16.2.15

Into the Woods

USA 2014 Regie: Rob Marshall mit Anna Kendrick, James Corden, Emily Blunt, Meryl Streep, Lilla Crawford, Chris Pine, Johnny Depp 125 Min.

Es ist verhext mit diesen neuen Märchen-Filmen. Da wird an den alten Handlungsfäden gedreht und gezwirbelt, um die Spannung oder meist den Spaß hochzutreiben. Doch oft bleibt die wesentliche Qualität dieser Geschichten mit klugem Kern auf der Strecke. Und manchmal vergaloppiert sich der Film völlig, wie beim Märchen-Musical „Into the Woods": Hier gibt es eine Stunde postmoderne Dekonstruktions-Spaß und im überlangen Anhang noch mal sechzig Minuten lahmes, schlampig geschriebenes Abenteuerchen.

Vorsicht bei Wünschen - sie könnten in Erfüllung gehen! Das erleben Grimms Aschenputtel, Rapunzel, Rotkäppchen sowie ihr englischer Verwandter Jack mit seiner Bohnenranke ins Land der Riesen. Doch eigentlich geht es um das kinderlose Bäckers-Paar (James Corden, Emily Blunt), dem die Hexe (Meryl Streep) mit der Tür in die verarmte Backstube fällt. Um einen alten Fluch aufzuheben, sollen sie einen roten Umhang, Jacks weiße Kuh, Rapunzels goldenes Haar sowie einen goldenen Schuh von Aschenputtel besorgen. Dabei kreuzen sich ihre Wege im titelgebenden Wald und die ursprünglichen Märchen erfüllen sich. Wenn auch mit sehr komischen Wendungen.

Das macht Spaß mit gebrochenen Charakteren, die gerne mal aus der Rolle fallen. Die Prinzen sind vor allem im Duett minderbemittelte Föhnlocken, der Bäcker ist dumm wie Brot, hat aber zum (Un-) Glück seine zu clevere Frau dabei. Meryl Streep rappt, Johnny Depp hat als bedrohlicher Wolf einen kurzen Auftritt und ein Zickenkampf und den goldenen Schuh darf im Märchen-Mix mit seinen rasanten Sing- und Kanon-Spielen auch nicht fehlen.

Bis zur bekannten Hochzeit von Aschenputtel. „Into the Woods" ist danach nur noch eine 08/15-Geschichte, in der man zusammenarbeitet, um die wütende Riesin zu besiegen, die Jack heruntergelockt hat. Zwischendurch hat der Prinz einen Seitensprung mit der Bäckerin, die daraufhin sang- und klanglos tödlich abstürzt. Auch andere Handlungsfäden werden in einer Art Drehbuch-Panik auf Nimmerwiedersehen fallen gelassen. Hier bleibt nur bemerkenswert und typisch am Musical-Stoff von Stephen Sondheim („Sweeney Todd"), dass sich selbst die Hexe nicht mehr an die einst saubere Trennung zwischen Gut und Böse hält. Ausgerechnet sie hält den anderen eine Moralpredigt wegen deren Selbstsucht. Rob Marshall liefert nach „Chicago" und „Nine" (fd 39 738) wieder perfektes Kinomusical-Handwerk, das letztendlich vor allem verärgert aus dem Kino entlässt.

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