noch eine seltsame, behauptete Einigung des antiken Griechenlandes und etwas Verrat.
Was alles unterhaltsam sein könnte, wäre es gut gemacht. Doch hier dauert es eine halbe Stunde bis zur ersten Schlachterei, also bis der Film erstmals das Erwartete liefert. Die zweite kommt dann nach einer Stunde mit hohl und hölzern klingenden Schlacht-Reden. Überhaupt ist dies wieder mal ein Massenmorden, bei dem fast kein Tropfen Blut zu sehen ist. Töten als einfaches Vergnügen ohne Konsequenzen - so wie viele Politiker das auch sehen. Zuvor langweilte eine lange Vorstellung nicht echt vielschichtiger Figuren. „The Rock" Dwayne Johnson hat mit Bart und Zottelhaar seine bislang unattraktivste Rolle gefunden. Als sein Hercules in höchster Bedrohung zu seiner wahren Existenz steht, ist das symptomatisch ein Kraftakt und fordert jeden Muskel, außer denen im Gesicht.
So ist „Hercules" in jedem Schritt extrem vorhersehbar, die wenigen guten Momente kennt man aus dem Trailer. Während sich die Schlächter auf der Leinwand und die Streicher auf der Tonspur furchtbar abmühen, schaut man dauernd auf die Uhr, wann denn diese legendäre Langeweile endlich ende.
Dabei irritiert die erstaunlich gute Besetzung rund um die Hauptfigur. Um in der Metapher zu bleiben: Da steht ein Schauspielgott namens John Hurt, der seit Jahrzehnten reihenweise grandiose Leistungen in die unterschiedlichsten Filme legt, von „Alien" über Lynchs „Der Elefantenmensch", den Western „Heavens Gate" „1984" bis zu letztlich „Snowpiercer" oder Jarmuschs „Only Lovers Left Alive". Und neben ihm - ein Kleiderschrank in der Hauptrolle. Das schauspielerische Talent von Herrn Johnson ist in dieser Riege ohne Vergleich. Höchstens ab Schlachtreihe 16 der Statisten kann sich jemand mit ihm messen. Regisseur Brett Ratner, der mal akzeptable Action wie „Rush Hour" oder „Roter Drache" gemacht hat, setzt seinen Ausverkauf fort. Hier hat unter all den Söldner des Boxoffice hinter der Kamera niemand sein edles Herz für das wahre Filmemachen entdeckt.
27.8.14
Tao Jie - Ein einfaches Leben (DVD)
Hongkong 2012 Regie: Ann Hui
Ein einfaches Leben hat Ah Tao als Hausmädchen der Familie Leung über 60 Jahre lang geführt. Von den fünf Generationen, die sie mit großgezogen hat, ist nur mehr Filmproduzent Roger in Hongkong verblieben. Doch auch von jenem muss Tao sich trennen, als sie infolge eines Schlaganfalls in ein Altenheim verlegt wird. Für die in Würde gealterte Dame ein echter Neuanfang. Wie sich ihr bislang mit dringlichen Geschäften in der weiten Welt beschäftigte Ziehsohn Roger fortan um sie kümmert, wie sie fast wie ein verliebtes Paar Zeit miteinander verbringen, ist einfach nur zauberhaft. Ebenso die Art, wie Regisseurin Ann Hui diese große, zutiefst rührende Geschichte inszeniert: Undramatisch, mit wunderbarer Ruhe und ganz feinem Blick für die Menschen. Dass auch das Altern im Moloch Hongkong behandelt wird, oder die schnelllebiger Gesellschaft der Stadt, dass ist fast schon eine grobe Randerscheinung bei allen feinen, kleinen Erfahrungen des Films.
„Tao Jie - Ein einfaches Leben" wurde von der Kritikerlegende Roger Ebert unter die zehn besten Filme des Jahres 2012 gewählt und während der 68. Filmfestspiele von Venedig vierfach ausgezeichnet. Ein von einer wahren Geschichte inspiriertes Meisterwerk, in dem neben Anthony Wong auch die Regielegenden Tsui Hark und Sammo Hung einen Gastauftritt haben.
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Ein einfaches Leben hat Ah Tao als Hausmädchen der Familie Leung über 60 Jahre lang geführt. Von den fünf Generationen, die sie mit großgezogen hat, ist nur mehr Filmproduzent Roger in Hongkong verblieben. Doch auch von jenem muss Tao sich trennen, als sie infolge eines Schlaganfalls in ein Altenheim verlegt wird. Für die in Würde gealterte Dame ein echter Neuanfang. Wie sich ihr bislang mit dringlichen Geschäften in der weiten Welt beschäftigte Ziehsohn Roger fortan um sie kümmert, wie sie fast wie ein verliebtes Paar Zeit miteinander verbringen, ist einfach nur zauberhaft. Ebenso die Art, wie Regisseurin Ann Hui diese große, zutiefst rührende Geschichte inszeniert: Undramatisch, mit wunderbarer Ruhe und ganz feinem Blick für die Menschen. Dass auch das Altern im Moloch Hongkong behandelt wird, oder die schnelllebiger Gesellschaft der Stadt, dass ist fast schon eine grobe Randerscheinung bei allen feinen, kleinen Erfahrungen des Films.
„Tao Jie - Ein einfaches Leben" wurde von der Kritikerlegende Roger Ebert unter die zehn besten Filme des Jahres 2012 gewählt und während der 68. Filmfestspiele von Venedig vierfach ausgezeichnet. Ein von einer wahren Geschichte inspiriertes Meisterwerk, in dem neben Anthony Wong auch die Regielegenden Tsui Hark und Sammo Hung einen Gastauftritt haben.
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26.8.14
Diplomatie
Frankreich, BRD 2014 Regie: Volker Schlöndorff mit André Dussollier, Niels Arestrup, Burghart Klaußner, Robert Stadlober 84 Min. FSK: ab 12
„Uns bleibt immer Paris!" heißt es in „Casablanca", diesem anderen Film mit Nazi-Uniformen, Widerstandkämpfern und einer großen Liebe. In „Diplomatie" ist die Liebe eine platonische, eine zur Stadt selbst. Der diesmal vehement für sie kämpft, ist der schwedische Konsul Raoul Nordling (André Dussollier). Wie ein Geist taucht er morgens am 25. August 1944 im Zimmer des deutschen Besatzungskommandanten von Paris, General Dietrich von Choltitz (Niels Arestrup) auf. Der ist erst seit zwei Wochen in der Stadt und bekommt direkt eine historische Lektion: Sein Zimmer hätte einst Napoleon III und einer Mätresse gedient. Deshalb konnte der Schwede auch unbemerkt über eine geheime Treppe vordringen. Doch trotz des leichten, freundlichen Tons ist die Lage ernst. Die Amerikaner sind beinahe in der Stadt und der Widerstand kämpft überall. Bald soll Paris auf Befehl Hitlers dem Erdboden gleich gemacht werden, es ist komplett vermint. Die Seine soll zusätzlich alles überschwemmen.
Das wir alle noch von Paris träumen, so wie es Nordling immer evoziert, liegt in dieser fiktiven Geschichte um eine rätselhafte historische Befehlsverweigerung und der großen Liebe des Konsuls. Sowie an dessen Gerissenheit. Das Rededuell der Männer findet auf hohem Niveau statt. Nordlings Argument, von Choltitz solle sich vorstellen, er sei Abraham, der die Stadt wie seinen Sohn Isaak opfere. Nur dass diesmal kein Gott in letzter Minute Einhalt geböte. Dieses Beispiel kippt an Hitlers Befehl zur Sippenhaft: Wenn der General nicht folgt, ist seine in Deutschland gegeiselte Familie bedroht.
Obwohl es auf Cyril Gélys gleichnamigem Bühnenstück basiert, ist „Diplomatie" kein Kammerspiel. Dazu sind die Stichwort gebenden Momente, die immer wieder von außen kommen, zu spannend. Handelt es sich doch nur noch um Minuten, bis der Befehlt zur Zerstörung der Stadt gegeben werden soll. André Dussollier und Niels Arestrup waren auch die Hauptdarsteller des Theaterstücks und es macht Spaß ihnen zuzusehen, ihrem Ringen um Moral, Anstand und historische Verantwortung. (Burghart Klaußner und Robert Stadlober haben Nebenrollen.) Obwohl es um einen ganz konkreten Moment in der Geschichte geht, schwebt in der Szenerie auch etwas Verspieltes, Surreales. Es ist schließlich eine fast lächerliche Pointe, die dafür sorgt, das uns Paris noch immer bleibt.
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„Uns bleibt immer Paris!" heißt es in „Casablanca", diesem anderen Film mit Nazi-Uniformen, Widerstandkämpfern und einer großen Liebe. In „Diplomatie" ist die Liebe eine platonische, eine zur Stadt selbst. Der diesmal vehement für sie kämpft, ist der schwedische Konsul Raoul Nordling (André Dussollier). Wie ein Geist taucht er morgens am 25. August 1944 im Zimmer des deutschen Besatzungskommandanten von Paris, General Dietrich von Choltitz (Niels Arestrup) auf. Der ist erst seit zwei Wochen in der Stadt und bekommt direkt eine historische Lektion: Sein Zimmer hätte einst Napoleon III und einer Mätresse gedient. Deshalb konnte der Schwede auch unbemerkt über eine geheime Treppe vordringen. Doch trotz des leichten, freundlichen Tons ist die Lage ernst. Die Amerikaner sind beinahe in der Stadt und der Widerstand kämpft überall. Bald soll Paris auf Befehl Hitlers dem Erdboden gleich gemacht werden, es ist komplett vermint. Die Seine soll zusätzlich alles überschwemmen.
Das wir alle noch von Paris träumen, so wie es Nordling immer evoziert, liegt in dieser fiktiven Geschichte um eine rätselhafte historische Befehlsverweigerung und der großen Liebe des Konsuls. Sowie an dessen Gerissenheit. Das Rededuell der Männer findet auf hohem Niveau statt. Nordlings Argument, von Choltitz solle sich vorstellen, er sei Abraham, der die Stadt wie seinen Sohn Isaak opfere. Nur dass diesmal kein Gott in letzter Minute Einhalt geböte. Dieses Beispiel kippt an Hitlers Befehl zur Sippenhaft: Wenn der General nicht folgt, ist seine in Deutschland gegeiselte Familie bedroht.
Obwohl es auf Cyril Gélys gleichnamigem Bühnenstück basiert, ist „Diplomatie" kein Kammerspiel. Dazu sind die Stichwort gebenden Momente, die immer wieder von außen kommen, zu spannend. Handelt es sich doch nur noch um Minuten, bis der Befehlt zur Zerstörung der Stadt gegeben werden soll. André Dussollier und Niels Arestrup waren auch die Hauptdarsteller des Theaterstücks und es macht Spaß ihnen zuzusehen, ihrem Ringen um Moral, Anstand und historische Verantwortung. (Burghart Klaußner und Robert Stadlober haben Nebenrollen.) Obwohl es um einen ganz konkreten Moment in der Geschichte geht, schwebt in der Szenerie auch etwas Verspieltes, Surreales. Es ist schließlich eine fast lächerliche Pointe, die dafür sorgt, das uns Paris noch immer bleibt.
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Can a Song Save Your Life?
USA 2013 (Begin again) Regie: John Carney mit Keira Knightley, Mark Ruffalo, Hailee Steinfeld, Adam Levine, James Corden, Catherine Keener 104 Min. FSK: ab 0
Ja, kann ein Lied ein Leben retten? Eigentlich eine hypothetische Frage. Dass ein Film zumindest manchmal ein Leben ändern kann, bewies schon „Once" und beweist auch dieser hier: Man bekommt unweigerlich Lust, Musik zu machen, ein Video zu drehen oder irgendwie dem Schönen im Leben eine Form zu geben.
Dabei geht es herzergreifend traurig los, als Gretta (Keira Knightley) in einer New Yorker Kneipe beim Offenen Abend ihren Einsamkeits-Song gibt. Mit ihrem langjährigen Freund und Mit-Musiker Dave (Adam Levine) kam sie aus England, er hob karriere-mäßig und auch sonst ab, sie knallte hart auf den Boden der Tatsachen. Jetzt hat sie den Rückflug schon in der Tasche und heult sich eher unfreiwillig an der Gitarre aus.
Wie gut dieses Lied wirklich ist, erleben wir einige Szenen später noch mal im gleichen Moment aus der Perspektive des frustrierten, versoffenen und legendären Musikproduzenten Dan (Mark Ruffalo): Wie vom Blitz getroffen, steht er im Publikum und arrangiert in seiner angetrunkenen Fantasie gleich das ganze Stück mit allen anderen Instrumenten. Nur Gretta unter Vertrag zu nehmen, klappt nicht so gut. Vielleicht auch weil sie dem chronisch blanken Chaoten das Bier zahlen muss.
Der raffinierte Schnitt erlaubt nicht nur, schöne Szenen in anderer Perspektive noch mal zu erleben. Er macht aus der kleinen Liebesgeschichte auch ein Duett zweier Ansichten und Lebensabschnitte. In lebendigen Szenen-Wechseln erleben wir, wie Dan gerade aus der eigenen Agentur rausgeworfen wurde und auch der Versuch, etwas mit der, bei der Mutter lebenden und heftig pubertierenden Tochter zu unternehmen, scheitert. Was ihm letztendlich - und dafür wird man dem Film immer dankbar sein - gelingt, ist Gretta zu einer Guerilla-Aufnahmetaktik zu überreden: Sie nehmen ihre Songs überall mitten im Alltagsleben von New York, mit all den unkontrollierten Geräuschen und Begegnungen auf.
Oft weiß man, was kommt, etwa dass Dave sich zu seinen Ungunsten verändert und den untreuen Weg des Rock'n'Roll gehen wird. Aber wie es kommt, will man nicht verpassen. Das liegt immer wieder an Keira Knightley. Als C. G. Jungs Patientin, Geliebte und Schüler Sabina Spielrein in „Eine dunkle Begierde" war sie unerträglich, als „Anna Karenina" wieder groß. Doch jetzt ist sie so ganz hier und jetzt da, wie zuletzt in Mark Romaneks „Alles, was wir geben mussten". Nichts wirkt gespielt oder gekünstelt, selbst nicht um die ausdrucksstarken Lippen, die sich gerne mal zu sehr in den Vordergrund spielen. Vor allem in der Originalversion kann man Szene für Szene bestaunen, was für eine außerordentliche Schauspielerin Keira Knightley doch ist.
Singen kann sie auch, zumindest die eigens für sie komponierten Songs des Films. Während der musikalisch prominentere „Maroon 5"-Sänger Adam Levine als ihr Ex-Freund-Dave nicht viel Spielraum bekommt, überzeugen ansonsten neben dem äußerst sympathisch agierenden Mark Ruffalo auch alle Nebendarsteller: James Corden als Grettas alter Freund, Catherine Keener als Dans Ex und Hailee Steinfeld als seine Tochter. Denn es gibt ja auch einige emotionale Geschichten in diesem herzlichen und humorvollen Soundtrack einer Stadt. Dass sie nicht wie erwartet ausgehen, ist dann das i-Tüpfelchen auf diesem wunderbaren Film des „Once"-Regisseurs John Carney.
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Ja, kann ein Lied ein Leben retten? Eigentlich eine hypothetische Frage. Dass ein Film zumindest manchmal ein Leben ändern kann, bewies schon „Once" und beweist auch dieser hier: Man bekommt unweigerlich Lust, Musik zu machen, ein Video zu drehen oder irgendwie dem Schönen im Leben eine Form zu geben.
Dabei geht es herzergreifend traurig los, als Gretta (Keira Knightley) in einer New Yorker Kneipe beim Offenen Abend ihren Einsamkeits-Song gibt. Mit ihrem langjährigen Freund und Mit-Musiker Dave (Adam Levine) kam sie aus England, er hob karriere-mäßig und auch sonst ab, sie knallte hart auf den Boden der Tatsachen. Jetzt hat sie den Rückflug schon in der Tasche und heult sich eher unfreiwillig an der Gitarre aus.
Wie gut dieses Lied wirklich ist, erleben wir einige Szenen später noch mal im gleichen Moment aus der Perspektive des frustrierten, versoffenen und legendären Musikproduzenten Dan (Mark Ruffalo): Wie vom Blitz getroffen, steht er im Publikum und arrangiert in seiner angetrunkenen Fantasie gleich das ganze Stück mit allen anderen Instrumenten. Nur Gretta unter Vertrag zu nehmen, klappt nicht so gut. Vielleicht auch weil sie dem chronisch blanken Chaoten das Bier zahlen muss.
Der raffinierte Schnitt erlaubt nicht nur, schöne Szenen in anderer Perspektive noch mal zu erleben. Er macht aus der kleinen Liebesgeschichte auch ein Duett zweier Ansichten und Lebensabschnitte. In lebendigen Szenen-Wechseln erleben wir, wie Dan gerade aus der eigenen Agentur rausgeworfen wurde und auch der Versuch, etwas mit der, bei der Mutter lebenden und heftig pubertierenden Tochter zu unternehmen, scheitert. Was ihm letztendlich - und dafür wird man dem Film immer dankbar sein - gelingt, ist Gretta zu einer Guerilla-Aufnahmetaktik zu überreden: Sie nehmen ihre Songs überall mitten im Alltagsleben von New York, mit all den unkontrollierten Geräuschen und Begegnungen auf.
Oft weiß man, was kommt, etwa dass Dave sich zu seinen Ungunsten verändert und den untreuen Weg des Rock'n'Roll gehen wird. Aber wie es kommt, will man nicht verpassen. Das liegt immer wieder an Keira Knightley. Als C. G. Jungs Patientin, Geliebte und Schüler Sabina Spielrein in „Eine dunkle Begierde" war sie unerträglich, als „Anna Karenina" wieder groß. Doch jetzt ist sie so ganz hier und jetzt da, wie zuletzt in Mark Romaneks „Alles, was wir geben mussten". Nichts wirkt gespielt oder gekünstelt, selbst nicht um die ausdrucksstarken Lippen, die sich gerne mal zu sehr in den Vordergrund spielen. Vor allem in der Originalversion kann man Szene für Szene bestaunen, was für eine außerordentliche Schauspielerin Keira Knightley doch ist.
Singen kann sie auch, zumindest die eigens für sie komponierten Songs des Films. Während der musikalisch prominentere „Maroon 5"-Sänger Adam Levine als ihr Ex-Freund-Dave nicht viel Spielraum bekommt, überzeugen ansonsten neben dem äußerst sympathisch agierenden Mark Ruffalo auch alle Nebendarsteller: James Corden als Grettas alter Freund, Catherine Keener als Dans Ex und Hailee Steinfeld als seine Tochter. Denn es gibt ja auch einige emotionale Geschichten in diesem herzlichen und humorvollen Soundtrack einer Stadt. Dass sie nicht wie erwartet ausgehen, ist dann das i-Tüpfelchen auf diesem wunderbaren Film des „Once"-Regisseurs John Carney.
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Doktorspiele
BRD 2013 Regie: Marco Petry mit Merlin Rose, Maximilian von der Groeben, Lisa Vicari, Ella-Maria Gollmer, Christiane Paul, Oliver Korittke 96 Min. FSK: ab 12
Das filmische Herumdoktern an einem bemitleidenswerten aber schwer vermeidlichen Zustand der Pubertät geht weiter: Marco Petry, nicht nur aber vor allem Spezialist für Teenie-Filme, schickt reichlich spät entwickelte 17-jährige auf den hormongesteuerten Fettnäpfchen-Kurs. Dass am Ende zehn Minuten Happy End-Finale rauskommen, ist das Erfreulichste. Den Rest der Peinlichkeiten kann man sich getrost sparen.
„Doktorspiele" - hört sich an wie „Pfui" aus dem Antiquitäten-Laden. Nicht nur im Vergleich zu echt heißen Teenager-Filmen wie den norwegischen „Turn me on" oder ganz aktuell im Kino „When animals dream" mit Pubertät als Werwolf-Häutung, ist die deutsche Harmlosigkeit bis auf ein paar Sprachideen null originell und ganz selten komisch.
In einer grünen Frankfurter Vorstadt schwärmt der schüchterne Andi (Merlin Rose) der blonden Klassen-Zicke Katja (Ella-Maria Gollmer) hinterher. Als Lilli (Lisa Vicari), eine Freundin aus Kindertagen, zu Besuch kommt, merkt der falsch Verliebte erst einmal nichts. Zu beschäftigt ist er auch mit seinem Kumpel Harry (Maximilian von der Groeben), der Sexualerziehung und seine flotten Sprüche aus reichlich Porno-Konsum gewonnen hat. Dazu streiten sich Andis Eltern in zwei bis drei Szenen und fertig ist noch so ein Jugendfilm. Ob die Bemühungen von Marco Petry mit seinem Ko-Autoren Jan Ehlert, den meist unbekannten Jungschauspielern eine authentische Jugendsprache in den Mund zu legen, gefruchtet haben, muss das Zielpublikum entscheiden. Falls es überhaupt diesen immer gleichen Pubertätsfilm mit seine standardisierten Typen noch einmal sehen möchte. Denn die sprießen schneller auf die Leinwand als die Pickel ins Gesicht. Diese in Nahaufnahme hat der Film zwar vergessen, ansonsten ist alles drin, was sich (nicht) gehört: Koma-Saufen, Kotzattacken, verunglückte Selbstbefriedigung, Flecken aller Art und sogar Schwulenscherze! Also eigentlich ein ziemlich verklemmter statt frecher und junger Film. Da hätte man rechtzeitig Drehbuchdoktor-Spiele verschreiben sollen.
Positiv allein ein paar witzige Wortschöpfungen wie „Penis-Tourette" und Petrys Händchen, talentierte Nachwuchsschauspieler zu entdecken. Merlin Rose dürfte nun öfter zu sehen sein.
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Das filmische Herumdoktern an einem bemitleidenswerten aber schwer vermeidlichen Zustand der Pubertät geht weiter: Marco Petry, nicht nur aber vor allem Spezialist für Teenie-Filme, schickt reichlich spät entwickelte 17-jährige auf den hormongesteuerten Fettnäpfchen-Kurs. Dass am Ende zehn Minuten Happy End-Finale rauskommen, ist das Erfreulichste. Den Rest der Peinlichkeiten kann man sich getrost sparen.
„Doktorspiele" - hört sich an wie „Pfui" aus dem Antiquitäten-Laden. Nicht nur im Vergleich zu echt heißen Teenager-Filmen wie den norwegischen „Turn me on" oder ganz aktuell im Kino „When animals dream" mit Pubertät als Werwolf-Häutung, ist die deutsche Harmlosigkeit bis auf ein paar Sprachideen null originell und ganz selten komisch.
In einer grünen Frankfurter Vorstadt schwärmt der schüchterne Andi (Merlin Rose) der blonden Klassen-Zicke Katja (Ella-Maria Gollmer) hinterher. Als Lilli (Lisa Vicari), eine Freundin aus Kindertagen, zu Besuch kommt, merkt der falsch Verliebte erst einmal nichts. Zu beschäftigt ist er auch mit seinem Kumpel Harry (Maximilian von der Groeben), der Sexualerziehung und seine flotten Sprüche aus reichlich Porno-Konsum gewonnen hat. Dazu streiten sich Andis Eltern in zwei bis drei Szenen und fertig ist noch so ein Jugendfilm. Ob die Bemühungen von Marco Petry mit seinem Ko-Autoren Jan Ehlert, den meist unbekannten Jungschauspielern eine authentische Jugendsprache in den Mund zu legen, gefruchtet haben, muss das Zielpublikum entscheiden. Falls es überhaupt diesen immer gleichen Pubertätsfilm mit seine standardisierten Typen noch einmal sehen möchte. Denn die sprießen schneller auf die Leinwand als die Pickel ins Gesicht. Diese in Nahaufnahme hat der Film zwar vergessen, ansonsten ist alles drin, was sich (nicht) gehört: Koma-Saufen, Kotzattacken, verunglückte Selbstbefriedigung, Flecken aller Art und sogar Schwulenscherze! Also eigentlich ein ziemlich verklemmter statt frecher und junger Film. Da hätte man rechtzeitig Drehbuchdoktor-Spiele verschreiben sollen.
Positiv allein ein paar witzige Wortschöpfungen wie „Penis-Tourette" und Petrys Händchen, talentierte Nachwuchsschauspieler zu entdecken. Merlin Rose dürfte nun öfter zu sehen sein.
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Guardians of the Galaxy
USA 2014 Regie: James Gunn mit Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Lee Pace, Michael Rooker, John C. Reilly, Glenn Close, Benicio Del Toro 121 Min. FSK: ab 12
Dass Superhelden mal wirklich super waren, ist schon eine Weile her. Doch jetzt kramte Marvel ein übersehenes Comic-Heftchen hervor und sorgt mit dessen Verfilmung für überraschend viel Spaß und beste Unterhaltung. „Guardians of the Galaxy" sind ein Glücksgriff in die Popcorn-Kino-Tüte.
Ok, es geht wie so oft um ein Gimmick, einen McGuffin, der alles zerstören kann. Der Orbit, die silberne Kugel hinter der alle her sind, ähnelt dem Anhänger vom Katzenhalsband in „Men in Black", doch eigentlich dreht sich alles um einen alten Walkman. Genau - kein Laserschwert, keine Geheimwaffe. Unser Held - der „Star Lord" heißen will, aber nur Peter Quill (Chris Pratt) genannt wird - fliegt oder flieht in keine Galaxie ohne seine Lieblingskassette. Denn die enthält die Lieblingslieder der Mutter, die 1988 im Krankenhaus unter für Peter traumatischen Umständen stirbt. Dass direkt danach ein Raumschiff von Weltall-Piraten den Jungen entführt, ist fast Nebensache.
26 Jahre später ist Peter als lässiger Meisterdieb unterwegs. Mit langem Ledermantel, futuristischer Gesichtsmaske und haufenweise Gimmicks in den Taschen ist es aber vor allem wieder ein flotter Song, der ihn in einer besonders düsteren - und atemberaubend gezeichneten - Ecke des Universums antreibt, den Orbit zu klauen. Die Verfolger schüttelt er ebenso ab wie seinen Auftraggeber und Ziehvater Yondu Udonta (Michael Rooker). Allerdings ist auch ein ziemlich übler Weltzerstörer hinter ihm her und nur, dass ein Paar origineller Kopfgeldjäger Peter schnappen wollen, rettet ihn vor dessen Jägerin Gamora (Zoe Saldana).
Eine gemeinsame Haft schweißt schließlich fünf sehr unterschiedliche und herzlich verfeindete Guardians, also Wächter der Galaxie zusammen: Ein genialer, gen-mutierter Waschbär. Ein Baum, der nur „Ich bin Groot" sagen kann. Ein noch dämlicherer Muskelberg namens Drax. Und auch Gamora begleitet Peter bei der Jagd nach der Silberkugel, die munter durch die Handlung rollt.
Dabei sind es nicht nur die Hits der 70er und 80er, angefangen mit „I'm not in love" von 10CC, die der Science Fiction-Abenteuerkomödie kontrapunktisch ihren besonderen Touch gibt. Trotz eindrucksvoller Effekte und digital gezeichneter Zukunftswelten wirken die „Guardians of the Galaxy" angenehm altmodisch. Vor allem Peter könnte als bodenständiger Schlawiner irgendwo einen Robin Hood oder Fanfan den Husar unter seinen Ahnen haben. Und obwohl diese Space-Saga direkt mit einem Überfluss an Figuren an den Leinwand-Start geht, sind diese so gut innerlich und von draußen gezeichnet, dass es spannend bleibt. Selbst wenn mal nicht geschossen wird. Überraschend ist, wie viel Groot mit seinem einen Satz sagen kann, und auch, welches Maß an Gefühlen dieser originell in alle Richtungen wuchernden Kreatur eingehaucht wurden. Sogar der tumbe Kämpfer Drax (Ex-Wrestler Dave Bautista) rührt hinter vielen Tattoos und Muskeln. Dazu ist die Anzahl von Scherzen und dialogischen Volltreffern höher als der Einschläge von Laser- oder sonst was Kanonen. Umwerfend bescheuerte Gespräche sind genau das, was dies Genre gebraucht hat. Wenn milliardenschwere Helden-Figuren sich mal nicht ganz so ernst nehmen, ist der alte Charme billiger Heftchen-Unterhaltung schnell wieder da.
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Dass Superhelden mal wirklich super waren, ist schon eine Weile her. Doch jetzt kramte Marvel ein übersehenes Comic-Heftchen hervor und sorgt mit dessen Verfilmung für überraschend viel Spaß und beste Unterhaltung. „Guardians of the Galaxy" sind ein Glücksgriff in die Popcorn-Kino-Tüte.
Ok, es geht wie so oft um ein Gimmick, einen McGuffin, der alles zerstören kann. Der Orbit, die silberne Kugel hinter der alle her sind, ähnelt dem Anhänger vom Katzenhalsband in „Men in Black", doch eigentlich dreht sich alles um einen alten Walkman. Genau - kein Laserschwert, keine Geheimwaffe. Unser Held - der „Star Lord" heißen will, aber nur Peter Quill (Chris Pratt) genannt wird - fliegt oder flieht in keine Galaxie ohne seine Lieblingskassette. Denn die enthält die Lieblingslieder der Mutter, die 1988 im Krankenhaus unter für Peter traumatischen Umständen stirbt. Dass direkt danach ein Raumschiff von Weltall-Piraten den Jungen entführt, ist fast Nebensache.
26 Jahre später ist Peter als lässiger Meisterdieb unterwegs. Mit langem Ledermantel, futuristischer Gesichtsmaske und haufenweise Gimmicks in den Taschen ist es aber vor allem wieder ein flotter Song, der ihn in einer besonders düsteren - und atemberaubend gezeichneten - Ecke des Universums antreibt, den Orbit zu klauen. Die Verfolger schüttelt er ebenso ab wie seinen Auftraggeber und Ziehvater Yondu Udonta (Michael Rooker). Allerdings ist auch ein ziemlich übler Weltzerstörer hinter ihm her und nur, dass ein Paar origineller Kopfgeldjäger Peter schnappen wollen, rettet ihn vor dessen Jägerin Gamora (Zoe Saldana).
Eine gemeinsame Haft schweißt schließlich fünf sehr unterschiedliche und herzlich verfeindete Guardians, also Wächter der Galaxie zusammen: Ein genialer, gen-mutierter Waschbär. Ein Baum, der nur „Ich bin Groot" sagen kann. Ein noch dämlicherer Muskelberg namens Drax. Und auch Gamora begleitet Peter bei der Jagd nach der Silberkugel, die munter durch die Handlung rollt.
Dabei sind es nicht nur die Hits der 70er und 80er, angefangen mit „I'm not in love" von 10CC, die der Science Fiction-Abenteuerkomödie kontrapunktisch ihren besonderen Touch gibt. Trotz eindrucksvoller Effekte und digital gezeichneter Zukunftswelten wirken die „Guardians of the Galaxy" angenehm altmodisch. Vor allem Peter könnte als bodenständiger Schlawiner irgendwo einen Robin Hood oder Fanfan den Husar unter seinen Ahnen haben. Und obwohl diese Space-Saga direkt mit einem Überfluss an Figuren an den Leinwand-Start geht, sind diese so gut innerlich und von draußen gezeichnet, dass es spannend bleibt. Selbst wenn mal nicht geschossen wird. Überraschend ist, wie viel Groot mit seinem einen Satz sagen kann, und auch, welches Maß an Gefühlen dieser originell in alle Richtungen wuchernden Kreatur eingehaucht wurden. Sogar der tumbe Kämpfer Drax (Ex-Wrestler Dave Bautista) rührt hinter vielen Tattoos und Muskeln. Dazu ist die Anzahl von Scherzen und dialogischen Volltreffern höher als der Einschläge von Laser- oder sonst was Kanonen. Umwerfend bescheuerte Gespräche sind genau das, was dies Genre gebraucht hat. Wenn milliardenschwere Helden-Figuren sich mal nicht ganz so ernst nehmen, ist der alte Charme billiger Heftchen-Unterhaltung schnell wieder da.
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20.8.14
Storm Hunters
USA 2014 (Into the storm) Regie: Steven Quale mit Richard Armitage , Sarah Wayne Callies, Matt Walsh 89 Min. FSK: ab 12
Die ersten Herbststürme wehen noch ein paar C- und D-Movies in die Kinos, die im Sommerloch gelandet sind und ansonsten direkt auf DVD erschienen wären. Seit Jan De Bonts „Twister" (1996) mit Helen Hunt und Bill Paxton ist immerhin eine ganze Generation durch die Kinos gegangen und so wollte man noch mal einen simplen, vom Starkwind verwehten Film platzieren.
So wie man sich bei „Titanic" die ersten Stunden bis zum Untergang sparen kann, sind bei „Storm Hunters" die 30 Minuten Einführung eine echte Katastrophe. Der alleinerziehende Vater und Highschool-Lehrer Gary sorgt sich um seine Söhne Donnie und Trey sowie um die Abschlussfeier. Der professionelle Tornado-Jäger Pete braucht dringend mal einen Treffer für seine Hightech-Ausrüstung. Seine Assistentin Allison wäre lieber bei der Tochter. Ein Haufen besoffener Idioten findet die Zerstörung viel zu geil, um wegzulaufen. Dann schlagen die Tricktechniker endlich halbwegs eindrucksvoll zu und blasen all die dünnen Handlungsfädchen und Figuren-Klischees für haufenweise Effekte weg. Und das war es dann auch.
Nachdem die Unwetter in letzter Zeit Folge der Klimakatastrophe und Vorboten des Weltuntergangs waren, gehen die „Storm Hunters" (oder „Into the storm" - der auch englische Originaltitel wäre genau so gut gewesen) zurück in die Zeit vom guten alten Katastrophen-Trash. Hier wird wieder eine übersichtliche Gruppe von Menschen mit ihren Schicksalen vorgestellt, um sie dann mit einer ganzen Reihe von Tornados zu dezimieren. Bis auf die übliche Handvoll zu erwarteter Helden. Neu und zeitgemäß ist, dass überall Kameras dabei sind und die Menschen mehr mit den Objektiven als mit sich selbst reden. Das ist in den seltensten Fällen dramaturgisch effektiv und durchdacht, meist nur ein modisches Gimmick - machen ja alle so. Der stürmische Tag wirkt allerdings so auf die Effekte reduziert, dass wahrscheinlich das baldige „Making of ..." ebenso eindrucksvoll wirkt.
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Die ersten Herbststürme wehen noch ein paar C- und D-Movies in die Kinos, die im Sommerloch gelandet sind und ansonsten direkt auf DVD erschienen wären. Seit Jan De Bonts „Twister" (1996) mit Helen Hunt und Bill Paxton ist immerhin eine ganze Generation durch die Kinos gegangen und so wollte man noch mal einen simplen, vom Starkwind verwehten Film platzieren.
So wie man sich bei „Titanic" die ersten Stunden bis zum Untergang sparen kann, sind bei „Storm Hunters" die 30 Minuten Einführung eine echte Katastrophe. Der alleinerziehende Vater und Highschool-Lehrer Gary sorgt sich um seine Söhne Donnie und Trey sowie um die Abschlussfeier. Der professionelle Tornado-Jäger Pete braucht dringend mal einen Treffer für seine Hightech-Ausrüstung. Seine Assistentin Allison wäre lieber bei der Tochter. Ein Haufen besoffener Idioten findet die Zerstörung viel zu geil, um wegzulaufen. Dann schlagen die Tricktechniker endlich halbwegs eindrucksvoll zu und blasen all die dünnen Handlungsfädchen und Figuren-Klischees für haufenweise Effekte weg. Und das war es dann auch.
Nachdem die Unwetter in letzter Zeit Folge der Klimakatastrophe und Vorboten des Weltuntergangs waren, gehen die „Storm Hunters" (oder „Into the storm" - der auch englische Originaltitel wäre genau so gut gewesen) zurück in die Zeit vom guten alten Katastrophen-Trash. Hier wird wieder eine übersichtliche Gruppe von Menschen mit ihren Schicksalen vorgestellt, um sie dann mit einer ganzen Reihe von Tornados zu dezimieren. Bis auf die übliche Handvoll zu erwarteter Helden. Neu und zeitgemäß ist, dass überall Kameras dabei sind und die Menschen mehr mit den Objektiven als mit sich selbst reden. Das ist in den seltensten Fällen dramaturgisch effektiv und durchdacht, meist nur ein modisches Gimmick - machen ja alle so. Der stürmische Tag wirkt allerdings so auf die Effekte reduziert, dass wahrscheinlich das baldige „Making of ..." ebenso eindrucksvoll wirkt.
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Besser als Nix
BRD 2014 Regie: Ute Wieland mit François Goeske, Wotan Wilke Möhring, Anna Fischer, Hannelore Elsner Nicolette Krebitz 96 Min. FSK: ab 12
Diese Woche bringt das Kino eine Offenbarung - den dänischen Film „When animals dream". Hier bei dem deutschen Filmchen „Besser als Nix", am anderen Ende der Skala, jedoch sieht man alles, was falsch laufen kann, wenn der orientierungslose, 16-jährige Tom Rasmus (François Goeske) über ein Bestattungsinstitut ins Leben hineinfindet.
„Das Leben ist ein Arschloch" meint Grufti Tom, ein vorgeblich düsterer Junge mit schwarzen Klamotten, großem Kreuz und Kopfhörer auf den Ohren. Sein Vater ist Säufer und Fußballtrainer in einem kleinen Kaff auf dem Lande, die Mutter starb vor drei Jahren. Nun landet Tom bei der Berufssuche in einem Bestattungsinstitut mit seltsamem Chef (Martin Brambach) und skurriler Assistentin Olga (Nicolette Krebitz). Da muss selbstverständlich eine Urne herunterfallen und die Asche im Tee des verpeilten Bosses landen. Und Tom direkt öfters mal im Sarg liegen. Ohne ins Details zu gehen: Eine Szene geriet schlimmer als die vorherige. Die Scherze um die angeblich HIV-positive Olga verfehlen deutlich, als schwarzer Humor durchzugehen.
Absurd sind die Fahrstunden mit einem Freund, weil Tom nicht aus dem Kreisverkehr herauskommt. Klar, das ist eine Metapher für seine Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Doch trotz vergeigter Führerschein-Prüfung fährt er direkt mal mit dem Bestattungswagen los. Es dauert fast eine halbe Stunde, bis der Unfall der Fahrprüferin die Stimmung ins Makabre biegen will. Die Referendarin Sarah Gerster (Anna Fischer) verliebt sich in den düster bekleideten Schüler. Letztlich muss dann auch noch der beste Freund sterben, um mit aller dramaturgischen Gewalt Gefühle in den konstruierten Film zu pressen. Selbst seltene gute Momente und die wenigen gelungenen Aufnahmen gehen im unausgewogenen Gesamtbild unter.
Regisseurin Ute Wieland („Freche Mädchen", „FC Venus") bekommt nix nicht hin, dabei hat man anscheinend Hoffnungen in sie oder in Nina Pourlaks Vorlage gesetzt, den Roman "Besser als Nix". Anders lassen sich die Besetzungen von Wotan Wilke Möhring, Nicolette Krebitz, Hannelore Elsner als Toms Oma oder auch Anna Fischer („Heiter bis wolkig") nicht erklären.
François Goeske kann in dieser Hauptrolle außer sensiblen Augen mit Kajal nicht viel zeigen. Dass die Krebitz an der Witzfigur der ukrainischen Bestattungsunternehmerin Olga Spaß gehabt hat, kann man sich vorstellen. Auch Martin Brambach als ihr Chef Herr Hiller kommt als Karikatur gut. Wenn der Film dies allerdings all zu deutlich als „Horror-Show" markiert, dann funktioniert auch das nicht im uneinheitlichen Durcheinander von Stilen und Stimmungen, von Qualitäten und Ausfällen. Ob dieser Film wirklich besser als Nix ist, bleibt fraglich. Sicher ist, es gibt viel Besseres als dies.
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Diese Woche bringt das Kino eine Offenbarung - den dänischen Film „When animals dream". Hier bei dem deutschen Filmchen „Besser als Nix", am anderen Ende der Skala, jedoch sieht man alles, was falsch laufen kann, wenn der orientierungslose, 16-jährige Tom Rasmus (François Goeske) über ein Bestattungsinstitut ins Leben hineinfindet.
„Das Leben ist ein Arschloch" meint Grufti Tom, ein vorgeblich düsterer Junge mit schwarzen Klamotten, großem Kreuz und Kopfhörer auf den Ohren. Sein Vater ist Säufer und Fußballtrainer in einem kleinen Kaff auf dem Lande, die Mutter starb vor drei Jahren. Nun landet Tom bei der Berufssuche in einem Bestattungsinstitut mit seltsamem Chef (Martin Brambach) und skurriler Assistentin Olga (Nicolette Krebitz). Da muss selbstverständlich eine Urne herunterfallen und die Asche im Tee des verpeilten Bosses landen. Und Tom direkt öfters mal im Sarg liegen. Ohne ins Details zu gehen: Eine Szene geriet schlimmer als die vorherige. Die Scherze um die angeblich HIV-positive Olga verfehlen deutlich, als schwarzer Humor durchzugehen.
Absurd sind die Fahrstunden mit einem Freund, weil Tom nicht aus dem Kreisverkehr herauskommt. Klar, das ist eine Metapher für seine Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Doch trotz vergeigter Führerschein-Prüfung fährt er direkt mal mit dem Bestattungswagen los. Es dauert fast eine halbe Stunde, bis der Unfall der Fahrprüferin die Stimmung ins Makabre biegen will. Die Referendarin Sarah Gerster (Anna Fischer) verliebt sich in den düster bekleideten Schüler. Letztlich muss dann auch noch der beste Freund sterben, um mit aller dramaturgischen Gewalt Gefühle in den konstruierten Film zu pressen. Selbst seltene gute Momente und die wenigen gelungenen Aufnahmen gehen im unausgewogenen Gesamtbild unter.
Regisseurin Ute Wieland („Freche Mädchen", „FC Venus") bekommt nix nicht hin, dabei hat man anscheinend Hoffnungen in sie oder in Nina Pourlaks Vorlage gesetzt, den Roman "Besser als Nix". Anders lassen sich die Besetzungen von Wotan Wilke Möhring, Nicolette Krebitz, Hannelore Elsner als Toms Oma oder auch Anna Fischer („Heiter bis wolkig") nicht erklären.
François Goeske kann in dieser Hauptrolle außer sensiblen Augen mit Kajal nicht viel zeigen. Dass die Krebitz an der Witzfigur der ukrainischen Bestattungsunternehmerin Olga Spaß gehabt hat, kann man sich vorstellen. Auch Martin Brambach als ihr Chef Herr Hiller kommt als Karikatur gut. Wenn der Film dies allerdings all zu deutlich als „Horror-Show" markiert, dann funktioniert auch das nicht im uneinheitlichen Durcheinander von Stilen und Stimmungen, von Qualitäten und Ausfällen. Ob dieser Film wirklich besser als Nix ist, bleibt fraglich. Sicher ist, es gibt viel Besseres als dies.
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19.8.14
The Expendables 3
USA 2014 Regie: Patrick Hughes mit Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Antonio Banderas, Wesley Snipes, Dolph Lundgren, Mel Gibson, Harrison Ford, Arnold Schwarzenegger 126 Min. FSK ab 16
Rentner reisen gerne. Fahren zum Keukenhof, auf Kreuzschiffen über die Weltmeere und mit Studiosus an exotische Orte. Diese echt alten Herren hier allerdings, die fliegen nach Somalia, um gleich eine halbe Armee Einheimischer umzubringen. Stallone & Co, die Massenmörder im Dienste der Unterhaltung treiben die Todeszahl bei der so beliebten Massen-Unterhaltung „The Expendables" auf wahrscheinlich neue Spitzenwerte. Nach 30 Minuten Geballer und ein paar hundert Toten überfällt Barney Ross (Sylvester Stallone), den Anführer der Expendables genannten Söldner, eine Schaffens- oder besser: Destruktions-Krise. Man könne ja nicht ewig rumlaufen und Menschen umbringen.
Dass die Begegnung mit dem vermeintlich Toten Conrad Stonebanks (Mel Gibson) Ross dazu bringt, diesen noch einmal, diesmal mit einer neuen, jungen Crew zu jagen, soll auch der letzte Blindgänger kapieren. So werden die karriere-mäßig scheintoten Kollegen Jason Statham und Dolph Lundgren langatmig und mit viel Pathos aussortiert. Es gibt wieder die alte Geschichte vom einsamen Wolf.
Noch viel länger dauert die Routine-Tour zur Rekrutierung der neuen Massen-Mörder an Barneys Seite. Banderas hat einen clownesken Auftritt als Quasselstrippe und Turner mit Altersproblem. Der Messerwerfer Wesley Snipes macht einen Scherz über seine echte Haft als Steuerhinterzieher. Schwarzenegger grummelt wieder irgendwas in seine stinkende Zigarre. Ronda Rousey als aggressive, junge Schlägerin soll die Formel auffrischen. Aber nur Harrison Ford überrascht: Was macht dieser ernsthafte Schauspieler auf der Restrampe von Haudraufs wie Jet Li? Es soll witzig sein, diese nahezu ausrangierten Schauspieler wieder zu sehen, doch meist ist es nur traurig.
Das Buch schrieb Sylvester Stallone wieder selbst zusammen mit Creighton Rothenberger und Katrin Benedikt. Dabei entblößen sich die Dialoge, die hauptsächlich aus Macho-Phrasen-Pointen bestehen, besonders wenn Harrison Ford ein paar knallharte Sätze in Richtung Stallone abliefert. Da arbeitet sich jemand vergebens an einer Wand der Ausdruckslosigkeit ab. Aber wahrscheinlich hat Harrison Ford gerade Übung darin, für „Star Wars" mit Wänden zu reden, aus denen irgendwann mal ein digitaler Alien erwächst.
„The Expendables" lebte noch nie von besonders ausgeprägten Charakteren - außer bei Muskelbeulen an Armen und im Nacken. Nur Mel Gibson, der einen Ex-Expendable und aktuell internationalen Waffenhändler spielt, bekommt bessere, dezentere Blicke, macht mehr aus den Macho-Sprüchen und hat als einziger einen mehrschichtigen Charakter. Von ihm wird die USA mit ihren Geheimdiensten nicht als Weltpolizei sondern als Konkurrent unter den Waffenhändlern bezeichnet. Dass er nicht eingefangen und als Kriegsverbrecher in Den Haag der Gerechtigkeit zugeführt wird, sondern im typischen Akt der Selbstjustiz ermordet, ist bei einem derart zynischen und verächtlichen Machwerk nicht anders zu erwarten.
Aber in „The Expendables 3" wird ja nicht nur erschossen, erstochen und in die Luft gejagt. Den Rest der Zeit gibt es auch Anspruchsvolleres - man prügelt sich. Viel zu lang und redundant. Mit Scherzen so alt wie die Darsteller. Und null Originalität. So sind die besten Minuten des Films die letzten drei: Das Team singt Neil Youngs „Old man" in einem echten Akt von Selbstironie.
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Rentner reisen gerne. Fahren zum Keukenhof, auf Kreuzschiffen über die Weltmeere und mit Studiosus an exotische Orte. Diese echt alten Herren hier allerdings, die fliegen nach Somalia, um gleich eine halbe Armee Einheimischer umzubringen. Stallone & Co, die Massenmörder im Dienste der Unterhaltung treiben die Todeszahl bei der so beliebten Massen-Unterhaltung „The Expendables" auf wahrscheinlich neue Spitzenwerte. Nach 30 Minuten Geballer und ein paar hundert Toten überfällt Barney Ross (Sylvester Stallone), den Anführer der Expendables genannten Söldner, eine Schaffens- oder besser: Destruktions-Krise. Man könne ja nicht ewig rumlaufen und Menschen umbringen.
Dass die Begegnung mit dem vermeintlich Toten Conrad Stonebanks (Mel Gibson) Ross dazu bringt, diesen noch einmal, diesmal mit einer neuen, jungen Crew zu jagen, soll auch der letzte Blindgänger kapieren. So werden die karriere-mäßig scheintoten Kollegen Jason Statham und Dolph Lundgren langatmig und mit viel Pathos aussortiert. Es gibt wieder die alte Geschichte vom einsamen Wolf.
Noch viel länger dauert die Routine-Tour zur Rekrutierung der neuen Massen-Mörder an Barneys Seite. Banderas hat einen clownesken Auftritt als Quasselstrippe und Turner mit Altersproblem. Der Messerwerfer Wesley Snipes macht einen Scherz über seine echte Haft als Steuerhinterzieher. Schwarzenegger grummelt wieder irgendwas in seine stinkende Zigarre. Ronda Rousey als aggressive, junge Schlägerin soll die Formel auffrischen. Aber nur Harrison Ford überrascht: Was macht dieser ernsthafte Schauspieler auf der Restrampe von Haudraufs wie Jet Li? Es soll witzig sein, diese nahezu ausrangierten Schauspieler wieder zu sehen, doch meist ist es nur traurig.
Das Buch schrieb Sylvester Stallone wieder selbst zusammen mit Creighton Rothenberger und Katrin Benedikt. Dabei entblößen sich die Dialoge, die hauptsächlich aus Macho-Phrasen-Pointen bestehen, besonders wenn Harrison Ford ein paar knallharte Sätze in Richtung Stallone abliefert. Da arbeitet sich jemand vergebens an einer Wand der Ausdruckslosigkeit ab. Aber wahrscheinlich hat Harrison Ford gerade Übung darin, für „Star Wars" mit Wänden zu reden, aus denen irgendwann mal ein digitaler Alien erwächst.
„The Expendables" lebte noch nie von besonders ausgeprägten Charakteren - außer bei Muskelbeulen an Armen und im Nacken. Nur Mel Gibson, der einen Ex-Expendable und aktuell internationalen Waffenhändler spielt, bekommt bessere, dezentere Blicke, macht mehr aus den Macho-Sprüchen und hat als einziger einen mehrschichtigen Charakter. Von ihm wird die USA mit ihren Geheimdiensten nicht als Weltpolizei sondern als Konkurrent unter den Waffenhändlern bezeichnet. Dass er nicht eingefangen und als Kriegsverbrecher in Den Haag der Gerechtigkeit zugeführt wird, sondern im typischen Akt der Selbstjustiz ermordet, ist bei einem derart zynischen und verächtlichen Machwerk nicht anders zu erwarten.
Aber in „The Expendables 3" wird ja nicht nur erschossen, erstochen und in die Luft gejagt. Den Rest der Zeit gibt es auch Anspruchsvolleres - man prügelt sich. Viel zu lang und redundant. Mit Scherzen so alt wie die Darsteller. Und null Originalität. So sind die besten Minuten des Films die letzten drei: Das Team singt Neil Youngs „Old man" in einem echten Akt von Selbstironie.
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Madame Mallory und der Duft von Curry
USA 2014 (The hundred foot journey) Regie: Lasse Hallström mit Helen Mirren, Om Puri, Manish Dayal, Charlotte Le Bon, Farzana Dua Elahe, Michel Blanc 122 Min. FSK: ab 0
Nachdem Hassan Kadams Familie, die in Mumbai seit Generationen Restaurants betrieb, von einem Volkspöbel, der auch Hassans Mutter mordet, vertrieben wurde, und sich der kleine Koch-Clan auch in England nicht wohl fühlt („Englands Gemüse haben keine Seele!"), landen sie in der französischen Provinz. Ist es ein Zufall oder das Schicksal, das an den Bremsen des Autos rumspielte? Papa (Om Puri) lässt sich jedenfalls nun durch nichts mehr abhalten, ein verlassenes Restaurant mit indischem Menü neu zu eröffnen. Was wider Erwarten nicht zu rassistischem Widerstand führt, sondern nur zu dem vehementen der benachbarten Besitzerin des klassischen Sterne-Restaurants „Le Saule Pleureur". Madame Mallory (Helen Mirren) ist wie Papa ein echter Charakter, dickköpfig, stur, aber das mit Stil.
Während die sechs Inder vor allem mit lauter Musik und Lebenslust das Dorf aufmischen, mixt der genial begabte Koch Hassan (Manish Dayal) seine traditionellen Gewürze in die klassischen französischen Rezepturen und begeistert damit zuerst Marguerite (Charlotte Le Bon), die Sous-Chefin von Madame Mallory. Die kühle, einsame Sternen-Sammlerin selbst hingegen zeigt den Kochkünsten des Nachbarn eine verachtend kalte Schulter, obwohl sie im Inneren sichtlich dahinschmilzt. Erst als ihre Angestellten doch in Fremdenhass verfallen und Madame eigenhändig Schmierereien beim Inder gegenüber entfernt, fallen die Schranken. Das Bewerbungs-Omelett von Hassan überzeugt und er führt als neuer Küchenchef von Madame „Le Saule Pleureur" zu einem weiteren Stern. Dadurch steht allerdings die wachsende Anziehung zwischen Hassan und der ehrgeizigen Marguerite unter einem schlechten Stern.
In Abwandlung von „Howards End" heißt es statt „only connect" nun „only vermischen" als Rezeptur für ein glückliches, einträgliches Miteinander. Man könnte es auch Multikulti-Marsala nennen, was Regisseur Lasse Hallström in der Verfilmung von Richard C. Morais' Roman „The Hundred-Foot Journey" („Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef") erzählt. Im großen Michelin-Führer der Kochfilme von Alfonso Araus „Bittersüße Schokolade" bis zu Ang Lees „Eat Drink Man Woman" überzeugt „Madame Mallory" hauptsächlich durch Darsteller und Sprüche. Kostprobe? „Du musst das Rezept in deinem Herzen finden und dann in den Topf bringen."
Quasi als Nachschlag zu seinem „Chocolat" serviert der Routinier Hallström leichte aber übersüße Unterhaltung. Der Spaß ist immer anwesend bei den liebenswerten Figuren im „Maison Mumbai". Allerdings ist alles auch formelhaft und vorhersehbar: Stellt sich anfangs beim Einreiseverhör noch eine lebendige, lustige Familie mit schön schrägen Eigenwilligkeiten vor und ergibt sich zwischen Hassan und Marguerite erst ein nicht zu offensichtliches Flirten, weiß man zu schnell, was noch alles passieren wird. Ein krampfhafter Zwang, (im Original) in Frankreich Englisch zu sprechen, ärgert ebenso wie das eine oder andere Detail. Dabei entgleiten Lasse Halmström manchmal sogar die handwerklichen Fähigkeiten, wenn vom Feuer, das Hassans Mutter tötet, sinn- und geschmacklos auf ein Grill-Feuer in England überblendet wird. Die andere geschmackliche Extremität, die überkitschten Bilder von heiler Landschaft und Dorfidylle, ist dagegen diskutabel. Machte sie doch schließlich auch „Chocolat" zum unvergessenen Erfolg.
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Nachdem Hassan Kadams Familie, die in Mumbai seit Generationen Restaurants betrieb, von einem Volkspöbel, der auch Hassans Mutter mordet, vertrieben wurde, und sich der kleine Koch-Clan auch in England nicht wohl fühlt („Englands Gemüse haben keine Seele!"), landen sie in der französischen Provinz. Ist es ein Zufall oder das Schicksal, das an den Bremsen des Autos rumspielte? Papa (Om Puri) lässt sich jedenfalls nun durch nichts mehr abhalten, ein verlassenes Restaurant mit indischem Menü neu zu eröffnen. Was wider Erwarten nicht zu rassistischem Widerstand führt, sondern nur zu dem vehementen der benachbarten Besitzerin des klassischen Sterne-Restaurants „Le Saule Pleureur". Madame Mallory (Helen Mirren) ist wie Papa ein echter Charakter, dickköpfig, stur, aber das mit Stil.
Während die sechs Inder vor allem mit lauter Musik und Lebenslust das Dorf aufmischen, mixt der genial begabte Koch Hassan (Manish Dayal) seine traditionellen Gewürze in die klassischen französischen Rezepturen und begeistert damit zuerst Marguerite (Charlotte Le Bon), die Sous-Chefin von Madame Mallory. Die kühle, einsame Sternen-Sammlerin selbst hingegen zeigt den Kochkünsten des Nachbarn eine verachtend kalte Schulter, obwohl sie im Inneren sichtlich dahinschmilzt. Erst als ihre Angestellten doch in Fremdenhass verfallen und Madame eigenhändig Schmierereien beim Inder gegenüber entfernt, fallen die Schranken. Das Bewerbungs-Omelett von Hassan überzeugt und er führt als neuer Küchenchef von Madame „Le Saule Pleureur" zu einem weiteren Stern. Dadurch steht allerdings die wachsende Anziehung zwischen Hassan und der ehrgeizigen Marguerite unter einem schlechten Stern.
In Abwandlung von „Howards End" heißt es statt „only connect" nun „only vermischen" als Rezeptur für ein glückliches, einträgliches Miteinander. Man könnte es auch Multikulti-Marsala nennen, was Regisseur Lasse Hallström in der Verfilmung von Richard C. Morais' Roman „The Hundred-Foot Journey" („Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef") erzählt. Im großen Michelin-Führer der Kochfilme von Alfonso Araus „Bittersüße Schokolade" bis zu Ang Lees „Eat Drink Man Woman" überzeugt „Madame Mallory" hauptsächlich durch Darsteller und Sprüche. Kostprobe? „Du musst das Rezept in deinem Herzen finden und dann in den Topf bringen."
Quasi als Nachschlag zu seinem „Chocolat" serviert der Routinier Hallström leichte aber übersüße Unterhaltung. Der Spaß ist immer anwesend bei den liebenswerten Figuren im „Maison Mumbai". Allerdings ist alles auch formelhaft und vorhersehbar: Stellt sich anfangs beim Einreiseverhör noch eine lebendige, lustige Familie mit schön schrägen Eigenwilligkeiten vor und ergibt sich zwischen Hassan und Marguerite erst ein nicht zu offensichtliches Flirten, weiß man zu schnell, was noch alles passieren wird. Ein krampfhafter Zwang, (im Original) in Frankreich Englisch zu sprechen, ärgert ebenso wie das eine oder andere Detail. Dabei entgleiten Lasse Halmström manchmal sogar die handwerklichen Fähigkeiten, wenn vom Feuer, das Hassans Mutter tötet, sinn- und geschmacklos auf ein Grill-Feuer in England überblendet wird. Die andere geschmackliche Extremität, die überkitschten Bilder von heiler Landschaft und Dorfidylle, ist dagegen diskutabel. Machte sie doch schließlich auch „Chocolat" zum unvergessenen Erfolg.
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11.8.14
Dido Elizabeth Belle
Großbritannien 2013 (Belle) Regie: Amma Asante mit Gugu Mbatha-Raw, Tom Wilkinson, Sam Reid, Sarah Gadon, Emily Watson, Miranda Richardson 104 Min. FSK: ab 6
Im Jahr 1769 wird die zwölfjährige Mulattin Dido Elizabeth Belle nach dem Tod der Mutter vom Vater, einem britischen Admiral zur See, bei ihrem Onkel Lord Mansfield (Tom Wilkinson) abgegeben. Eine Schwarze im Hause eines Adeligen großziehen, noch dazu des höchsten Richters des Landes? Doch! Nach kurzer Diskussion wird klar, dass hier Blutrecht alle anderen Regeln und Konventionen überragt. Schließlich hat Belle (Gugu Mbatha-Raw) als anerkannte Tochter einen gesetzlichen Rang in der Erbfolge. So wächst sie zusammen mit Elizabeth Murray (Sarah Gadon), einer anderen, weißen Nichte Mansfields in behüteter, luxuriöser Umgebung auf, genießt eine exzellente Ausbildung. Zwar darf sie, wenn Gäste kommen, nicht mehr am Familientisch sitzen, doch nachdem bald die gegenseitige Liebe regiert, spielt Rassismus nur noch eine Nebenrolle.
Erst als die beiden Nichten ins heiratsfähige Alter kommen und in der Londoner Öffentlichkeit paradieren, schlägt Belle unverschämte Diskriminierung entgegen. Dabei ist ihr Lebensstandard durch das Erbe des mittlerweile auf See verstorbenen Vaters gesichert. Nur Elizabeth braucht eine „gute Partie", während die Außenseiterin mit einem mittellosen Juristen über eine Liebesheirat nachdenken kann. Aber ausgerechnet dieser John Davinier (Sam Reid) ist Mansfields Gegner im landesweit diskutierten Fall eines Sklavenhändlers, der seine kranke „Ware" auf See ermordete, um das Versicherungsgeld zu kassieren. Ein Fall, der die Grundlage zur Sklaverei erschüttern könnte.
„Dido Elizabeth Belle" erzählt nicht nur eine erstaunliche Geschichte. Der großartige Film der Regisseurin Amma Asante verblüfft immer wieder mit dem starken, mutigen Auftreten einer doppelten Außenseiterin: Denn nicht nur als Dunkelhäutige, auch als Frau scheint Belle prädestiniert, zum Besitz anderer zu werden, wie ihre Leidensgenossin Elizabeth irgendwann erkennt. Doch mit Hilfe einer ungewöhnlichen Fügung, aber auch mit ihrem eigenen Mut und dem ihrer Familie, kann die von vielen Verachtete eine emanzipierte, unabhängige Position erkämpfen. Gerade aber dass Mansfield in der rechtlichen Frage des Sklavenschiffes dieser Mut zu fehlen scheint, macht den Film durchgehend spannend. Denn auch andere Figuren wurden faszinierend ambivalent gezeichnet. Die historischen und rechtlichen Hintergründe sind so genau, dass sich die übliche Schwarz-Weiß-Zeichnung auflöst.
Gerade weil Belle selbst an diesen Möglichkeiten zweifelt und sie erst langsam versteht, ist dieser in fast allen Rollen exzellent gespielte Kostümfilm so glaubhaft. Viele feine, eindringliche Momente, wie die zögerliche Begegnung Belles mit einem schwarzen Hausmädchen, und die perfekte Verbindung des privaten und des öffentlichen Themas machen „Belle" zu einem herausragenden Ereignis. Zudem trifft Mansfields Rede vor dem obersten Gericht exakt heutige Zustände, in denen wieder Konzerngewinne wichtiger als Menschenleben sind. Ein Grund mehr, diesen klugen und sehr bewegenden Film unbedingt zu sehen.
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Im Jahr 1769 wird die zwölfjährige Mulattin Dido Elizabeth Belle nach dem Tod der Mutter vom Vater, einem britischen Admiral zur See, bei ihrem Onkel Lord Mansfield (Tom Wilkinson) abgegeben. Eine Schwarze im Hause eines Adeligen großziehen, noch dazu des höchsten Richters des Landes? Doch! Nach kurzer Diskussion wird klar, dass hier Blutrecht alle anderen Regeln und Konventionen überragt. Schließlich hat Belle (Gugu Mbatha-Raw) als anerkannte Tochter einen gesetzlichen Rang in der Erbfolge. So wächst sie zusammen mit Elizabeth Murray (Sarah Gadon), einer anderen, weißen Nichte Mansfields in behüteter, luxuriöser Umgebung auf, genießt eine exzellente Ausbildung. Zwar darf sie, wenn Gäste kommen, nicht mehr am Familientisch sitzen, doch nachdem bald die gegenseitige Liebe regiert, spielt Rassismus nur noch eine Nebenrolle.
Erst als die beiden Nichten ins heiratsfähige Alter kommen und in der Londoner Öffentlichkeit paradieren, schlägt Belle unverschämte Diskriminierung entgegen. Dabei ist ihr Lebensstandard durch das Erbe des mittlerweile auf See verstorbenen Vaters gesichert. Nur Elizabeth braucht eine „gute Partie", während die Außenseiterin mit einem mittellosen Juristen über eine Liebesheirat nachdenken kann. Aber ausgerechnet dieser John Davinier (Sam Reid) ist Mansfields Gegner im landesweit diskutierten Fall eines Sklavenhändlers, der seine kranke „Ware" auf See ermordete, um das Versicherungsgeld zu kassieren. Ein Fall, der die Grundlage zur Sklaverei erschüttern könnte.
„Dido Elizabeth Belle" erzählt nicht nur eine erstaunliche Geschichte. Der großartige Film der Regisseurin Amma Asante verblüfft immer wieder mit dem starken, mutigen Auftreten einer doppelten Außenseiterin: Denn nicht nur als Dunkelhäutige, auch als Frau scheint Belle prädestiniert, zum Besitz anderer zu werden, wie ihre Leidensgenossin Elizabeth irgendwann erkennt. Doch mit Hilfe einer ungewöhnlichen Fügung, aber auch mit ihrem eigenen Mut und dem ihrer Familie, kann die von vielen Verachtete eine emanzipierte, unabhängige Position erkämpfen. Gerade aber dass Mansfield in der rechtlichen Frage des Sklavenschiffes dieser Mut zu fehlen scheint, macht den Film durchgehend spannend. Denn auch andere Figuren wurden faszinierend ambivalent gezeichnet. Die historischen und rechtlichen Hintergründe sind so genau, dass sich die übliche Schwarz-Weiß-Zeichnung auflöst.
Gerade weil Belle selbst an diesen Möglichkeiten zweifelt und sie erst langsam versteht, ist dieser in fast allen Rollen exzellent gespielte Kostümfilm so glaubhaft. Viele feine, eindringliche Momente, wie die zögerliche Begegnung Belles mit einem schwarzen Hausmädchen, und die perfekte Verbindung des privaten und des öffentlichen Themas machen „Belle" zu einem herausragenden Ereignis. Zudem trifft Mansfields Rede vor dem obersten Gericht exakt heutige Zustände, in denen wieder Konzerngewinne wichtiger als Menschenleben sind. Ein Grund mehr, diesen klugen und sehr bewegenden Film unbedingt zu sehen.
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Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück
BRD, Kanada 2014 (Hector and the search for happiness) Regie: Peter Chelsom mit Simon Pegg, Toni Collette, Rosamund Pike, Stellan Skarsgård, Jean Reno, Veronica Ferres, Christopher Plummer 119 Min. FSK: ab 12
Der langweilige und gelangweilte Psychiater Hector (Simon Pegg) träumt von der Fliegerei und davon wie Tim, der mit Struppi, durch die Welt zu reisen. Während er in London seinen Patienten nicht zuhört. Denn die erzählen ja immer das Gleiche und ihnen ist sowieso nicht zu helfen. Diese Erkenntnis vermittelt ihm eine ausgebrannte Hellseherin (Veronica Ferres, auch in diesem London-Film ein Problem) und schon macht sich Hector auf, die Welt zu bereisen. Seine Freundin Cara (Rosamund Pike), hauptsächlich niedliche Assistentin im Langweiligsein, ist verstört, doch trotzdem packt sich ihm den Rücksack voller unnötigen Kram.
Nun beginnt - nach François Lelords gleichnamigem Roman - eine komödiantische Reise über China, Afrika und Los Angeles, bei der weniger die Frage nach dem Glück als die Europudding-Gesichter der anderen Figuren auffallen: Stellan Skarsgård, Jean Reno und Christopher Plummer sind in ihren teilweise netten Auftritten symptomatisch für eine Nummernrevue, die nie zu sich selber findet. Auch die Antworten, die Hector mit niedlich animierten Zeichnungen in sein Notizbuch skribbelt, haben Kalenderblatt-Qualitäten. Man kann schmunzeln, vielleicht kurz drüber nachdenken und weiter geht es zur nächsten Episode. Selbstverständlich lockern eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen die Sinnsuche auf. Dass man glücklich ist, wenn man sich verliebt oder wenn sein Leben gerade eben so gerettet wurde, sind hier Anekdoten, keine Erkenntnisse.
Ausgerechnet die Begegnung mit einer todkranken Frau deutet ein interessanteres Leben an, als das der Hauptfigur Hector, deren Andeutungen über die Kindheit auch nie wirklich Form annehmen. Grundsätzlich ist auch die Besetzung von Hector mit dem britischen Komiker Simon Pegg („Shawn of the Dead") ein Problem: Er kommt komisch gut, aber man nimmt seine Figur nie als echten Menschen wahr. Ganz abgesehen davon, wie man zu solchen „Eat, Pray, Lieber nicht noch mal"-Geschichten steht, diese Weltreise stellt ziemlich großen Aufwand dar, nur um rauszubekommen, dass man weiter mit der langweiligen Frau ein langweiliges Leben führen und ein möglichst langweiliges Kind bekommen will. „Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück" bringt einem als mäßiger Liebesfilm, der es sich sehr kompliziert macht, dem Glück kein Stück näher.
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Der langweilige und gelangweilte Psychiater Hector (Simon Pegg) träumt von der Fliegerei und davon wie Tim, der mit Struppi, durch die Welt zu reisen. Während er in London seinen Patienten nicht zuhört. Denn die erzählen ja immer das Gleiche und ihnen ist sowieso nicht zu helfen. Diese Erkenntnis vermittelt ihm eine ausgebrannte Hellseherin (Veronica Ferres, auch in diesem London-Film ein Problem) und schon macht sich Hector auf, die Welt zu bereisen. Seine Freundin Cara (Rosamund Pike), hauptsächlich niedliche Assistentin im Langweiligsein, ist verstört, doch trotzdem packt sich ihm den Rücksack voller unnötigen Kram.
Nun beginnt - nach François Lelords gleichnamigem Roman - eine komödiantische Reise über China, Afrika und Los Angeles, bei der weniger die Frage nach dem Glück als die Europudding-Gesichter der anderen Figuren auffallen: Stellan Skarsgård, Jean Reno und Christopher Plummer sind in ihren teilweise netten Auftritten symptomatisch für eine Nummernrevue, die nie zu sich selber findet. Auch die Antworten, die Hector mit niedlich animierten Zeichnungen in sein Notizbuch skribbelt, haben Kalenderblatt-Qualitäten. Man kann schmunzeln, vielleicht kurz drüber nachdenken und weiter geht es zur nächsten Episode. Selbstverständlich lockern eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen die Sinnsuche auf. Dass man glücklich ist, wenn man sich verliebt oder wenn sein Leben gerade eben so gerettet wurde, sind hier Anekdoten, keine Erkenntnisse.
Ausgerechnet die Begegnung mit einer todkranken Frau deutet ein interessanteres Leben an, als das der Hauptfigur Hector, deren Andeutungen über die Kindheit auch nie wirklich Form annehmen. Grundsätzlich ist auch die Besetzung von Hector mit dem britischen Komiker Simon Pegg („Shawn of the Dead") ein Problem: Er kommt komisch gut, aber man nimmt seine Figur nie als echten Menschen wahr. Ganz abgesehen davon, wie man zu solchen „Eat, Pray, Lieber nicht noch mal"-Geschichten steht, diese Weltreise stellt ziemlich großen Aufwand dar, nur um rauszubekommen, dass man weiter mit der langweiligen Frau ein langweiliges Leben führen und ein möglichst langweiliges Kind bekommen will. „Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück" bringt einem als mäßiger Liebesfilm, der es sich sehr kompliziert macht, dem Glück kein Stück näher.
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