8.10.13

Der Butler

USA 2013 (Lee Daniels' The Butler) Regie: Lee Daniels mit Forest Whitaker, Oprah Winfrey, David Oyelowo, Terrence Howard, Cuba Gooding jr., Lenny Kravitz 97 Min. FSK: ab 12

Was für eine Lebensspanne: Da sitzt der ehemalige, selbstverständlich schwarze Chef-Butler des Weißen Hauses im hohen Alter an seiner über Jahrzehnte vertraut gewordenen Arbeitsstelle, um von Präsident Obama empfangen zu werden. Vom Sklaven zum Präsidenten in einem Leben ist eine sagenhafte Geschichte, wenn auch „Der Butler" selbst fast bis zum Ende ein Unfreier bleibt. Erst sein Sohn macht den Traum der Gleichberechtigung wahr.

Die Erinnerungen von Cecil Gaines (Forest Whitaker) reichen zurück zu den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Im Süden der USA sieht er als Kind, wie ein Farmer seine Mutter regelmäßig vergewaltigt und sein Vater erschossen wird, als er nur ansetzt zu widersprechen. Cecil darf daraufhin unter der Mutter des Farmers ein „Haus-Nigger" werden, flieht als junger Mann und erhält nach Obdachlosigkeit und Mundraub von einem älteren Mentor eine Stelle als Butler angeboten.

Die Lektion vom Tod seines Vaters wiederholt sich: Nur durch angepasstes Schweigen, durch Verleugnung der eigenen Person kann sich ein Schwarzer ein anständiges Leben sichern. So kommt Cecil sogar an eine Stellung im Weißen Haus unter Präsident Eisenhower (Robin Williams). 1957 steht die USA wegen der damals so genannten Rassenfrage vor einem neuen Bürgerkrieg.

Zwar ist Cecil dabei, als Eisenhower Militär einsetzt, um afro-amerikanische Studenten in Little Rock an die Universität zu bekommen, doch Einfluss hatte der Butler, mit dem alle Präsidenten ein Gespräch suchen, nie. Im Gegenteil, das Maß der Anpassung und Selbstverleugnung ist geradezu schmerzlich. Erst sein Sohn Charlie Gaines (Elijah Kelley), der sich gegen die Regeln des Vater engagiert, bringt das politische und echte Leben ins (Weiße) Haus. Was ihm einen Rausschmiss vom gedemütigten Vater einbringt

In einer der wenigen filmisch auffälligen Momente, einer Parallelmontage von Cecils Butler-Parade zum Diner und Charlies Protest gegen Rassentrennung in Restaurants, wird gleichzeitig gezeigt, wie weit die Regierungs-Politik vom Leben und wie weit Vater und Sohn entfernt sind. Die jungen Studenten wollen einfach im Imbiss an der Bar sitzen und nicht im Bereich für Farbige. Dafür werden sie verbrannt, verprügelt, bespuckt und verurteilt.

Während der Kampf um Gleichberechtigung mit Martin Luther King, Malcolm X und Black Panther-Bewegung fortschreitet, begegnet Cecil mit der immer gleichen Servilität den Präsidenten Kennedy (James Marsden), Johnson (Liev Schreiber), Nixon (genial fies: John Cusack), Reagan (Alan Rickman, so würde man ihn glatt wählen) und als i-Tüpfelchen die ehemalige Anti-Vietnam-Kämpferin Jane Fonda als perfekte Wi(e)dergeburt von Nancy Reagan! Dass diese Darsteller-Reihe eindrucksvoller wirkt, als die passive Rolle des Hauptdarstellers Forest Whitaker, ist seltsam, spiegelt aber auch die Tragik von Cecil, dem Mann ohne Meinung wieder. Während der Film mit der Ermordung Kennedys und Martin Luther Kings durch die US-Geschichte springt, hat der unglaublich ignorante Mann Eheprobleme und eine unbefriedigte Frau (DIE Oprah Winfrey!), denn er ist tatsächlich vor allem mit dem Weißen Haus verheiratet.

Regisseur Lee Daniels, der mit „Precious", der umwerfenden Geschichte einer übergewichtigen schwarzen Analphabetin, viel Eindruck machte, inszeniert diesmal tatsächlich überraschend beschaulich. In zwei Generationen zeigt „Der Butler" die Lebens-Brüche von der Baumwoll-Farm ins Weiße Haus und - für den Sohn - an die Universität. Es gehen zu viele Jahrzehnte vorbei, um wirklich dramatische Momente auskosten zu können. Ein Menge Geschichte wird verkürzt und geschönt, die menschliche Seite der Präsidenten darf sich im Blickwinkel Cecils ausbreiten. Die gesellschaftliche Entwicklung, wenn auch verharmlost, bleibt trotzdem erstaunlich. Und zuletzt darf auch Cecil etwas Eigenes in den Film einbringen.