26.4.10

I Love You Phillip Morris


USA 2009 (I Love You Phillip Morris) Regie: Glenn Ficarra, John Requa mit Ewan McGregor, Jim Carrey, Leslie Mann 97 Min. FSK: ab 16

Schon die Kombination vom meist blödelnden Komödianten Jim Carrey und dem extrem vielseitigen Charakterschauspieler Ewan McGregor überrascht. Dass beide ein schwules Pärchen in der oft überdrehten und unausgewogenen Liebes-Komödie „I Love You Phillip Morris“ spielen, irritiert, sollte aber kein Problem sein. Wie der Film mit seiner an sich reizvollen Geschichte umgeht, ist allerdings ein großes Problem: Unentschieden zwischen Farce und großem Gefühl, lässt sich „Phillip Morris“ nur als Nummern-Revue mögen.

Strahlemann Steven Russell (ein unübersehbar alt gewordener Jim Carrey) lebt als Muster eines weißhäutigen, gläubigen Protestanten die perfekte Kirchengänger- und Karriere-Ehe. Bis zum endlosen Nachtgebet und dem gemeinsamen Keksebacken mit der naiven Gattin. Da muss erst ein anderes Auto volle Kanne in seines reinknallen, bevor er sich entscheidet, mit seinem Schwulsein rauszukommen. Das dann aber ebenso heftig wie der Schnitt auf einen grotesk überzogenen Akt. Fortan lebt er schwul in Saus und Braus, wobei vor allem das luxuriöse Leben ihm immer wieder Probleme macht, denn: „Schwul sein ist teuer!“

Steven liebt nun Männer und lebt als Betrüger. Was ihn zwangsläufig ins Gefängnis bringt, wo bei der Einführungsrunde mindestens zwanzigfach erwähnt wird, dass hier Schwanzlutschen die Währung darstellt. Hier lernt er Phillip Morris (Ewan McGregor) kennen und verliebt sich auf den ersten Blick in den schüchternen Mithäftling. Auch im Knast kann Steven sein Talent zum Betrügen, Tricksen und Schachern trefflich anwenden, um fortan Phillip zu beschützen und mit den süßesten Überraschungen zu verwöhnen. Sich als Anwalt auszugeben, um sich erst selbst und dann auch Phillip frühzeitig aus dem Knast zu bekommen, ist eine leichte Übung für den verrückten Ausbrecher-König und notorischen Betrüger. Doch an die Luxus-Villa, die im Handumdrehen ergaunert ist, wird irgendwann die Polizei anklopfen, trotz des Versprechens an Phillip, von nun an ehrlich zu bleiben…

Schon beim ersten Treffen des großen Liebespaares Phillip und Steven ist der Unterschied zwischen dem grandiosen Schauspieler und dem Klamauk-Star frappant. Dies und das Nebeneinander von oft absurdem Humor und Ansätzen zu großer Liebesgeschichte macht diesen Film so schwierig. Nicht, dass hier zwei männliche Stars gemeinsam (sehr harmlos) im Bett gezeigt werden, irritiert. Der durchgehende Eindruck, Carrey und McGregor spielen die ganze Zeit nur einen Gag für eine TV-Show oder parodieren „Brokeback Mountain“, irritiert vor allem. Hinzu kommt, dass „I love you …“ kaum Entwicklung zeigt, sondern nur meist überzogene Stationen.

Diesem Film ist nichts heilig: Nicht, dass Steven seine erste große Liebe an AIDS verliert und er auch selbst an der Immunschwäche-Krankheit stirbt. (Wenn auch nur als letzte große Volte seiner Betrüger-Karriere.) Sogar ein Selbstmordversuch gerät zur eher peinlichen als tragischen Lachnummer. Letztendlich kann man so „Phillip Morris“ selbst nicht ernst nehmen. Was ein Grund gewesen sein mag, dass der Film sowohl in den USA als auch in Deutschland nur genau so holperig wie er inszeniert wurde, in den Verleih kam. Die monatelange Verspätung einer Schwulenfeindlichkeit oder der Feigheit des Filmgeschäfts anzulasten, würde ihm zuviel Gutes tun….

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