25.7.06

Fluch der Karibik 2


USA 2006 (The Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest) Regie: Gore Verbinski mit Johnny Depp, Orlando Bloom, Keira Knightley 150 Min. FSK: ab 12
 
Zwischenspiele
 
Nach dem unerwarteten Erfolg des "Fluchs der Karibik", der auf der Basis einer Freizeitpark-Attraktion entstand, entschieden sich Kassenhit-Produzent Jerry Bruckheimer und Regisseur Gore Verbinski, Teil 2 und 3 direkt hintereinander zu drehen. Genau wie es bei "Matrix", bei "Zurück in die Zukunft" und bei der kompletten Trilogie "Herr der Ringe" geschah. Damit fällte man ein grausames Urteil über Teil 2 ... er funktioniert als überfrachtete Überbrückung, enttäuscht die vorhandenen Erwartungen, um noch mehr von ihnen für das Finale hervorzukitzeln. Der Fluch solcher Konstrukte legt darin, dass der Mittelteil immer der schwächste ist.
 
Die Sensation, die Revolution des Piratenfilms, ist weiterhin Jack Sparrow (Johnny Depp), der Pirat, der einen Vogel hat. Konstant zwischen Affektiert-, Alkoholisiert- und Albernheit schwankend, mal eigensinnig die Freunde verratend, dann wieder als Retter einspringend, ist dieser verrückte Kapitän das Herz der Trilogie. Diesmal wird er unter anderem zum knackigsten Schaschlik-Spießchen der Filmgeschichte und zu Fischfutter.
 
Die unübersichtliche Handlung sucht nach einer Schatzkiste und dem passenden Schlüssel. Beteiligt ist wieder das Liebespaar Elizabeth (Keira Knightley) und Will (Orlando Bloom), wobei sich die freche Piratenbraut mittlerweile nicht mehr so recht zwischen den so verschiedenen Männern entscheiden kann.
 
Beim Säbelrasseln in Tarantino-Manier stehen sich noch drei Gegner gegenüber. Doch das Zwischenfinale auf einer abgelegenen Insel wird dank Riesen-Hamsterrad zur überdrehten Shownummer. Das Laufrad rollt durch den Dschungel, oben, unten und mittendrin fechten Jack und Will den Streit um den Schlüssel aus. Das ist aufwändig inszenierte Action mit extrem hohem Comedy-Element aus dem Vollen. Jack Sparrow muss Comic-Vorfahren unter den Looney Tunes gehabt haben. Was Peter Jackson mit der Dino-Stampede in "King Kong" machte, passiert hier am laufenden Riesenrad.
 
Bei den Gegnern trumpft der Fliegende Holländer in Kombination mit einem gigantischen Octopus auf, der - typisch Bruckheimer - selbst für diesen Film eine Nummer zu groß ausgefallen ist. Kapitän Nemo hatte mit seinem Calamares-Knäueln da noch leichtes Spiel. Grandios schaurig die Gestalten des Geisterschiffs, die sich nach Jahren unter Wasser zu Meeres-Mutanten gewandelt haben. Mit Octopus-Gesicht, Hammerhai-Kopf oder Qualen-Wangen. Nur Will ist nicht wahnsinnig begeistert, seinen Vater unter den Meeres-Monstern wiederzusehen.
 
Auch beim Publikum wird sich die Wiedersehensfreude in Grenzen halten: Als kompletter filmischer Vergnügungspark mit Geister- und Achterbahn geriet der zweite "Fluch der Karibik" etwas unübersichtlich und trotz fest eingeplanter Fortsetzung zu lang. Doch dank Depp und einigen originellen Ideen darf er das Schätzchen des Sommerkinos werden.