5.5.15

Die abhandene Welt

BRD 2015 Regie: Margarethe von Trotta mit Katja Riemann, Barbara Sukowa, Matthias Habich 101 Min. FSK: ab 0

Nach „Hannah Arendt" nun der neue Kinospielfilm von Margarethe von Trotta, bei dem sie Regie führte und das Drehbuch schrieb. Aber „Die abhandene Welt" wirkt trotz Wiedersehen mit Barbara Sukowa, trotz Variation des Schwestern-Motivs aus „Die bleierne Zeit" wie ein Zwischenspiel voller abhandenem Können.

Ja, auch dieser Film leidet unter Katja Riemann, die in der Hauptrolle als - verständlicherweise - erfolglose Jazz-Sängerin zu erdulden ist. Doch alles drumherum ist derart seltsam, unglücklich bis absurd inszeniert, dass Riemann gar nicht mehr besonders negativ auffällt. Sophie (Katja Riemann) hängt in einer freudlosen Beziehung und einer kläglichen Karriere als Sängerin fest, als ihr irgendwie verwirrter Vater Paul Kromberger (Matthias Habich) sie wieder einmal zu sich ruft. Ein zufällig im Internet gefundenes Foto der amerikanischen Opernsängerin Caterina Fabiani (Barbara Sukowa) zeigt eine verblüffende Ähnlichkeit zu seiner verstorbenen Frau Evelyn, Sophies Mutter. Wiederstrebend macht sich Sophie auf den Weg nach New York, um die Unbekannte aufzusuchen. Oder eher zu belagern, so naiv tollpatschig stellt sich die Frau an, wenn sie in die Garderobe des Stars eindringt oder sich bei einer Premierenfeier aufdrängt. Weil sich dabei ein ehemaliger Agent Caterinas in die unkonventionelle Deutsche verliebt, bekommt sie doch Gelegenheit, ihr Anliegen vorzutragen. Was zu einer brüsken Ablehnung der Diva führt...

Das Warum und Weshalb dieser nicht einfach verständlichen Familiengeschichte gerät zum Beiwerk in einem arg konstruierten Film, der zwischen fast absurden Szenen sowie Gefühlen von Einsamkeit und Melancholie hin und her schwankt. Margarethe von Trotta legt hier ein Stück etabliertes, gesetztes und schließlich stagnierendes Kino hin. Erstaunlich angesichts des Könnens der 1942 in Berlin geborenen Regisseurin und Autorin: Als Darstellerin bei Fassbinder begann ihre Karriere in den sechziger Jahren, dann schrieb sie das Buch zu „Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975). Von 1971 bis 1991 war sie mit Volker Schlöndorff verheiratet und erhielt 1981 für „Die bleierne Zeit" den Goldenen Löwen. Es folgten wichtige Filme wie „Rosa Luxemburg", „Rosenstraße", „Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen" und zuletzt „Hannah Arendt". Dass nicht nur in „Die bleierne Zeit" immer wieder Schwestern im Werk der von Trotta auftauchen, ist nicht verwunderlich. Erfuhr sie doch erst im Alter von 37 Jahren, dass sie eine ältere Schwester hat.

Was ihrem aktuellen Film „Die abhandene Welt" aber nicht hilft: Zweifach nicht überzeugender Gesang von Riemann und Sukowa steht symptomatisch dafür, dass es bis zur harmonischen Familienzusammenführung in Geschichte, Schauspiel und Erzählfluss kräftig rumpelt. Sophie entdeckt sich dabei ein neues Selbstbewusstsein; man erkennt noch einmal, dass alte, alberne Männer wie Kinder sind. Das ist reichlich wenig für einen Film und geriet eher albern als dramatisch.

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