3.11.20

Borat: Anschluss Moviefilm / Amazon Prime Movie


USA 2020 (Borat Subsequent Moviefilm) Regie: Jason Woliner, mit Sacha Baron Cohen, Maria Bakalova, Dani Popescu 92 Min. FSK ab 16

Borat ist wieder da! 14 Jahre nach seiner provokanten Erfolgskomödie „Borat – Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen" zieht der kasachische Reporter Borat (Sacha Baron Cohen) mit Schnauzbart und unmöglichem Anzug erneut in die USA. Der Regierungschef holt ihn extra aus dem Steinbruch des Straflagers, um die nationale Schande seines ersten Films wieder gut zu machen und dem mächtigen Führer Trump ein Geschenk zu bringen.

Die Grund-Idee ist die gleiche, der rückständige Depp aus irgendeinem „Drecksloch", wie Trump einst sagte, lockt das wahre Gesicht rechter, rassistischer und sexistischer US-Amerikaner hervor. Nur gibt es 14 Jahre später das Problem, dass jeder auf der Straße Borat erkennt und sich sogar im Kostüm-Shop seinen Dress und seine Maske findet. Deshalb kommt Borats 15-jährige Tochter Tutar (Maria Bakalova) ins Spiel. Statt eines Schimpansen, den sie auf dem US-Flug in ihrer Transport-Kiste aufgegessen hat, soll nun sie das Geschenk für Trump werden. Allerdings emanzipiert sich Tutar schnell und ihr „Handbuch zur Haltung von Töchtern" fliegt irgendwann in den Dreck. Vorher wollte sie allerdings ihren Tierkäfig gegen den Goldenen Käfig von Melania Trump tauschen.

Auch der neue „Borat" ist heftiger und deftiger Komödien-Stoff. Nun muss man vielleicht in diesen Zeiten betonen, wenn Sascha Baron Cohen Sexismus zeigt, dann nicht, weil ihm das gefällt, sondern weil er auf Sexismus in unseren Gesellschaften hinweisen will. Der Produzent und Schauspieler ist als „Ali G.", „Brüno" und mit seinen persönlichen Stellungnahmen über ziemlich viele Zweifel erhaben. So schaut man zwar öfters mit geöffnetem Mund staunend zu, aber tatsächlich führt Sascha Baron Cohen hier erschreckende Dinge vor, die da draußen existieren.

Der Coup des Films ist die Bloßstellung von Trumps Anwalt Rudy Giuliani, der nach einem Interview mit der vermeintlich 15-jährigen Reporterin Tutar zum „Mikrofon abnehmen" ins Schlafzimmer geht und sich auf dem Bett in die Hose greift. Nachdem dieser Skandal schon vor Monaten öffentlich wurde, erklärte der fiese Schleimer, er hätte sich nur das Hemd in die Hose stopfen wollen. Maria Bakalova, die 24-jährige Darstellerin der Tochter, wird übrigens allgemein für ihr Spiel dieser Rolle bejubelt.

Wirklich erschreckend dagegen zwei Hinterwäldler, bei denen Borat in Corona-Zeiten Unterschlupf findet. Da haut der Kasache mit einer Pfanne den Virus auf den Wänden platt, hüpft nackt durch die Hütte und entlockt den bärtigen Typen reichlich Meinungsäußerungen, die einem den Magen umdrehen. Höhe- oder Tiefpunkt ist hier, wie Borat bei einem Festival die Menschen unter Südstaaten-Fahne mit antisemitischen Liedern begeistert. Wenn der simple Provokateur später in albern klischeehafter „Juden"-Verkleidung in einer Synagoge mit alten Jüdinnen spricht, zeigt sich die ganze, schwer zu fassende Doppelbödigkeit der Borat-Satire: Da freut sich jemand, dass der Holocaust doch stattgefunden hat, weil mit der Holocaust-Lüge der Rechten das ganze Konstrukt des nationalen Antisemitismus' von Kasachstan zusammenbrechen würde. Ganz schön verdreht, doch „Borat 2" unterhält vor allem mit frechem Humor.

Selbstverständlich fragt man sich immer, was wirklich von der Realität abgefilmt ist und was nachträglich inszeniert wurde. Einiges wirkt einfach zu unglaublich. Doch führt die „Mockumentary", die Fake-Dokumentation, üble Erscheinungen vor, die ernstere Medien und ebenso spaßige Satiren auch aufzeigen. Und das nicht nur für den schnellen Lacher. Am Ende heißt es im typischen gebrochenen Borat-Englisch: Geht wählen!