12.2.17

Empörung

USA, 2016 (Indignation) Regie: James Schamus mit Logan Lerman, Sarah Gadon, Tracy Letts 111 Min. FSK: ab 12

Nach Ewan McGregors „Amerikanisches Idyll" erfreut nun schon der nächste Philip Roth-Film Leser und anspruchsvolle Cineasten: „Empörung" erzählt vom Studenten Marcus Messner (Logan Lerman) und zeichnet ein Sittenbild aus den USA der Fünfzigerjahre. Marcus ist zwar sehr intelligent, wollte aber nicht unbedingt studieren. Doch nur so entkommt man dem Korea-Krieg und der Metzgerei des Vaters, außerdem ist das Stipendium seiner jüdischen Gemeinde Ehre und Verpflichtung. Im Studenten-Heim der extrem spießigen Universität Winesburg, Ohio, will er bald aus dem Zimmer mit zwei anderen Juden ausziehen, auch die Werbung der jüdischen Verbindung lehnt er ab. Marcus glaubt nicht an Studenten-Vereinigungen, nicht an Religionen und konzentriert sich allein auf seine Bücher. Bis er die verführerische Olivia (Sarah Gadon) trifft. Ihre Leidenschaft irritiert ihn zuerst, doch die klügere Frau klärt den unsicheren Mann freundlich auf.

Obwohl Alter und Situation gleich sind, stellt „Empörung" einen Gegenpol zu us-amerikanischen Teenie-Filmen dar. Der Liebesfilm mit einer schwierigen Beziehung stellt nur das vordergründige Problem dar. Sehr erwachsen streitet Marcus gleichzeitig mit dem Dekan Caudwell (Tracy Ledds) über das Recht, nicht zu glauben. Alberne Kleinigkeiten wie die 40 verpflichtenden Gottesdienstbesuche bis zum Examen sind der Auslöser, grundsätzlich sehen bei Marcus diejenigen, die nicht an Atheismus glauben, albern bis dumm aus. Er ist im Gespräch mit dem indiskreten, geradezu voyeuristischen Dekan klüger sowie rhetorisch klarer und gibt ihm herrlich respektlos die Empfehlung, mal einen Text von Bertrand Russell zu lesen. Außerdem sei der Mensch durchaus fähig, ein moralisches Leben zu führen, ohne zu glauben!

In solchen geistreichen Dialogen und vor allen in den Off-Kommentaren und Briefen blitzt die geschliffene Sprache Philip Roths auf. Neben den philosophischen Texten begeistern der sehr gute junge Hauptdarsteller Logan Lerman, der bisher in der Jugend-Action-Reihe „Percy Jackson" nicht auffiel, sowie die tolle, zudem noch charismatische Kanadierin Sarah Gadon als Olivia. Bei der Umsetzung von Philip Roths 2008 erschienenem Roman schrieb James Schamus nicht nur das Drehbuch wie bei „Das Hochzeitsbankett", „Taking Woodstock", „Brokeback Mountain", „Hulk", „Tiger & Dragon" oder „Der Eissturm", erstmals führte er auch Regie. Das gelang ihm stilvoll, dem Stoff entsprechend zurückhaltend aber immer auch deutlich. So patrouillieren auf dem Rasen der Uni die ganze Zeit Soldaten, um zu erinnern, dass bei Rausschmiss der Kriegseinsatz droht. Über die Änderungen im Stoff - ein anderes Ende wurde angefügt - lässt sich ebenso diskutieren wie über die Entscheidungen der Figuren. Der wiederholte Leitsatz „Leben, der kleinste Fehler hat Konsequenzen" führt jedenfalls im Film zu einprägsamen und letztlich erschütternden Einsichten über immer noch nicht überwundene Ansichten.

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