13.12.11

Rubbeldiekatz

BRD 2011 Regie: Detlev Buck mit Matthias Schweighöfer, Alexandra Maria Lara, Detlev Buck 119 Min.

Mannomann, was für ein klasse Film! Oder besser: Mannofrau? Mann oder Frau, egal, die geniale Verwechslungskomödie „Rubbeldiekatz" rüttelt nicht nur die Geschlechter durch, auch das Genre erlebt eine frech, fröhlich, freie Runderneuerung. Buck eben, kann man anlässlich des grundlos zurückhaltenden Regie- und Schauspiel-Könners Detlev Buck sagen. Der kann so ziemlich alles, sogar Hitler privat gegen die Liebes-Wand laufen lassen. Und Tarantino sowieso...

Von „Viktor und Viktoria" (1933) bis „Tootsie" (1982) diente die Jobsuche immer als glaubhafter Einstieg eines unbedarften Schauspielers in zu hohe High Heels einer Frauenrolle. Diesmal erwischt es den Berliner Alex und wie Matthias Schweighöfer dessen Wandel zu Alexandra hinbekommt, ist erste Sahne!

Buck selbst spielt Alex' Bruder und Manager Jürgen Honk. Zusammen mit dem dritten Bruder Basti (Maximilian Brückner) und dem vierten Freund Jan (Denis Moschitto) hausen sie in einer Fabrikhalle und teilen sich sogar Teile der Geheimzahl ihres konstant blanken Kontos. So war auch die amateurhafte Website Jans schuld am Angebot einer großen amerikanischen Nazifilm-Produktion, die gerade in Babelsberg dreht. Der hysterische und egozentrische Regisseur ist nicht nur wegen des Telefonats mit Uma-Schätzchen als Quentin Tarantino erkennbar. Man sollte mal Diehl & Co. fragen, ob das große Regie-Kind wirklich so beschränkt ist.

Alex alias Alexandra alias Nazi-Lesbe Maria Schneider ist auf jeden Fall bald der Hit des Drehs und versteht sich vortrefflich mit dem großen Star Sarah Voss (Alexandra Maria Lara). Kein Wunder, waren die beiden doch noch in der Nacht vor Drehstart zusammen im Bett, allerdings als Mann und Frau. Die frisch unglücklich getrennte Sarah ahnt nichts. Alex hingegen muss die Avancen des männlichen Stars Thomas unterminieren und sich gleichzeitig als Alexandra der Attacken des sehr mit seiner Rolle und dem Schnurbart verwachsenen Hitler-Darstellers Jörg (Max Giermann aus „Switch Reloaded") erwehren. Nebenbei prügelt sich Jürgen Honk auf Film-Partys, der herrlich tuntige Kostümchef (Milan Peschel) freut sich heimlich, dass Alexandra doch was in der Hose hat, und die große Hollywood-Produktion wird wunderbar durch den Nazi-braunen Kakao gezogen: „Ohne Hitler wären die Amis nicht gekommen..."

Buck bringt's! Auf Basis eines Drehbuchs von Anika Decker („Keinohrhasen", „Zweiohrküken") legt er eine knallige Satire hin, eine wundervoll unkonventionelle Freundestruppe, eine klassische Verwechslungskomödie und - vor allem immer mehr zum Ende hin - eine schöne Liebesgeschichte. Dass die erste Kuschelsex-Nacht von Alex und Sarah mit einer märchenhaften Einlage vom Schwulenstrich im Tiergarten verschnitten wird, ist seine besondere Note. „Strangers in the Night" dazu auf der Tonspur ist bester Stil, genau wie all die anderen Hits. Typisch Buck sind auch die trockenen Knaller-Sprüche. Beispiel: „Das Problem mit der Mode ist, dass oben die Köpfe rausgucken." Das ist schon fast Oscar Wilde-genial, genau wie Alex's Abschiedsspruch für die Hollywood-Heinis, nachdem er seine Silikon-Einlagen losgeworden ist: „Ihr schafft es noch nicht mal, echte Titten von falschen zu unterscheiden!" Während die vielen schrägen Nebenfiguren den großen Spaß steigern, erweist sich Rehauge Alexandra Maria Lara in dieser Rolle halbwegs erträglich. Der Überflieger bleibt allerdings Matthias Schweighöfer („What a Man") als „Alex und Alexandra"! Ein Muss von A bis A!

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