14.2.17

T2 Trainspotting

Großbritannien, 2017

Regie: Danny Boyle mit Ewan McGregor, Ewen Bremner, Jonny Lee Miller, Robert Carlyle, Kelly MacDonald 118 Min. FSK: ab 16

Die eigenständige Fortsetzung seines eigenen Films durch den ungemein begabten Filmemacher Danny Boyle beschert uns mit „T2 Trainspotting" einen visuell packenden, großen Film: Auch 20, genauer: 21 Jahre später hat „Trainspotting" nichts von seinem Schwung verloren. Dieser frühe Kultfilm von Regisseur Danny Boyle („The Beach", „28 Days Later", „Slumdog Millionaire", „127 Hours"), diese Film-Droge, die immer noch ein Drogenkonsum-Film ist, wirkt schon als Herz- und Rhythmus-Beschleuniger im Wettbewerb (außer Konkurrenz) der 67. Berlinale. Und hält bis zum Ende den hohen Energie-Level dieser Hedonie-Hymne und Ode an die Verlierer.

Nach schnellen Rhythmen auf der Tonspur bis zum Zusammenbruch von Mark Renton (Ewan McGregor) erklingt melancholisch und ironisch Lou Reeds „Perfect day" - falsch am Klavier gespielt. Bei Mark ist nicht nur das Herz sondern auch noch die Ehe nach 15 Jahren kaputt. Seien Job ist er ebenfalls los. Spud (Ewen Bremner) hat als jahrelanger Junkie die Einführung der Sommerzeit verpasst, wodurch er bei allen Schritten zum normalen Leben immer eine Stunde zu spät auftauchte. Begbie (Robert Carlyle) verbrachte die letzten 20 Jahre im Knast und macht pünktlich zum Wiedersehen mit einer üblen Selbstverstümmlung über die Krankenstation die Fliege. Er ist als aggressiver Gangster auf Viagra die Witzfigur des Films. „We'll meet again" läuft spöttisch in der Jukebox zur Begrüßungs-Prügelei zwischen Mark und Sick-Boy (Jonny Lee Miller), der jetzt wieder Simon heißen will. Er hat eine heruntergekommene Kneipe im Nirgendwo eines Abriss-Gebietes und träumt davon, seiner Freundin daraus ein Sauna-Bordell zu bauen. Simons bulgarische und platonische Freundin erkennt klar: Ihr seid verliebt ineinander und fixiert auf die Vergangenheit.

Die vier ehemaligen Freunde und Junkies aus Edinburgh sind sämtlich am Ende, was ein neuer Anfang für die alte Freundschaft sein könnte. Wären da nicht die 16.000 Pfund Drogengeld, mit denen Renton vor zwanzig Jahren abgehauen ist. So mischt sich Rache ins optisch und akustisch mitreißende Wiedersehen von „Trainspotting". Diesmal geht es nicht um Drogen, sondern ganz im Geiste des Brexit um EU-Gelder für einen Puff!

Als entfernte Vorlage diente Irvine Welshs Roman „Porno" aus dem Jahre 2006, ebenfalls eine Fortsetzung der Ursprungs-Geschichte. Die Stadt ist längst nicht mehr die alte, doch bei den alten Jungs hat sich nicht viel verändert. Nur der debile und sympathische Ex-XXL-Junkie Sput bekommt wider alle Wahrscheinlichkeiten irgendeine Kurve.

Die Montage aus Erinnerungen aus dem Originalfilm, abgedrehten Drogen-Flashs ist kunst- und reizvoll. Da laufen die vier Anti-Helden sich selbst mal in einer jüngeren Version über den Weg, da wird wild auf- und rückprojiziert (Kamera: Anthony Dod Mantle). Die Handlung ist sentimental, makaber, deftig und heftig. Zu den Höhepunkten der niemals plakativen Gesellschaftsbezüge gehört ein atemberaubend rasanter moderner Anti-Konsum-Monolog von Ewan McGregor.

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