27.6.21

ghj: Der Mauretanier


GB, USA 2021 (The Mauritanian) Regie: Kevin Macdonald, mit Tahar Rahim, Jodie Foster, Benedict Cumberbatch 130 Min. FSK ab 12

Jodie Foster als Menschenrechts-Anwältin und Benedict Cumberbatch als rachsüchtiger Militärjurist haben nur die Nebenrollen bei diesem Kampf gegen himmelschreiende Ungerechtigkeit. Tahar Rahim („Ein Prophet") als Mohamedou Ould Slahi, das Opfer US-amerikanischen Terrors, macht stark den Wahnsinn des Guantanamo-Systems fühlbar.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde der Mauretanier Mohamedou Ould Slahi (Rahim) verhaftet, den US-Geheimdiensten übergeben und nach Guantanamo Bay verschleppt. Wegen eines Telefonates mit jemandem, der mit Bin Laden zu tun hatte, wird er behandelt, als ob er persönlich Flugzeuge in die Twin Tower gesteuert hätte. Die Anwältin Nancy Hollander (Foster) nimmt sich allen Anfeindungen zum Trotz des Falls an, muss aber zuerst juristisch um brauchbare Dokumente kämpfen, die von den Militärs nicht komplett zensiert wurden. Aus den tatsächlichen Verhörprotokollen und Mohamedous Briefen erfährt sie von Folter mit Waterboarding und Schlafentzug, Vergewaltigung, Terror-Musik in eiskalter Zelle und der Drohung, die Mutter Mohamedous nach Guantanamo zu holen, damit sie dort vergewaltigt wird. Das bringt selbst den klaren und intelligenten Mann dazu, ein falsches Geständnis zu unterschreiben. Die Protokolle überzeugen auch den von Hass und Rachsucht erfüllten Militärankläger Lt. Col. Stuart Couch (Benedict Cumberbatch auch als Produzent engagiert), den krassen Fall von Unrechts-Justiz abzugeben.

Das Maß des Verbrechens eines angeblich demokratischen Staates macht nicht nur der Fall von Mohamedou Ould Slahi deutlich, der über 14 Jahre unschuldig in Einzelhaft verbrachte, sieben davon, als er bereits freigesprochen war! Insgesamt gab es 779 Gefangene im immer noch existierenden Guantanamo. Nur acht von ihnen wurden verurteilt, drei dieser Urteile wurden später aufgehoben. Ein derartiges Ausmaß von Inhaftierung ohne Urteil ist nur in übelsten Diktaturen oder aktuell in der Türkei zu finden. Ein anklagender Film zu staatlichen Verbrechen ist immer lohnenswert. Doch ausgerechnet Regisseur Kevin Macdonald, der sich dem Diktator Idi Amin in „Der letzte König von Schottland" etwa über dessen schottischen Leibarzt näherte, bleibt in „Der Mauretanier" konventionell. Weder Jodie Foster noch Benedict Cumberbatch zeigen mehr als Routine, nur die gemeinsame Szene im absurden Souvenir-Shop von Guantanamo stich heraus. Es ist Tahar Rahim („Ein Prophet") zu daken, dass das Drama trotzdem packt. Die Aufnahmen im Abspann mit dem wahren Mohamedou zeigen, wie gut dieser getroffen wurde. Der Schauspieler und der wahre Überlebende, auf dessen Buch „Das Guantanamo-Tagebuch" der Film basiert, gewinnen Sympathien.