13.12.11

Mission: Impossible - Phantom Protokoll

USA 2011 (Mission: Impossible Ghost Protocol) Regie: Brad Bird mit Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Paula Patton 139 Min.

Man kann ja wirklich nicht mehr mit Büchsen in der Fußgänger-Zone für Scientology sammeln, deshalb war zu erwarten, dass Tom Cruise als Produzent und Hauptdarsteller noch mal das Konzept „Mission Impossible" bemühen würde. Doch schon der Vorspann stimmt irgendwie nicht, spart er sich doch das Erzählen und klebt wie ein Trailer wahllos Szenen hintereinander. Dann wird der Teaser gleich zweimal erzählt und auch sonst sieht Film 4 der neuen Kino-Serie nicht danach aus, als wenn jemand die auf Action-Terrain zeitweilig bemerkenswerten Vorgänger toppen wollte.

Budapest, Moskau, Dubai, Mumbai und Seattle sind die mäßig attraktiven Stationen, der Kreml fliegt in die Luft und mal wieder versucht ein Schurke (Michael Nyqvist als Kurt Hendricks), den Atomkrieg zu provozieren. Zwischen Pakistan und Indien? Israel attackiert den Iran? Nein, wie gehabt müssen die Russen herhalten. Das ist so altmodisch wie im Großen und Kleinen unglaubwürdig.

Auffällig dagegen, wie zweitrangig das Team an der Seite von Tom Cruise wirkt. Statt Actionhelden gibt es den komischen Techniker Benji Dunn (Simon Pegg) und den albernen Analytiker Brandt (Jeremy Renner), der sein tragisches Dilemma erst später nachgereicht bekommt. Dazu Jane (Paula Patton) fürs gute Aussehen. Nachdem sie ihr Frauenduell - selbstverständlich wegen des Mannes, den die Killerin mit dem Püppchen-Gesicht Moreau (Léa Seydoux) ihr nahm - ausgefochten ist, läuft sie auch nur noch mit. Tom Wilkinson, der in wenigen Minuten beeindruckt, ruft ein Kopfschuss früh aus dem Film ab.

Vor allem wenn Cruise in den Kreml eindringt, wähnt man sich im falschen Film: Wieso untergräbt das Agenten-Groupie Pegg die Spannung, weshalb hat man nicht wenigstens versucht, den alten Cruise mit der Coolness von früher auftreten zu lassen? Ethan Hunt überlässt viel Zeit zu vielen Assistenten, dabei geht erstaunlich viel schief.

Große Szenen - neben sich selbst auflösenden Tonbändern, das Markenzeichen von „Mission Impossible"? Da gäbe es einen Gefängnisaufstand samt -Ausbruch zu Dean Martin-Song. Am höchsten Hotel der Welt muss Hunt mit defekten Spiderman-Handschuhen rumklettern. Aber die Geschwindigkeit im Erzählen und in den Einzelszenen wirkt gebremst. Raffiniert sind ein riskanter Parallel-Deal mit doppeltem Hotelboden und die finale Action in einem futuristischen Parkhaus. Hier flammt kurz der Ideenreichtum asiatischer Action auf, hier denkt man wehmütig an John Woos MI2 zurück.

Für Masken ist keine Zeit, viel Raum bekommen oft gesponserte Technik-Spielereien, eine „enhanced" Kontaktlinse, die direkt alle Facebook-Mitglieder im alltäglichen Gewusel identifiziert, der Navi auf der Windschutz-Scheibe. Das meiste soll futuristisch Werbung machen, nur die Apple-Geräte sind in der aktuellen Version anscheinend cool genug. Irgendwie löst sich dieser Film noch während des Sehens im Nichts auf, wie einst die Tonbänder der alten TV-Serie. Da sehnt man sich tatsächlich nach der souveränen Klarheit der Spionagegeschichte „Dame, König, As, Spion" nach John le Carré. Die startet aber erst im Februar.

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