USA 2018 (Tag) Regie: Jeff Tomsic mit Ed Helms, Jake Johnson, Annabelle Wallis, Hannibal Buress, Jon Hamm, Jeremy Renner 105 Min.
Erwachsene, die einen Monat im Jahr „Fangen" spielen, waren dem Wall Street Journal vor fünf Jahren einen Artikel wert. Die Verfilmung dieser Peter Pan-Anekdote mit halb-prominenter Besetzung fängt das Publikum jedoch nur anfangs. Eine Kindertradition bringt fünf Freunde noch als Erwachsene jeden Mai zusammen. Dabei war Jerry (Jeremy Renner) schon immer zu schnell für die anderen und wurde in all den Jahrzehnten nie „abgeschlagen". Jetzt aus Anlass seiner Hochzeit erscheint er ein leichtes Ziel zu sein, aber er bringt das Spiel auf eine neue Ebene. Dabei droht er sogar, sich mit dem Teddybär von Hogan (Ed Helms) in dessen Jugendzimmer zu befriedigen. Das Kinder-Spiel wirkt wie eine belanglose Albernheit, bei der nicht nur die Wall Street-Reporterin vom Ernst beeindruckt ist, mit der sie durchgezogen wird. Zwar gibt es immer wieder Momente, in denen alles ins völlig Absurde kippt, doch des Rennen und Jagens Wiederholung der Fan-Spiele gewinnt durch Nebenthemen wie den alten Schulschwarm nichts hinzu. Eigentlich begeistert nur die anarchische Idee, sich den Spaß am Spielen durchs Erwachsensein nicht verderben zu lassen. Die Freunde schlüpfen nicht nur in die Rolle von Action-Helden, liefern sich mit albernen Verkleidungen als alte Dame Handkanten-Gefechte im Supermarkt, sie werden vor allem wieder Kind. Und das im Abspann mit den echten „Fängern" nachhaltig.
24.7.18
Hotel Artemis
USA, Großbritannien 2018 Regie: Drew Pearce mit Jodie Foster, Sofia Boutella, Dave Bautista, Sterling K. Brown, Jeff Goldblum 94 Min.
Der Bürgerkrieg ums Wasser ist da! Das Gewaltmonopol wurde privatisiert, so bekämpft eine gesichtslose Miliz auf den Straßen von Los Angeles brutal den wilden Aufstand. Ein Juni-Abend im Jahr 2028. Während die Menge auf das Gebäude mit der Neon-Werbung „Hotel Artemis" zuströmt, sehen wir drinnen Jodie Foster als skurrile Alte, die mit kleinen Schrittchen durch die dunklen Gänge des zur geheimen Klinik für Schwerverbrecher umfunktionierten Hotels hastet. Sie ist „die Krankenschwester" und dieser „ganz normale Mittwochabend" wird nicht nur wegen einer dummen Überbelegung dramatisch verlaufen.
Die Krankenschwester ist eine kleine alte Frau, die immer allen hilft, die dort anonym mit Decknamen wie Everest, Nice oder Honolulu untergebracht werden. Seit mehr als zwanzig Jahren behandelt sie hauptsächlich Schusswunden, wir befinden uns schließlich in den USA. Die Zimmer und Behandlungsräume sind voll digitalisiert, dies ist die nahe Zukunft, Sprachbefehle funktionieren endlich. Bei der OP wird eine neue Leber aus dem 3D-Printer verpflanzt, Nano-Bots besorgen die Heilung.
Die selbstverständlich obskuren Gäste folgen als Mitglieder dieser ganz speziellen Krankenversicherung für ein gefährliches Gewerbe strengen Regeln - oder auch nicht. Waffen sind verboten, ebenso das Umbringen anderer Gäste im Hotel Artemis. Falls es mal Ärger geben sollte, ruft die Schwester ihren Assistenten (Dave Bautista) und dann bekommen die Störenfriede Ärger. Neuzugang Waikiki (Sterling K. Brown), der mit seinem schwer verletzten Bruder Hilfe sucht, hat ein besonders vertrautes Verhältnis zu der Krankenschwester. Wenn es unter Gangstern so etwas gäbe, würde man sie Freunde nennen. Denn dieses Geschäft basiert auf „elementarer menschlicher Habgier und Vertrauen", wie es in einem der trocken zynischen Kommentare der Schwester heißt.
Die weiteren Gäste, ein fies eingebildeter Waffenhändler (Brian Tyree Henry) und eine legendäre Killerin (Sofia Boutella) mit geheimer Agenda, haben sich gerade leidenschaftlich miteinander angelegt, als der große Boss (Jeff Goldblum als Wolf King) den letzten Behandlungsraum fordert und gleichzeitig eine alte Bekannte der Krankenschwester schwer verwundet vor der eigentlich geheimen Tür liegt - in Polizeiuniform!
Jodie Foster („Elysium", „Der Gott des Gemetzels") überrascht und brilliert mit einer scheinbar einfachen Genre-Rolle, die gut Kult-Status bekommen könnte. (Siehe Uma Thurman als Krankenschwester in „Kill Bill" - sorry für den Ohrwurm!). Ihre Krankenschwester hat panische Angst vor dem Draußen. Ein Trauma von früher wird diese Mittwochnacht auch ins Haus fallen und der tollen Figur emotionale Tiefe geben. Dave Bautista führt seine vergnüglich massive Rolle aus „Guardians of the Galaxy" fort.
Ein Retro-Plattenspieler und die offensichtliche Verkabelung wie aus dem letzten Jahrhundert erzeugt einen Art Deco-Look, Songs wie „Helpless" (von Buffy Sainte-Marie, nicht von Neil Young) und „California Dreamin'" verstärken das Retro-Gefühl. Die düstere Zukunft zeigt sich in kleinen, fiesen Details: Die Morde der Killerin werden live von ihren Augäpfeln übertragen; ein Laser-Skalpell hat als Waffe einschneidende Wirkung.
Drew Pearce, dem Drehbuchautor von „Iron Man 3" und „Mission: Impossible – Rogue Nation", gelingt in seiner ersten Regie-Arbeit ein guter, kleiner und dreckiger SciFi-Thriller, der mit exzellentem Drehbuch und passendem, stilvollem Setting zeigt, dass Können mehr als Geld kann.
Der Bürgerkrieg ums Wasser ist da! Das Gewaltmonopol wurde privatisiert, so bekämpft eine gesichtslose Miliz auf den Straßen von Los Angeles brutal den wilden Aufstand. Ein Juni-Abend im Jahr 2028. Während die Menge auf das Gebäude mit der Neon-Werbung „Hotel Artemis" zuströmt, sehen wir drinnen Jodie Foster als skurrile Alte, die mit kleinen Schrittchen durch die dunklen Gänge des zur geheimen Klinik für Schwerverbrecher umfunktionierten Hotels hastet. Sie ist „die Krankenschwester" und dieser „ganz normale Mittwochabend" wird nicht nur wegen einer dummen Überbelegung dramatisch verlaufen.
Die Krankenschwester ist eine kleine alte Frau, die immer allen hilft, die dort anonym mit Decknamen wie Everest, Nice oder Honolulu untergebracht werden. Seit mehr als zwanzig Jahren behandelt sie hauptsächlich Schusswunden, wir befinden uns schließlich in den USA. Die Zimmer und Behandlungsräume sind voll digitalisiert, dies ist die nahe Zukunft, Sprachbefehle funktionieren endlich. Bei der OP wird eine neue Leber aus dem 3D-Printer verpflanzt, Nano-Bots besorgen die Heilung.
Die selbstverständlich obskuren Gäste folgen als Mitglieder dieser ganz speziellen Krankenversicherung für ein gefährliches Gewerbe strengen Regeln - oder auch nicht. Waffen sind verboten, ebenso das Umbringen anderer Gäste im Hotel Artemis. Falls es mal Ärger geben sollte, ruft die Schwester ihren Assistenten (Dave Bautista) und dann bekommen die Störenfriede Ärger. Neuzugang Waikiki (Sterling K. Brown), der mit seinem schwer verletzten Bruder Hilfe sucht, hat ein besonders vertrautes Verhältnis zu der Krankenschwester. Wenn es unter Gangstern so etwas gäbe, würde man sie Freunde nennen. Denn dieses Geschäft basiert auf „elementarer menschlicher Habgier und Vertrauen", wie es in einem der trocken zynischen Kommentare der Schwester heißt.
Die weiteren Gäste, ein fies eingebildeter Waffenhändler (Brian Tyree Henry) und eine legendäre Killerin (Sofia Boutella) mit geheimer Agenda, haben sich gerade leidenschaftlich miteinander angelegt, als der große Boss (Jeff Goldblum als Wolf King) den letzten Behandlungsraum fordert und gleichzeitig eine alte Bekannte der Krankenschwester schwer verwundet vor der eigentlich geheimen Tür liegt - in Polizeiuniform!
Jodie Foster („Elysium", „Der Gott des Gemetzels") überrascht und brilliert mit einer scheinbar einfachen Genre-Rolle, die gut Kult-Status bekommen könnte. (Siehe Uma Thurman als Krankenschwester in „Kill Bill" - sorry für den Ohrwurm!). Ihre Krankenschwester hat panische Angst vor dem Draußen. Ein Trauma von früher wird diese Mittwochnacht auch ins Haus fallen und der tollen Figur emotionale Tiefe geben. Dave Bautista führt seine vergnüglich massive Rolle aus „Guardians of the Galaxy" fort.
Ein Retro-Plattenspieler und die offensichtliche Verkabelung wie aus dem letzten Jahrhundert erzeugt einen Art Deco-Look, Songs wie „Helpless" (von Buffy Sainte-Marie, nicht von Neil Young) und „California Dreamin'" verstärken das Retro-Gefühl. Die düstere Zukunft zeigt sich in kleinen, fiesen Details: Die Morde der Killerin werden live von ihren Augäpfeln übertragen; ein Laser-Skalpell hat als Waffe einschneidende Wirkung.
Drew Pearce, dem Drehbuchautor von „Iron Man 3" und „Mission: Impossible – Rogue Nation", gelingt in seiner ersten Regie-Arbeit ein guter, kleiner und dreckiger SciFi-Thriller, der mit exzellentem Drehbuch und passendem, stilvollem Setting zeigt, dass Können mehr als Geld kann.
23.7.18
Ant-Man and the Wasp
USA 2018 Regie: Peyton Reed mit Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Michelle Pfeiffer, Michael Peña 118 Min.
Der zweite „Ameisen-Film" in Marvels neuer Comic-Verwertungs-Kampagne, „Ant-Man and the Wasp", lässt angenehmerweise das ganze Getue um das ebenso größenwahnsinnige wie lächerliche „Marvel Cinematic Universe" hinter sich. Weitestgehend. Denn Ant-Man Scott Lang (Paul Rudd) sitzt nach den Ereignissen von "The First Avenger: Civil War" zwei Jahren Hausarrest mit Fußfessel ab, und macht das Beste draus, um drinnen mit seiner zehnjährigen Tochter Cassie Spaß zu haben. Gerade sind die letzten drei Tage seiner vom FBI streng überwachten Strafe angebrochen, als er von Hope van Dyne alias Wasp (Evangeline Lilly) und Dr. Hank Pym (Michael Douglas) entführt wird. Der Erfinder der witzigen Schrumpfungs- und Wachstum-Technik, die Scott zum Ant-Man machte, und seine Tochter brauchen Informationen aus Scotts Kopf. Nur mit ihnen können sie Hanks seit Jahren im subatomaren Raum verschwundene Frau Janet (Michelle Pfeiffer) doch noch zurückzuholen.
Für die nötigen Komplikationen sorgt ein drittes Vater-Tochter-Team mit der faszinierenden Erscheinung „Ghost": Ava Starr (Hannah John-Kamen) flackert seit einem Quantum-Experiment Hanks wegen einer Molekül-Instabilität nur kurzzeitig in der Realität auf. Äußerlich eine gespenstige Erscheinung, steckt unter der Verkleidung eine wütende junge Frau, die Rettung und Rache will. Laurence Fishburne spielt Dr. Bill Foster, ihr väterlicher Freund und Ex-Partner von Dr. Hank Pym.
Dazu noch ein guter (Michael Peña) sowie ein böser Sidekick und fertig ist die ausreichende Aufstellung für einen unterhaltsamen, kleinen Action-Spaß, der gerade dadurch gewinnt, dass er nicht krampfhaft gigantisch sein will. Und die ironisch bodenständige Haltung des unfreiwiligen kleinen Helden Ant-Man Scott Lang für den gesamten Film übernimmt.
Wobei die entscheidende Action bei „Ant-Man and the Wasp" immer noch rasant und erfrischend originell im flotten Wechsel von Groß und Klein die überzeugende Hauptsache ist. Zu der kleinen Sammlung der Spielzeugautos „Hot Wheels", die sich nach Bedarf zu rasanten Fluchtfahrzeugen aufblasen lassen, gesellen sich nun auch Häuserblöcke, die schnell als Rollkoffer umziehen können. Da macht sogar die obligatorische, abgedroschene Verfolgungsjagd wieder Spaß, wenn ein zu großer Ant-Man einen Laster als Tretroller benutzen muss.
Action-Ant Scott Lang ist immer auch charmante Witzfigur, bekommt im Vergleich zu Hope, mit der er sich erst wieder vertragen muss, die schlechtere Ausrüstung. Besonders witzig dabei, dass die Größenveränderung nicht richtig funktioniert und Scott so ausgerechnet in einer Schule auf Zwergengröße hängen bleibt. Sorgsam eingebaute kleine Details vergrößern das Vergnügen. Ein Pez-Spender mit Hello Kitty-Kopf wird, blitzschnell aufgeblasen, zum gefährlichen Flugobjekt. Dabei packt die Spannung richtig gut, weil wie in Nolans „Inception" sich die äußere und die innere, auf Molekularbereich handelnde - Action ergänzen.
So findet der klasse inszenierte (Peyton Reed mit seinem zweiten Ant-Film) und gut gespielte Familienfilm mit seinen drei Vater-Tochter-Geschichten eine tolle Mischung von Gefühl, Action und selbst-ironischem Humor.
Der zweite „Ameisen-Film" in Marvels neuer Comic-Verwertungs-Kampagne, „Ant-Man and the Wasp", lässt angenehmerweise das ganze Getue um das ebenso größenwahnsinnige wie lächerliche „Marvel Cinematic Universe" hinter sich. Weitestgehend. Denn Ant-Man Scott Lang (Paul Rudd) sitzt nach den Ereignissen von "The First Avenger: Civil War" zwei Jahren Hausarrest mit Fußfessel ab, und macht das Beste draus, um drinnen mit seiner zehnjährigen Tochter Cassie Spaß zu haben. Gerade sind die letzten drei Tage seiner vom FBI streng überwachten Strafe angebrochen, als er von Hope van Dyne alias Wasp (Evangeline Lilly) und Dr. Hank Pym (Michael Douglas) entführt wird. Der Erfinder der witzigen Schrumpfungs- und Wachstum-Technik, die Scott zum Ant-Man machte, und seine Tochter brauchen Informationen aus Scotts Kopf. Nur mit ihnen können sie Hanks seit Jahren im subatomaren Raum verschwundene Frau Janet (Michelle Pfeiffer) doch noch zurückzuholen.
Für die nötigen Komplikationen sorgt ein drittes Vater-Tochter-Team mit der faszinierenden Erscheinung „Ghost": Ava Starr (Hannah John-Kamen) flackert seit einem Quantum-Experiment Hanks wegen einer Molekül-Instabilität nur kurzzeitig in der Realität auf. Äußerlich eine gespenstige Erscheinung, steckt unter der Verkleidung eine wütende junge Frau, die Rettung und Rache will. Laurence Fishburne spielt Dr. Bill Foster, ihr väterlicher Freund und Ex-Partner von Dr. Hank Pym.
Dazu noch ein guter (Michael Peña) sowie ein böser Sidekick und fertig ist die ausreichende Aufstellung für einen unterhaltsamen, kleinen Action-Spaß, der gerade dadurch gewinnt, dass er nicht krampfhaft gigantisch sein will. Und die ironisch bodenständige Haltung des unfreiwiligen kleinen Helden Ant-Man Scott Lang für den gesamten Film übernimmt.
Wobei die entscheidende Action bei „Ant-Man and the Wasp" immer noch rasant und erfrischend originell im flotten Wechsel von Groß und Klein die überzeugende Hauptsache ist. Zu der kleinen Sammlung der Spielzeugautos „Hot Wheels", die sich nach Bedarf zu rasanten Fluchtfahrzeugen aufblasen lassen, gesellen sich nun auch Häuserblöcke, die schnell als Rollkoffer umziehen können. Da macht sogar die obligatorische, abgedroschene Verfolgungsjagd wieder Spaß, wenn ein zu großer Ant-Man einen Laster als Tretroller benutzen muss.
Action-Ant Scott Lang ist immer auch charmante Witzfigur, bekommt im Vergleich zu Hope, mit der er sich erst wieder vertragen muss, die schlechtere Ausrüstung. Besonders witzig dabei, dass die Größenveränderung nicht richtig funktioniert und Scott so ausgerechnet in einer Schule auf Zwergengröße hängen bleibt. Sorgsam eingebaute kleine Details vergrößern das Vergnügen. Ein Pez-Spender mit Hello Kitty-Kopf wird, blitzschnell aufgeblasen, zum gefährlichen Flugobjekt. Dabei packt die Spannung richtig gut, weil wie in Nolans „Inception" sich die äußere und die innere, auf Molekularbereich handelnde - Action ergänzen.
So findet der klasse inszenierte (Peyton Reed mit seinem zweiten Ant-Film) und gut gespielte Familienfilm mit seinen drei Vater-Tochter-Geschichten eine tolle Mischung von Gefühl, Action und selbst-ironischem Humor.
18.7.18
Mamma Mia! Here we go again
USA 2018 Regie: Ol Parker mit Amanda Seyfried, Cher, Meryl Streep, Lily James, Andy Garcia 120 Min. FSK ab 0
Zehn Jahre nach dem großen Erfolg des Musical-Filmes „Mamma Mia!" erklingt ein neues ABBA-Musical auf der griechischen Insel Kalokairi. Also viel belangloses Geträller und handlungstechnischer Kokolores. Der zweite Aufguss will deutlich das Bekannte wiederholen. Aber da es nicht unendlich viele ABBA-Evergreens gibt, gehen ihm die Songs aus. Bei zwanghafter Leichtigkeit kann da auch das noch mal gesteigerte Staraufgebot nicht drüber hinweg täuschen. Neben der Originalbesetzung mit Meryl Streep im Kurzauftritt, Pierce Brosnan, Stellan Skarsgard und Colin Firth als die drei möglichen Väter fährt der belanglos bunte Film auch noch Lily James („Cinderella", „Baby Driver"), Andy Garcia („The Untouchables", „Ocean's Eleven") sowie Musik-Mumie Cher als Ur-Großmutter auf.
Sophie (Amanda Seyfried), die junge Heldin des ersten Films, steht kurz vor der Eröffnungsparty des renovierten Insel-Hotels ihrer verstorbenen Mutter. Doch neben einen lächerlichen Sturm drücken auch Beziehungsprobleme die Stimmung. Das wäre es eigentlich bis zur dann doch gelingenden Party, zwei Handvoll Songs weiter. Doch zum Glück für den zu langen Film erinnern Rückblenden hilfreich, wie Sophies Mutter Donna damals Sam, Harry und Bill kennen lernte. Das ist dann auch die einzige gute Idee der Fortsetzung, mit der „Mamma Mia! 2" zum Mütterfilm hoch zwei wird.
„Mamma Mia! Here We Go Again" wäre jetzt mit Songs von den Beach Boys vielleicht originell gewesen, aber man musste bei den B-Seiten des ABBA-Repertoires nachschlagen, um sich musikalisch nicht komplett zu wiederholen. Das Prinzip aller Musicals lautet dabei frei nach Wittgenstein: Wovon man nicht reden kann, davon muss man singen. Aus diesem Prinzip entstanden großartige Film-Musicals wie zuletzt „Lala Land". Aber beim ABBA-Geträller zu überschaubarer Handlung haben die Figuren nicht zuviel zu sagen, sie haben nichts mehr zu sagen, denn alles wurde schon x-fach wiederholt. Zum Glück sagen dann die Mitsing-Hits etwas - die Macht des scheinbar banalen Pop.
So feiert die junge Donna (Lily James) ihren Studienabschluss statt mit Rede mit „When I kissed the teacher" (und einem Cameo-Auftritt von ABBAs Björn als Lehrer), mit Plateau-Stiefeln und anderen, heißen 80er-Details. Die Choreografien sind eher sinnlos gewollt als eindrucksvoll. Der Gesang, na ja, darüber sollte man tatsächlich schweigen. Filmisch setzt Regisseur Ol Parker („Best Exotic Marigold Hotel") sein eigenes Drehbuch bewusst unauffällig um. Hauptsache die Sonne scheint immer in diesem Urlaubsfilmchen. Manche Songs wirken wie von der B-Crew gedreht. Es gibt ein paar nette Bildübergänge, aber gegenüber „Baby Driver", der ultimativen Song-Kompilation des Kinos, ist „Mamma Mia! 2" ein schwacher Videoclip. Das ist kein komplettes Waterloo, aber schon die B-Seite eines großen Erfolges.
Zehn Jahre nach dem großen Erfolg des Musical-Filmes „Mamma Mia!" erklingt ein neues ABBA-Musical auf der griechischen Insel Kalokairi. Also viel belangloses Geträller und handlungstechnischer Kokolores. Der zweite Aufguss will deutlich das Bekannte wiederholen. Aber da es nicht unendlich viele ABBA-Evergreens gibt, gehen ihm die Songs aus. Bei zwanghafter Leichtigkeit kann da auch das noch mal gesteigerte Staraufgebot nicht drüber hinweg täuschen. Neben der Originalbesetzung mit Meryl Streep im Kurzauftritt, Pierce Brosnan, Stellan Skarsgard und Colin Firth als die drei möglichen Väter fährt der belanglos bunte Film auch noch Lily James („Cinderella", „Baby Driver"), Andy Garcia („The Untouchables", „Ocean's Eleven") sowie Musik-Mumie Cher als Ur-Großmutter auf.
Sophie (Amanda Seyfried), die junge Heldin des ersten Films, steht kurz vor der Eröffnungsparty des renovierten Insel-Hotels ihrer verstorbenen Mutter. Doch neben einen lächerlichen Sturm drücken auch Beziehungsprobleme die Stimmung. Das wäre es eigentlich bis zur dann doch gelingenden Party, zwei Handvoll Songs weiter. Doch zum Glück für den zu langen Film erinnern Rückblenden hilfreich, wie Sophies Mutter Donna damals Sam, Harry und Bill kennen lernte. Das ist dann auch die einzige gute Idee der Fortsetzung, mit der „Mamma Mia! 2" zum Mütterfilm hoch zwei wird.
„Mamma Mia! Here We Go Again" wäre jetzt mit Songs von den Beach Boys vielleicht originell gewesen, aber man musste bei den B-Seiten des ABBA-Repertoires nachschlagen, um sich musikalisch nicht komplett zu wiederholen. Das Prinzip aller Musicals lautet dabei frei nach Wittgenstein: Wovon man nicht reden kann, davon muss man singen. Aus diesem Prinzip entstanden großartige Film-Musicals wie zuletzt „Lala Land". Aber beim ABBA-Geträller zu überschaubarer Handlung haben die Figuren nicht zuviel zu sagen, sie haben nichts mehr zu sagen, denn alles wurde schon x-fach wiederholt. Zum Glück sagen dann die Mitsing-Hits etwas - die Macht des scheinbar banalen Pop.
So feiert die junge Donna (Lily James) ihren Studienabschluss statt mit Rede mit „When I kissed the teacher" (und einem Cameo-Auftritt von ABBAs Björn als Lehrer), mit Plateau-Stiefeln und anderen, heißen 80er-Details. Die Choreografien sind eher sinnlos gewollt als eindrucksvoll. Der Gesang, na ja, darüber sollte man tatsächlich schweigen. Filmisch setzt Regisseur Ol Parker („Best Exotic Marigold Hotel") sein eigenes Drehbuch bewusst unauffällig um. Hauptsache die Sonne scheint immer in diesem Urlaubsfilmchen. Manche Songs wirken wie von der B-Crew gedreht. Es gibt ein paar nette Bildübergänge, aber gegenüber „Baby Driver", der ultimativen Song-Kompilation des Kinos, ist „Mamma Mia! 2" ein schwacher Videoclip. Das ist kein komplettes Waterloo, aber schon die B-Seite eines großen Erfolges.
17.7.18
303
BRD 2018 Regie: Hans Weingartner mit Mala Emde, Anton Spieker, 139 Min. FSK ab 12
Jan (Anton Spieker) und Jule (Mala Emde), zwei Berliner Studenten mit einer frischen Enttäuschung im Gepäck, treffen sich an einer Autobahnraststätte und starten eine überraschend lange gemeinsame Reise. Auf dem Weg nach Köln schmeißt Jule ihn zwar bald aus ihrem Camper, doch unter dramatischen Umständen kommen sie wieder zusammen. Womit das Drama für diesen Film abgehakt ist. Auf dem Weg nach Spanien kommt erst nach einer Stunde die Frage „Hast du denn eigentlich eine Freundin?". Noch dreißig Minuten später gibt es Sex - erst mal theoretisch als Thema. Und nach zwei Stunden im wohl langsamsten Verlieben der Filmgeschichte liegen sie gemeinsam im Bett. Womit der Film noch nicht am Ziel ist.
Die bislang Unbekannten Mala Emde und Anton Spieker spielen keine Bigger than Life-Figuren, sondern bodenständige, junge Menschen, die kürzlich den Boden unter den Füßen verloren haben. Mit ihren weißen T-Shirts ohne Aufdruck wirken sie auch erst mal blass. Ihre Charaktere müssen andauernd gehend und fahrend reden. Bei Regisseur Hans Weingartner („Die fetten Jahre sind vorbei", „Die Summe meiner einzelnen Teile") ist das immer auch politisch: Ein von den Kapitalisten instrumentalisierter Darwin taucht auf, die Instrumentalisierung des Alleinseins ist Thema. „303" könnte vom hohen Dialoganteil her ein Rohmer-Film sein, es fehlt allerdings die spezielle Leichtigkeit des Franzosen, genau wie das Spielerische von Linklaters „Before Sunrise". Der sehr gemütliche Sommerfilm kommt langsam in Schwung, ein paar schöne Songs erklingen vor sonniger Landschaft. Allerdings wirkt es auch, als könne man in der Laufzeit des Films nach Portugal und zurück fahren, gemütlich. Beide drängt es bald nicht mehr, an ihr Ziel, zu den Personen dort zu kommen. Und am Ende ist alles gut, am Ende wird geschwiegen.
Jan (Anton Spieker) und Jule (Mala Emde), zwei Berliner Studenten mit einer frischen Enttäuschung im Gepäck, treffen sich an einer Autobahnraststätte und starten eine überraschend lange gemeinsame Reise. Auf dem Weg nach Köln schmeißt Jule ihn zwar bald aus ihrem Camper, doch unter dramatischen Umständen kommen sie wieder zusammen. Womit das Drama für diesen Film abgehakt ist. Auf dem Weg nach Spanien kommt erst nach einer Stunde die Frage „Hast du denn eigentlich eine Freundin?". Noch dreißig Minuten später gibt es Sex - erst mal theoretisch als Thema. Und nach zwei Stunden im wohl langsamsten Verlieben der Filmgeschichte liegen sie gemeinsam im Bett. Womit der Film noch nicht am Ziel ist.
Die bislang Unbekannten Mala Emde und Anton Spieker spielen keine Bigger than Life-Figuren, sondern bodenständige, junge Menschen, die kürzlich den Boden unter den Füßen verloren haben. Mit ihren weißen T-Shirts ohne Aufdruck wirken sie auch erst mal blass. Ihre Charaktere müssen andauernd gehend und fahrend reden. Bei Regisseur Hans Weingartner („Die fetten Jahre sind vorbei", „Die Summe meiner einzelnen Teile") ist das immer auch politisch: Ein von den Kapitalisten instrumentalisierter Darwin taucht auf, die Instrumentalisierung des Alleinseins ist Thema. „303" könnte vom hohen Dialoganteil her ein Rohmer-Film sein, es fehlt allerdings die spezielle Leichtigkeit des Franzosen, genau wie das Spielerische von Linklaters „Before Sunrise". Der sehr gemütliche Sommerfilm kommt langsam in Schwung, ein paar schöne Songs erklingen vor sonniger Landschaft. Allerdings wirkt es auch, als könne man in der Laufzeit des Films nach Portugal und zurück fahren, gemütlich. Beide drängt es bald nicht mehr, an ihr Ziel, zu den Personen dort zu kommen. Und am Ende ist alles gut, am Ende wird geschwiegen.
Sicario 2
USA, Italien 2018 (Sicario: Day of the Soldado) Regie: Stefano Sollima, mit Josh Brolin, Benicio Del Toro, Isabela Moner, Matthew Modine, Catherine Keener, 122 Min. FSK ab 18
Eine unkommentierte Folge von Attentaten und staatlichen Gewalttaten auf beiden Seiten der US-Grenze zu Mexiko skizziert eine neue Situation: Da legale Drogen und Opiate aus der Apotheke immer mehr die Sucht der US-Bürger nach Betäubung befriedigen, brauchen die alten Kartelle aus Mexiko eine neue Ware. Es werden die Flüchtlinge aus dem Süden sein. Da die Kartelle auch Selbstmordattentate verüben, wird die Terrorismus - wieder einmal - durch den US-Präsidenten neu definiert. Auf seinen Befehl beginnt CIA-Mann Matt Graver (Josh Brolin) einen neuen Krieg, diesmal jenseits der Grenzen, auch des Gesetzes.
Da gibt es einen Drohnenangriff auf das Haus und die Familie eines Verhafteten, um ihn zum Reden zu zwingen. Einer der Schachzüge, um die Kartelle gegeneinander aufzuhetzen, ist, die junge Tochter des Bosses Carlos Reyes zu entführen. Doch Isabela (Isabela Moner), flieht bei einer heftigen Schießerei in der Wüste. Worauf der Söldner Alejandro (Benicio Del Toro), jetzt Partner Gravers im kriminellen Krieg, allein mit Isabela über die Grenze kommen muss. Dabei wollte sich Alejandro eigentlich an der Tochter von Reyes rächen, der einst seine Tochter umgebracht hat.
„Sicario" von Denis Villeneuve war eine Sensation: Unheimlich packend in der Inszenierung. Dazu erschütternd in der Darstellung der Verhältnisse an der US-Grenze. Nun gibt es den gleichen, tief brummenden Soundtrack, den gleichen, effektiven Trick, dass die Spannung lange vor der Action zum Zerreißen hochgefahren wird. Das anschließende Action-Feuerwerk ist dann nur noch das blutige Sahnehäubchen. Das Drehbuch stammt erneut vom hochgeschätzten Taylor Sheridan („Sicario", „Hell or High Water"), der für die Aktualität des Themas und die Authentizität der Verhältnis bürgt. Doch die Regie übernahm Stefano Sollima, der in „Gomorrha" und „Suburra" gekonnt Spannung und soziale Milieus Italiens inszenierte, der aber kein überragender Filmkünstler wie Denis Villeneuve ist.
Deshalb ist „Sicario 2" mehr heftige, brutale Action. So brutal, dass der Kinobesuch für diesen Film erst ab 18 erlaubt ist. Schockierend ist zwar immer noch, wie bedenkenlos dort Menschen umgebracht werden. Dabei werden auch mal 25 mexikanische Polizisten in Mexiko von US-Soldaten ermordet. Doch die Anklage gegenüber staatlichen Stellen, die diesen Krieg mit totaler, gottgleicher Kontrolle durch Satelliten-Überwachung aber ohne Moral mitmachen, fällt schwächer aus. Sollima kann auf seine Stars vertrauen. Vor allem Benicio Del Toro („Traffic") beeindruckt mit seinem Kreuzweg auf dem Pfad der Flüchtlinge.
Eine unkommentierte Folge von Attentaten und staatlichen Gewalttaten auf beiden Seiten der US-Grenze zu Mexiko skizziert eine neue Situation: Da legale Drogen und Opiate aus der Apotheke immer mehr die Sucht der US-Bürger nach Betäubung befriedigen, brauchen die alten Kartelle aus Mexiko eine neue Ware. Es werden die Flüchtlinge aus dem Süden sein. Da die Kartelle auch Selbstmordattentate verüben, wird die Terrorismus - wieder einmal - durch den US-Präsidenten neu definiert. Auf seinen Befehl beginnt CIA-Mann Matt Graver (Josh Brolin) einen neuen Krieg, diesmal jenseits der Grenzen, auch des Gesetzes.
Da gibt es einen Drohnenangriff auf das Haus und die Familie eines Verhafteten, um ihn zum Reden zu zwingen. Einer der Schachzüge, um die Kartelle gegeneinander aufzuhetzen, ist, die junge Tochter des Bosses Carlos Reyes zu entführen. Doch Isabela (Isabela Moner), flieht bei einer heftigen Schießerei in der Wüste. Worauf der Söldner Alejandro (Benicio Del Toro), jetzt Partner Gravers im kriminellen Krieg, allein mit Isabela über die Grenze kommen muss. Dabei wollte sich Alejandro eigentlich an der Tochter von Reyes rächen, der einst seine Tochter umgebracht hat.
„Sicario" von Denis Villeneuve war eine Sensation: Unheimlich packend in der Inszenierung. Dazu erschütternd in der Darstellung der Verhältnisse an der US-Grenze. Nun gibt es den gleichen, tief brummenden Soundtrack, den gleichen, effektiven Trick, dass die Spannung lange vor der Action zum Zerreißen hochgefahren wird. Das anschließende Action-Feuerwerk ist dann nur noch das blutige Sahnehäubchen. Das Drehbuch stammt erneut vom hochgeschätzten Taylor Sheridan („Sicario", „Hell or High Water"), der für die Aktualität des Themas und die Authentizität der Verhältnis bürgt. Doch die Regie übernahm Stefano Sollima, der in „Gomorrha" und „Suburra" gekonnt Spannung und soziale Milieus Italiens inszenierte, der aber kein überragender Filmkünstler wie Denis Villeneuve ist.
Deshalb ist „Sicario 2" mehr heftige, brutale Action. So brutal, dass der Kinobesuch für diesen Film erst ab 18 erlaubt ist. Schockierend ist zwar immer noch, wie bedenkenlos dort Menschen umgebracht werden. Dabei werden auch mal 25 mexikanische Polizisten in Mexiko von US-Soldaten ermordet. Doch die Anklage gegenüber staatlichen Stellen, die diesen Krieg mit totaler, gottgleicher Kontrolle durch Satelliten-Überwachung aber ohne Moral mitmachen, fällt schwächer aus. Sollima kann auf seine Stars vertrauen. Vor allem Benicio Del Toro („Traffic") beeindruckt mit seinem Kreuzweg auf dem Pfad der Flüchtlinge.
Hotel Transsilvanien 3
USA 2018 (Hotel Transylvania 3) Regie: Genndy Tartakovsky 98 Min. FSK ab 0
Ganz im Trend der aktuellen Tourismus-Ströme verlässt Graf Dracula mit seinen monströsen Familien- und Bekanntenkreisen die dunkle Burg in Transsylvanien für eine öko-feindliche Kreuzfahrt. Zum Bermudadreieck! „Hotel Transsilvanien", der bewährte Zeichentrick-Spaß um und für die ganze Familie, erfüllt auch im dritten Aufguss traditionell die Erwartungen. Und vermittelt spielerisch: „Nicht hassen, den Hass lassen!"
Das turbulente Leben des alleinerziehenden Grafen Dracula, der in Transsilvanien ein Hotel für Monster betreibt, war 2012 ein außergewöhnlicher Spaß in der unübersichtlichen Zeichentrick-Landschaft. Wie Dracs Tochter Mavis sich in einen Menschen verliebt, wurde von hunderten witzigen Einfällen und Zitaten begleitet. Teil 2 fiel, wie es das Gesetz vom zweiten Teil verlangt, nur mäßig aus. Man wünschte der ganzen Besatzung mal einen Urlaub und der kommt jetzt: Weil Dracula anscheinend überarbeitet ist, zwingt ihn seine Tochter zu einem Überraschungs-Trip. Mit dabei im Billigflieger, der sich in einer der besten Filmsequenzen völlig chaotisch selbst zerlegt, ist die ganze Monstertruppe von Draculas Schloss-Hotel: Frank (N. Stein), der Unsichtbare, ein paar Hexen, die Werwolf-Familie und viele schräge Kreaturen mehr. Es geht zum Bermuda-Dreieck - tatsächlich ein tiefes Dreieck voller Wracks im Meer - auf große Kreuzfahrt mit einer riesigen Titanic.
Und beim Anblick der schönen, Sascha Hehn-blonden Kapitänin Ericka macht es „Tsching" bei Wittwer Dracula. Der glaubt nicht, dass sich Monster ein zweites Mal im Leben richtig verlieben können, verhält sich aber fortan wie ein rettungslos in die weiße Frau verschossener Teenager. Dass Ericka die Ur-Enkelin des letzten der Vampirjäger Van Helsing ist, bekommt er so nicht mit. Die zahlreichen Attentate auf ihn steckt immer das grüne Schleimmonster ein - wortwörtlich.
Skurrile Figuren in Serie, Familien-Verhältnisse wie bei der Addams Family - so was droht gerne mal auf TV-Niveau abzusinken. Doch auch die dritte transsilvanische Monstershow unter bewährter Regie von Genndy Tartakovsky geriet altmodisch gut. Wobei die tolle, fortschrittliche Botschaft, dass wir alle gleich sind, egal ob Monster oder komischer Mensch, von überkommenen Familienvorstellungen konterkariert wird. Treue, bis dass der Tod euch scheidet und sogar über den Tod hinaus, das ist für einen Vampir ziemlich lang, für den Papst vielleicht akzeptabel, aber in der Lebenswirklichkeit vieler Kinder eher befremdlich. So bekommt der Witz, normales Leben in dieser Monster-Version gespiegelt zu sehen, einen faden Beigeschmack, weil das Familienleben arg konventionell ist. Wie auch im Falle von Gru aus „Ich - Einfach unverbesserlich" werden zudem die Außenseiter-Ecken und Kanten der Hauptfigur geglättet, was ihr den Reiz des Unangepassten nimmt. Der einst stolz alleinerziehende Single Drac ist plötzlich einsam und tindert auf einer Dating App herum. Mit den üblichen, für Nicht-Beteiligte lustigen Problemen der Spracherkennung auf seinem Smartphone.
Erfreulich weiterhin, die überbordenden verrückten Ideen bei Figuren und Zeichnung. Genial dada oder gaga sind die starr nach oben stierenden Fisch-Kellner und -Akrobaten. Ein freches 2D-Element im 3D-Film neben anderen Absurditäten wie einem Fisch im Taucheranzug. In den besten Momenten, etwa beim Vorspann, liefert „Hotel Transsilvanien 3" einen wildern Ritt auf den Lachmuskeln. Wie einst Polanskis „Tanz der Vampire", nur animiert. Im Finale, das als DJ-Battle aufläuft, weckt furchtbare Techno-Musik eine gigantische Krake, die schön Atlantis zum Untergang gebracht hat. Als Gegenmittel hat Dracs Schwiegersohn „Good Vibrations" von den Beach Boys, „Happy" und den 90er-Ferienhit „La Macarena" auf der Playlist. Auch das beweist: „Wir sind alle gleich, sogar Menschen können ganz monströs sein, wenn sie nur wollen.
Ganz im Trend der aktuellen Tourismus-Ströme verlässt Graf Dracula mit seinen monströsen Familien- und Bekanntenkreisen die dunkle Burg in Transsylvanien für eine öko-feindliche Kreuzfahrt. Zum Bermudadreieck! „Hotel Transsilvanien", der bewährte Zeichentrick-Spaß um und für die ganze Familie, erfüllt auch im dritten Aufguss traditionell die Erwartungen. Und vermittelt spielerisch: „Nicht hassen, den Hass lassen!"
Das turbulente Leben des alleinerziehenden Grafen Dracula, der in Transsilvanien ein Hotel für Monster betreibt, war 2012 ein außergewöhnlicher Spaß in der unübersichtlichen Zeichentrick-Landschaft. Wie Dracs Tochter Mavis sich in einen Menschen verliebt, wurde von hunderten witzigen Einfällen und Zitaten begleitet. Teil 2 fiel, wie es das Gesetz vom zweiten Teil verlangt, nur mäßig aus. Man wünschte der ganzen Besatzung mal einen Urlaub und der kommt jetzt: Weil Dracula anscheinend überarbeitet ist, zwingt ihn seine Tochter zu einem Überraschungs-Trip. Mit dabei im Billigflieger, der sich in einer der besten Filmsequenzen völlig chaotisch selbst zerlegt, ist die ganze Monstertruppe von Draculas Schloss-Hotel: Frank (N. Stein), der Unsichtbare, ein paar Hexen, die Werwolf-Familie und viele schräge Kreaturen mehr. Es geht zum Bermuda-Dreieck - tatsächlich ein tiefes Dreieck voller Wracks im Meer - auf große Kreuzfahrt mit einer riesigen Titanic.
Und beim Anblick der schönen, Sascha Hehn-blonden Kapitänin Ericka macht es „Tsching" bei Wittwer Dracula. Der glaubt nicht, dass sich Monster ein zweites Mal im Leben richtig verlieben können, verhält sich aber fortan wie ein rettungslos in die weiße Frau verschossener Teenager. Dass Ericka die Ur-Enkelin des letzten der Vampirjäger Van Helsing ist, bekommt er so nicht mit. Die zahlreichen Attentate auf ihn steckt immer das grüne Schleimmonster ein - wortwörtlich.
Skurrile Figuren in Serie, Familien-Verhältnisse wie bei der Addams Family - so was droht gerne mal auf TV-Niveau abzusinken. Doch auch die dritte transsilvanische Monstershow unter bewährter Regie von Genndy Tartakovsky geriet altmodisch gut. Wobei die tolle, fortschrittliche Botschaft, dass wir alle gleich sind, egal ob Monster oder komischer Mensch, von überkommenen Familienvorstellungen konterkariert wird. Treue, bis dass der Tod euch scheidet und sogar über den Tod hinaus, das ist für einen Vampir ziemlich lang, für den Papst vielleicht akzeptabel, aber in der Lebenswirklichkeit vieler Kinder eher befremdlich. So bekommt der Witz, normales Leben in dieser Monster-Version gespiegelt zu sehen, einen faden Beigeschmack, weil das Familienleben arg konventionell ist. Wie auch im Falle von Gru aus „Ich - Einfach unverbesserlich" werden zudem die Außenseiter-Ecken und Kanten der Hauptfigur geglättet, was ihr den Reiz des Unangepassten nimmt. Der einst stolz alleinerziehende Single Drac ist plötzlich einsam und tindert auf einer Dating App herum. Mit den üblichen, für Nicht-Beteiligte lustigen Problemen der Spracherkennung auf seinem Smartphone.
Erfreulich weiterhin, die überbordenden verrückten Ideen bei Figuren und Zeichnung. Genial dada oder gaga sind die starr nach oben stierenden Fisch-Kellner und -Akrobaten. Ein freches 2D-Element im 3D-Film neben anderen Absurditäten wie einem Fisch im Taucheranzug. In den besten Momenten, etwa beim Vorspann, liefert „Hotel Transsilvanien 3" einen wildern Ritt auf den Lachmuskeln. Wie einst Polanskis „Tanz der Vampire", nur animiert. Im Finale, das als DJ-Battle aufläuft, weckt furchtbare Techno-Musik eine gigantische Krake, die schön Atlantis zum Untergang gebracht hat. Als Gegenmittel hat Dracs Schwiegersohn „Good Vibrations" von den Beach Boys, „Happy" und den 90er-Ferienhit „La Macarena" auf der Playlist. Auch das beweist: „Wir sind alle gleich, sogar Menschen können ganz monströs sein, wenn sie nur wollen.
11.7.18
Die Farbe des Horizonts
USA 2018 (Adrift) Regie: Baltasar Kormákur mit Shailene Woodley, Sam Claflin 97 Min. FSK ab 12
Der neue Film von Baltasar Kormákur, dem Isländer, der diesen sagenhaften Eisfilm „The Deep" gemacht hat, und noch ein paar Hollywood-Knaller wie „Everest", wirft uns direkt ins kalte Wasser. Wobei es diesmal auf dem Weg von Tahiti nach Kalifornien, quer durch den Pazifik, nicht so kalt ist wie in „The Deep". In der ersten Szene ist die Yacht schon ein Wrack, Tami (Shailene Woodley) treibt in der Kajüte unter Wasser und ihr Verlobter Richard (Sam Claflin) ist verschwunden. Die Überführung des Bootes von Freunden strandete in einem heftigen Sturm. Doch die 23-jährige Tami ist eine clevere Frau mit Ahnung vom Segeln. Sie flickt den Kahn notdürftig, pumpt Wasser ab, schneidet den Mast los, wobei sie fast nicht mehr zum Boot zurückkommt. Und sie entdeckt Richard im Wasser treibend. Auch die Rettung des Seglers mit schwerer Beinverletzung und gebrochenen Rippen ist packend. Faszinierend jedoch vor allem die Montage.
Zwischen den Szenen eines schier aussichtslosen Überlebenskampfes, tausende Meilen von der nächsten Küste entfernt, schneidet Regisseur Baltasar Kormákur die Liebesgeschichte von Tami und Richard: Sie lässt sich seit fünf Jahren treiben, arbeitet auf Schiffen, will die Welt sehen. Er baute sein eigenes Boot und bereiste schon viele traumhafte Orte. Ein ideales Paar findet sich in gemeinsamer Abenteuerlust und beginnt eine schöne Liebesgeschichte.
Der Isländer Baltasar Kormákur ist ein Wanderer zwischen den Film-Welten: Vor und zwischen großen Thrillern wie „2 Guns" (2013) mit Denzel Washington und „Contraband" (2011) mit Mark Wahlberg sowie teuren Spektakeln wie „Everest" (2015) drehte er faszinierendes Arthouse von schrägen Beziehungsgeschichten wie „101 Reykjavik" (2000) bis zu dem fast mythologischen Drama eines tiefgekühlten Fischers in „The Deep" (2012). In dem exzeptionellen „Devil's Island" (1995, Regie: Fridrik Thór Fridriksson) spielte er die aus der Gesellschaft gefallene Hauptfigur. Wieder in Reykjavík inszeierte er den knallharte und eiskalte Thriller „Der Eid" (2016), in dem ein bürgerlicher Vater für seine Tochter rot sieht.
Für die „Die Farbe des Horizonts" schlägt er eine andere Route ein als J.C. Chandors „All Is Lost" mit Robert Redford als einsamem Segler. Die wahre Geschichte von Tami Oldham Ashcraft, die 1983 auf einer schwer beschädigten Yacht beinahe manövrierunfähig 41 Tage im offenen Meer trieb, veröffentlichte sie im Buch „Red Sky in Mourning: A True Story of Love, Loss, and Survival at Sea". Kormákur erzählt dies öfter ruhig als hochdramatisch nach und behält sich den schwersten Sturm fürs Finale auf. Was in Zeiten von überkandidelten Filmdramaturgien ebenso wohltuend wie gewöhnungsbedürftig ist. Die lange Reise mit dem außergewöhnlichen Paar nimmt uns mit ins Boot. Dann aber folgt mit der finalen Montage aus stürmischer Liebe und Liebe im Sturm ein großes Stück überwältigendes Kino. Und auch hier noch so ein Clou im Stile von M. Night Shyamalans und Bruce Willis' „The Sixth Sense".
Dabei gelingen warme Momente wie der schönere Heiratsantrag „Willst du mit mir um die Welt reisen?" und die Versuche, die Farbe des Horizonts beim Sonnenuntergang zu beschreiben, ebenso wie die kalten Duschen eines gnadenlosen Ozeans, eingefangen von einer klasse Unterwasser-Kamera, begleitet von starker, klischeefreier Filmmusik.
Der neue Film von Baltasar Kormákur, dem Isländer, der diesen sagenhaften Eisfilm „The Deep" gemacht hat, und noch ein paar Hollywood-Knaller wie „Everest", wirft uns direkt ins kalte Wasser. Wobei es diesmal auf dem Weg von Tahiti nach Kalifornien, quer durch den Pazifik, nicht so kalt ist wie in „The Deep". In der ersten Szene ist die Yacht schon ein Wrack, Tami (Shailene Woodley) treibt in der Kajüte unter Wasser und ihr Verlobter Richard (Sam Claflin) ist verschwunden. Die Überführung des Bootes von Freunden strandete in einem heftigen Sturm. Doch die 23-jährige Tami ist eine clevere Frau mit Ahnung vom Segeln. Sie flickt den Kahn notdürftig, pumpt Wasser ab, schneidet den Mast los, wobei sie fast nicht mehr zum Boot zurückkommt. Und sie entdeckt Richard im Wasser treibend. Auch die Rettung des Seglers mit schwerer Beinverletzung und gebrochenen Rippen ist packend. Faszinierend jedoch vor allem die Montage.
Zwischen den Szenen eines schier aussichtslosen Überlebenskampfes, tausende Meilen von der nächsten Küste entfernt, schneidet Regisseur Baltasar Kormákur die Liebesgeschichte von Tami und Richard: Sie lässt sich seit fünf Jahren treiben, arbeitet auf Schiffen, will die Welt sehen. Er baute sein eigenes Boot und bereiste schon viele traumhafte Orte. Ein ideales Paar findet sich in gemeinsamer Abenteuerlust und beginnt eine schöne Liebesgeschichte.
Der Isländer Baltasar Kormákur ist ein Wanderer zwischen den Film-Welten: Vor und zwischen großen Thrillern wie „2 Guns" (2013) mit Denzel Washington und „Contraband" (2011) mit Mark Wahlberg sowie teuren Spektakeln wie „Everest" (2015) drehte er faszinierendes Arthouse von schrägen Beziehungsgeschichten wie „101 Reykjavik" (2000) bis zu dem fast mythologischen Drama eines tiefgekühlten Fischers in „The Deep" (2012). In dem exzeptionellen „Devil's Island" (1995, Regie: Fridrik Thór Fridriksson) spielte er die aus der Gesellschaft gefallene Hauptfigur. Wieder in Reykjavík inszeierte er den knallharte und eiskalte Thriller „Der Eid" (2016), in dem ein bürgerlicher Vater für seine Tochter rot sieht.
Für die „Die Farbe des Horizonts" schlägt er eine andere Route ein als J.C. Chandors „All Is Lost" mit Robert Redford als einsamem Segler. Die wahre Geschichte von Tami Oldham Ashcraft, die 1983 auf einer schwer beschädigten Yacht beinahe manövrierunfähig 41 Tage im offenen Meer trieb, veröffentlichte sie im Buch „Red Sky in Mourning: A True Story of Love, Loss, and Survival at Sea". Kormákur erzählt dies öfter ruhig als hochdramatisch nach und behält sich den schwersten Sturm fürs Finale auf. Was in Zeiten von überkandidelten Filmdramaturgien ebenso wohltuend wie gewöhnungsbedürftig ist. Die lange Reise mit dem außergewöhnlichen Paar nimmt uns mit ins Boot. Dann aber folgt mit der finalen Montage aus stürmischer Liebe und Liebe im Sturm ein großes Stück überwältigendes Kino. Und auch hier noch so ein Clou im Stile von M. Night Shyamalans und Bruce Willis' „The Sixth Sense".
Dabei gelingen warme Momente wie der schönere Heiratsantrag „Willst du mit mir um die Welt reisen?" und die Versuche, die Farbe des Horizonts beim Sonnenuntergang zu beschreiben, ebenso wie die kalten Duschen eines gnadenlosen Ozeans, eingefangen von einer klasse Unterwasser-Kamera, begleitet von starker, klischeefreier Filmmusik.
Skyscraper (2018)
USA 2018 Regie: Rawson Marshall Thurber, mit Dwayne Johnson, Neve Campbell, Chin Han 102 Min. FSK: ab 12
Ex-Wrestler Dwayne „The Rock" Johnson will hoch hinaus, gar Bruce Willis kopieren. Und kommt bei seinem neuesten Action-Film „Skyscraper" ziemlich hart auf den Boden der inszenatorischen Möglichkeiten seines Teams auf. 17 Jahre nach 9/11 darf man wieder mit Hochhäusern zündeln, aber nur moderne Brandschutz-Anlagen können dieses Uralt-Konzept „Flammendes Inferno" nicht vor dem Untergang retten.
Ist dies ein anderer „The Rock"? Im Vorspiel verliert sein Special-Soldat Will Sawyer bei einer Geiselrettung einen Unterschenkel. Unsicher übt er in zweiter Karriere als Sicherheits-Berater beim neuen Job in Hongkong seine Sätze vor dem Spiegel. Das aller-, aller-höchste Hochhaus der Welt gilt es zu inspizieren. Und nach der zweiten Szene ist klar: „Skyscraper" ist einer dieser Filme, die alles unerträglich deutlich erklären. Verschwörerische Blicke deuten wie im Laientheater einen Verrat an. Aber wenigstens wird mit dem eindrucksvollen Gebäude auch ein schöner Action-Spielplatz samt Dschungel-Mezzanin versprochen. Der glücklich verheiratete Familienvater Sawyer, der seit zehn Jahren keine Waffe mehr angerührt hat, gerät wider Willen zwischen die Fronten eines Bandenkrieges, seine Familie wird im brennenden Hochhaus als Geisel genommen. Nun klettert der schwergewichtige Mann mit der Unterschenkel-Prothese in wenigen Minuten einen hunderte Meter hohen Kran hoch, klebt wie Spiderman Tom Cruise an schwindelerregenden Glasfassaden und schlägt sich vor alle wie Bruce Willis in „Stirb langsam" durch.
Mit diesem Vergleich fällt „Skyscraper" in sich zusammen wie ein brennendes Kartenhaus. Die wenigen lustig gemeinten Sprüche zerplatzen wie Seifenblasen. Handlung und Figuren sind extrem vorhersehbar, dabei hinkt das Tempo immer wieder dem hinterher, was man schon längst weiß. Johnsons invalider Held legt unglaubliche Kletterpartien hin, was eher peinlich als eindrucksvoll wirkt. Dabei aktiert Sawyer ebenso wenig clever wie der Film. Ganz ohne das Sicherheits-Seil namens Ironie scheitert Dwayne Johnson auf seinem ureigenen Action-Territorium. „Scream"-Queen Neve Campbell hat als Sawyers Frau die besseren Szenen. Selbst der kleine Urwald, der im Feuer zur Vulkaninsel wird, kann keine tolle Action-Szene generieren. Nur die optischen Effekte eines digitalen Spiegel-Kabinetts auf der Spitze des Hochhauses haben gewissen Reiz. Regisseur Rawson Marshall Thurber („Central Intelligence", „Wir sind die Millers") kann hier kein Action-Feuerwerk entzünden, wahrscheinlich redeten ihm bei der sehr internationalen Produktion zu viele Feuerwehrleute rein. „Skyscraper" ist ein teures B-Movie, ist Trash, der selbst nicht weiß, dass er Trash ist. Wertung: Höchstens „Stirb langsam 1/3".
Ex-Wrestler Dwayne „The Rock" Johnson will hoch hinaus, gar Bruce Willis kopieren. Und kommt bei seinem neuesten Action-Film „Skyscraper" ziemlich hart auf den Boden der inszenatorischen Möglichkeiten seines Teams auf. 17 Jahre nach 9/11 darf man wieder mit Hochhäusern zündeln, aber nur moderne Brandschutz-Anlagen können dieses Uralt-Konzept „Flammendes Inferno" nicht vor dem Untergang retten.
Ist dies ein anderer „The Rock"? Im Vorspiel verliert sein Special-Soldat Will Sawyer bei einer Geiselrettung einen Unterschenkel. Unsicher übt er in zweiter Karriere als Sicherheits-Berater beim neuen Job in Hongkong seine Sätze vor dem Spiegel. Das aller-, aller-höchste Hochhaus der Welt gilt es zu inspizieren. Und nach der zweiten Szene ist klar: „Skyscraper" ist einer dieser Filme, die alles unerträglich deutlich erklären. Verschwörerische Blicke deuten wie im Laientheater einen Verrat an. Aber wenigstens wird mit dem eindrucksvollen Gebäude auch ein schöner Action-Spielplatz samt Dschungel-Mezzanin versprochen. Der glücklich verheiratete Familienvater Sawyer, der seit zehn Jahren keine Waffe mehr angerührt hat, gerät wider Willen zwischen die Fronten eines Bandenkrieges, seine Familie wird im brennenden Hochhaus als Geisel genommen. Nun klettert der schwergewichtige Mann mit der Unterschenkel-Prothese in wenigen Minuten einen hunderte Meter hohen Kran hoch, klebt wie Spiderman Tom Cruise an schwindelerregenden Glasfassaden und schlägt sich vor alle wie Bruce Willis in „Stirb langsam" durch.
Mit diesem Vergleich fällt „Skyscraper" in sich zusammen wie ein brennendes Kartenhaus. Die wenigen lustig gemeinten Sprüche zerplatzen wie Seifenblasen. Handlung und Figuren sind extrem vorhersehbar, dabei hinkt das Tempo immer wieder dem hinterher, was man schon längst weiß. Johnsons invalider Held legt unglaubliche Kletterpartien hin, was eher peinlich als eindrucksvoll wirkt. Dabei aktiert Sawyer ebenso wenig clever wie der Film. Ganz ohne das Sicherheits-Seil namens Ironie scheitert Dwayne Johnson auf seinem ureigenen Action-Territorium. „Scream"-Queen Neve Campbell hat als Sawyers Frau die besseren Szenen. Selbst der kleine Urwald, der im Feuer zur Vulkaninsel wird, kann keine tolle Action-Szene generieren. Nur die optischen Effekte eines digitalen Spiegel-Kabinetts auf der Spitze des Hochhauses haben gewissen Reiz. Regisseur Rawson Marshall Thurber („Central Intelligence", „Wir sind die Millers") kann hier kein Action-Feuerwerk entzünden, wahrscheinlich redeten ihm bei der sehr internationalen Produktion zu viele Feuerwehrleute rein. „Skyscraper" ist ein teures B-Movie, ist Trash, der selbst nicht weiß, dass er Trash ist. Wertung: Höchstens „Stirb langsam 1/3".
10.7.18
Foxtrot
BRD, Frankreich, Israel, Schweiz 2017 Regie: Samuel Maoz mit Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonaton Shiray, 113 Min. FSK ab 12
International gefeiert und in seiner Heimat Israel angefeindet: Nach dem enervierenden Ritt in einem Panzer in „Lebanon" (2009) nutzt Regisseur Samuel Maoz auch in „Foxtrot" sein großes Können, um sich differenziert mit den menschlichen Folgen eines jahrzehntelangen Dauer-Krieges auseinanderzusetzen. Der Tod eines jungen Soldaten löst Schockwellen bei den Eltern aus, die in der raffinierten Konstruktion zwischen Trauer und surrealen Situationen filmisch brillant festgehalten werden. In Venedig erhielt „Foxtrot" 2017 den Großen Preis der Jury („Silberner Löwe").
Die Situation ist schockend und atemberaubend: Soldaten klingeln bei der Familie Feldmann in Tel Aviv. Noch bevor sie Genaueres sagen können, bricht Dafna Feldmann (Sarah Adler) an der Tür zusammen. Äußerst routiniert und professionell wird die Frau versorgt und mit einer Spritze beruhigt. Erstarrt beobachtet Michael Feldmann (Lior Ashkenazi) die Szene. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit wenden sich die Soldaten an den Architekten: Ihr Sohn Jonathan Feldmann ist gefallen.
Die professionelle Routine in der Betreuung von Angehörigen verstorbener Soldaten - auch das bedeutet Krieg. Wobei Regisseur Samuel Maoz, der in seinem Debütfilm „Lebanon" persönliche Traumata aus dem Libanonkrieg von 1982 verarbeitete, nie politische Phrasen filmt. „Foxtrot" wirkt zuerst, haut um, erschreckt und fesselt gleichzeitig. Details wie Kunstwerke an der Wand und das Muster der Bodenfliesen verstärken in den ersten Minuten das schwindelnde Gefühl, zusammen mit den Eltern von Jonathan den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Eine Erfahrung, die Jonathan (Yonaton Shiray) selbst macht. Denn im zweiten Teil dieses meisterlichen Triptychons befinden wir uns mit dem 19-jährigen Soldaten in der reizvollen Ästhetik eines völlig verfallenen und heruntergekommenen Grenzpostens im staubigen Nirgendwo. Absurd ist hier nicht nur, wie der Grenzer seine Schranke immer wieder für ein Kamel hochfährt, das als einziges Wesen nicht schikaniert wird. Auch die Bemühungen der Soldaten vorher, die von einer Todes-Nachricht betroffene Familie zu betreuen, sind absurdes Theater, das in seiner eitlen Inszenierung keine Rücksicht mehr auf die Trauernden nimmt. Hier in der Wüste erklingen bekannte Filmmelodien und Soundtracks. Klassische Musik begleitet Albernheiten und symbolhafte, surreale Momente wie das langsame Versinken des Containers, der als Baracke dient, und den Schlamm, der durch den Boden dringt. Der titelgebende Tanz mit Maschinengewehr, der Flug der Stare vor dem Fenster, diese Bilder sind von faszinierender Schönheit und gleichzeitig beängstigend. Der dritte Teil kehrt mit Arvo Pärts Superhit „Spiegel im Spiegel" zurück zum Psychodrama eines von der nationalen Kriegslüsternheit geschlagenen Paares, das nur noch um den Verlust des Kindes kreist. Die stilisierte Bildgestaltung ist dabei klar kadriert, was trotzdem nicht das Ausbrechen der Emotionen und der Gewalt zu verhindern vermag.
„Foxtrot" ist mehr Zustandsbeschreibung als Handlung. Auch wenn die Schikanen an der Grenze zu einer furchtbaren Tat führen. Unfassbar dabei, wie aus einem nichtigen Anlass vier Menschen abgeknallt werden und die israelische Armee auch diese Angelegenheit routiniert unter einem staubigen Teppich vergräbt. Samuel Maoz sagte selbst zu seinem Film: „Wir alle sind traumatisiert. Unsere emotionale, instinktive Erinnerung an den Holocaust, selbst wenn wir ihn nicht selbst erlebt haben, ist stärker als die heutige Realität oder logische Wahrnehmung. Und sie vermittelt uns, dass wir uns ständig in Gefahr befinden, in einem ewigen Krieg. So tanzt jede Generation den Foxtrot aufs Neue". Und bleibt auf der Stelle stehen, kommt nicht weiter, wie es die Schrittfolge des Tanzes vorgibt. Dass diese klugen Gedanken und Bilder erst einmal unglaublich ästhetisch und wirkungsvoll daher kommen, bestätigt die Wertschätzung, die Maoz mittlerweile genießt. Sehr gute Schauspieler - die gibt es auch abseits von Hollywood - vermitteln, was ein über Generationen andauernder Krieg mit den Menschen macht. So ist „Foxtrot" ein eindringlicher, aber vor allem äußerst kunstvoller Antikriegs-Film.
International gefeiert und in seiner Heimat Israel angefeindet: Nach dem enervierenden Ritt in einem Panzer in „Lebanon" (2009) nutzt Regisseur Samuel Maoz auch in „Foxtrot" sein großes Können, um sich differenziert mit den menschlichen Folgen eines jahrzehntelangen Dauer-Krieges auseinanderzusetzen. Der Tod eines jungen Soldaten löst Schockwellen bei den Eltern aus, die in der raffinierten Konstruktion zwischen Trauer und surrealen Situationen filmisch brillant festgehalten werden. In Venedig erhielt „Foxtrot" 2017 den Großen Preis der Jury („Silberner Löwe").
Die Situation ist schockend und atemberaubend: Soldaten klingeln bei der Familie Feldmann in Tel Aviv. Noch bevor sie Genaueres sagen können, bricht Dafna Feldmann (Sarah Adler) an der Tür zusammen. Äußerst routiniert und professionell wird die Frau versorgt und mit einer Spritze beruhigt. Erstarrt beobachtet Michael Feldmann (Lior Ashkenazi) die Szene. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit wenden sich die Soldaten an den Architekten: Ihr Sohn Jonathan Feldmann ist gefallen.
Die professionelle Routine in der Betreuung von Angehörigen verstorbener Soldaten - auch das bedeutet Krieg. Wobei Regisseur Samuel Maoz, der in seinem Debütfilm „Lebanon" persönliche Traumata aus dem Libanonkrieg von 1982 verarbeitete, nie politische Phrasen filmt. „Foxtrot" wirkt zuerst, haut um, erschreckt und fesselt gleichzeitig. Details wie Kunstwerke an der Wand und das Muster der Bodenfliesen verstärken in den ersten Minuten das schwindelnde Gefühl, zusammen mit den Eltern von Jonathan den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Eine Erfahrung, die Jonathan (Yonaton Shiray) selbst macht. Denn im zweiten Teil dieses meisterlichen Triptychons befinden wir uns mit dem 19-jährigen Soldaten in der reizvollen Ästhetik eines völlig verfallenen und heruntergekommenen Grenzpostens im staubigen Nirgendwo. Absurd ist hier nicht nur, wie der Grenzer seine Schranke immer wieder für ein Kamel hochfährt, das als einziges Wesen nicht schikaniert wird. Auch die Bemühungen der Soldaten vorher, die von einer Todes-Nachricht betroffene Familie zu betreuen, sind absurdes Theater, das in seiner eitlen Inszenierung keine Rücksicht mehr auf die Trauernden nimmt. Hier in der Wüste erklingen bekannte Filmmelodien und Soundtracks. Klassische Musik begleitet Albernheiten und symbolhafte, surreale Momente wie das langsame Versinken des Containers, der als Baracke dient, und den Schlamm, der durch den Boden dringt. Der titelgebende Tanz mit Maschinengewehr, der Flug der Stare vor dem Fenster, diese Bilder sind von faszinierender Schönheit und gleichzeitig beängstigend. Der dritte Teil kehrt mit Arvo Pärts Superhit „Spiegel im Spiegel" zurück zum Psychodrama eines von der nationalen Kriegslüsternheit geschlagenen Paares, das nur noch um den Verlust des Kindes kreist. Die stilisierte Bildgestaltung ist dabei klar kadriert, was trotzdem nicht das Ausbrechen der Emotionen und der Gewalt zu verhindern vermag.
„Foxtrot" ist mehr Zustandsbeschreibung als Handlung. Auch wenn die Schikanen an der Grenze zu einer furchtbaren Tat führen. Unfassbar dabei, wie aus einem nichtigen Anlass vier Menschen abgeknallt werden und die israelische Armee auch diese Angelegenheit routiniert unter einem staubigen Teppich vergräbt. Samuel Maoz sagte selbst zu seinem Film: „Wir alle sind traumatisiert. Unsere emotionale, instinktive Erinnerung an den Holocaust, selbst wenn wir ihn nicht selbst erlebt haben, ist stärker als die heutige Realität oder logische Wahrnehmung. Und sie vermittelt uns, dass wir uns ständig in Gefahr befinden, in einem ewigen Krieg. So tanzt jede Generation den Foxtrot aufs Neue". Und bleibt auf der Stelle stehen, kommt nicht weiter, wie es die Schrittfolge des Tanzes vorgibt. Dass diese klugen Gedanken und Bilder erst einmal unglaublich ästhetisch und wirkungsvoll daher kommen, bestätigt die Wertschätzung, die Maoz mittlerweile genießt. Sehr gute Schauspieler - die gibt es auch abseits von Hollywood - vermitteln, was ein über Generationen andauernder Krieg mit den Menschen macht. So ist „Foxtrot" ein eindringlicher, aber vor allem äußerst kunstvoller Antikriegs-Film.
Super Troopers 2 *
Komödie USA 2018 Regie: Jay Chandrasekhar, mit Seann William Scott, Clifton Collins jr., Steve Lemme, Erik Stolhanske, Jay Chandrasekhar 99 Min. FSK ab 12
Die Comedy-Truppe Broken Lizard landete im Jahr 2001 mit „Super Troopers - Die Superbullen" einen kleinen Überraschungserfolg: Die von ihr geschriebene, inszenierte und gespielte Blödel-Komödie lief auf dem Sundance Festival, wurde von Fox Searchlight gekauft und spielte weltweit 23 Millionen US-Dollar ein. Mit „Club Mad" (2004) und „Bierfest" (2006) kamen noch andere, weniger erfolgreiche Filme von Broken Lizard ins Kino. Für die späte Fortsetzung „Super Troopers 2" musste nun ein Crowdfunding herhalten. Fans sammelten über 4,6 Millionen US-Dollar ein, die auf üblichem Produktionsweg nicht aufzutreiben waren.
Die Handlung der „fanbasierten" Komödie geriet mehr als übersichtlich: Die chaotische Truppe von Gesetzeshütern, die nach den Eskapaden aus dem ersten Film als Handwerker herumblödelt, wird offiziell wieder eingesetzt, um die Übergabe eines Stück Kanadas an die USA zu kontrollieren. Grenzkorrekturen sorgen für diesen außergewöhnlichen Zustand. So übernehmen die ehemaligen Vermont Highway Patrol Officers Thorny (Jay Chandrasekhar), Farva (Kevin Heffernan), Rabbit (Erik Stolhanske), Foster (Paul Soter) und Mac (Steve Lemme) mit ihrem Vorgesetzten Captain O'Hagan (Brian Cox) die Polizeistation einer franko-kanadischen Stadt.
Vorurteile und nationale Klischees sowie Zoten über die jeweilige Fremd-Sprache bilden den überwiegenden Inhalt des Mittelteils. Dabei setzen die bald überflüssigen kanadischen Mounties (Will Sasso, Tyler Labine und Hayes MacArthur) einen massiven Braubären ins Büro der ungeliebten US-amerikanischen Konkurrenz. Worauf die Super Troopers sich der kanadischen Uniformen bemächtigen, um in einer langen Gag-Sequenz als vermeintliche Frankophone irritierte Verkehrsteilnehmer zu schikanieren. Ein Bordell ist Kulisse für eine Schlägerei, bei der Fäuste und Riesen-Dildos fliegen - wohl ein Versuch des Films, frech frivol zu sein. Aber auch die vielen homoerotischen Andeutungen in der Männer-Truppe sind nicht mal mehr pubertär. Für das Finale greifen Broken Lizard den dünnen Handlungsfaden wieder auf und verfolgen eine Spur zufällig gefundener Schmuggelware bis zum üblichen, wenig überraschenden Verdächtigen.
Broken Lizard beziehen sich in ihrem Treiben auf den Klassiker „Animal House" („Ich glaub', mich tritt ein Pferd", 1978), wobei ihre Weiterführung dieses Klamauks eher an Nachmachversuche eines Schüler-Theaters erinnert. „Super Troopers 2" wurde vom Broken Lizard-Kollektiv Jay Chandrasekhar, Kevin Heffernan, Steve Lemme, Paul Soter und Erik Stolhanske geschrieben und von
Chandrasekhar inszeniert. Der Publikums–Einfluss durch das Crowdfunding erzeugte selbst nach 17 Jahren nur mehr vom Gleichen. Während in dem nicht besonders hoch angesehenen Blödel-Genre späte Remakes wie „Starsky & Hutch" schon 2004 durch Übertreibung amüsieren konnten oder „Zoolander" noch früher durch das Überdrehen der Absurditäten sich fast für hochtrabende Interpretationen anbot, präsentieren Broken Lizard Stillstand im Comedy-Sektor. Bei auch ansonsten geringer Qualitäts-Stufe: Inszenatorisch ist das Niveau sub-TV.
Alte Komiker, die sich seit Jahren nicht weiterentwickeln, und ein Crowdfunding, das die auch mal hilfreichen Kontrollen klassischer Produzenten umgeht, ergeben im unglücklichen Zusammenspiel eine durchgehend missglückte Komödie. Auch Blödeln will gekonnt sein.
Die Comedy-Truppe Broken Lizard landete im Jahr 2001 mit „Super Troopers - Die Superbullen" einen kleinen Überraschungserfolg: Die von ihr geschriebene, inszenierte und gespielte Blödel-Komödie lief auf dem Sundance Festival, wurde von Fox Searchlight gekauft und spielte weltweit 23 Millionen US-Dollar ein. Mit „Club Mad" (2004) und „Bierfest" (2006) kamen noch andere, weniger erfolgreiche Filme von Broken Lizard ins Kino. Für die späte Fortsetzung „Super Troopers 2" musste nun ein Crowdfunding herhalten. Fans sammelten über 4,6 Millionen US-Dollar ein, die auf üblichem Produktionsweg nicht aufzutreiben waren.
Die Handlung der „fanbasierten" Komödie geriet mehr als übersichtlich: Die chaotische Truppe von Gesetzeshütern, die nach den Eskapaden aus dem ersten Film als Handwerker herumblödelt, wird offiziell wieder eingesetzt, um die Übergabe eines Stück Kanadas an die USA zu kontrollieren. Grenzkorrekturen sorgen für diesen außergewöhnlichen Zustand. So übernehmen die ehemaligen Vermont Highway Patrol Officers Thorny (Jay Chandrasekhar), Farva (Kevin Heffernan), Rabbit (Erik Stolhanske), Foster (Paul Soter) und Mac (Steve Lemme) mit ihrem Vorgesetzten Captain O'Hagan (Brian Cox) die Polizeistation einer franko-kanadischen Stadt.
Vorurteile und nationale Klischees sowie Zoten über die jeweilige Fremd-Sprache bilden den überwiegenden Inhalt des Mittelteils. Dabei setzen die bald überflüssigen kanadischen Mounties (Will Sasso, Tyler Labine und Hayes MacArthur) einen massiven Braubären ins Büro der ungeliebten US-amerikanischen Konkurrenz. Worauf die Super Troopers sich der kanadischen Uniformen bemächtigen, um in einer langen Gag-Sequenz als vermeintliche Frankophone irritierte Verkehrsteilnehmer zu schikanieren. Ein Bordell ist Kulisse für eine Schlägerei, bei der Fäuste und Riesen-Dildos fliegen - wohl ein Versuch des Films, frech frivol zu sein. Aber auch die vielen homoerotischen Andeutungen in der Männer-Truppe sind nicht mal mehr pubertär. Für das Finale greifen Broken Lizard den dünnen Handlungsfaden wieder auf und verfolgen eine Spur zufällig gefundener Schmuggelware bis zum üblichen, wenig überraschenden Verdächtigen.
Broken Lizard beziehen sich in ihrem Treiben auf den Klassiker „Animal House" („Ich glaub', mich tritt ein Pferd", 1978), wobei ihre Weiterführung dieses Klamauks eher an Nachmachversuche eines Schüler-Theaters erinnert. „Super Troopers 2" wurde vom Broken Lizard-Kollektiv Jay Chandrasekhar, Kevin Heffernan, Steve Lemme, Paul Soter und Erik Stolhanske geschrieben und von
Chandrasekhar inszeniert. Der Publikums–Einfluss durch das Crowdfunding erzeugte selbst nach 17 Jahren nur mehr vom Gleichen. Während in dem nicht besonders hoch angesehenen Blödel-Genre späte Remakes wie „Starsky & Hutch" schon 2004 durch Übertreibung amüsieren konnten oder „Zoolander" noch früher durch das Überdrehen der Absurditäten sich fast für hochtrabende Interpretationen anbot, präsentieren Broken Lizard Stillstand im Comedy-Sektor. Bei auch ansonsten geringer Qualitäts-Stufe: Inszenatorisch ist das Niveau sub-TV.
Alte Komiker, die sich seit Jahren nicht weiterentwickeln, und ein Crowdfunding, das die auch mal hilfreichen Kontrollen klassischer Produzenten umgeht, ergeben im unglücklichen Zusammenspiel eine durchgehend missglückte Komödie. Auch Blödeln will gekonnt sein.
4.7.18
Liebe bringt alles ins Rollen
Frankreich, Belgien 2018 (Tout le monde debout) Regie: Franck Dubosc mit Franck Dubosc, Alexandra Lamy, Elsa Zylberstein, Gérard Darmon 109 Min. FSK ab 0
Trolleys, Gepäckwagen und selbst ein gehbehinderter Mops. Alles rollt am Flughafen, nur Jocelyn (Franck Dubosc) trägt seine Tasche zum nächsten Betrug. Der nicht ganz 50 Jahre junge Chef einer Sportschuh-Agentur ist notorischer Verführer mit dem Spleen, Frauen in unterschiedlichen Rollen rum zu bekommen. Und nachher sitzen zu lassen. Als er nach dem Tod seiner Mutter in der Wohnung und Rollstuhl sitzt, überrascht ihn deren junge, attraktive Nachbarin und missversteht die Situation. Als Behinderter eine Frau zu verführen, das wäre ein besonderer Kick. Aber auch eine mal echt gewagte Challenge, weiß Jocelyn doch nicht mal, wo der Kaffee in der Wohnung der Mutter ist, geschweige, dass er so ans Regal reichen kann. Das Objekt seiner Begierde entdeckt zwischendurch riesige Inkontinenz-Windeln. Doch die Nachbarin will ihn nur mit ihrer Schwester verkuppeln, die tatsächlich im Rollstuhl sitzt. Die erfolgreiche Tennisspielerin und erste Geigerin Florence (Alexandra Lamy) betört den Schwerenöter mit verblüffender Freundlichkeit und unverkrampftem Charme. So macht er mehr schlecht als recht weiter mit seiner Farce im Rollstuhl. Und eine richtig nette Liebesgeschichte kommt ins Rollen - sorry! Sie macht es sich zwar manchmal zu einfach, spätestens in seiner Wohnung muss Florence erkennen, dass er mit dem Rollstuhl-Fahren keine Erfahrung hat. Aber überzeugend ist dies allemal.
Das ist ein wenig Slapstick, wenn Jocelyn den Rollstuhl selbstverständlich nicht in den Kofferraum des Porsche reinkriegt, zeigt aber vor allem wirklich sehr komische Situationen. Und tritt im Gegensatz zu vielen aktuellen französischen Komödien nicht dauernd in Fettnäpfen. Ist ja auch schwer mit einem Rollstuhl, würde Jocelyn auch nur am Anfang sagen. Lachen darf man vor allem über den eitlen Senior mit Jugendwahn und Casanova-Komplex, bei dem selbst der Porsche mit Ferrari-Rot lügt. Denn ausgerechnet der Schuhspezialist übersieht, dass er mit abgenutzten Tretern im Rollstuhl sitzt.
„Liebe bringt alles ins Rollen" und sie rollt sehr gut, diese Liebes-Komödie. Franck Dubosc war als Schauspieler unter anderem bei „Asterix bei den Olympischen Spielen" zu sehen. Nun schrieb er das Drehbuch zum Film, führte Regie und übernahm die Hauptrolle des scheinbar unverbesserlichen Lebemanns Jocelyn. Dabei gewinnt die Figur mit ihrem heimlichen Sentiment für italienische Schlager und einem natürlichen Charme. Unfreiwillig gute Scherze wie die Bemerkung zu einer Busreise, er könne niemals 15 Stunden am Stück sitzen, landen auf den Punkt. Letztlich steht der große Verführer mächtig auf dem Schlauch und weiß erstmals nicht weiter. Eine wunderbar schwerelose Liebesszene und auch alles andere ist gekonnt inszeniert. Toll auch Jocelyns verliebte Sekretärin und der befreundete Arzt, die klasse Szenen mit ihm bekommen. Schauspiel-Legende Claude Brasseur hat noch mal einen schönen Moment als Vater von Jocelyn.
Trolleys, Gepäckwagen und selbst ein gehbehinderter Mops. Alles rollt am Flughafen, nur Jocelyn (Franck Dubosc) trägt seine Tasche zum nächsten Betrug. Der nicht ganz 50 Jahre junge Chef einer Sportschuh-Agentur ist notorischer Verführer mit dem Spleen, Frauen in unterschiedlichen Rollen rum zu bekommen. Und nachher sitzen zu lassen. Als er nach dem Tod seiner Mutter in der Wohnung und Rollstuhl sitzt, überrascht ihn deren junge, attraktive Nachbarin und missversteht die Situation. Als Behinderter eine Frau zu verführen, das wäre ein besonderer Kick. Aber auch eine mal echt gewagte Challenge, weiß Jocelyn doch nicht mal, wo der Kaffee in der Wohnung der Mutter ist, geschweige, dass er so ans Regal reichen kann. Das Objekt seiner Begierde entdeckt zwischendurch riesige Inkontinenz-Windeln. Doch die Nachbarin will ihn nur mit ihrer Schwester verkuppeln, die tatsächlich im Rollstuhl sitzt. Die erfolgreiche Tennisspielerin und erste Geigerin Florence (Alexandra Lamy) betört den Schwerenöter mit verblüffender Freundlichkeit und unverkrampftem Charme. So macht er mehr schlecht als recht weiter mit seiner Farce im Rollstuhl. Und eine richtig nette Liebesgeschichte kommt ins Rollen - sorry! Sie macht es sich zwar manchmal zu einfach, spätestens in seiner Wohnung muss Florence erkennen, dass er mit dem Rollstuhl-Fahren keine Erfahrung hat. Aber überzeugend ist dies allemal.
Das ist ein wenig Slapstick, wenn Jocelyn den Rollstuhl selbstverständlich nicht in den Kofferraum des Porsche reinkriegt, zeigt aber vor allem wirklich sehr komische Situationen. Und tritt im Gegensatz zu vielen aktuellen französischen Komödien nicht dauernd in Fettnäpfen. Ist ja auch schwer mit einem Rollstuhl, würde Jocelyn auch nur am Anfang sagen. Lachen darf man vor allem über den eitlen Senior mit Jugendwahn und Casanova-Komplex, bei dem selbst der Porsche mit Ferrari-Rot lügt. Denn ausgerechnet der Schuhspezialist übersieht, dass er mit abgenutzten Tretern im Rollstuhl sitzt.
„Liebe bringt alles ins Rollen" und sie rollt sehr gut, diese Liebes-Komödie. Franck Dubosc war als Schauspieler unter anderem bei „Asterix bei den Olympischen Spielen" zu sehen. Nun schrieb er das Drehbuch zum Film, führte Regie und übernahm die Hauptrolle des scheinbar unverbesserlichen Lebemanns Jocelyn. Dabei gewinnt die Figur mit ihrem heimlichen Sentiment für italienische Schlager und einem natürlichen Charme. Unfreiwillig gute Scherze wie die Bemerkung zu einer Busreise, er könne niemals 15 Stunden am Stück sitzen, landen auf den Punkt. Letztlich steht der große Verführer mächtig auf dem Schlauch und weiß erstmals nicht weiter. Eine wunderbar schwerelose Liebesszene und auch alles andere ist gekonnt inszeniert. Toll auch Jocelyns verliebte Sekretärin und der befreundete Arzt, die klasse Szenen mit ihm bekommen. Schauspiel-Legende Claude Brasseur hat noch mal einen schönen Moment als Vater von Jocelyn.
3.7.18
Candelaria - Ein kubanischer Sommer
Kolumbien, Argentinien, Norwegen, Kuba, BRD 2017 Regie: Jhonny Hendrix mit Veronica Lynn, Alden Knight, Philipp Hochmair, Manuel Viveros 89 Min.
Sie haben über siebzig Jahre auf dem Buckel und leben in den Neunzigern in Havanna: Candelaria (Veronica Lynn) und Víctor Hugo (Alden Knight). Strom und Gas werden dem Paar immer wieder abgestellt, Lebensmittel sind ebenso knapp. Ein paar illegal gehaltene Küken sind ihr Kinderersatz. Der Alte arbeitet in einer Zigarrenfabrik und schmuggelt immer wieder was für den eigenen Verkauf nach draußen. Candelaria schuftet in der Wäscherei eines Hotels und singt am Abend in einer Bar. Die Tristesse unter kubanischer Sonne wird unterbrochen, als sie im Hotel eine in der Schmutzwäsche versteckte Videokamera findet. Der erst unsichere, dann spielerische Umgang mit dem fremden Gerät belebt das Paar. Sie reflektieren ihr Leben beim Nachspielen von Alltagsszenen, sehen sich durch das Objektiv anders. Und wie im Film werden die gemeinsamen Abende immer romantischer und erotischer. Bis Victor Hugo die Kamera verliert und der bekannte Hehler sie bekommt. Sie sollen nun Pornos liefern...
„Candelaria" ist eine bittersüße Geschichte mit einem sympathischen Paar vor der Kamera. Traumhaft sind ihre Inszenierungen, die Freude an etwas Schweinefleisch, einem schönen Kleid und dem Sex nach vielen Jahren. Statt Touri-Kitsch im Stile von Wenders' „Buena Vista Social Club" zeichnet der Film politische Realitäten nach. Und liefert als Subtext eine Parabel über das Leben vor der Kamera, die direkt auf unsere mit Smartphones gesegnete Zeit übertragbar ist.
Sie haben über siebzig Jahre auf dem Buckel und leben in den Neunzigern in Havanna: Candelaria (Veronica Lynn) und Víctor Hugo (Alden Knight). Strom und Gas werden dem Paar immer wieder abgestellt, Lebensmittel sind ebenso knapp. Ein paar illegal gehaltene Küken sind ihr Kinderersatz. Der Alte arbeitet in einer Zigarrenfabrik und schmuggelt immer wieder was für den eigenen Verkauf nach draußen. Candelaria schuftet in der Wäscherei eines Hotels und singt am Abend in einer Bar. Die Tristesse unter kubanischer Sonne wird unterbrochen, als sie im Hotel eine in der Schmutzwäsche versteckte Videokamera findet. Der erst unsichere, dann spielerische Umgang mit dem fremden Gerät belebt das Paar. Sie reflektieren ihr Leben beim Nachspielen von Alltagsszenen, sehen sich durch das Objektiv anders. Und wie im Film werden die gemeinsamen Abende immer romantischer und erotischer. Bis Victor Hugo die Kamera verliert und der bekannte Hehler sie bekommt. Sie sollen nun Pornos liefern...
„Candelaria" ist eine bittersüße Geschichte mit einem sympathischen Paar vor der Kamera. Traumhaft sind ihre Inszenierungen, die Freude an etwas Schweinefleisch, einem schönen Kleid und dem Sex nach vielen Jahren. Statt Touri-Kitsch im Stile von Wenders' „Buena Vista Social Club" zeichnet der Film politische Realitäten nach. Und liefert als Subtext eine Parabel über das Leben vor der Kamera, die direkt auf unsere mit Smartphones gesegnete Zeit übertragbar ist.
How to Party with Mom
USA 2018 (Life of the party) Regie: Ben Falcone mit Melissa McCarthy, Gillian Jacobs, Maya Rudolph 105 Min, FSK ab 12
Überdeutlich unattraktiv und peinlich zelebriert Mama Deanna Miles (Melissa McCarthy) das jährliche Abliefern der Tochter an der Uni - 22 Minuten von zuhause entfernt! Da versteht man den Ehemann, der direkt darauf seinen Scheidungswunsch herausschreit und dann mehr um den Zustand seines Leasing-Autos als um den seine Gattin besorgt ist. Noch vor dem allen machte eine Nebenbemerkung über Deannas abgebrochenes Studium klar, wo der Film hin geht. Bei ihren Eltern wird zwar nur sinnlos rumgeschrien, aber auch hier muss das Drehbuch mit dem Gegenteil von subtil in diese Richtung weisen. Ja, die „lustige Dicke" Melissa McCarthy („The Boss", „Ghostbusters", „Spy - Susan Cooper Undercover") produziert sich selbst als Hauptdarstellerin in einer eigens geschriebenen Geschichte als sympathisch deplatzierte Ulknudel am College. Ein schmerzlicher Frontalzusammenstoß zweier Genres und alle Gaffer bestrafen sich selbst mit diesem Film.
Deanna Miles muss an die Uni, ausgerechnet an die ihrer Tochter, was zu vielen Peinlichkeiten führen könnte. Aber das Drehbuch macht nichts richtig und so ist auch das Nebeneinander mit der lauten, penetranten, groben wie unangenehmen Mutter nicht mal richtig schlecht. Deanna sondert endlos peinliche Sprüche aus der Jugendsprache des letzten Jahrhunderts ab und hört vor allem nie auf, mit ihrer unangenehm quietschenden Stimme zu quasseln. Das mit der Ehe und dem Verkauf des Familienhauses ist bald kein Thema mehr, eigentlich hat diese Ansammlung von mehr oder wenig peinlichen oder blöden Szenen weder Handlungsfaden noch Entwicklung. Zum Glück gibt es da die Überpeinlichkeit des abstrusen Vortrages, an der selbst Blödel-Schauspielerin Melissa McCarthy scheitert. Ausgerechnet eine der unerträglicheren Quasselstrippen der jüngeren Filmgeschichte hat Probleme mit „oral presentation", mit mündlichen Prüfungen. Und irgendwelche Kicher-Kicher-Assoziationen mit oral sind im Film dringend erwünscht.
Dazu gibt es Hausfrauen-Squash mit Bierflaschen in der Hand und Geständnisse über die privaten Namen ihrer Vaginas. Ein Verhältnis mit einem sehr jungen Kommilitonen, der Vergleiche zu Harry Potter in den Sex reinbringt! Und eine, exakt eine, ganz großartige Szene bei Deannas Erniedrigung vor Freunden im schicken Restaurant, als der Ex dort seine nächste Hochzeit ankündigt. Denn dabei stellt sich heraus, dass ihr junger Liebhaber als Sohn der Neuen vom Ex ist. Deren Entsetzen wird köstlich ausgespielt, ebenso die Schadenfreude von Deannas bester Freundin. Diese „alte" Freundin zeigt, was man mit einer Verlassenen, die lernt, richtig auf den Putz zu hauen und sich dabei wirklich selbst wiederentdeckt, hätte machen können. Wenn nicht ein College-Filmchen mit Partys und obligatorischem Drogentrip dazwischen gekommen wäre. So bleibt das Emotionale schal, die Witze sind lahm, aber vor allem das Drehbuch muss erbärmlich sein. Nicht mal die Klischees von Hausweibchen und Partygirl, nicht mal diese Abziehbilder wurden anständig ausgearbeitet.
Überdeutlich unattraktiv und peinlich zelebriert Mama Deanna Miles (Melissa McCarthy) das jährliche Abliefern der Tochter an der Uni - 22 Minuten von zuhause entfernt! Da versteht man den Ehemann, der direkt darauf seinen Scheidungswunsch herausschreit und dann mehr um den Zustand seines Leasing-Autos als um den seine Gattin besorgt ist. Noch vor dem allen machte eine Nebenbemerkung über Deannas abgebrochenes Studium klar, wo der Film hin geht. Bei ihren Eltern wird zwar nur sinnlos rumgeschrien, aber auch hier muss das Drehbuch mit dem Gegenteil von subtil in diese Richtung weisen. Ja, die „lustige Dicke" Melissa McCarthy („The Boss", „Ghostbusters", „Spy - Susan Cooper Undercover") produziert sich selbst als Hauptdarstellerin in einer eigens geschriebenen Geschichte als sympathisch deplatzierte Ulknudel am College. Ein schmerzlicher Frontalzusammenstoß zweier Genres und alle Gaffer bestrafen sich selbst mit diesem Film.
Deanna Miles muss an die Uni, ausgerechnet an die ihrer Tochter, was zu vielen Peinlichkeiten führen könnte. Aber das Drehbuch macht nichts richtig und so ist auch das Nebeneinander mit der lauten, penetranten, groben wie unangenehmen Mutter nicht mal richtig schlecht. Deanna sondert endlos peinliche Sprüche aus der Jugendsprache des letzten Jahrhunderts ab und hört vor allem nie auf, mit ihrer unangenehm quietschenden Stimme zu quasseln. Das mit der Ehe und dem Verkauf des Familienhauses ist bald kein Thema mehr, eigentlich hat diese Ansammlung von mehr oder wenig peinlichen oder blöden Szenen weder Handlungsfaden noch Entwicklung. Zum Glück gibt es da die Überpeinlichkeit des abstrusen Vortrages, an der selbst Blödel-Schauspielerin Melissa McCarthy scheitert. Ausgerechnet eine der unerträglicheren Quasselstrippen der jüngeren Filmgeschichte hat Probleme mit „oral presentation", mit mündlichen Prüfungen. Und irgendwelche Kicher-Kicher-Assoziationen mit oral sind im Film dringend erwünscht.
Dazu gibt es Hausfrauen-Squash mit Bierflaschen in der Hand und Geständnisse über die privaten Namen ihrer Vaginas. Ein Verhältnis mit einem sehr jungen Kommilitonen, der Vergleiche zu Harry Potter in den Sex reinbringt! Und eine, exakt eine, ganz großartige Szene bei Deannas Erniedrigung vor Freunden im schicken Restaurant, als der Ex dort seine nächste Hochzeit ankündigt. Denn dabei stellt sich heraus, dass ihr junger Liebhaber als Sohn der Neuen vom Ex ist. Deren Entsetzen wird köstlich ausgespielt, ebenso die Schadenfreude von Deannas bester Freundin. Diese „alte" Freundin zeigt, was man mit einer Verlassenen, die lernt, richtig auf den Putz zu hauen und sich dabei wirklich selbst wiederentdeckt, hätte machen können. Wenn nicht ein College-Filmchen mit Partys und obligatorischem Drogentrip dazwischen gekommen wäre. So bleibt das Emotionale schal, die Witze sind lahm, aber vor allem das Drehbuch muss erbärmlich sein. Nicht mal die Klischees von Hausweibchen und Partygirl, nicht mal diese Abziehbilder wurden anständig ausgearbeitet.
Die Frau, die vorausgeht
USA 2017 (Woman walks ahead) Regie: Susanna White mit Jessica Chastain, Michael Greyeyes, Sam Rockwell, Ciarán Hinds 101 Min.
Der indianische Name „Woman walks ahead" (Frau, die vorausgeht) hat für die bemerkenswerte historische Figur der schweizerisch-amerikanischen Malerin Caroline Weldon gleich mehrere Bedeutungen: Sie war, einmal geschieden, eine vorausschreitende, fortschrittliche Frau, die dank Geld und Beziehungen ihren eigenen Willen durchsetzen konnte. Auch wenn der so verschroben war, den legendären Indianer-Häuptling Sitting Bull, den Custer-Vernichter der Schlacht am Little Bighorn von 1876, im Porträt festhalten zu wollen. Seine Namensgebung „Woman walks ahead" für Caroline Weldon zeigt den schön freien Geist, den Humor und die Offenheit einer besonderen Beziehung. Denn bei einer der ersten Begegnungen, welche die New Yorkerin immer in ihren Stiefelchen angeht, fragt der eher entspannte als stolze Häuptling, ob sie immer so schnell voraus renne. Für sein Ansehen wäre es besser, sie würde ein paar Schritte hinter ihm bleiben. Womit die emanzipierte Frau gar nicht einverstanden ist. Sie einigen sich auf ein Nebeneinander.
Zuerst fliegt das Bild vom Ex in den Fluss und dann macht sich die junge Witwe Caroline Weldon (großartig: Jessica Chastain) aus New York im Frühjahr in den nicht mehr ganz Wilden Westen auf. Sie bemerkte, dass es noch gar kein Porträt vom berühmten Sioux-Häuptling Sitting Bull gäbe und fühlt sich berufen, diese Lücke zu schließen. Die naiven Vorstellungen der „liberalen New Yorkerin" vom freien Leben in der Prärie, die Panorama-Blicke aus dem Luxuswagon werden bald rau korrigiert. Nach der brutalen Anmache eines Soldaten (Sam Rockwell) im Zug voller Männer wird sie nach der Ankunft wegen ihres Porträt-Vorhabens von einem Indianerhasser bespukt. Die brutale Unterdrückung der Ureinwohner und deren nicht zimperliche Gegenwehr haben eine Landschaft voller Abneigung und Misstrauen hinterlassen. Es ist noch nicht lange her, seit der letzte Widerstand niedergemetzelt wurde und die paar Überlebenden in elende Reservate gezwungen wurden. Und so schleift Caroline Weldon ihren Koffer allein über lange, staubige Wege ins nächste Dorf. Nicht ahnend, dass der Oberaufseher des Reservates (Ciarán Hinds) sie direkt zurückschicken wird.
Doch ein indianischer Lagerpolizist macht als Enkel von Sitting Bull den Doppelspion und bringt die inhaftierte Malerin statt zum Bahnhof zu einem unscheinbaren Mann (Michael Greyeyes), der gerade Kartoffeln einpflanzt. Den interessieren keine Kämpfe mehr, Carolines Stolz über die ach so lange Anreise relativiert er mit der Frage, ob sie denn auch einen eigenen Schlafwagen gehabt habe. Aber für 1000 Dollar lässt er sich malen und eine besondere Freundschaft nimmt ihren Anfang. Die anfängliche Begeisterung für „die Freiheit", begleitet von einer kräftigen Unkenntnis, wandelt sich zu einem aufrechten Interesse an den unterdrückten Menschen. Auch ihre Position als Malerin relativiert sich, als sie die von Sitting Bull auf Fell „naiv" gezeichneten Skizzen eines brutalen und schrecklichen Lebens sieht.
In langen, intensiven Gesprächen verstehen sich die früh emanzipierte Frau und der nun vor allem geistige Führer der wenigen überlebenden Stämme in Dakota. Frühe ökologische Ansätze, das Menschenbild, in dem Geben mehr wert ist, als das Haben, Reflektionen über zwei unterschiedliche Gesellschaften, tauchen dabei auf. Und nebenbei trockene Bemerkungen über die weißen Hügel, die nicht aus Schnee, sondern aus Büffelschädel der Massaker der Weißen bestehen. Derweil halbiert die Regierung die Rationen für die Indianer und will ihnen selbst das knappe Reservats-Land in einer Volksabstimmungs-Farce abnehmen. Caroline Weldon wird an der Seite des reaktivierten Sitting Bull zur Kämpferin für die Rechte der Ureinwohner.
„Die Frau, die vorausgeht" ist wie schon „Hostile" ein uneigentlicher Endzeit-Western in einem mit Hass und Rachegelüsten vermintem Land. Doch während in der Realität von Bayern bis Washington die politischen Cowboys nicht in den Sonnen–, sondern in den wahren Untergang reiten wollen, gibt es in diesen Filmen ein Prinzip Hoffnung: Die Frauen vermögen tatsächlich verbitterte Krieger zu befrieden. Wobei in diesem sehr sehenswerten Film der Regisseurin Susanna White die (nicht immer beachteten) historischen Fakten im Wege stehen: Sitting Bull wurde ausgerechnet bei seinem friedlichen Kampf nach den Regeln des Staates umgebracht und Caroline Weldon als Bürgerrechtlerin bald vergessen. Die restlichen Indianer des Reservates - 300 Männer, Frauen und Kinder - ermordeten Soldaten 1890 beim politisch erwünschten Massaker am Wounded Knee.
Der indianische Name „Woman walks ahead" (Frau, die vorausgeht) hat für die bemerkenswerte historische Figur der schweizerisch-amerikanischen Malerin Caroline Weldon gleich mehrere Bedeutungen: Sie war, einmal geschieden, eine vorausschreitende, fortschrittliche Frau, die dank Geld und Beziehungen ihren eigenen Willen durchsetzen konnte. Auch wenn der so verschroben war, den legendären Indianer-Häuptling Sitting Bull, den Custer-Vernichter der Schlacht am Little Bighorn von 1876, im Porträt festhalten zu wollen. Seine Namensgebung „Woman walks ahead" für Caroline Weldon zeigt den schön freien Geist, den Humor und die Offenheit einer besonderen Beziehung. Denn bei einer der ersten Begegnungen, welche die New Yorkerin immer in ihren Stiefelchen angeht, fragt der eher entspannte als stolze Häuptling, ob sie immer so schnell voraus renne. Für sein Ansehen wäre es besser, sie würde ein paar Schritte hinter ihm bleiben. Womit die emanzipierte Frau gar nicht einverstanden ist. Sie einigen sich auf ein Nebeneinander.
Zuerst fliegt das Bild vom Ex in den Fluss und dann macht sich die junge Witwe Caroline Weldon (großartig: Jessica Chastain) aus New York im Frühjahr in den nicht mehr ganz Wilden Westen auf. Sie bemerkte, dass es noch gar kein Porträt vom berühmten Sioux-Häuptling Sitting Bull gäbe und fühlt sich berufen, diese Lücke zu schließen. Die naiven Vorstellungen der „liberalen New Yorkerin" vom freien Leben in der Prärie, die Panorama-Blicke aus dem Luxuswagon werden bald rau korrigiert. Nach der brutalen Anmache eines Soldaten (Sam Rockwell) im Zug voller Männer wird sie nach der Ankunft wegen ihres Porträt-Vorhabens von einem Indianerhasser bespukt. Die brutale Unterdrückung der Ureinwohner und deren nicht zimperliche Gegenwehr haben eine Landschaft voller Abneigung und Misstrauen hinterlassen. Es ist noch nicht lange her, seit der letzte Widerstand niedergemetzelt wurde und die paar Überlebenden in elende Reservate gezwungen wurden. Und so schleift Caroline Weldon ihren Koffer allein über lange, staubige Wege ins nächste Dorf. Nicht ahnend, dass der Oberaufseher des Reservates (Ciarán Hinds) sie direkt zurückschicken wird.
Doch ein indianischer Lagerpolizist macht als Enkel von Sitting Bull den Doppelspion und bringt die inhaftierte Malerin statt zum Bahnhof zu einem unscheinbaren Mann (Michael Greyeyes), der gerade Kartoffeln einpflanzt. Den interessieren keine Kämpfe mehr, Carolines Stolz über die ach so lange Anreise relativiert er mit der Frage, ob sie denn auch einen eigenen Schlafwagen gehabt habe. Aber für 1000 Dollar lässt er sich malen und eine besondere Freundschaft nimmt ihren Anfang. Die anfängliche Begeisterung für „die Freiheit", begleitet von einer kräftigen Unkenntnis, wandelt sich zu einem aufrechten Interesse an den unterdrückten Menschen. Auch ihre Position als Malerin relativiert sich, als sie die von Sitting Bull auf Fell „naiv" gezeichneten Skizzen eines brutalen und schrecklichen Lebens sieht.
In langen, intensiven Gesprächen verstehen sich die früh emanzipierte Frau und der nun vor allem geistige Führer der wenigen überlebenden Stämme in Dakota. Frühe ökologische Ansätze, das Menschenbild, in dem Geben mehr wert ist, als das Haben, Reflektionen über zwei unterschiedliche Gesellschaften, tauchen dabei auf. Und nebenbei trockene Bemerkungen über die weißen Hügel, die nicht aus Schnee, sondern aus Büffelschädel der Massaker der Weißen bestehen. Derweil halbiert die Regierung die Rationen für die Indianer und will ihnen selbst das knappe Reservats-Land in einer Volksabstimmungs-Farce abnehmen. Caroline Weldon wird an der Seite des reaktivierten Sitting Bull zur Kämpferin für die Rechte der Ureinwohner.
„Die Frau, die vorausgeht" ist wie schon „Hostile" ein uneigentlicher Endzeit-Western in einem mit Hass und Rachegelüsten vermintem Land. Doch während in der Realität von Bayern bis Washington die politischen Cowboys nicht in den Sonnen–, sondern in den wahren Untergang reiten wollen, gibt es in diesen Filmen ein Prinzip Hoffnung: Die Frauen vermögen tatsächlich verbitterte Krieger zu befrieden. Wobei in diesem sehr sehenswerten Film der Regisseurin Susanna White die (nicht immer beachteten) historischen Fakten im Wege stehen: Sitting Bull wurde ausgerechnet bei seinem friedlichen Kampf nach den Regeln des Staates umgebracht und Caroline Weldon als Bürgerrechtlerin bald vergessen. Die restlichen Indianer des Reservates - 300 Männer, Frauen und Kinder - ermordeten Soldaten 1890 beim politisch erwünschten Massaker am Wounded Knee.
26.6.18
Die Wunderübung
Österreich 2018, Regie: Michael Kreihsl, mit Aglaia Szyszkowitz, Devid Striesow und Erwin Steinhauer, 90 Min. FSK ab 0
Paartherapie kann komisch sein! Als Joana (Aglaia Szyszkowitz) und Valentin (Devid Striesow) voller Streit und Hass aufeinander beim Paartherapeuten (Erwin Steinhauer) auflaufen, können sie sich nicht mal in die Augen sehen. Nach siebzehn Jahren Ehe mit zwei Kindern wissen sie nicht mehr weiter. Er kommt trotzdem nur gezwungenermaßen mit zur Paartherapie. Kein besonders hoffnungsvoller Beginn einer Probestunde, bei welcher der Therapeut auch nicht besonders kompetent wirkt und zwischendurch dringend mal essen muss. Er bescheinigt seinen Klienten jedoch eine „lebendige Streitkultur auf hohem Niveau". Ob Erinnerung ans Kennenlernen, ob schöne Momente mit geschlossenen Augen aufrufen - dieses Paar scheint hoffnungslos entzweit. Doch nach einer dringend notwendigen Pause wird dann der Therapeut therapiert, weil ihn seine Frau gerade per SMS verlassen hat. Diese Wende dreht die Situation komisch ins Absurde.
„Die Wunderübung" von Regisseur Michael Kreihsl ist eine Adaption des Theaterstücks und Buches von Daniel Glattauer („Gut gegen Nordwind"). Bis auf den Rahmen und einer kurzen Pause im Café gegenüber findet die komplette Handlung in Echtzeit in der Praxis des Therapeuten statt. Beim reduzierten Setting sorgen die drei klasse Darsteller und die geschliffenen Dialoge für eine unterhaltsame Kino-Sitzung. Striesow („Ich bin dann mal weg", „Drei", „Zeit der Kannibalen") ist komödiantisch großartig als Techniker mit einigen egozentrischen Schrullen und großer Unfähigkeit, seine Frau zu verstehen. Die Wende zur Halbzeit und eine herrliche Doppelpointe am Ende machen „Die Wunderübung" zu einem kurzweiligen Spaß.
Paartherapie kann komisch sein! Als Joana (Aglaia Szyszkowitz) und Valentin (Devid Striesow) voller Streit und Hass aufeinander beim Paartherapeuten (Erwin Steinhauer) auflaufen, können sie sich nicht mal in die Augen sehen. Nach siebzehn Jahren Ehe mit zwei Kindern wissen sie nicht mehr weiter. Er kommt trotzdem nur gezwungenermaßen mit zur Paartherapie. Kein besonders hoffnungsvoller Beginn einer Probestunde, bei welcher der Therapeut auch nicht besonders kompetent wirkt und zwischendurch dringend mal essen muss. Er bescheinigt seinen Klienten jedoch eine „lebendige Streitkultur auf hohem Niveau". Ob Erinnerung ans Kennenlernen, ob schöne Momente mit geschlossenen Augen aufrufen - dieses Paar scheint hoffnungslos entzweit. Doch nach einer dringend notwendigen Pause wird dann der Therapeut therapiert, weil ihn seine Frau gerade per SMS verlassen hat. Diese Wende dreht die Situation komisch ins Absurde.
„Die Wunderübung" von Regisseur Michael Kreihsl ist eine Adaption des Theaterstücks und Buches von Daniel Glattauer („Gut gegen Nordwind"). Bis auf den Rahmen und einer kurzen Pause im Café gegenüber findet die komplette Handlung in Echtzeit in der Praxis des Therapeuten statt. Beim reduzierten Setting sorgen die drei klasse Darsteller und die geschliffenen Dialoge für eine unterhaltsame Kino-Sitzung. Striesow („Ich bin dann mal weg", „Drei", „Zeit der Kannibalen") ist komödiantisch großartig als Techniker mit einigen egozentrischen Schrullen und großer Unfähigkeit, seine Frau zu verstehen. Die Wende zur Halbzeit und eine herrliche Doppelpointe am Ende machen „Die Wunderübung" zu einem kurzweiligen Spaß.
Renegades
Frankreich, Belgien, BRD, USA 2017 Regie: Steven Quale, mit J.K. Simmons, Sullivan Stapleton, Clemens Schick, Sylvia Hoeks 106 Min. FSK ab 12
Tonnenweise Nazi-Gold, für das deutsche Soldaten ein ganzes kroatisches Dorf ermordet haben, wollen im nächsten deutschen Krieg, 1995 in Sarajevo, fünf US-amerikanische Schnorchel-Soldaten aus der mittlerweile gefluteten Stadt klauen. Zuvor haben sie einen General der Serben entführt, Stil und Film waren dabei so grob wie eine Rumpel-Fahrt mit Panzer durch Sarajevo. Drittklassige Action-Darsteller mühen sich also im Rambo-Stil an allseits dämlichen Handlungen ab, unterstützt von penetranter und stupider Marschmusik. Dazu super Scherze über dumme Eingeborene und sadistisch präsentiertes Morden als Spaß für die guten Mörder aus den USA. Erst im zweiten Teil, nach viel zu langatmiger Einführung, geht einigen im Unterwasser-Finale die Luft aus und etwas Spannung kommt auf. Bei aller arroganter Überlegenheit - zumindest bei der Feuerkraft - riecht das stark nach verwesten Vietnamkriegs-Filmen.
„Renegades" ist ein europäisches C-Movie von der Resterampe für die Kino-unfreundliche WM-Zeit, in dem gute Schauspieler wie J.K. Simmons („Whiplash", „Terminator: Genisys"), der Deutsche Clemens Schick („James Bond 007 – Casino Royale", „Overdrive") als serbischer General und die Niederländerin Sylvia Hoeks („Blade Runner 2049", „Whatever Happens") als kroatisches Liebesobjekt sehr verloren wirken. Simmons gibt den extrem eloquenten und sarkastischen General allerdings mit so viel Verve, dass nur seine Szenen in diesem elenden Filmchen erträglich sind.
Tonnenweise Nazi-Gold, für das deutsche Soldaten ein ganzes kroatisches Dorf ermordet haben, wollen im nächsten deutschen Krieg, 1995 in Sarajevo, fünf US-amerikanische Schnorchel-Soldaten aus der mittlerweile gefluteten Stadt klauen. Zuvor haben sie einen General der Serben entführt, Stil und Film waren dabei so grob wie eine Rumpel-Fahrt mit Panzer durch Sarajevo. Drittklassige Action-Darsteller mühen sich also im Rambo-Stil an allseits dämlichen Handlungen ab, unterstützt von penetranter und stupider Marschmusik. Dazu super Scherze über dumme Eingeborene und sadistisch präsentiertes Morden als Spaß für die guten Mörder aus den USA. Erst im zweiten Teil, nach viel zu langatmiger Einführung, geht einigen im Unterwasser-Finale die Luft aus und etwas Spannung kommt auf. Bei aller arroganter Überlegenheit - zumindest bei der Feuerkraft - riecht das stark nach verwesten Vietnamkriegs-Filmen.
„Renegades" ist ein europäisches C-Movie von der Resterampe für die Kino-unfreundliche WM-Zeit, in dem gute Schauspieler wie J.K. Simmons („Whiplash", „Terminator: Genisys"), der Deutsche Clemens Schick („James Bond 007 – Casino Royale", „Overdrive") als serbischer General und die Niederländerin Sylvia Hoeks („Blade Runner 2049", „Whatever Happens") als kroatisches Liebesobjekt sehr verloren wirken. Simmons gibt den extrem eloquenten und sarkastischen General allerdings mit so viel Verve, dass nur seine Szenen in diesem elenden Filmchen erträglich sind.
Love, Simon
USA 2017 Regie: Greg Berlanti, mit Nick Robinson, Katherine Langford, Alexandra Shipp 110 Min. FSK ab 0
Ja, es ist immer einer der ganz schweren Momente im Leben eines Jugendlichen, wenn der Sohn den entsetzten Eltern erklären muss, dass er ein Mädchen liebt. Oder die Tochter verschämt gesteht, dass sie auf Jungen steht. Diese Umkehrung unserer hetero-normierten Gesellschaft in witzigen Szenen zu erleben, gehört zu den vielen guten Momenten beim Coming Out des schwulen Schülers Simon. „Love, Simon" traut sich etwas im Deckmäntelchen eines typischen us-amerikanischen Highschool-Films, überzeugt aber vor allem durch sympathische Figuren.
Es wird anfangs etwas sehr betont, dass der 17-jährige Simon (Nick Robinson) ja „ein normales Leben" hat. Normal als Junge, der selbstverständlich mit Mädchen Beziehungen hat und das volle Heten-Programm normal mitmacht. So outet sich der beliebte Schüler, der Kinks vom Plattenspieler hört und sich zu Halloween als John Lennon verkleidet, nicht bei seiner Kindergarten-Freundin, nicht in der vertrauten Clique, sondern erst mal anonym online im Chat mit einem Unbekannten namens „Blue". Simon wird sich dabei richtig klar, was er nur leise ahnte: Er steht auf Männer und gerade besonders auf den knackigen Gärtner nebenan. Das Coming out passiert also per Email - was Simon nebenbei zum Smartphone-Abhängigen macht. Und dem herrlich verrückten Schuldirektor mit seiner Tirade gegen die Allgegenwart von Smartphones einen grandiosen Auftritt verschafft.
Denn „Love, Simon" ist gerade kein „Problem-Film". Das flott inszenierte Schülerleben wirkt sehr lebensnah, recht echt. Die Highschool-Welt mit den täglichen Ritualen, lebendig und originell ins Bild gebracht, dreht sich einfach weiter. Regisseur Greg Berlanti („Dawson's Creek", „Brothers & Sisters") baut zwar die komplette Highschool-Kulisse mit exzessiver Party und Football-Spiel auf, aber lässt alle dazugehörigen Klischees links liegen, um seine eigene Geschichte zu erzählen. Bei der dann ein wirklich eklig aufdringlicher und unangenehmer Mitschüler Simons Emails entdeckt und ihn erpresst. Der unausstehliche Sonderling will mit Simons Freundin Abby (Alexandra Shipp) zusammenkommen. Und der eigentlich sympathische und besonnene Junge verrät tatsächlich seine Freunde, damit er nicht geoutet wird.
Wie wunderbar, diese Vorstellung einer Welt, in denen sich die Heteros für ihre Vorliebe bei Eltern und Mitschülern erklären müssen. Und auch die Vision einer komplett schwulen Schule a la „Fame" macht mächtig Spaß. Nett, wie er sich den jeweiligen heißen Verdächtigen für sein ebenfalls anonymen Gesprächspartner vorstellt. Hier wird nebenbei mitfühlbar, wie repressiv das „Normale" der heterosexuellen Norm ist. Dabei ist „Love, Simon" allerdings kein „Call me by your name", kein traumhaft schönes Coming Out im Kreise gebildeter, einfühlsamer Menschen.
In „Love, Simon" bringt es selbst die Psychologen-Mutter nicht fertig, dass das Coming Out im Familienkreis wie eine Trauerfeier wirkt. Und im vertraulichen Gespräch wird Simon zum Wesen von einem anderen Planeten gemacht: „Das ist deine Sache", da kann ein „normaler" Mensch dann wohl nicht mehr helfen. Doch auch wenn der Film selbst seltsame Probleme mit Simons Vorlieben hat, sein Protagonist ist überzeugend in den schönen und auch immer wieder nett inszenierten Gedanken. Dieser fast ohne Panik suchende junge Mensch wird mit all den vielen Gefühlslagen von Nick Robinson („Du neben mir", „Jurassic World") sehr gut gespielt.
Obwohl - so gut und glaubwürdig alles gezeigt wird, erscheint der Verrat an seinen Freunden dramaturgisch schwierig. Man traut diesem recht vernünftigen Kerl so etwas nicht zu. Dann macht es allerdings klar, wie groß Simons Angst ist, geoutet zu werden. Und es verstärkt das Gefühl von Einsamkeit nachdem es dann doch alle wissen. Das Vorspiel zum voll romantischen Finale wirkt allerdings wie eine Pflichtübung, ausgeführt von einem anderen Team. Alle klärenden Gespräche stehen aufgereiht Schlange. Verdächtig demonstrativ betont jeder, dass alles bleibt, wie es war. Während die Schlussmontage das viel eleganter hinbekommt.
Die Umsetzung von Becky Albertallis Buch durch von Isaac Aptaker und Elizabeth Berger („This is us") überzeugt mit ein paar großen, schönen, bewegenden Momente und einer tollen Hauptfigur. „Love, Simon" bietet den besseren Highschool-Film und ein gut gemeintes Plädoyer für viele mutige Coming Outs.
Ja, es ist immer einer der ganz schweren Momente im Leben eines Jugendlichen, wenn der Sohn den entsetzten Eltern erklären muss, dass er ein Mädchen liebt. Oder die Tochter verschämt gesteht, dass sie auf Jungen steht. Diese Umkehrung unserer hetero-normierten Gesellschaft in witzigen Szenen zu erleben, gehört zu den vielen guten Momenten beim Coming Out des schwulen Schülers Simon. „Love, Simon" traut sich etwas im Deckmäntelchen eines typischen us-amerikanischen Highschool-Films, überzeugt aber vor allem durch sympathische Figuren.
Es wird anfangs etwas sehr betont, dass der 17-jährige Simon (Nick Robinson) ja „ein normales Leben" hat. Normal als Junge, der selbstverständlich mit Mädchen Beziehungen hat und das volle Heten-Programm normal mitmacht. So outet sich der beliebte Schüler, der Kinks vom Plattenspieler hört und sich zu Halloween als John Lennon verkleidet, nicht bei seiner Kindergarten-Freundin, nicht in der vertrauten Clique, sondern erst mal anonym online im Chat mit einem Unbekannten namens „Blue". Simon wird sich dabei richtig klar, was er nur leise ahnte: Er steht auf Männer und gerade besonders auf den knackigen Gärtner nebenan. Das Coming out passiert also per Email - was Simon nebenbei zum Smartphone-Abhängigen macht. Und dem herrlich verrückten Schuldirektor mit seiner Tirade gegen die Allgegenwart von Smartphones einen grandiosen Auftritt verschafft.
Denn „Love, Simon" ist gerade kein „Problem-Film". Das flott inszenierte Schülerleben wirkt sehr lebensnah, recht echt. Die Highschool-Welt mit den täglichen Ritualen, lebendig und originell ins Bild gebracht, dreht sich einfach weiter. Regisseur Greg Berlanti („Dawson's Creek", „Brothers & Sisters") baut zwar die komplette Highschool-Kulisse mit exzessiver Party und Football-Spiel auf, aber lässt alle dazugehörigen Klischees links liegen, um seine eigene Geschichte zu erzählen. Bei der dann ein wirklich eklig aufdringlicher und unangenehmer Mitschüler Simons Emails entdeckt und ihn erpresst. Der unausstehliche Sonderling will mit Simons Freundin Abby (Alexandra Shipp) zusammenkommen. Und der eigentlich sympathische und besonnene Junge verrät tatsächlich seine Freunde, damit er nicht geoutet wird.
Wie wunderbar, diese Vorstellung einer Welt, in denen sich die Heteros für ihre Vorliebe bei Eltern und Mitschülern erklären müssen. Und auch die Vision einer komplett schwulen Schule a la „Fame" macht mächtig Spaß. Nett, wie er sich den jeweiligen heißen Verdächtigen für sein ebenfalls anonymen Gesprächspartner vorstellt. Hier wird nebenbei mitfühlbar, wie repressiv das „Normale" der heterosexuellen Norm ist. Dabei ist „Love, Simon" allerdings kein „Call me by your name", kein traumhaft schönes Coming Out im Kreise gebildeter, einfühlsamer Menschen.
In „Love, Simon" bringt es selbst die Psychologen-Mutter nicht fertig, dass das Coming Out im Familienkreis wie eine Trauerfeier wirkt. Und im vertraulichen Gespräch wird Simon zum Wesen von einem anderen Planeten gemacht: „Das ist deine Sache", da kann ein „normaler" Mensch dann wohl nicht mehr helfen. Doch auch wenn der Film selbst seltsame Probleme mit Simons Vorlieben hat, sein Protagonist ist überzeugend in den schönen und auch immer wieder nett inszenierten Gedanken. Dieser fast ohne Panik suchende junge Mensch wird mit all den vielen Gefühlslagen von Nick Robinson („Du neben mir", „Jurassic World") sehr gut gespielt.
Obwohl - so gut und glaubwürdig alles gezeigt wird, erscheint der Verrat an seinen Freunden dramaturgisch schwierig. Man traut diesem recht vernünftigen Kerl so etwas nicht zu. Dann macht es allerdings klar, wie groß Simons Angst ist, geoutet zu werden. Und es verstärkt das Gefühl von Einsamkeit nachdem es dann doch alle wissen. Das Vorspiel zum voll romantischen Finale wirkt allerdings wie eine Pflichtübung, ausgeführt von einem anderen Team. Alle klärenden Gespräche stehen aufgereiht Schlange. Verdächtig demonstrativ betont jeder, dass alles bleibt, wie es war. Während die Schlussmontage das viel eleganter hinbekommt.
Die Umsetzung von Becky Albertallis Buch durch von Isaac Aptaker und Elizabeth Berger („This is us") überzeugt mit ein paar großen, schönen, bewegenden Momente und einer tollen Hauptfigur. „Love, Simon" bietet den besseren Highschool-Film und ein gut gemeintes Plädoyer für viele mutige Coming Outs.
25.6.18
Meine teuflisch gute Freundin
BRD 2018 Regie: Marco Petry, mit Emma Bading, Janina Fautz, Ludwig Simon, Samuel Finzi, Oliver Korittke 100 Min. FSK ab 6
Marco Petry ist ein teuflisch guter Regisseur, der in der Schule hängengeblieben ist: 18 Jahre ist es jetzt her, seit der 1975 in Würselen Geborene auf die Schule kam, also mit „Schule" ins Kino kam und dann von der Schiene nicht mehr runter. „Meine teuflisch gute Freundin" macht dabei klar, wohin solche Teufels-Pakte führen ... hier für die eiskalte Tochter Satans von der Schulbank ins liebliche Happy End.
Im Zentrum des Bösen, einem Hochhaus in Frankfurt, kocht es: Lilith Schwarz (Emma Bading) hat die Schnauze voll von der Schule in der Hölle. Ja, auch für sie ist Schule die Hölle, aber für die Tochter des Teufels (Samuel Finzi) ist die Schule tatsächlich IN DER Hölle! Lilith kann verführen, lügen, betrügen, tricksen ... alles was eine junge Teufelin braucht, um die Welt in größeres Chaos zu stürzen. Doch ihr strenger Vater denkt, dass seine Tochter zu jung für die Außendienst-Arbeit des Teufels ist. Denn Lilith will raus in die richtige Welt und zeigen, was sie kann. Es kommt zu einem teuflischen Pakt: Der Teenie mit den feuerroten Haaren und den geflochtenen Hörnchen auf dem Kopf soll innerhalb einer Woche einen guten Menschen zum Bösen verführen. Scheitert Lilith, muss sie im Aktenkeller arbeiten, das ist die Hölle!
Der Teufel hätte allerdings nicht seinen üblen Ruf, wenn es nicht auch bei dieser Wette mit der Tochter einen Pferdefuß gäbe: Lilith landet, statt wie erwartet in Manhattan, in einer Provinz voller lauter Gutmenschen, langweilige, nervig naive, überliebliche Ökos. Und die Zielperson, Gretchen beziehungsweise ähnlich altertümlich: Greta (Janina Fautz), ist der Höhepunkt der schreienden Harmlosigkeit. Kein Alkohol, keine Drogen und singt im Chor der Landei-Idylle. Doch Lilith sorgt schlagfertig für Stimmung, macht dem Schul-Bully Feuer auf dem Kopf und plant, Gretas Herz brechen zu lassen. Bis sich die eiskalte Mephistofeline in den überaus lässigen Schul-Verweigerer Samuel (Ludwig Simon) verliebt...
Da ist dann klar - eine richtig böse Komödie wird „Meine teuflisch gute Freundin" nicht mehr. Im Thema vertraut, aber in Stil und Stimmung ganz anders ist dieses „Fack ju Göhte" brav und harmlos, nicht so grell, aber gut inszeniert. Es fäustelt durchgehend ein wenig, doch wenn das Konzept „Mephistos Tochter geht zur Schule, um Gretchen zu verführen" erst einmal an Norddeutschlands beschaulicher Küste gelandet ist, geht das Schulfilmchen routiniert seinen Weg.
Emma Bading („Die Kleinen und die Bösen", Lucky Loser - Ein Sommer in der Bredouille") spielt die Lilith glaubhaft fies, allerdings ist sie nur ein fader Abguss ihrer göttlich lüsternen Namensgeberin. Janina Fautz spielt die unauffällige und zu nette Greta so überzeugend, dass man sie nicht unbedingt wiedersehen will. Allen wurde jedoch der Hinweis ins Klassenbuch geschrieben, dass man bei Marco Petrys Schulstunden gut für die Karriere lernen kann: Axel Stein bleibt ihm seit der gemeinsamen „Schule" treu, allerdings tritt er hier als sympathischer Lehrer wesentlich braver und zurückhaltender auf als in seinen bekanntesten Rollen. Matthias Schweighöfer ging 2003 in Petrys „Die Klasse von '99". Jasmin Schwiers hatte 2008 die Hauptrolle einer Musik-Produzentin in „Machen wir's auf Finnisch", einem der wenigen Erwachsenen-Filme in den bisherigen sieben Kino-Besuchen Petrys. Die richtig gute und richtig ernsthafte Tragikomödie „Heiter bis wolkig" mit Elyas M'Barek und Jessica Schwarz in der Rolle einer Krebskranken, fand bislang keinen Nachfolger.
Zwar droht der handwerklich exzellente Regisseur und Drehbuch-Autor zum Sitzenbleiber der deutschen Schule zu werden, er zeigt aber auch bei „Meine teuflisch gute Freundin" dadurch fundierte Kenntnis von Jugendkultur und Sprache. Und wenn die Produktion einen netten Jugendfilm für die ganze Familie und das Sonntags-Fernsehprogramm wollte, ist diese Vorgabe exzellent gemeistert worden.
Marco Petry ist ein teuflisch guter Regisseur, der in der Schule hängengeblieben ist: 18 Jahre ist es jetzt her, seit der 1975 in Würselen Geborene auf die Schule kam, also mit „Schule" ins Kino kam und dann von der Schiene nicht mehr runter. „Meine teuflisch gute Freundin" macht dabei klar, wohin solche Teufels-Pakte führen ... hier für die eiskalte Tochter Satans von der Schulbank ins liebliche Happy End.
Im Zentrum des Bösen, einem Hochhaus in Frankfurt, kocht es: Lilith Schwarz (Emma Bading) hat die Schnauze voll von der Schule in der Hölle. Ja, auch für sie ist Schule die Hölle, aber für die Tochter des Teufels (Samuel Finzi) ist die Schule tatsächlich IN DER Hölle! Lilith kann verführen, lügen, betrügen, tricksen ... alles was eine junge Teufelin braucht, um die Welt in größeres Chaos zu stürzen. Doch ihr strenger Vater denkt, dass seine Tochter zu jung für die Außendienst-Arbeit des Teufels ist. Denn Lilith will raus in die richtige Welt und zeigen, was sie kann. Es kommt zu einem teuflischen Pakt: Der Teenie mit den feuerroten Haaren und den geflochtenen Hörnchen auf dem Kopf soll innerhalb einer Woche einen guten Menschen zum Bösen verführen. Scheitert Lilith, muss sie im Aktenkeller arbeiten, das ist die Hölle!
Der Teufel hätte allerdings nicht seinen üblen Ruf, wenn es nicht auch bei dieser Wette mit der Tochter einen Pferdefuß gäbe: Lilith landet, statt wie erwartet in Manhattan, in einer Provinz voller lauter Gutmenschen, langweilige, nervig naive, überliebliche Ökos. Und die Zielperson, Gretchen beziehungsweise ähnlich altertümlich: Greta (Janina Fautz), ist der Höhepunkt der schreienden Harmlosigkeit. Kein Alkohol, keine Drogen und singt im Chor der Landei-Idylle. Doch Lilith sorgt schlagfertig für Stimmung, macht dem Schul-Bully Feuer auf dem Kopf und plant, Gretas Herz brechen zu lassen. Bis sich die eiskalte Mephistofeline in den überaus lässigen Schul-Verweigerer Samuel (Ludwig Simon) verliebt...
Da ist dann klar - eine richtig böse Komödie wird „Meine teuflisch gute Freundin" nicht mehr. Im Thema vertraut, aber in Stil und Stimmung ganz anders ist dieses „Fack ju Göhte" brav und harmlos, nicht so grell, aber gut inszeniert. Es fäustelt durchgehend ein wenig, doch wenn das Konzept „Mephistos Tochter geht zur Schule, um Gretchen zu verführen" erst einmal an Norddeutschlands beschaulicher Küste gelandet ist, geht das Schulfilmchen routiniert seinen Weg.
Emma Bading („Die Kleinen und die Bösen", Lucky Loser - Ein Sommer in der Bredouille") spielt die Lilith glaubhaft fies, allerdings ist sie nur ein fader Abguss ihrer göttlich lüsternen Namensgeberin. Janina Fautz spielt die unauffällige und zu nette Greta so überzeugend, dass man sie nicht unbedingt wiedersehen will. Allen wurde jedoch der Hinweis ins Klassenbuch geschrieben, dass man bei Marco Petrys Schulstunden gut für die Karriere lernen kann: Axel Stein bleibt ihm seit der gemeinsamen „Schule" treu, allerdings tritt er hier als sympathischer Lehrer wesentlich braver und zurückhaltender auf als in seinen bekanntesten Rollen. Matthias Schweighöfer ging 2003 in Petrys „Die Klasse von '99". Jasmin Schwiers hatte 2008 die Hauptrolle einer Musik-Produzentin in „Machen wir's auf Finnisch", einem der wenigen Erwachsenen-Filme in den bisherigen sieben Kino-Besuchen Petrys. Die richtig gute und richtig ernsthafte Tragikomödie „Heiter bis wolkig" mit Elyas M'Barek und Jessica Schwarz in der Rolle einer Krebskranken, fand bislang keinen Nachfolger.
Zwar droht der handwerklich exzellente Regisseur und Drehbuch-Autor zum Sitzenbleiber der deutschen Schule zu werden, er zeigt aber auch bei „Meine teuflisch gute Freundin" dadurch fundierte Kenntnis von Jugendkultur und Sprache. Und wenn die Produktion einen netten Jugendfilm für die ganze Familie und das Sonntags-Fernsehprogramm wollte, ist diese Vorgabe exzellent gemeistert worden.
20.6.18
Nicht ohne Eltern
Frankreich 2017 (Momo) Regie: Vincent Lobelle, Sébastien Thiéry, mit Christian Clavier, Catherine Frot, Sébastien Thiéry 86 Min. FSK ab 6
Ein junger, etwas sorglos bekleideter Mann lauert André Prioux (Christian Clavier) beim Einkauf mit seiner Frau Laurence (Catherine Frot) auf. Patrick (Sébastien Thiéry) redet unverständlich aber sehr aufgeregt, haut dann mit dem vollen Einkaufswagen des Paares ab. Die Tüten voller Lebensmittel stehen nach deren Rückkehr ins üppige Heim schon bereit, aber auch der lallende Mann, der wegen seiner Laute bald Momo genannt wird, ist da. Mit freundlicher Herablassung versucht man das seltsame Gerede des herzlich begeisterten Fremden zu verstehen. Wobei Laurence dies bald gelingt, während André weiterhin Übersetzungs-Hilfe braucht. Als sich Momo das geliebte Auto leiht, hat Andrés Geduld jedoch ein Ende. Da findet sich in Momos Sachen ein altes Foto des Paares mit dem krakeligen Schriftzug „Mama und Papa" auf der Rückseite.
Momo wirbelt das Leben der beiden nicht mehr ganz so fitten, aber immer adretten und vor allem kinderlosen Alten durcheinander. Während sich André mehrmals mit großen Gesten aufregen darf, wallen bei Laurence Muttergefühle gewaltig hoch. Aber es kommt auch noch eine alte Affäre ans Tageslicht. „Nicht ohne meine Eltern" verläuft eine Weile als etwas seltsame Klamotte mit einigem Bildwitz. Die reifen Hauptdarsteller Christian Clavier und Catherine Frot können in diesen erst mal sinnfrei albernen Eingangsszenen ihre Würde bewahren.
Aber statt in Richtung Tiefgang etwa das wahre Wesen der braven Bürger auszuloten, häufen sich die Absurditäten mit dem Zuzug einer blinden Schwiegertochter samt bissigem Köter. Beim Tierarzt stellt sich heraus, dass man mit dem bissigen Schäferhund nur deutsch sprechen muss, um ihn zu beruhigen. Dieser seltsame Gag nimmt gleich mehrere Minuten in Anspruch und stellt eine Herausforderung für die Synchronisation dar. André wird immer misstrauischer und genervter während der vermeintliche Trickbetrüger mit schwangerer Verlobter bei ihm einzieht. Laurence hingegen lebt anlässlich dieses Familienzuwachses auf.
Aus dem großen Pool exzellenter französischer Film- und Theaterschauspieler gibt es immer reichlich Einsatzkräfte für so eine Boulevard-Komödie. Catherine Frot kann sehr feine Darstellungen wie die Hebamme in „Ein Kuss von Beatrice" oder die präsidentielle Vertraute in „Die Köchin und der Präsident" und geht auch bei extrem peinlichen Klamauk nicht ganz unter. Was letztlich das Positivste an diesem schlechten Scherz ist.
Ein junger, etwas sorglos bekleideter Mann lauert André Prioux (Christian Clavier) beim Einkauf mit seiner Frau Laurence (Catherine Frot) auf. Patrick (Sébastien Thiéry) redet unverständlich aber sehr aufgeregt, haut dann mit dem vollen Einkaufswagen des Paares ab. Die Tüten voller Lebensmittel stehen nach deren Rückkehr ins üppige Heim schon bereit, aber auch der lallende Mann, der wegen seiner Laute bald Momo genannt wird, ist da. Mit freundlicher Herablassung versucht man das seltsame Gerede des herzlich begeisterten Fremden zu verstehen. Wobei Laurence dies bald gelingt, während André weiterhin Übersetzungs-Hilfe braucht. Als sich Momo das geliebte Auto leiht, hat Andrés Geduld jedoch ein Ende. Da findet sich in Momos Sachen ein altes Foto des Paares mit dem krakeligen Schriftzug „Mama und Papa" auf der Rückseite.
Momo wirbelt das Leben der beiden nicht mehr ganz so fitten, aber immer adretten und vor allem kinderlosen Alten durcheinander. Während sich André mehrmals mit großen Gesten aufregen darf, wallen bei Laurence Muttergefühle gewaltig hoch. Aber es kommt auch noch eine alte Affäre ans Tageslicht. „Nicht ohne meine Eltern" verläuft eine Weile als etwas seltsame Klamotte mit einigem Bildwitz. Die reifen Hauptdarsteller Christian Clavier und Catherine Frot können in diesen erst mal sinnfrei albernen Eingangsszenen ihre Würde bewahren.
Aber statt in Richtung Tiefgang etwa das wahre Wesen der braven Bürger auszuloten, häufen sich die Absurditäten mit dem Zuzug einer blinden Schwiegertochter samt bissigem Köter. Beim Tierarzt stellt sich heraus, dass man mit dem bissigen Schäferhund nur deutsch sprechen muss, um ihn zu beruhigen. Dieser seltsame Gag nimmt gleich mehrere Minuten in Anspruch und stellt eine Herausforderung für die Synchronisation dar. André wird immer misstrauischer und genervter während der vermeintliche Trickbetrüger mit schwangerer Verlobter bei ihm einzieht. Laurence hingegen lebt anlässlich dieses Familienzuwachses auf.
Aus dem großen Pool exzellenter französischer Film- und Theaterschauspieler gibt es immer reichlich Einsatzkräfte für so eine Boulevard-Komödie. Catherine Frot kann sehr feine Darstellungen wie die Hebamme in „Ein Kuss von Beatrice" oder die präsidentielle Vertraute in „Die Köchin und der Präsident" und geht auch bei extrem peinlichen Klamauk nicht ganz unter. Was letztlich das Positivste an diesem schlechten Scherz ist.
Am Strand
Großbritannien 2017 (On Chesil Beach) Regie: Dominic Cooke mit Saoirse Ronan, Billy Howle, Emily Watson, 110 Min. FSK ab 12
Exakt zum 70. Geburtstag des außerordentlichen Schriftstellers Ian McEwan startet mit „Am Strand" die Verfilmung seines unter gleichem Titel in Deutschland veröffentlichten Romans nun auch bei uns. Ein Marketing-Gag, doch um den Autoren von wunderbaren, verstörenden und unvergesslichen Werken wie „Der Zementgarten", „Abbitte" oder „Solar" hervorzuheben, sei es verziehen. „Am Strand" („On Chesil Beach") beschenkt uns in betörenden Landschaften und Dekors mit den Abgründen, die eine sexuell restriktive Gesellschaft in den Seelen der Menschen erzeugt.
Ein wunderschöner Spaziergang am Strand wird für das junge Paar bei der Rückkehr in die Unterkunft zur beklemmenden Angelegenheit. Das frischvermählte Ehepaar Florence Ponting (Saoirse Ronan) und Edward Mayhew (Billy Howle) ist Anfang der Sechziger Jahr für die Flitterwochen am Strand von Chesil Beach im englischen Dorset. Die Liebe ist groß, die Sympathien sind stark, ein besonderes Verständnis füreinander überschreitet soziale wie kulturelle Grenzen und hat sie zusammengebracht. Doch je näher die erste gemeinsame Nacht rückt, um so mehr begeben sich beide auf unbekanntes und stark vermintes Gebiet.
Das einleitende Gespräch über Musik macht in der Spanne von Chuck Berrys „Roll over Beethoven", dem Idol von Edward, bis zur Klassik des Streich-Quintetts von Florence auch ein soziales Spannungsfeld zwischen den jungen Menschen deutlich. Er kommt aus einer Arbeiterfamilie, die kreative Mutter ist seit einem Unfall geistig behindert. Die reichen Eltern von Florence schauen auf den neuen Freund herab - ist dies vielleicht nur eine rebellische Phase der zu aufgeweckten Tochter gegen die reaktionäre Mutter? Sie lernten sich schließlich bei einer Aktion der Friedensbewegung gegen Aufrüstung kennen. Nein, Florence liebt Edward wahrhaftig. Ihre Liebe und (Mit-) Menschlichkeit von Florence überbrückt die gesellschaftlichen Schranken mit Leichtigkeit
Doch eines kann die Frau nicht überwinden. Nach der Rückkehr ins Hotel, aus dessen Tapeten die Spießigkeit herausdünstet, spürt man die Anspannung . Die dreist ordinäre Bedienung zweier Kellner beim Abendessen auf dem Zimmer ist gleich mehrfach ein heftiges Überschreiten persönlicher Grenzen. Eine bittere Farce. Florence wollte schon immer Sex vermeiden. Ihre Erfahrungen scheinen seit der Kindheit traumatisch belastet zu sein. Edward beweist mit tölpelhaft nervösen Verhalten, dass er völlig unerfahren ist. Aber beide bringen einige Pakete Altlasten mit zu diesem Moment.
In diesem einen, tragischen Tag am Strand von Chesil Beach tauchen - elegant und geschickt montiert - fließend Momente aus dem Vorleben des Paares auf: Die erste Begegnung, sein Weg an die Universität, ihre Auseinandersetzungen mit der reaktionären Familie, die Treffen voller Austausch und Spaß. Aber diese Liebe auf den ersten Blick wird durch gesellschaftliche Restriktionen ein Drama des Verkennens.
Hauptdarstellerin Saoirse Ronan erhielt ihre erste Oscar-Nominierung mit 13 für „Abbitte", auch eine Ian McEwan-Verfilmung. „Brooklyn" war dann ein erster ganz großer Erfolg mit ihrer ergreifenden Rolle als Auswanderin, die sich in Fremde und Einsamkeit emanzipiert. Zuletzt war ihr rebellischer Teenager „Lady Bird" in dem Gerwig-Film eine Sensation. Nun sind es wieder die kleinen, feinen Gesten, die zarten Gefühle, die von ihr sehr gekonnt und eindrucksvoll eingesetzt werden. Vor allem sie eröffnet das Mitfühlen und -Leiden für die Zuschauer auf fesselnde und beklemmende Weise. Die verkrampften Füße unter dem Tisch bilden einen schmerzlichen Widerspruch zum froh lachenden Gesicht ein paar Momente zuvor. Auch ansonsten ist „Am Strand" bis ins Detail exzellent besetzt. So hat Emily Watson („Hilary & Jackie", „Die Entdeckung der Unendlichkeit", "The Happy Prince") eine Nebenrolle als Mutter von Florence.
Dass Ian McEwan selbst das Drehbuch verfasste, mag zum stimmigen Gelingen des Films beigetragen haben. Aus Erfahrung vermeidet man diese Verquickung so unterschiedlicher Schreib-Tätigkeiten gerne. Doch diesmal bleibt die intensive Verstörung im äußerlich schönen Erzählrahmen erhalten. Theater-Regisseur Dominic Cooke gelingt in seinem Kinodebüt dank der Kamera von Sean Bobbitt und dank einer Konzentration auf sagenhaft gute Darsteller.
Exakt zum 70. Geburtstag des außerordentlichen Schriftstellers Ian McEwan startet mit „Am Strand" die Verfilmung seines unter gleichem Titel in Deutschland veröffentlichten Romans nun auch bei uns. Ein Marketing-Gag, doch um den Autoren von wunderbaren, verstörenden und unvergesslichen Werken wie „Der Zementgarten", „Abbitte" oder „Solar" hervorzuheben, sei es verziehen. „Am Strand" („On Chesil Beach") beschenkt uns in betörenden Landschaften und Dekors mit den Abgründen, die eine sexuell restriktive Gesellschaft in den Seelen der Menschen erzeugt.
Ein wunderschöner Spaziergang am Strand wird für das junge Paar bei der Rückkehr in die Unterkunft zur beklemmenden Angelegenheit. Das frischvermählte Ehepaar Florence Ponting (Saoirse Ronan) und Edward Mayhew (Billy Howle) ist Anfang der Sechziger Jahr für die Flitterwochen am Strand von Chesil Beach im englischen Dorset. Die Liebe ist groß, die Sympathien sind stark, ein besonderes Verständnis füreinander überschreitet soziale wie kulturelle Grenzen und hat sie zusammengebracht. Doch je näher die erste gemeinsame Nacht rückt, um so mehr begeben sich beide auf unbekanntes und stark vermintes Gebiet.
Das einleitende Gespräch über Musik macht in der Spanne von Chuck Berrys „Roll over Beethoven", dem Idol von Edward, bis zur Klassik des Streich-Quintetts von Florence auch ein soziales Spannungsfeld zwischen den jungen Menschen deutlich. Er kommt aus einer Arbeiterfamilie, die kreative Mutter ist seit einem Unfall geistig behindert. Die reichen Eltern von Florence schauen auf den neuen Freund herab - ist dies vielleicht nur eine rebellische Phase der zu aufgeweckten Tochter gegen die reaktionäre Mutter? Sie lernten sich schließlich bei einer Aktion der Friedensbewegung gegen Aufrüstung kennen. Nein, Florence liebt Edward wahrhaftig. Ihre Liebe und (Mit-) Menschlichkeit von Florence überbrückt die gesellschaftlichen Schranken mit Leichtigkeit
Doch eines kann die Frau nicht überwinden. Nach der Rückkehr ins Hotel, aus dessen Tapeten die Spießigkeit herausdünstet, spürt man die Anspannung . Die dreist ordinäre Bedienung zweier Kellner beim Abendessen auf dem Zimmer ist gleich mehrfach ein heftiges Überschreiten persönlicher Grenzen. Eine bittere Farce. Florence wollte schon immer Sex vermeiden. Ihre Erfahrungen scheinen seit der Kindheit traumatisch belastet zu sein. Edward beweist mit tölpelhaft nervösen Verhalten, dass er völlig unerfahren ist. Aber beide bringen einige Pakete Altlasten mit zu diesem Moment.
In diesem einen, tragischen Tag am Strand von Chesil Beach tauchen - elegant und geschickt montiert - fließend Momente aus dem Vorleben des Paares auf: Die erste Begegnung, sein Weg an die Universität, ihre Auseinandersetzungen mit der reaktionären Familie, die Treffen voller Austausch und Spaß. Aber diese Liebe auf den ersten Blick wird durch gesellschaftliche Restriktionen ein Drama des Verkennens.
Hauptdarstellerin Saoirse Ronan erhielt ihre erste Oscar-Nominierung mit 13 für „Abbitte", auch eine Ian McEwan-Verfilmung. „Brooklyn" war dann ein erster ganz großer Erfolg mit ihrer ergreifenden Rolle als Auswanderin, die sich in Fremde und Einsamkeit emanzipiert. Zuletzt war ihr rebellischer Teenager „Lady Bird" in dem Gerwig-Film eine Sensation. Nun sind es wieder die kleinen, feinen Gesten, die zarten Gefühle, die von ihr sehr gekonnt und eindrucksvoll eingesetzt werden. Vor allem sie eröffnet das Mitfühlen und -Leiden für die Zuschauer auf fesselnde und beklemmende Weise. Die verkrampften Füße unter dem Tisch bilden einen schmerzlichen Widerspruch zum froh lachenden Gesicht ein paar Momente zuvor. Auch ansonsten ist „Am Strand" bis ins Detail exzellent besetzt. So hat Emily Watson („Hilary & Jackie", „Die Entdeckung der Unendlichkeit", "The Happy Prince") eine Nebenrolle als Mutter von Florence.
Dass Ian McEwan selbst das Drehbuch verfasste, mag zum stimmigen Gelingen des Films beigetragen haben. Aus Erfahrung vermeidet man diese Verquickung so unterschiedlicher Schreib-Tätigkeiten gerne. Doch diesmal bleibt die intensive Verstörung im äußerlich schönen Erzählrahmen erhalten. Theater-Regisseur Dominic Cooke gelingt in seinem Kinodebüt dank der Kamera von Sean Bobbitt und dank einer Konzentration auf sagenhaft gute Darsteller.
19.6.18
Ocean’s 8
USA 2018 Regie: Gary Ross, mit Sandra Bullock, Cate Blanchett, Anne Hathaway, Mindy Kaling, Sarah Paulson, Awkwafina, Rihanna, Helena Bonham Carter 111 Min. FSK ab 0
Er sah gut aus, die Unterschrift war Nebensache, doch damals wurde Debbie Ocean (Sandra Bullock) aus der berühmt-berüchtigten Trickbetrüger-Familie der Oceans vom schönen Galeristen selbst reingelegt: Fünf Jahre, acht Monate und zwölf Tage im Knast folgten, aber die Eröffnungssequenz zeigt, dass wir uns um Debbie keine Sorgen machen müssen. Ein paar clever-dreiste Tricks und sie logiert neu ausgestattet in einem New Yorker Luxushotel. Alles ohne Geld und unter falschem Namen. Die alte Komplizin Lou (Cate Blanchett) haust in einem bröckeligen Loft, macht Dollars mit dem Verschneiden von Wodka und lässt sich nicht lange bitten, bei großen, unmöglichen Coup mitzumachen, den Debbie in fünf Jahren, acht Monaten und zwölf Tagen Auszeit ausgetüftelt hat.
Sandra Bullock scheint diese klasse Rolle mit maximaler Begeisterung auszufüllen. Zwar irritieren anfangs irgendwelche Veränderungen an ihrem Gesicht, die Details zu diesem Thema werden wohl in den Klatsch-Blättern zu finden sein. Gradheraus, klar und zielstrebig folgt sie Punkt für Punkt ihrer Erledigungs-Liste. Die Vorstellungsrunde der sieben (plus eins) Frauen von „Ocean's 8" gerät dank interessanter Figuren nicht zu langweiliger Routine: Da es darum geht, Cartier ein Hundert Millionen Dollar schweres Collier abzuluchsen, ist die Juwelierin Amita (Mindy Kaling) dabei. Die junge Trickbetrügerin Constance verblüfft als Schweizer Messer in Sachen Taschendiebstahl und ihre Darstellerin Awkwafina sorgt für jungen, flippigen Spaß. Rihanna gibt cool und lässig zugleich die Hackerin Nine Ball. Aufgeregt und schrullig hingegen Helena Bonham Carter als Modedesignerin Rose Weil. Denn Debbie will das Collier nicht selbst aus dem Tresor im Keller von Cartier klauen. Sie lässt es sich liefern, und zwar zur berühmten Met-Gala im New Yorker Metropolitan Museum of Art. Tragen soll es dort das neurotische Sternchen Daphne Kluger (Anne Hathaway) und Rose erscheint ihr nach ein paar manipulativen Tricksereien als die perfekte Designerin für die Abendgarderobe.
Ja, tatsächlich: Daphne Kluger, da muss man an Diane Kruger denken, doch nur Heidi Klum taucht von den deutschen Prominenten wirklich auf - „Ocean's 8" ist in Sachen Prominenz ein paar Zähler unterhalb von „Ocean's 11" anzusiedeln und nicht alle Witze zünden. Der größte Gag ist tatsächlich, dass Danny Ocean auf einem Friedhof liegt, Todesjahr 2018. Man kann George Clooney förmlich grinsen sehen, anlässlich dieser Gemeinheit gegenüber den Fans von Ocean's 11-13, in denen Steven Soderbergh mit Clooney, Pitt und einer erweiterten Star-Riege die Rat Pack-Raubzüge von Frank Sinatra, Dean Martin und Co aus den Sechziger Jahren herrlich wiederbelebte. Aber jetzt ist Frauen-Power angesagt bei „Ocean's 8": Sandra Bullock, Cate Blanchett, Anne Hathaway, Rihanna und Helena Bonham Carter sind die Gallionsfiguren dieser netten Variante von Produzent Soderbergh. Allerdings lassen sich Macho-Kebbeleien und Bromance-Sprüche nicht so einfach einer Geschlechts-Operation unterziehen. Doch Zickenkrieg bleibt uns bei diesem unterhaltsamen Raubzug erspart und Bullock brilliert als Schwester von Danny Ocean, alias George Clooney.
Denn wenn „Star Wars" mit Diversifikation viel Geld machen kann, kennen die Oceans - unter damit der geniale Regisseur, Kameramann und Produzent Steven Soderbergh - diesen Trick schon lange. Nur ist „Ocean's 8" kein Soderbergh-Film. Und auch keine Frau übernahm seltsamerweise den Regie-Posten. Mit Gary Ross ist dieser nicht ideal besetzt. Er hat zwar mit „Seabiscuit", „Die Tribute von Panem" und „Pleasantville" gute Sachen auf die Leinwand gebraucht, aber diese souveräne Leichtigkeit der „Ocean's"-Serie geht ihm ab. Irgendeinen Blödsinn, die frotzelnde Kumpelhaftigkeit einer Handvoll Gauner, die besondere Chemie zwischen den eingespielten und tatsächlich lang bekannten Stars Clooney und Pit, die Chuzpe, eine zwar spannende, aber wenig originelle Nichtigkeit mit höchster Eleganz zu inszenieren, das alles ist nicht übertragbar.
So funktioniert zwar der Wechsel von Poker und Casinos zu Mode und Schmuck, der Raubzug verläuft spannend, die Überraschungen gelingen und Debbie bekommt auch ihre persönliche Rache unter. Doch Blanchett kann nur ein paar verschiedene Gesichter zeigen, weitere Beteiligte wirken unterfordert, die zweite Reihe der acht Gangsterinnen erscheint kostengünstiger und alles fühlt sich eher als nette Kopie an und nicht wie eine richtig originelle Neuauflage. Das kraftvolle feministische Versprechen von Nancy Sinatras Song „These boots are made for walkin'" wird schon gar nicht erfüllt.
Er sah gut aus, die Unterschrift war Nebensache, doch damals wurde Debbie Ocean (Sandra Bullock) aus der berühmt-berüchtigten Trickbetrüger-Familie der Oceans vom schönen Galeristen selbst reingelegt: Fünf Jahre, acht Monate und zwölf Tage im Knast folgten, aber die Eröffnungssequenz zeigt, dass wir uns um Debbie keine Sorgen machen müssen. Ein paar clever-dreiste Tricks und sie logiert neu ausgestattet in einem New Yorker Luxushotel. Alles ohne Geld und unter falschem Namen. Die alte Komplizin Lou (Cate Blanchett) haust in einem bröckeligen Loft, macht Dollars mit dem Verschneiden von Wodka und lässt sich nicht lange bitten, bei großen, unmöglichen Coup mitzumachen, den Debbie in fünf Jahren, acht Monaten und zwölf Tagen Auszeit ausgetüftelt hat.
Sandra Bullock scheint diese klasse Rolle mit maximaler Begeisterung auszufüllen. Zwar irritieren anfangs irgendwelche Veränderungen an ihrem Gesicht, die Details zu diesem Thema werden wohl in den Klatsch-Blättern zu finden sein. Gradheraus, klar und zielstrebig folgt sie Punkt für Punkt ihrer Erledigungs-Liste. Die Vorstellungsrunde der sieben (plus eins) Frauen von „Ocean's 8" gerät dank interessanter Figuren nicht zu langweiliger Routine: Da es darum geht, Cartier ein Hundert Millionen Dollar schweres Collier abzuluchsen, ist die Juwelierin Amita (Mindy Kaling) dabei. Die junge Trickbetrügerin Constance verblüfft als Schweizer Messer in Sachen Taschendiebstahl und ihre Darstellerin Awkwafina sorgt für jungen, flippigen Spaß. Rihanna gibt cool und lässig zugleich die Hackerin Nine Ball. Aufgeregt und schrullig hingegen Helena Bonham Carter als Modedesignerin Rose Weil. Denn Debbie will das Collier nicht selbst aus dem Tresor im Keller von Cartier klauen. Sie lässt es sich liefern, und zwar zur berühmten Met-Gala im New Yorker Metropolitan Museum of Art. Tragen soll es dort das neurotische Sternchen Daphne Kluger (Anne Hathaway) und Rose erscheint ihr nach ein paar manipulativen Tricksereien als die perfekte Designerin für die Abendgarderobe.
Ja, tatsächlich: Daphne Kluger, da muss man an Diane Kruger denken, doch nur Heidi Klum taucht von den deutschen Prominenten wirklich auf - „Ocean's 8" ist in Sachen Prominenz ein paar Zähler unterhalb von „Ocean's 11" anzusiedeln und nicht alle Witze zünden. Der größte Gag ist tatsächlich, dass Danny Ocean auf einem Friedhof liegt, Todesjahr 2018. Man kann George Clooney förmlich grinsen sehen, anlässlich dieser Gemeinheit gegenüber den Fans von Ocean's 11-13, in denen Steven Soderbergh mit Clooney, Pitt und einer erweiterten Star-Riege die Rat Pack-Raubzüge von Frank Sinatra, Dean Martin und Co aus den Sechziger Jahren herrlich wiederbelebte. Aber jetzt ist Frauen-Power angesagt bei „Ocean's 8": Sandra Bullock, Cate Blanchett, Anne Hathaway, Rihanna und Helena Bonham Carter sind die Gallionsfiguren dieser netten Variante von Produzent Soderbergh. Allerdings lassen sich Macho-Kebbeleien und Bromance-Sprüche nicht so einfach einer Geschlechts-Operation unterziehen. Doch Zickenkrieg bleibt uns bei diesem unterhaltsamen Raubzug erspart und Bullock brilliert als Schwester von Danny Ocean, alias George Clooney.
Denn wenn „Star Wars" mit Diversifikation viel Geld machen kann, kennen die Oceans - unter damit der geniale Regisseur, Kameramann und Produzent Steven Soderbergh - diesen Trick schon lange. Nur ist „Ocean's 8" kein Soderbergh-Film. Und auch keine Frau übernahm seltsamerweise den Regie-Posten. Mit Gary Ross ist dieser nicht ideal besetzt. Er hat zwar mit „Seabiscuit", „Die Tribute von Panem" und „Pleasantville" gute Sachen auf die Leinwand gebraucht, aber diese souveräne Leichtigkeit der „Ocean's"-Serie geht ihm ab. Irgendeinen Blödsinn, die frotzelnde Kumpelhaftigkeit einer Handvoll Gauner, die besondere Chemie zwischen den eingespielten und tatsächlich lang bekannten Stars Clooney und Pit, die Chuzpe, eine zwar spannende, aber wenig originelle Nichtigkeit mit höchster Eleganz zu inszenieren, das alles ist nicht übertragbar.
So funktioniert zwar der Wechsel von Poker und Casinos zu Mode und Schmuck, der Raubzug verläuft spannend, die Überraschungen gelingen und Debbie bekommt auch ihre persönliche Rache unter. Doch Blanchett kann nur ein paar verschiedene Gesichter zeigen, weitere Beteiligte wirken unterfordert, die zweite Reihe der acht Gangsterinnen erscheint kostengünstiger und alles fühlt sich eher als nette Kopie an und nicht wie eine richtig originelle Neuauflage. Das kraftvolle feministische Versprechen von Nancy Sinatras Song „These boots are made for walkin'" wird schon gar nicht erfüllt.
13.6.18
Die brillante Mademoiselle Neïla
Frankreich, Belgien 2017 (Le Brio) Regie: Yvan Attal, mit Daniel Auteuil, Camélia Jordana, Yasin Houicha, 97 Min. FSK ab 0
Die äußert präzise Eingangsszene lässt im riesigen Hörsaal voller MacBooks die aus Nordafrika abstammende Jura-Studentin Neïla Salah (Camélia Jordana) auf den blasierten Dozenten Pierre Mazard (Daniel Auteuil) mit seiner nasalen Arroganz und seinen rassistischen Bemerkungen. Man hat ihren langen Weg aus den Banlieues erlebt, die Kontrolle, die der weiße Student hinter ihr nicht durchmachen muss. Man spürt und begreift die enorme Wut angesichts einer weiteren Demütigung. Aber da der Ausfall vom arroganten Prof in den sozialen Medien landet, muss der widerwillig die Studentin für einen Rhetorik-Wettbewerb vorbereiten.
Schon in der nächsten Szene bekommt die seine elegante wie rücksichtlose Überlegenheit einen Reiz, den auch Neïla spürt. In einer offenen Zusammenarbeit entwickelt sie sich zu einer exzellenten Rednerin, ohne den Kontakt zu ihren Wurzeln zu verlieren. Auch Mazard, ein bedauernswerter Typ, der am Abend alleine in der Kneipe isst und säuft, wandelt sich. Die fünfte Regiearbeit des französischen Schauspielers Yvan Attal („The Jews", „Meine Frau, die Schauspielerin") ist ein genau beobachtetes, klares, engagiertes und Klischee-freies Plädoyer für das Zusammenleben und die Ausbildung der Humanität. Neben dem Star Daniel Auteuil begeistert Camélia Jordana mit großartigem Lachen und allen anderen Gefühlslagen.
Die äußert präzise Eingangsszene lässt im riesigen Hörsaal voller MacBooks die aus Nordafrika abstammende Jura-Studentin Neïla Salah (Camélia Jordana) auf den blasierten Dozenten Pierre Mazard (Daniel Auteuil) mit seiner nasalen Arroganz und seinen rassistischen Bemerkungen. Man hat ihren langen Weg aus den Banlieues erlebt, die Kontrolle, die der weiße Student hinter ihr nicht durchmachen muss. Man spürt und begreift die enorme Wut angesichts einer weiteren Demütigung. Aber da der Ausfall vom arroganten Prof in den sozialen Medien landet, muss der widerwillig die Studentin für einen Rhetorik-Wettbewerb vorbereiten.
Schon in der nächsten Szene bekommt die seine elegante wie rücksichtlose Überlegenheit einen Reiz, den auch Neïla spürt. In einer offenen Zusammenarbeit entwickelt sie sich zu einer exzellenten Rednerin, ohne den Kontakt zu ihren Wurzeln zu verlieren. Auch Mazard, ein bedauernswerter Typ, der am Abend alleine in der Kneipe isst und säuft, wandelt sich. Die fünfte Regiearbeit des französischen Schauspielers Yvan Attal („The Jews", „Meine Frau, die Schauspielerin") ist ein genau beobachtetes, klares, engagiertes und Klischee-freies Plädoyer für das Zusammenleben und die Ausbildung der Humanität. Neben dem Star Daniel Auteuil begeistert Camélia Jordana mit großartigem Lachen und allen anderen Gefühlslagen.
12.6.18
Vom Ende einer Geschichte
Großbritannien 2017 (The Sense of an Ending) Regie: Ritesh Batra mit Jim Broadbent, Charlotte Rampling, Harriet Walter 108 Min. FSK ab 0
Die Verfilmung des hochgelobten und mit dem Man Booker Prize ausgezeichneten Romans „The Sense of an ending" von Julian Barnes ist ein wunderbar subtil ausgeführtes Melodram über die Subjektivität der Erinnerung. Jim Broadbent glänzt darin als scheinbar freundlicher, alter Kauz, der einer furchtbaren Lebenslüge auf die Spur kommt.
Tony Webster (Broadbent) wirkt wie ein sympathischer und trotz Scheidung zufriedener Sonderling, der noch Briefe schreibt und Leica-Kameras verkauft. Er gibt beim Geburtsvorbereitungskurs für die lesbische Tochter die Vertretung der Vertretung und kebbelt sich mit seiner Ex, die davon eher genervt scheint. Bis der Brief einer Kanzlei ihn über den Tod der Mutter seiner ersten Freundin informiert. In Studienzeiten Mitte der 60er-Jahre traf Tony Veronica, die junge Frau mit der Leica. Sie waren eine Weile zusammen, er durfte für ein seltsames Wochenende mit zum Landhaus ihrer Eltern. Dann aber verlässt ihn Veronica für seinen besten Freund Adrian, der sich bald darauf umbringt.
Dass Geschichte laut Patrick Lagrange „die Lüge der Sieger und die Einbildung der Besiegten" sei, ist die Grundidee von Film und Buch, reflektiert in Tonys Philosophie-Seminar. Denn in den umständlichen Erzählungen gegenüber seiner geschiedenen Frau, redet der irritierte alte Tony konstant über sich selbst und um einen unbestimmten heißen Brei herum. Als er nach eher komischen Versuchen die gealterte Veronica (Charlotte Rampling) ausfindig machen kann, die nichts von ihm wissen will, wird aus der nonchalanten Postkarte für das frische Liebespaar seiner Erinnerung ganz real ein bitterböser Brief voller Verwünschungen. Und dass der freundlichen Fassade Tonys auch raue Antworten und Ausbrüche entschlüpfen, zeigt, dass er nicht wirklich in seinem Leben ruht.
Regisseur Ritesh Batra, der schon 2013 mit seinem Debüt „Lunchbox" begeisterte, verschachtelt gekonnt Erzähl-Ebenen und -Perspektiven. Ihm gelingt die Verbindung der Zeitebenen auf verschiedene Weise formvollendet. Unter den großartigen Schauspieler für die alten und jungen Rollen sticht Jim Broadbent („Iris", „Moulin Rouge") hervor, als egozentrischer alter Mann, der sich zum Schlechteren wandelt. Diese völlig glaubhaft verkörperte Rolle lockert Broadbent mit den ihm typischen linkischen Einlagen auf. Die Erinnerung an eine alte, schmerzliche Liebesgeschichte wandelt sich in den Hass einer unerfüllten Liebe, ein düsteres Geheimnis enthüllt sich nur teilweise. Nick Drakes Klassiker „Time has told me" gibt dabei musikalisch die Stimmung vor.
Die Verfilmung des hochgelobten und mit dem Man Booker Prize ausgezeichneten Romans „The Sense of an ending" von Julian Barnes ist ein wunderbar subtil ausgeführtes Melodram über die Subjektivität der Erinnerung. Jim Broadbent glänzt darin als scheinbar freundlicher, alter Kauz, der einer furchtbaren Lebenslüge auf die Spur kommt.
Tony Webster (Broadbent) wirkt wie ein sympathischer und trotz Scheidung zufriedener Sonderling, der noch Briefe schreibt und Leica-Kameras verkauft. Er gibt beim Geburtsvorbereitungskurs für die lesbische Tochter die Vertretung der Vertretung und kebbelt sich mit seiner Ex, die davon eher genervt scheint. Bis der Brief einer Kanzlei ihn über den Tod der Mutter seiner ersten Freundin informiert. In Studienzeiten Mitte der 60er-Jahre traf Tony Veronica, die junge Frau mit der Leica. Sie waren eine Weile zusammen, er durfte für ein seltsames Wochenende mit zum Landhaus ihrer Eltern. Dann aber verlässt ihn Veronica für seinen besten Freund Adrian, der sich bald darauf umbringt.
Dass Geschichte laut Patrick Lagrange „die Lüge der Sieger und die Einbildung der Besiegten" sei, ist die Grundidee von Film und Buch, reflektiert in Tonys Philosophie-Seminar. Denn in den umständlichen Erzählungen gegenüber seiner geschiedenen Frau, redet der irritierte alte Tony konstant über sich selbst und um einen unbestimmten heißen Brei herum. Als er nach eher komischen Versuchen die gealterte Veronica (Charlotte Rampling) ausfindig machen kann, die nichts von ihm wissen will, wird aus der nonchalanten Postkarte für das frische Liebespaar seiner Erinnerung ganz real ein bitterböser Brief voller Verwünschungen. Und dass der freundlichen Fassade Tonys auch raue Antworten und Ausbrüche entschlüpfen, zeigt, dass er nicht wirklich in seinem Leben ruht.
Regisseur Ritesh Batra, der schon 2013 mit seinem Debüt „Lunchbox" begeisterte, verschachtelt gekonnt Erzähl-Ebenen und -Perspektiven. Ihm gelingt die Verbindung der Zeitebenen auf verschiedene Weise formvollendet. Unter den großartigen Schauspieler für die alten und jungen Rollen sticht Jim Broadbent („Iris", „Moulin Rouge") hervor, als egozentrischer alter Mann, der sich zum Schlechteren wandelt. Diese völlig glaubhaft verkörperte Rolle lockert Broadbent mit den ihm typischen linkischen Einlagen auf. Die Erinnerung an eine alte, schmerzliche Liebesgeschichte wandelt sich in den Hass einer unerfüllten Liebe, ein düsteres Geheimnis enthüllt sich nur teilweise. Nick Drakes Klassiker „Time has told me" gibt dabei musikalisch die Stimmung vor.
Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes
BRD, Italien, Schweiz, Frankreich 2018 Regie: Wim Wenders 96 Min. FSK ab 0
Von Wim Wenders, Papst des Neuen Deutschen Films, Palmen-Gewinner mit „Paris, Texas" und ewig junger Bild-Visionär, kann man auch dokumentarisch einiges erwarten. „Pina", seine Würdigung der Tänzerin Pina Bausch war der bislang einzige Film im neuen 3D, der Grenzen verlagerte und berauschte. Die kubanische Musik-Doku „Buena Vista Social Club" kümmerte sich zwar nicht wirklich ums Leben in Kuba, wurde aber ein Hit und musikalisch ein Dauerbrenner. Zuletzt berührte der Augenmensch Wenders tief mit dem Öko-Wunder und Porträt des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado, „Das Salz der Erde". Und nun eine filmische Audienz beim Papst, die durchgehend enttäuscht. „Papst Franziskus" ist der schlechteste Wenders überhaupt, eine distanz- und kritiklose Beweihräucherung eines überkommenen Religions-Führers.
Ja, so kennt man Wim Wenders, wie er sich auf der Tonspur Gedanken über die Zeit und den Zustand der Welt macht, dazu im Zeitraffer Luftaufnahmen von Castel Gandolfo. Dessen berühmter Bewohner, der aktuelle Papst, wird bei Franz von Assisi verortet, nach dem er sich benannte: „Ein Revolutionär, ein Visionär, der sich für die Armut entschied und einen Bettlerorden gründete. Genau das, was heute gebraucht wird?" fragt Wenders auf der Tonspur. Ja, wäre nicht schlecht, wenn jemand das florierende Unternehmen Katholische Kirche zu einem Bettlerorden umwandeln und die Billarden an Vermögen zum Mindern des Leides der Menschheit einsetzen würde. Dieser Papst Franziskus redet allerdings nur davon. Dies jedoch brillant, eine perfekte Werbefigur. Dieser Mann, der immer im langen Kleid rumläuft, hat nicht nur die Menge im Griff, er gewinnt auch beim festen Blick in die Kamera.
Bei vier Audienzen saß der Papst vor der Kamera von Wenders. Die Produktion wurde vom Medienteam des Vatikan initiiert, der Regisseur betont allerdings seine großen Freiheiten. Franziskus, der erste Papst aus der südlichen Hemisphäre, spricht konzentriert in die Kamera, macht Denk-Pausen, spult keine Phrasen ab. Man nimmt ihm die Sorge um die Erde ab. Ein Thema, dass Wenders auch in seiner letzten Doku „Das Salz der Erde" bewegte. Im Öko-Block gibt es dann auch die einzigen „großen" Bilder zu sehen, von einer Diaprojektion auf den Petersdom. Wirkungsvoller sind stimmungsvoll montierte Giotto-Fresken aus einer umbrischen Assisi-Kapelle. Und die Szenen eines jüngeren Jorge Mario Bergoglio, der in Buenos Aires predigt und die Gläubigen zu einer Geste der gegenseitigen Umarmung aufruft.
Staunen kann man tatsächlich über die Fülle des offiziellen Vatikan-Materials, aus der Wenders schöpfen konnte. Es wirkt, als sei er überall dabei gewesen. Bei den aus den Medien bekannten Auftritten und Aussagen zur Offenheit der Kirche für Homosexuelle und zur Nulltoleranz gegenüber Kindes-Missbrauch durch Priester, die den Zivilgerichten übergeben werden sollen. In der Gedenkstätte Yad Vashem, alleine in Auschwitz, auf den Flüchtlingsinseln Lampedusa und Lesbos, nach einer Sturm-Katastrophe auf den Philippinen. Hier zeigt sich allerdings auch der wahnsinnige Aberglaube hinter dem freundlichen Wort Religion.
Kopfschütteln gibt es auch bei vielen Aussagen des populären Predigers, der fast dem Dalai Lama Konkurrenz machen könnte. Mehrmals erwähnt er eine „taube Welt" und betont der Wert des Zuhörens. Eine kleine Episode über den Umgang mit dem Tod ist äußerst berührend. Starke Worte eines geschickten Redners und Rhetorikers zeigen einen Mann mit sozialem Bewusstsein und Gewissen, der als über 80-Jähriger allerdings nicht auf dem neuesten Stand ist. Erzkonservativ und altmodisch klingt die Betonung vom Wert des Bodens und der klassischen Familie, die für aktuelle Probleme wie Robotisierung oder globale Finanzmärkte wertlos bleibt. Die Empörung über geschlossene Wohnanlagen, die in den 70er auch in Argentinien aufkamen, erscheint aufrichtig in diesem offenen Gesicht. Dass er mit seinem Klan selbst in geschlossenen Wohnanlagen lebt, könnte Wenders dezent im Bild andeuten. Doch „Papst Franziskus" ist ein Fan-Film, Wenders zeigt nichts von seinem sehr genauen Auge, das auch widersprüchliche Details einfangen kann. Höchstens die Aufnahmen der meist feisten Kurien-Bischöfe bei einer weiteren Armuts-Rede könnten als ironischer Bruch verstanden werden. So ist vielleicht der Titel „Ein Mann des Wortes" die einzige Pointe: Mehr als schöne Worte sind auch von diesem rhetorisch exzellenten Führer einer weiteren, extrem reichen und überkommenen Religion nicht zu erwarten.
Von Wim Wenders, Papst des Neuen Deutschen Films, Palmen-Gewinner mit „Paris, Texas" und ewig junger Bild-Visionär, kann man auch dokumentarisch einiges erwarten. „Pina", seine Würdigung der Tänzerin Pina Bausch war der bislang einzige Film im neuen 3D, der Grenzen verlagerte und berauschte. Die kubanische Musik-Doku „Buena Vista Social Club" kümmerte sich zwar nicht wirklich ums Leben in Kuba, wurde aber ein Hit und musikalisch ein Dauerbrenner. Zuletzt berührte der Augenmensch Wenders tief mit dem Öko-Wunder und Porträt des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado, „Das Salz der Erde". Und nun eine filmische Audienz beim Papst, die durchgehend enttäuscht. „Papst Franziskus" ist der schlechteste Wenders überhaupt, eine distanz- und kritiklose Beweihräucherung eines überkommenen Religions-Führers.
Ja, so kennt man Wim Wenders, wie er sich auf der Tonspur Gedanken über die Zeit und den Zustand der Welt macht, dazu im Zeitraffer Luftaufnahmen von Castel Gandolfo. Dessen berühmter Bewohner, der aktuelle Papst, wird bei Franz von Assisi verortet, nach dem er sich benannte: „Ein Revolutionär, ein Visionär, der sich für die Armut entschied und einen Bettlerorden gründete. Genau das, was heute gebraucht wird?" fragt Wenders auf der Tonspur. Ja, wäre nicht schlecht, wenn jemand das florierende Unternehmen Katholische Kirche zu einem Bettlerorden umwandeln und die Billarden an Vermögen zum Mindern des Leides der Menschheit einsetzen würde. Dieser Papst Franziskus redet allerdings nur davon. Dies jedoch brillant, eine perfekte Werbefigur. Dieser Mann, der immer im langen Kleid rumläuft, hat nicht nur die Menge im Griff, er gewinnt auch beim festen Blick in die Kamera.
Bei vier Audienzen saß der Papst vor der Kamera von Wenders. Die Produktion wurde vom Medienteam des Vatikan initiiert, der Regisseur betont allerdings seine großen Freiheiten. Franziskus, der erste Papst aus der südlichen Hemisphäre, spricht konzentriert in die Kamera, macht Denk-Pausen, spult keine Phrasen ab. Man nimmt ihm die Sorge um die Erde ab. Ein Thema, dass Wenders auch in seiner letzten Doku „Das Salz der Erde" bewegte. Im Öko-Block gibt es dann auch die einzigen „großen" Bilder zu sehen, von einer Diaprojektion auf den Petersdom. Wirkungsvoller sind stimmungsvoll montierte Giotto-Fresken aus einer umbrischen Assisi-Kapelle. Und die Szenen eines jüngeren Jorge Mario Bergoglio, der in Buenos Aires predigt und die Gläubigen zu einer Geste der gegenseitigen Umarmung aufruft.
Staunen kann man tatsächlich über die Fülle des offiziellen Vatikan-Materials, aus der Wenders schöpfen konnte. Es wirkt, als sei er überall dabei gewesen. Bei den aus den Medien bekannten Auftritten und Aussagen zur Offenheit der Kirche für Homosexuelle und zur Nulltoleranz gegenüber Kindes-Missbrauch durch Priester, die den Zivilgerichten übergeben werden sollen. In der Gedenkstätte Yad Vashem, alleine in Auschwitz, auf den Flüchtlingsinseln Lampedusa und Lesbos, nach einer Sturm-Katastrophe auf den Philippinen. Hier zeigt sich allerdings auch der wahnsinnige Aberglaube hinter dem freundlichen Wort Religion.
Kopfschütteln gibt es auch bei vielen Aussagen des populären Predigers, der fast dem Dalai Lama Konkurrenz machen könnte. Mehrmals erwähnt er eine „taube Welt" und betont der Wert des Zuhörens. Eine kleine Episode über den Umgang mit dem Tod ist äußerst berührend. Starke Worte eines geschickten Redners und Rhetorikers zeigen einen Mann mit sozialem Bewusstsein und Gewissen, der als über 80-Jähriger allerdings nicht auf dem neuesten Stand ist. Erzkonservativ und altmodisch klingt die Betonung vom Wert des Bodens und der klassischen Familie, die für aktuelle Probleme wie Robotisierung oder globale Finanzmärkte wertlos bleibt. Die Empörung über geschlossene Wohnanlagen, die in den 70er auch in Argentinien aufkamen, erscheint aufrichtig in diesem offenen Gesicht. Dass er mit seinem Klan selbst in geschlossenen Wohnanlagen lebt, könnte Wenders dezent im Bild andeuten. Doch „Papst Franziskus" ist ein Fan-Film, Wenders zeigt nichts von seinem sehr genauen Auge, das auch widersprüchliche Details einfangen kann. Höchstens die Aufnahmen der meist feisten Kurien-Bischöfe bei einer weiteren Armuts-Rede könnten als ironischer Bruch verstanden werden. So ist vielleicht der Titel „Ein Mann des Wortes" die einzige Pointe: Mehr als schöne Worte sind auch von diesem rhetorisch exzellenten Führer einer weiteren, extrem reichen und überkommenen Religion nicht zu erwarten.
Overboard
USA 2018 Regie: Rob Greenberg, mit Eugenio Derbez, Anna Faris, Eva Longoria, 112 Min.
Das Original vom Komödien-Könner Garry Marshall mit Goldie Hawn und Kurt Russell hieß „Overboard – Ein Goldfisch fällt ins Wasser". Dementsprechend wird das billige Remake hiermit zu „Overboard - Eine witzige Idee geht im Klamauk unter" schiffs-getauft. Gab 1987 Goldie Horn die reiche Zicke, die nach Sturz von der Luxusjacht und Gedächtnisverlust hämisch in ein hartes Arbeitsleben eingespannt wurde, erleben wir 2018 einen Rollenwechsel: Leonardo (Eugenio Derbez), ist der schon recht alte und sehr reiche Sohn aus Mexiko, der auf der Luxusjacht im Macholeben haufenweise junge Frauen verschleißt und sein Personal terrorisiert. Als Kate (Anna Faris), die alleinerziehenden Mutter dreier Kinder, bei einem ihrer beiden Jobs den Dreck von Leonardo wegwischen soll, geraten die beiden aneinander und Kate landet unfreiwillig mit ihrem Arbeitsgerät im Wasser. Doch erst in der folgenden Nacht stürzt auch das reiche Ekel besoffen von der Luxus-Yacht und wird mit Gedächtnisverlust an den Strand gespült. Nach einer Folge recht haarsträubender Zufälle holt sich Kate mit falschen Dokumenten den verwirrten Mann als ihren Ehemann nach Hause. Kinder und Freunde spielen mit, und so muss Leonardo plötzlich arbeiten, auf Kinder aufpassen und dazu noch im Schuppen schlafen. Nur solange bis Kate die Prüfung zur Krankenpflegerin geschafft hat...
„Ich bin arm? Ich arbeite? Das kann nicht mein Leben sein!" Dieser seltsame Gedächtnisverlust, ohne große Kenntnis der realen medizinischen Situation, ist wohl das größte Unglück in dieser an Fehlern und Unwahrscheinlichkeiten reichen Geschichte. Aber sie kommt halt aus sehr heiterem Himmel, die eigentliche und eigentlich nette Idee des Films. Dass nicht nur Kate anfangs mit viel Spaß ihren weiterhin eher stupiden Peiniger quält, sondern auch die neuen Kollegen auf der Baustelle eine Rache der Arbeiterklasse an dem Typen mit den manikürten Händen durchziehen, liefert weitere Scherze der Kategorie Schenkelklopfer. Nebenbei finden sich an der sozialen Grenze zwischen den USA und Mexiko auch Spott auf Kosten der reichen Amis und Sympathien für die armen Einwanderer. In Amerika läuft der Film über lange Strecken im untertitelten Spanisch und zielt vor allem auf ein Telenovela-Publikum.
Während Anna Faris als Goldie Horn-Double Mitgefühl für die gutherzige Kämpferin erwecken soll, darf der eigentlich zu alte mexikanische Komiker Eugenio Derbez den Clown raushängen lassen und punktet dabei leichter. Beide sind jedoch keine Top-Komödianten, den Begriff „Romantische Komödie" würde man mit diesem Klamauk-Versuch nur beschmutzen. Vieles ist hier so billig wie bei den beliebten Latino-Soaps: Minimal grundierte Figuren, die Entwicklung Leonardo von nichts zum idealen Vater, Mann, Koch , Pädagogen und Spanisch-Lehrer unglaublich sorglos runter geschrieben. Im Hollywood-Realismus kann die letztendliche Entscheidung zwischen Geld und Liebe nie eine echte sein. Das Happy End liefert beides - unecht und aus Plastik.
Das Original vom Komödien-Könner Garry Marshall mit Goldie Hawn und Kurt Russell hieß „Overboard – Ein Goldfisch fällt ins Wasser". Dementsprechend wird das billige Remake hiermit zu „Overboard - Eine witzige Idee geht im Klamauk unter" schiffs-getauft. Gab 1987 Goldie Horn die reiche Zicke, die nach Sturz von der Luxusjacht und Gedächtnisverlust hämisch in ein hartes Arbeitsleben eingespannt wurde, erleben wir 2018 einen Rollenwechsel: Leonardo (Eugenio Derbez), ist der schon recht alte und sehr reiche Sohn aus Mexiko, der auf der Luxusjacht im Macholeben haufenweise junge Frauen verschleißt und sein Personal terrorisiert. Als Kate (Anna Faris), die alleinerziehenden Mutter dreier Kinder, bei einem ihrer beiden Jobs den Dreck von Leonardo wegwischen soll, geraten die beiden aneinander und Kate landet unfreiwillig mit ihrem Arbeitsgerät im Wasser. Doch erst in der folgenden Nacht stürzt auch das reiche Ekel besoffen von der Luxus-Yacht und wird mit Gedächtnisverlust an den Strand gespült. Nach einer Folge recht haarsträubender Zufälle holt sich Kate mit falschen Dokumenten den verwirrten Mann als ihren Ehemann nach Hause. Kinder und Freunde spielen mit, und so muss Leonardo plötzlich arbeiten, auf Kinder aufpassen und dazu noch im Schuppen schlafen. Nur solange bis Kate die Prüfung zur Krankenpflegerin geschafft hat...
„Ich bin arm? Ich arbeite? Das kann nicht mein Leben sein!" Dieser seltsame Gedächtnisverlust, ohne große Kenntnis der realen medizinischen Situation, ist wohl das größte Unglück in dieser an Fehlern und Unwahrscheinlichkeiten reichen Geschichte. Aber sie kommt halt aus sehr heiterem Himmel, die eigentliche und eigentlich nette Idee des Films. Dass nicht nur Kate anfangs mit viel Spaß ihren weiterhin eher stupiden Peiniger quält, sondern auch die neuen Kollegen auf der Baustelle eine Rache der Arbeiterklasse an dem Typen mit den manikürten Händen durchziehen, liefert weitere Scherze der Kategorie Schenkelklopfer. Nebenbei finden sich an der sozialen Grenze zwischen den USA und Mexiko auch Spott auf Kosten der reichen Amis und Sympathien für die armen Einwanderer. In Amerika läuft der Film über lange Strecken im untertitelten Spanisch und zielt vor allem auf ein Telenovela-Publikum.
Während Anna Faris als Goldie Horn-Double Mitgefühl für die gutherzige Kämpferin erwecken soll, darf der eigentlich zu alte mexikanische Komiker Eugenio Derbez den Clown raushängen lassen und punktet dabei leichter. Beide sind jedoch keine Top-Komödianten, den Begriff „Romantische Komödie" würde man mit diesem Klamauk-Versuch nur beschmutzen. Vieles ist hier so billig wie bei den beliebten Latino-Soaps: Minimal grundierte Figuren, die Entwicklung Leonardo von nichts zum idealen Vater, Mann, Koch , Pädagogen und Spanisch-Lehrer unglaublich sorglos runter geschrieben. Im Hollywood-Realismus kann die letztendliche Entscheidung zwischen Geld und Liebe nie eine echte sein. Das Happy End liefert beides - unecht und aus Plastik.
4.6.18
Auf der Suche nach Oum Kulthum
BRD, Österreich, Italien, Marokko 2017 (Looking for Oum Kulthum) Regie: Shirin Neshat mit Neda Rahmanian, Yasmin Raeis, Mehdi Moinzadeh, Kais Nashif 91 Min. FSK ab 0
Mitra wandelt mit ihrer modernen Bekleidung quasi in der Vergangenheit der berühmten ägyptischen Sängerin Oum Kulthum (1904-1975) herum. Folgt in einem Dorf in vergilbten Farbtönen dem jungen Mädchen, das zur Zwangsheirat weggeben wird. Die Puppe als Symbol der Kindheit fliegt in eine Ecke. Das staunende Mitfühlen zeigt sich auf dem Gesicht der Filmemacherin. Plötzlich steht ein kleiner Junge in der historischen Szene und ruft „Mama!". Ihr Sohn ruft sie zurück in die Gegenwart. Dort castet die Regisseurin Mitra (Neda Rahmanian) für ihren Film über Oum Kulthum. Ein Dreh mit einigen Problemen, an denen die zerrissene Künstlerin fast zerbricht.
Shirin Neshat, die iranisch-amerikanische Regisseurin von „Women without Men" (2009), realisierte keine gewöhnliche Biografie, das wird schon in den ersten Bildern deutlich. Die bildende Künstlerin verknüpft aussagekräftig das Leben des bewunderten Stars Oum Kulthum mit Frauen von heute: Oum Kulthum, die „Maria Callas Ägyptens", die durch ihre Berühmtheit in einer sehr patriarchalen Welt relativ unabhängig sein konnte. Dann die Lehrerin Ghada (Yasmin Raeis), die für die Rolle der Sängerin gecastet wurde, aber nur zögerlich die Aufgabe annimmt. Und schließlich Mitra zwischen den Welten, angefeindet für ihre Interpretation und als Exil-Iranerin, als „Fremde, die nicht mal Arabisch spricht". Bei Mitra wird der gefeierte Mythos der noch vierzig Jahre nach ihrem Tod in der muslimischen Welt verehrten Sängerin entzaubert und politisiert, wobei auffällig viel vom eigenen Karriere-Kampf der Regisseurin einfließt.
Immer wieder gibt es überraschende Wechsel zwischen Film und historischem Film-im-Film, die Gefühle und Situationen spiegeln sich. Shirin Neshat will vor allem mit Bildern, Farben und poetischen Szenen etwas vermitteln, auch wenn die Fakten nicht ausgespart bleiben. Ägyptens Geschichte von Nassers Revolution in den 50er Jahren bildet auch den Hintergrund für so etwas wie einen Polit-Krimi über die Haltung des Stars zum Herrscher. Frauen-Proteste für politische Rechte und Bildung gab es übrigens schon 1914, sie wurden allerdings blutig unterdrückt. Dies sind allerdings recht bekannte Positionen. Wie vieles wird hier eher der Status quo bestätigt, selten blitzen neue Erkenntnisse auf. Die Bilder zwischen den gesellschaftskritischen Behauptungen behalten trotzdem ihre eigenwillige Kraft. Und selbstverständlich auch die Musik von Oum Kulthum, die in nachgespielten Szenen nicht zu kurz kommt.
Mitra wandelt mit ihrer modernen Bekleidung quasi in der Vergangenheit der berühmten ägyptischen Sängerin Oum Kulthum (1904-1975) herum. Folgt in einem Dorf in vergilbten Farbtönen dem jungen Mädchen, das zur Zwangsheirat weggeben wird. Die Puppe als Symbol der Kindheit fliegt in eine Ecke. Das staunende Mitfühlen zeigt sich auf dem Gesicht der Filmemacherin. Plötzlich steht ein kleiner Junge in der historischen Szene und ruft „Mama!". Ihr Sohn ruft sie zurück in die Gegenwart. Dort castet die Regisseurin Mitra (Neda Rahmanian) für ihren Film über Oum Kulthum. Ein Dreh mit einigen Problemen, an denen die zerrissene Künstlerin fast zerbricht.
Shirin Neshat, die iranisch-amerikanische Regisseurin von „Women without Men" (2009), realisierte keine gewöhnliche Biografie, das wird schon in den ersten Bildern deutlich. Die bildende Künstlerin verknüpft aussagekräftig das Leben des bewunderten Stars Oum Kulthum mit Frauen von heute: Oum Kulthum, die „Maria Callas Ägyptens", die durch ihre Berühmtheit in einer sehr patriarchalen Welt relativ unabhängig sein konnte. Dann die Lehrerin Ghada (Yasmin Raeis), die für die Rolle der Sängerin gecastet wurde, aber nur zögerlich die Aufgabe annimmt. Und schließlich Mitra zwischen den Welten, angefeindet für ihre Interpretation und als Exil-Iranerin, als „Fremde, die nicht mal Arabisch spricht". Bei Mitra wird der gefeierte Mythos der noch vierzig Jahre nach ihrem Tod in der muslimischen Welt verehrten Sängerin entzaubert und politisiert, wobei auffällig viel vom eigenen Karriere-Kampf der Regisseurin einfließt.
Immer wieder gibt es überraschende Wechsel zwischen Film und historischem Film-im-Film, die Gefühle und Situationen spiegeln sich. Shirin Neshat will vor allem mit Bildern, Farben und poetischen Szenen etwas vermitteln, auch wenn die Fakten nicht ausgespart bleiben. Ägyptens Geschichte von Nassers Revolution in den 50er Jahren bildet auch den Hintergrund für so etwas wie einen Polit-Krimi über die Haltung des Stars zum Herrscher. Frauen-Proteste für politische Rechte und Bildung gab es übrigens schon 1914, sie wurden allerdings blutig unterdrückt. Dies sind allerdings recht bekannte Positionen. Wie vieles wird hier eher der Status quo bestätigt, selten blitzen neue Erkenntnisse auf. Die Bilder zwischen den gesellschaftskritischen Behauptungen behalten trotzdem ihre eigenwillige Kraft. Und selbstverständlich auch die Musik von Oum Kulthum, die in nachgespielten Szenen nicht zu kurz kommt.
Goodbye Christopher Robin
Großbritannien 2017 Regie: Simon Curtis mit Domhnall Gleeson, Margot Robbie, Alex Lawther, Kelly MacDonald, Stephen Campbell Moore 107 Min. FSK ab 6
„Wer hätte gedacht, dass dieser Bär uns verschlingen würde ..." Ja, tatsächlich, die Geschichte von Pu der Bär (Winnie-the-pooh), eines kleinen Bären „von sehr geringem Verstand", wurde eine riesige (Erfolgs-) Geschichte. Im deutschen Sprachraum besonders beliebt dank der genialen Neuübersetzung und Nacherzählung durch Harry Rowohlt. Das illustrierte Kinderbuch des britischen Schriftstellers A.A. Milne wurde inspiriert von den Stofftieren seines Sohnes, im Buch Christopher Robin genannt. Wie ausgerechnet das Grauen des Krieges zu diesem wunderbaren Buch führte, und wie Christopher Robin selbst unter dem Erfolg zu leiden hatte, erzählt „Goodbye Christopher Robin" auf eine annähernd anrührende Weise nach.
Wir erleben Alan Alexander Milne (Domhnall Gleeson), den Schöpfer der leichten, verspielten Geschichten um Pu der Bär, zu Beginn als traumatisierten Zyniker nach furchtbaren Erlebnissen im Ersten Weltkrieg. Der Autor hat größte Schwierigkeiten, sein Leben weiterzuführen. Immer wieder kommen grausige Erinnerungen an die Laufgräben hoch, an die Fliegen von den Leichen. Kaum jemand in der englischen Gesellschaft versteht das, ein Verleger nimmt Milnes ironische Schilderung vom Autor mit Schreibmaschine und Sherryglas im Giftgas für bare Münze. Nun will A.A. Milne, der die Machthaber, die „ihr Volk" in Kriege hetzen, heftig kritisiert, mit seinem nächsten Werk verhindern, dass es wieder einen Krieg geben wird. Aber eine Schreibblockade verhindert, dass er überhaupt etwas aufs Papier bringt.
Der Umzug aufs Land hilft nicht, die Geburt und das Aufwachsen eines Sohnes berührt Milne kaum. Die Ehefrau Margot Robbie (Daphne Milne) vergnügt sich allein in London, das Kindermädchen Olive (Kelly MacDonald) ist dem Jungen eine wahre Mutter. Doch als diese plötzlich weg muss, beginnt das kaum existierende Verhältnis Milnes zu seinem Moon genannten Sohn zu wachsen: Gemeinsam gehen sie auf Honigsuche in den Wald. Das Summen der Insekten treibt den Vater nicht mehr in Panik, weil das Kind erkennt, das sind Bienen und keine (Leichen-) Fliegen. Denn der Kleine versteht auch ohne Erklärungen enorm viel. Als sie endlich Luftballons platzen lassen können, ohne dass Milne wegen der vermeintlichen Explosionen erstarrt, ist das ein doppeltes Fest. Vater und Sohn erfinden und erleben Abenteuer, der zerrüttete Mann wird selber wieder Kind und lässt sich vom Sohn Moon beraten. Denn bald hält er die Geschichten der beiden und der Stofftiere des Sohnes zusammen mit seinem Zeichner und Leidensgenossen des Krieges schriftlich fest und „Winnie-the-pooh" wird ab 1926 rasant zum weltweiten Erfolg.
Mit erschreckenden Folgen für das Kind: Christopher Robin wird als Kinderstar vermarktet, die kalte, hartherzige Mutter wandelt sich zum erfolgsgeilen Manager. Die Eltern lassen sich auf Welttournee feiern. Der junge Moon bleibt allein zuhause, wo nur das Kindermädchen versteht, besser versteht, wie es um das Kind steht. Die Tragödie, Christopher Robin zu sein, bestimmt den letzten Teil des Films, in dem der auf Schule und Internat dauernd gehänselte Junge unbedingt zum Militär will. Die ursprünglichen Bestrebungen von A.A. Milne scheinen sich auf Grausamste in ihr Gegenteil zu verkehren. Christopher Robin Milne wurde selber später Schriftsteller und schrieb auch über diese Zeit mit seinem Vater.
„Goodbye Christopher Robin" entwickelt sich für eine „Pu der Bär-Autobiografie" überraschend aus dunklen Abgründen des Krieges und seiner Folgen. Wie eine komplett zerrüttete Familie durch Kindergeschichten wieder zusammenfindet, beschert den Freunden des niedlichen und seltsamen Bären viel glückbringendes Wiedererkennen. Es ist schön, wie die Figuren des berühmten Kinderbuches langsam eingeführt und entwickelt werden. Dabei aber immer packend exakt gezeichnet und vor allem von Domhnall Gleeson („The Revenant", „Star Wars: Das Erwachen Der Macht") ungeheuer gut gespielt, wie Milne mit seinen Dämonen kämpft und wie Moon ängstlich und tapfer den Vater retten will. Der Sohn ist ein kluges Kerlchen, findet ein paar bessere Worte für Gedichte und berät den Vater bei der Geschichte. Das ist in warmen Farben fotografiert, die selbstverständlich auch mal dunkel werden.
So eine intensive und berührende Geschichte konnte man von Simon Curtis, dem Regisseur der ebenfalls freien biografischen Episode „My Week With Marilyn" und dem nicht ganz so starken Raubkunst-Drama „Die Frau in Gold" erwarten. Eine sehr aktuelle Anklage gegen den Wahnsinn des Krieges und gegen die Politiker, die ihn zulassen, hingegen nicht direkt im Umfeld von „Pu der Bär". Dass aber genau diese Verbindung - sicherlich im Geiste von A.A. Milne - gelingt, dass auch noch das frühe Drama eines Kinderstars nahtlos eingeflochten ist, macht „Goodbye Christopher Robin" zu einem ganz außerordentlich sehenswerten Film.
„Wer hätte gedacht, dass dieser Bär uns verschlingen würde ..." Ja, tatsächlich, die Geschichte von Pu der Bär (Winnie-the-pooh), eines kleinen Bären „von sehr geringem Verstand", wurde eine riesige (Erfolgs-) Geschichte. Im deutschen Sprachraum besonders beliebt dank der genialen Neuübersetzung und Nacherzählung durch Harry Rowohlt. Das illustrierte Kinderbuch des britischen Schriftstellers A.A. Milne wurde inspiriert von den Stofftieren seines Sohnes, im Buch Christopher Robin genannt. Wie ausgerechnet das Grauen des Krieges zu diesem wunderbaren Buch führte, und wie Christopher Robin selbst unter dem Erfolg zu leiden hatte, erzählt „Goodbye Christopher Robin" auf eine annähernd anrührende Weise nach.
Wir erleben Alan Alexander Milne (Domhnall Gleeson), den Schöpfer der leichten, verspielten Geschichten um Pu der Bär, zu Beginn als traumatisierten Zyniker nach furchtbaren Erlebnissen im Ersten Weltkrieg. Der Autor hat größte Schwierigkeiten, sein Leben weiterzuführen. Immer wieder kommen grausige Erinnerungen an die Laufgräben hoch, an die Fliegen von den Leichen. Kaum jemand in der englischen Gesellschaft versteht das, ein Verleger nimmt Milnes ironische Schilderung vom Autor mit Schreibmaschine und Sherryglas im Giftgas für bare Münze. Nun will A.A. Milne, der die Machthaber, die „ihr Volk" in Kriege hetzen, heftig kritisiert, mit seinem nächsten Werk verhindern, dass es wieder einen Krieg geben wird. Aber eine Schreibblockade verhindert, dass er überhaupt etwas aufs Papier bringt.
Der Umzug aufs Land hilft nicht, die Geburt und das Aufwachsen eines Sohnes berührt Milne kaum. Die Ehefrau Margot Robbie (Daphne Milne) vergnügt sich allein in London, das Kindermädchen Olive (Kelly MacDonald) ist dem Jungen eine wahre Mutter. Doch als diese plötzlich weg muss, beginnt das kaum existierende Verhältnis Milnes zu seinem Moon genannten Sohn zu wachsen: Gemeinsam gehen sie auf Honigsuche in den Wald. Das Summen der Insekten treibt den Vater nicht mehr in Panik, weil das Kind erkennt, das sind Bienen und keine (Leichen-) Fliegen. Denn der Kleine versteht auch ohne Erklärungen enorm viel. Als sie endlich Luftballons platzen lassen können, ohne dass Milne wegen der vermeintlichen Explosionen erstarrt, ist das ein doppeltes Fest. Vater und Sohn erfinden und erleben Abenteuer, der zerrüttete Mann wird selber wieder Kind und lässt sich vom Sohn Moon beraten. Denn bald hält er die Geschichten der beiden und der Stofftiere des Sohnes zusammen mit seinem Zeichner und Leidensgenossen des Krieges schriftlich fest und „Winnie-the-pooh" wird ab 1926 rasant zum weltweiten Erfolg.
Mit erschreckenden Folgen für das Kind: Christopher Robin wird als Kinderstar vermarktet, die kalte, hartherzige Mutter wandelt sich zum erfolgsgeilen Manager. Die Eltern lassen sich auf Welttournee feiern. Der junge Moon bleibt allein zuhause, wo nur das Kindermädchen versteht, besser versteht, wie es um das Kind steht. Die Tragödie, Christopher Robin zu sein, bestimmt den letzten Teil des Films, in dem der auf Schule und Internat dauernd gehänselte Junge unbedingt zum Militär will. Die ursprünglichen Bestrebungen von A.A. Milne scheinen sich auf Grausamste in ihr Gegenteil zu verkehren. Christopher Robin Milne wurde selber später Schriftsteller und schrieb auch über diese Zeit mit seinem Vater.
„Goodbye Christopher Robin" entwickelt sich für eine „Pu der Bär-Autobiografie" überraschend aus dunklen Abgründen des Krieges und seiner Folgen. Wie eine komplett zerrüttete Familie durch Kindergeschichten wieder zusammenfindet, beschert den Freunden des niedlichen und seltsamen Bären viel glückbringendes Wiedererkennen. Es ist schön, wie die Figuren des berühmten Kinderbuches langsam eingeführt und entwickelt werden. Dabei aber immer packend exakt gezeichnet und vor allem von Domhnall Gleeson („The Revenant", „Star Wars: Das Erwachen Der Macht") ungeheuer gut gespielt, wie Milne mit seinen Dämonen kämpft und wie Moon ängstlich und tapfer den Vater retten will. Der Sohn ist ein kluges Kerlchen, findet ein paar bessere Worte für Gedichte und berät den Vater bei der Geschichte. Das ist in warmen Farben fotografiert, die selbstverständlich auch mal dunkel werden.
So eine intensive und berührende Geschichte konnte man von Simon Curtis, dem Regisseur der ebenfalls freien biografischen Episode „My Week With Marilyn" und dem nicht ganz so starken Raubkunst-Drama „Die Frau in Gold" erwarten. Eine sehr aktuelle Anklage gegen den Wahnsinn des Krieges und gegen die Politiker, die ihn zulassen, hingegen nicht direkt im Umfeld von „Pu der Bär". Dass aber genau diese Verbindung - sicherlich im Geiste von A.A. Milne - gelingt, dass auch noch das frühe Drama eines Kinderstars nahtlos eingeflochten ist, macht „Goodbye Christopher Robin" zu einem ganz außerordentlich sehenswerten Film.
Swimming with Men
Großbritannien 2018 Regie: Oliver Parker mit Rob Brydon, Adeel Akhtar, Daniel Mays, Jim Carter, Rupert Graves 103 Min. FSK ab 0
In britischen Komödien lassen Männer, die untergehen, gerne mal die Hosen runter, und schon haben sie als Stripper in „Ganz oder gar nicht" einen Riesenerfolg. Nun drohen sechs Briten in der Eintönigkeit des etablierten Lebens zu versinken und gehen deshalb ins Wasser. Ins Badewasser, um als Synchronschwimmer die Lebensfreude wiederzufinden.
Eric (Rob Brydon) arbeitet als erfolgreicher Zahlenschieber bei einer großen Steuerberatungs-Kanzlei. Dass er dabei nicht glücklich ist, zeigt vor allem seine unmotivierte Eifersucht gegenüber der Ehefrau, die gerade in die lokale Politik einsteigt. Aus nichtigem Anlass explodierend, schmeißt Eric sich selber aus der Wohnung und quartiert sich im Hotel ein. Die Augen öffnen ihm ein Trupp witziger Männer am Beckenboden des Schwimmbades, als Eric beim Schwimmtraining tatsächlich unter Wasser die Augen öffnet. Mehrmals sieht er diese komischen Gestalten noch komischere Dinge tun, bis sie ihn einladen, bei ihrem Synchron-Training mitzumachen. Angeblich, weil ihnen für eine der kläglichen Formationen ein Mann fehlt.
Es kommt, wie es schon öfter kam: Eric lebt in dieser gemischten Männertruppe wieder auf. Die inoffizielle Weltmeisterschaft in Italien ist ein Finale, die Wiederherstellung der Ehe das eigentliche Ziel. Das kennt man fast genau so von der unübersehbaren schwedischen Inspirations-Quelle „Männer im Wasser" aus dem Jahr 2010. Und wie im Wasser-Becken sind die Schweden auch beim Film etwas besser: Das Original arbeitete die Beziehungsprobleme der Hauptfigur dramatischer aus. Vor allem die Trennung vom Kind sorgte für Aufregung und Herzschmerz. Hier ist der Sohn für Eric nur ein besserer Stichwortgeber. Doch, wie betont es schon Luke (Rupert Graves) bei der Taktik-Besprechung, beim „Schwimmen mit Männern" soll eher intuitiv ohne große Erklärung verstanden werden.
Vor allem aber, und das ist das Neue an diesem freien Remake, geht es nicht mehr um den kreativen Aufschrei der Verlierer. Bei „Swimming with Men" müssen die Erfolgreichen mal gegen den Strom schwimmen. Ausbrechen, um sich selbst wieder zu finden. Denn bei den Karrieren der Männer ist etwas Wichtiges auf der Strecke geblieben. Hier schwindet der Selbstrespekt nicht, weil „mann" keine Arbeit mehr hat, sondern weil man zu viel und zu gut den falschen Job macht. Als Zahlenschieber beim Steuerberater oder als Zahnarzt. Ok, den kleinen Gauner in der Truppe, der auf der Flucht vor der Polizei untertauchen muss, lassen wir mal als Ausnahme durchgehen.
Trotzdem bleibt der spaßige und in seinem Aufrütteln auch Ernst zu nehmende „Swimming with Men" ein feuchter Abklatsch vom Übervater dieser „Dir geht's richtig mies, mach was Verrücktes"-Filme, der großartigen Strip-Show „Ganz oder gar nicht". Als Verbeugung sieht „Silent Bob" hier aus wie Robert Carlyle aus der Originalbesetzung. Überzeugen und amüsieren kann durch den stoischen Ausdruck eines entseelten Lebens vor allem der eher unbekannte Rob Brydon als Hauptfigur Eric. Begleitet wird er von einem halben britischen All-Star-Cast: Der rundliche Jim Carter („Downton Abbey") gibt den ruhigen Senior, von dem man am Rande erfährt, dass er seit kurzem Witwer ist. Rupert Graves, der Kommissar aus „Sherlock", ist der gutaussehende Immobilien-Makler, der eine Ersatzfrau sucht. Adeel Akhtar („Four Lions") ist der Zahnarzt Kurt, der immer wieder mit neuen Fähigkeiten überrascht. Den Chaot Tom spielt der junge Thomas Turgoose aus „This is England". Regisseur Oliver Parker begeisterte bei der Wilde-Verfilmung „Ernst sein ist alles" mit Reese Witherspoon schon mal mehr, und auch seine Actionkomödie „Johnny English - Jetzt erst recht" war einiges flotter. Doch unterhaltsam ist „Swimming with Men" auf jeden Fall.
In britischen Komödien lassen Männer, die untergehen, gerne mal die Hosen runter, und schon haben sie als Stripper in „Ganz oder gar nicht" einen Riesenerfolg. Nun drohen sechs Briten in der Eintönigkeit des etablierten Lebens zu versinken und gehen deshalb ins Wasser. Ins Badewasser, um als Synchronschwimmer die Lebensfreude wiederzufinden.
Eric (Rob Brydon) arbeitet als erfolgreicher Zahlenschieber bei einer großen Steuerberatungs-Kanzlei. Dass er dabei nicht glücklich ist, zeigt vor allem seine unmotivierte Eifersucht gegenüber der Ehefrau, die gerade in die lokale Politik einsteigt. Aus nichtigem Anlass explodierend, schmeißt Eric sich selber aus der Wohnung und quartiert sich im Hotel ein. Die Augen öffnen ihm ein Trupp witziger Männer am Beckenboden des Schwimmbades, als Eric beim Schwimmtraining tatsächlich unter Wasser die Augen öffnet. Mehrmals sieht er diese komischen Gestalten noch komischere Dinge tun, bis sie ihn einladen, bei ihrem Synchron-Training mitzumachen. Angeblich, weil ihnen für eine der kläglichen Formationen ein Mann fehlt.
Es kommt, wie es schon öfter kam: Eric lebt in dieser gemischten Männertruppe wieder auf. Die inoffizielle Weltmeisterschaft in Italien ist ein Finale, die Wiederherstellung der Ehe das eigentliche Ziel. Das kennt man fast genau so von der unübersehbaren schwedischen Inspirations-Quelle „Männer im Wasser" aus dem Jahr 2010. Und wie im Wasser-Becken sind die Schweden auch beim Film etwas besser: Das Original arbeitete die Beziehungsprobleme der Hauptfigur dramatischer aus. Vor allem die Trennung vom Kind sorgte für Aufregung und Herzschmerz. Hier ist der Sohn für Eric nur ein besserer Stichwortgeber. Doch, wie betont es schon Luke (Rupert Graves) bei der Taktik-Besprechung, beim „Schwimmen mit Männern" soll eher intuitiv ohne große Erklärung verstanden werden.
Vor allem aber, und das ist das Neue an diesem freien Remake, geht es nicht mehr um den kreativen Aufschrei der Verlierer. Bei „Swimming with Men" müssen die Erfolgreichen mal gegen den Strom schwimmen. Ausbrechen, um sich selbst wieder zu finden. Denn bei den Karrieren der Männer ist etwas Wichtiges auf der Strecke geblieben. Hier schwindet der Selbstrespekt nicht, weil „mann" keine Arbeit mehr hat, sondern weil man zu viel und zu gut den falschen Job macht. Als Zahlenschieber beim Steuerberater oder als Zahnarzt. Ok, den kleinen Gauner in der Truppe, der auf der Flucht vor der Polizei untertauchen muss, lassen wir mal als Ausnahme durchgehen.
Trotzdem bleibt der spaßige und in seinem Aufrütteln auch Ernst zu nehmende „Swimming with Men" ein feuchter Abklatsch vom Übervater dieser „Dir geht's richtig mies, mach was Verrücktes"-Filme, der großartigen Strip-Show „Ganz oder gar nicht". Als Verbeugung sieht „Silent Bob" hier aus wie Robert Carlyle aus der Originalbesetzung. Überzeugen und amüsieren kann durch den stoischen Ausdruck eines entseelten Lebens vor allem der eher unbekannte Rob Brydon als Hauptfigur Eric. Begleitet wird er von einem halben britischen All-Star-Cast: Der rundliche Jim Carter („Downton Abbey") gibt den ruhigen Senior, von dem man am Rande erfährt, dass er seit kurzem Witwer ist. Rupert Graves, der Kommissar aus „Sherlock", ist der gutaussehende Immobilien-Makler, der eine Ersatzfrau sucht. Adeel Akhtar („Four Lions") ist der Zahnarzt Kurt, der immer wieder mit neuen Fähigkeiten überrascht. Den Chaot Tom spielt der junge Thomas Turgoose aus „This is England". Regisseur Oliver Parker begeisterte bei der Wilde-Verfilmung „Ernst sein ist alles" mit Reese Witherspoon schon mal mehr, und auch seine Actionkomödie „Johnny English - Jetzt erst recht" war einiges flotter. Doch unterhaltsam ist „Swimming with Men" auf jeden Fall.
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