23.1.16

Komm und sieh das Paradies

USA 1990 (COME AND SEE THE PARADISE) Regie: Alan Parker mit Dennis Quaid, Tamlyn Tomita, Sab Shimono, Shizuko Hoshi 132 Min. FSK: ab 12


Das gespannte Verhältnis der USA zu ihren aus Japan stammenden Bewohnern hat nicht nur wirtschaftliche Gründe. Die Bombardierung Pearl Harbours am 7.12.1941 war ein tiefer Schock für die Nation und veranlasste sie, Menschen zu internieren, auch wenn sie nur von einem der Urgroßeltern 'japanisches Blut in den Adern' hatten. In solchen Grundzügen erinnert das erst 1988 eingestandene Unrecht an Pogrome und Holocaust.

Vor diesem Hintergrund, detailreich und aufwendig rekonstruiert, inszenierte Alan Parker (u.a. "Bugsy Malone" "Fame" "Birdy" "Angel Hart" "Mississippi Burning") "Komm und sieh das Paradies" als Liebesgeschichte. Die 'rein amerikanische' Identifikationsfigur Jack McGurn (Dennis Quaid) wirft für die Vorführer-Gewerkschaft Brandbomben in Kinos. Ein schöner Stoff für einen eigenen Film, auch weil die miserable Bezahlung des Kinopersonals noch immer einige (Schreibmaschinen-) Anschläge wert ist. Doch schnell wird das nächste Thema effektvoll inszeniert: Jack arbeitet in einem japanischen Filmtheater und verliebt sich in Lily, die Tochter seines Bosses. Ein Ehebund besiegelt Lilys Trennung von der Familie und ihren Traditionen. In einer fernen Stadt führt das Paar ein einfaches, glückliches Leben, bis das Unrecht der Arbeitgeber Jack wieder gewerkschaftlich aktiv werden lässt. Lily verlässt ihn zum Zeitpunkt der ersten Internierungen ...

Auch in seinem neunten Film greift Alan Parker wieder ein brisantes Thema auf. Sein Handwerk -gelernt hat er beim Werbefilm- macht aus "Komm und sieh" einen ansehnlichen und unterhaltsamen, oft sehr komischen und in einigen Szenen dramatischen Film. Doch geradezu programmatisch trägt der Film-Projektor, der die erste Liebesnacht mit seinem Surren begleitet, den Namen Simplex. Und simpel oder oberflächlich behandelt Parker seinen Stoff und seine Figuren. Was zerreißt Lily innerlich, als sie zwischen der Liebe zu Jack und den japanischen Traditionen steht? Welcher Konflikt besteht für den Arbeitsrecht-Kämpfer, dessen Frau einen friedlichen Familienvater fordert? Alles wird mit ein paar Tränen und lauten Worten abgehandelt und die Handlung eilt voran, wie auch Alan Parker zum nächsten Konfliktstoff eilt, um ihn unterhaltsam aufzubereiten.

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