21.11.17

Paddington 2

Großbritannien, Frankreich 2017 Regie: Paul King mit Sally Hawkins, Hugh Grant, Brendan Gleeson, Julie Walters, Jim Broadbent 104 Min. FSK: ab 0

56 Jahre dauerte es, bis der liebenswerte Bär Paddington aus Michael Bonds Kinderbuchreihe „Paddington Bear" 2014 im Realfilm ankam. Nun folgt schon ein zweites Bündel mit Abenteuern des peruanischen Teddy-Bären mit seiner Adoptiv-Familie in London. Und während der erste Film mit einem nervig altklugen Hauptdarsteller zwiespältig ankam, gewinnt „Paddington 2" die Herzen im Stolpern und Kochen.

Es ist ein sehr liebevoll komischer Blick auf das menschliche Treiben, den der gänzlich angenommene Bär Paddington auf seine Londoner Umgebung wirft. Er schreibt einen Brief an seine Tante Lucy, für deren 100. Geburtstag er ein kunstvolles Pop Up-Buch der Stadt auserkoren hat. Um es zu kaufen, probiert der tapsige Meister Petz mit umwerfendem altmodischen Slapstick einige Jobs aus. Doch der eitle, hinterhältiger und vor allem herrlich wahnsinnige Ex-Schauspieler Phoenix Buchanan (Hugh Grant) klaut vor Paddingtons Augen das Buch, entkommt und erkannt und den Bär schickt ein Richter ins Gefängnis. Nun ist ein ganzer Knast voller knallharter Kerle, die beste Bewährungsprobe für Paddingtons positive Lebenshaltung, immer nur das Beste im Menschen zu sehen. Zuerst färbt er die Anstaltkleidung aus Versehen rosa, dann macht er aus haferschleimverseuchter Kantine mit Hilfe von Orangenmarmeladen-Stullen eine bunte Konditorei mit Mädcheninternats-Stimmung.

Brendan Gleeson als gefürchteter Knast-Koch Knuckles McGinty ist ein toller Neuzugang unter den erstaunlich guten realen Schauspielern, die perfekt mit dem animierten Bären agieren. Eine Sensation ist neben der wunderbaren Sally Hawkins jedoch der furchtlos selbstspöttelnde Hugh Grant, dessen hinterlistiger Schurke in haufenweise klasse Kostümen eine spannende Schnitzeljagd hinlegt. Geocaching und Verbrecherjagd mit zwölf Londoner Sehenswürdigkeiten gehen etwas auf Kosten des bärigen Spaßes. Doch die sehr sorgfältige und liebevolle Inszenierung achtet bei vielen schönen Einfällen immer auf kindergerechte Action und letztlich verzeiht man diesem Bären unter seinem Schlapphut fast alles.

Battle of the Sexes

USA, Großbritannien 2017 Regie: Valerie Faris, Jonathan Dayton mit Emma Stone, Steve Carell, Andrea Riseborough, Sarah Silverman, Alan Cumming, Elisabeth Shue 124 Min. FSK: ab 0

Es war ein Medienereignis, ein Event, eine Zirkusnummer, als 1973 ein abgehalfterter Tennis-Champion die aktuelle Nr. 1 des Frauen-Tennis Billie Jean King zu einem Duell herausforderte. Der außergewöhnlich gute Spielfilm über dieses „Battle of the Sexes" wirbt zwar im Trailer grell und bunt mit dem Showkampf, ist aber tatsächlich eine packende, bewegende Geschichte über Billie Jean Kings Kampf um Gleichberechtigung und ihr Recht auf freie Liebe.

In wenigen Minuten kommen sie zur Sache, der Film sowie die damals „erfolgreichste Tennisspielerin aller Zeiten" Billie Jean King (Emma Stone) und ihre Managerin Gladys Heldman (Sarah Silverman): Für nur 1500 Dollar Preisgeld wird die Seriensiegerin nicht mehr in der Tennis-Serie mitspielen - vor allem, weil die Männer das Achtfache erhalten! King gründet den immer noch bestimmenden Frauen-Tennisverband WTA, Heldman besorgt einen Sponsor und die Frauen machen erst einmal alles selbst. Die Siegerinnen von Wimbledon und den US-Open verkaufen eigenhändig Eintrittskarten auf den Straßen, rollen den Boden auf den Plätzen aus und teilen sich zu zweit die Hotelzimmer auf der Tour. Für den riskanten Schritt heraus aus einer eklig arroganten, patriarchalen Organisation bekommen sie ihre Freiheit, erstmals farbige Tennisklamotten sowie einen Friseurtermin vor der Pressekonferenz. Dass sich dabei die verheiratete Billie Jean King auf dem ersten Blick in die Friseurin Marilyn (Andrea Riseborough) verliebt, passt in eine große, starke Geschichte von neuen Freiheiten nach der 68er-Revolution.

Damit die sympathische und gewitzte, aber keineswegs extrovertierte Leistungssportlerin Billie Jean King so richtig aus sich herauskam, bedurfte es ausgerechnet eines ganz besonders peinlichen Chauvis: Der ehemalige Wimbledon-Sieger Bobby Riggs (Steve Carell) ist mittlerweile 55, ein netter Vater, aber unheilbar spielsüchtig. Als ein Rolls Royce als Wettgewinn ungeplant vor der Tür steht, schmeißt ihn seine reiche Frau Priscilla (Elisabeth Shue) raus. Mittel- und ziellos fordert der selbstverliebte Showman die beste Tennisspielerin heraus - weil Frauen nichts auf dem Tennis-Platz zu suchen haben, sie gehören in Küche und Bett. Zuerst schlägt Briggs tatsächlich klar Margaret Court im „Muttertags-Massaker". Dann bereitet er sich mit albernen Einlagen auf King vor, spielt mit Schafen und Hunden als Handicaps. Die kluge Billie Jean King durchschaut auch diesen Clown sehr klar, trotzdem will sie eine Sache deutlich machen: Frauen sind nicht weniger wert!

Auch die heutige Weltranglistenerste Serena Williams muss immer noch für gleiches Preisgeld und gegen Sexismus kämpfen. Den aktuellen Clown gab Novak Djokovic noch im letzten Jahr. Doch „Battle of the Sexes" ist so ein großartiger Film, weil nicht nur Sexismus und Machismo in finanziellen, albernen, ekligen und erschreckenden Formen vorgeführt werden. Auf außergewöhnlich gekonnte Weise greift alles ineinander, die Liebesgeschichte, der Kampf gegen den Macho-Verband und die ganz persönliche Entwicklung von Billie Jean King. Valerie Faris und Jonathan Dayton sind die Regisseure von „Little Miss Sunshine" (2006) und „Ruby Sparks" (2012), das garantiert auch bei schauerlich übergriffigen Momenten eine sehr humorvolle und leichte Präsentation. Zum allgemeinen Happy End - King heiratete später ihre Partnerin, sie hatten Kinder - gibt es die großen Worte vom schwulen Kostümdesigner (Alan Cumming): Eines Tages werden wir die Freiheit haben, zu sein, wer wir sind und zu lieben, wen wir wollen.

Liebe zu Besuch

USA 2017 (Home again) Regie: Hallie Meyers-Shyer mit Reese Witherspoon, Michael Sheen, Candice Bergen 98 Min. FSK: ab 0

Eine wohlhabende und wohlbehütete Tochter aus Hollywoods Künstlerkreisen sitzt an ihrem 40. Geburtstag mit groß empfundener Lebenskrise heulend im Bad. Die unterschätzte und meist unterbesetzte Reese Witherspoon („Devil's Knot", „Der große Trip – Wild") spielt diese Alice Kinney glaubhaft und gewinnt ihr im Alleingang viele Sympathien. Um zu verstehen, weshalb diese kleine Komödie aus dem Ausstattungskatalog der Reichen und Schönen so holperig daherkommt, muss man auf die Familienverhältnisse der Regisseurin schauen: Hallie Meyers-Shyer ist Tochter der Komödien-Königin Nancy Meyers. „Liebe braucht keine Ferien", „Was das Herz begehrt", „Was Frauen wollen", das Remake von „Vater der Braut" - wenn zuhause solche Filme geschrieben werden und man als Kind selbst oft mitspielt, muss frau einfach die eigenen Probleme als kleine Drama-Queen auf die Leinwand bringen. Mama produziert ja behütend mit.

So sehen wir die Tochter aus der Filmbranche als Hauptfigur. Und eine Lebenskrise, die aus Entfremdung vom Ehemann besteht, worauf Alice zurück nach Los Angeles zieht, in eine Villa, die problemlos drei Untermieter aufnimmt. Bei Rundum-Betreuung der beiden Töchter und genügend Langeweile, um sich mal als Raum-Dekorateurin auszuprobieren. Dass die drei Mieter ihren ersten eigenen Film realisieren wollen und alle mehr oder weniger in die viel ältere Alice verliebt sind, gibt der romantischen Komödie etwas Futter. Allerdings verlaufen die Gefühlswirrungen zu selten mit diesen leichten, eleganten Montagen, die an das Erzählen von Mutter Meyers erinnern. Dafür gibt es im luftigen Mini-Drama „Liebe zu Besuch" einen Hauch vom Independent-Film, zeitweise wirkt es gar französisch. Mit Michael Sheen als plötzlich zurückkehrendem Ehemann und Candice Bergen als Mutter ganz fantastisch besetzt, ergibt sich eine sympathische Geschichte. Ein ganz interessantes Debüt, nur nicht unbedingt Stoff fürs große Kino.

15.11.17

The Justice League

USA 2017 Regie: Zack Snyder mit Ben Affleck, Gal Gadot, Jason Momoa 115 Min,

Kurz: Supermann macht den Jesus und erlebt seine Auferstehung, der nie wirklich erklärte Streit mit Batman aus dem letzten Film-Debakel wird beigelegt und ein Team aus Action-Figürchen verhindert die völlige Zerstörung der Erde. Das war es denn auch schon mit diesem großen, stinkenden Haufen Schund namens „The Justice League".

Das Wichtigste ist das Team. Nicht für die primitive Handlung um rudimentäre Figuren, sondern für die Verkaufsstrategie des Konzerns hinter den DC-Comicverfilmungen. Nach dem Vorbild Marvels wird ein Kosmos aus Figuren und möglichen Einzel-Filmen aufgeblasen. Dabei ist dieser aktuell „heiße Scheiß" das Gleiche der Diesel-Boom vor einigen Jahren - ein großer Beschiss. Die Folgen dieser Monokultur für Kinobetrieb und Filmangebot sind trotzdem enorm.

Ganz in diesem Geiste bleibt auch bei der „Justice League", der Konkurrenzveranstaltung zu den „Avengers", nicht viel von einem richtigen Film übrig. Nach Supermans Tod fühlen sich finstere Zombie-Wespen aus dem All gemüßigt, unter ihrem Führer Steppenwolf die Erde zu zerstören. Batman (Ben Affleck) sucht per Stellenanzeige die Team-Mitglieder Wonder Woman (Gal Gadot), Aquaman (Jason Momoa), Cyborg (Ray Fisher) und The Flash (Ezra Miller) zusammen, die Erfahrung im Weltenretten haben. Letztendlich klappt dies aber nur, nachdem Superman (Henry Cavill) mit Hilfe eines Zauberwürfels wiederbelebt wurde. Der Rest ist eine halbe Stunde hirnloses Raufen mit exakt drei lahmen Scherzen.

Nach zehn Minuten starker Eröffnung legt die Super-Langeweile mit mühsamem Team-Buildung los. Nichts funktioniert, vor allem nicht das krampfhafte Zusammenwürfeln von Plastik-Figuren aus Mythologie, Science Fiction und Comic. Aquaman aus Atlantis, Batman aus Gotham City, die Amazone Wonder Woman, ein Cyborg mit außerirdischen Ersatzteilen und der alberne Flash - so was lässt man üblicherweise für ganz billige Trash-Filme zusammenkommen, wo Kopfschütteln eingeplant ist. Bei dem ganz teuren Trash „Justice League" scheint das niemanden zu stören. Allerdings gilt auch hier der Satz: Der hat ja gar nichts an. Dieser Film ist erbärmlich schlecht.

So schafft es „The Justice League" - trotz Musik von Danny Elfman - nicht einmal, die existenzielle Bedrohung der Menschheit klar zu machen. Ein fünfminütiger Vortrag muss das richten. Und im Finale behilft sich die millionenschwere Einfallslosigkeit mit der Rettung einer kleinen russischen Familie als Nebenhandlung. Genau wie beim Trash bleiben die Effektbilder erschreckend entleert von Menschen und Menschlichem. Das Trauerspiel wurde dabei quälend lang- und mühsam inszeniert. Schematisch haut alle dreißig Minuten mal Action rein, um das Publikum aufzuwecken. Bis dieser große Schwindel um die einträglichen Teams aus Action-Figürchen jedoch auffliegt, werden noch einige Filme das Kino verstopfen.

14.11.17

Teheran Tabu

BRD, Österreich 2017 Regie: Ali Soozandeh 96 Min. FSK: ab 16

Immer wieder mal werden im Film Gesichter übermalt, um den Diktatoren und Zensoren zu entgehen: Die Aussagen israelischer Soldaten über ihr Massaker in libanesischen Flüchtlingslagern verfremdete Ari Folman zum eindrucksvollen „Waltz with Bashir". Der nachträglich im Rotoskopie-Verfahren übermalte „Teheran Tabu" erzählt die Geschichte von einer Handvoll Menschen in Teheran, einer Stadt voller Verbote und doktrinärer Prinzipien.

Voller Doppelmoral regt sich ein Taxifahrer über seine Tochter auf, die händchenhaltend durch die Straßen geht, während ihm selbst eine Prostituierte gerade im Auto einen bläst. Ein muslimischer Richter besteht für eine Scheidung auf die Zustimmung des Mannes, der als Drogendealer im Knast sitzt. Er würde sich aber mit sexuellen Dienstleistungen umstimmen lassen. So reihen sich im Figurenreigen schematisch die Unmenschlichkeiten des Lebens und Klischees wie eine böse Schwiegermutter. In dieser Anklage ist niemand ambivalent gezeichnet, die Schicksale bleiben oberflächlich, schockieren nicht so sehr wie beispielsweise Bahman Ghobadis „Persian Cats". Erst als sich über die Verbindung der Menschen und Geschichten neue Abgründe auftun und die Brutalität der Gesellschaft zunimmt, können poetische Momente berühren.

13.11.17

Happy Death Day

USA 2017 Regie: Christopher Landon mit Jessica Rothe, Israel Broussard, Ruby Modine 96 Min. FSK ab 12

Und ewig grüßt das Murmeltier aus der Filmgeschichte: Wenn dem totgerittenen Horror-Genre nichts einfällt, klaut es einfach einen sehr guten Einfall von früher: Das ein eingebildete blonde Ekel Tree Gelbman (Jessica Rothe) wird von einem unbekannten mit Babymaske ermordet und wacht aber wieder am Morgen ihres Todestages im Bett eines unbekannten Studenten auf. Tree braucht recht lange, um zu verstehen und im nächsten Durchgang überall Zeichen zu erkennen. Sie gewinnt wie alle Protagonisten der gleichen Film-Idee selbstverständlich an der Selbsterkenntnis, dass die kein guter Mensch ist. Die Suche nach der Identität ihres Mörders verläuft nicht wahnsinnig spannend. Dafür wird unheimlich viel geschrien, aber nicht mal das kann Hauptdarstellerin Jessica Rothe gut. Ganz zu schweigen von dem Durchdrehen angesichts der ewigen Wiederholungen. Es dauert Dreiviertelstunden bis sich der Film mit dieser anderen, nicht interessanten, höchstens erstaunlich fremden Studentenwelt selbst langweilig wird und er kurz mit ein paar schnellen Montagen für Unterhaltung sorgt. Das entschädigt nicht für einen hauptsächlich einfallslosen, unterdurchschnittlichen Fließband-Film.

12.11.17

The Big Sick

USA 2017 Regie: Michael Showalter mit Kumail Nanjiani, Holly Hunter, Ray Romano, Zoe Kazan 120 Min.

Als sich der in Pakistan geborene Komiker Kumail und die Studentin Emily verlieben, prallen zwei Kulturen aufeinander. Kumail befindet sich im Zwiespalt zwischen seiner Familie und seinen Gefühlen. Dann fällt Emily wegen einer mysteriösen Krankheit ins Koma und Kumail muss die Krise ganz besonderen Schwiegereltern bewältigen. Der große Sieger beim Publikumspreis von Locarno beruht auf der wahren Liebes- und Ehe-Geschichte der Drehbuchautoren Emily V. Gordon und Kumail Nanjiani.

„The Big Sick" von Michael Showalter zeigt das Aufeinandertreffen der Kulturen in westlichen Gesellschaften auf einfühlsame und sehr humorvolle Weise: Der aus Pakistan stammende Komiker Kumail Nanjiani spielt sich selbst beim wahren Kennenlernen seiner Frau Emily (Zoe Kazan, die Enkelin von Elia). Während seine traditionelle Mutter ihm in Chicago wöchentlich neue pakistanische Kandidatinnen für eine arrangierte Ehe „zufällig" beim Familienessen vorstellt, fällt die Frau, in die sich Kumail tatsächlich verliebt hat, in ein Koma.

Da klingt ein Song von The Smith im Kopf an: „Girlfriend in a coma". Mit dem Problem, dass Emily nicht mehr seine Freundin ist, seitdem sie die Schachtel mit all den von der pakistanischen Mama vorgeschlagenen Heiratskandidatinnen samt Bewerbungsfoto gefunden hat. Trotzdem lernt der zwischen den Kulturen zerrissenen Komiker die „Schwiegereltern" auf beinahe tragische und umwerfend komische Weise kennen. Eine geniale Holly Hunter und Ray Romano legen dieses alt-eingespielte Paar mit so viel Charakter, Ecken und Kanten hin, dass sie auf die Hauptrollen Anspruch machen. Während der stille Ex-Schwiegervater ungeschickt Sympathien zeigt, lehnt die energische Mutter von Emily den Herzensbrecher herrlich brüsk ab, um ihn darauf mit schlagkräftigem Mund und harten Fäusten gegen einen dumpfen Rassisten zu verteidigen.

Während man bei Holly Hunter Erstklassiges erwartet, überrascht Hauptdarsteller und Autor Kumail Nanjiani: Wenn in Deutschland Bühnenkomiker Filme machen, muss man so schnell wie möglich weglaufen. Beim Komiker Kumail muss man lachen, weinen, mitleiden und -bangen, wenn er sich selbst als erfolgloser „Stand up comedian" spielt. Er überfällt einen mit enorm geistreichen Witzen, provoziert mit Kontern auf Anti-Islamismus („Wir haben bei 9/11 unsere besten Leute verloren"), macht aber auch herzzerreißend einfühlsam das Problem erfahrbar, mit traditioneller Familie in einer modernen Gesellschaft zu leben. Eine dicke Dosis Romantik der sehr witzigen Sorte gibt es gratis dazu. Das ist aus der Aptow-Fabrik („Jungfrau (40), männlich, sucht …", „Superbad", „Ananas Express", „Brautalarm") sehr gelungene Unterhaltung mit zeitgemäßem Mehrwert.

Flitzer

Schweiz 2017 Regie: Peter Luisi mit Beat Schlatter, Bendrit Bajra, Doro Müggler 98 Min. FSK: ab 0

Kleider machen Leute. Kleiderlos macht Quote bei illegalen Wetten. So könnte man das bekannteste Werk des bekannten Dichters Gottfried Keller und die bescheuerte Idee dieses sicherlich unbekannt bleibenden Films zusammengefassen. In ganz langsamer, einfacher Sprache - so wie alle Schweizer im Film und auch dieser selber redet: Der langweilige Lehrer und Keller-Fan Baltasar Näf verwettet 700.000 aus dem Sparschwein seiner Schule (glückliche Schweiz) und muss fortan im Nebenberuf Flitzer auf die Fußballfelder der Deutschschweizer Ligen schicken. Denn auf Nackedeis wetten, bringt Gewinn, wenn man die Flitzer selber ausbildet und im Spielplan einsetzt.

Das alles ist - Stichwort Keller - unterirdisch schlecht inszeniert und gespielt. Witwer und unfähiger Alleinerzieher Näf ist peinlich und macht peinliche Sachen. Alle Vorurteile über Anti-Geschwindigkeit der Schweizer treffen auf dieses negative Erzähltempo zu. Der in einem gutturalen Nichtkomisch-Sein verendende Komödien-Versuch will „Ganz oder gar nicht" kopieren, scheitert aber erbärmlich. Sehr mäßige Schauspieler geben eindimensionale Figuren. Das ist nicht nur schlechtes TV Niveau, das ist furchtbares Laien-Boulevard, dazu altbacken in Inhalt und Form. Dass mit irgendeinem gutturalen Deutschschweizer Dialekt („dä chellar") gesprochen wird, soll es wohl doch noch irgendwie witzig machen, sorgt aber nur für Untertitel, als wenn es Filmkunst wäre! Nicht „Kleider machen Leute", sondern „Des Kaisers neue Kleider" sollte mehrfach erwähnt werden: Dieser elende Unspaß über Flitzer hat ja handwerklich und künstlerisch „gar nichts an"!

7.11.17

Suburbicon

USA, Großbritannien 2017 Regie: George Clooney mit Matt Damon, Julianne Moore, Noah Jupe, Oscar Isaac 106 Min. FSK: ab 16

Wie wäre es, wenn George Clooney mal nicht für die Coen–Brüder als Star vor der Kamera steht, sondern mit ihnen zusammen einen Film dreht? „Sububicon" ist dieser sagenhaft spannende, politisch hochaktuelle Film. Zudem kann man sich begeistert anschauen, wie es gewesen wäre, wenn Hitchcock „Fargo" gedreht hätte.

Dem Postboten entgleist das festgeklebte Grinsen, die Nachbarn starren unverhohlen und fahren gegen die nächste Laterne. Eine schwarze Familie zieht in den weißen, protestantischen Vorort ein. Wir befinden uns nicht im interkulturell zurückgebliebenen Sachsen, sondern in den USA des Jahres 1959. Nicht mal eine Viertelstunde braucht der Erfolgs-Regisseur George Clooney, um unglaublich dicht zwei Verbrechen und ein innerfamiliäres Drama um eine gelähmte Frau aufzuziehen. Denn direkt neben der ersten und einzigen schwarzen Familie der Siedlung, die wie in Hoyerswerda zunehmend bedrohlicher vom weißen Mob belagert wird, muss der Junge Nicky (Noah Jupe) miterleben, wie Einbrecher seine Mutter umgebringen. Ein Verbrechen, dass mächtig stinkt. Nicht nur nach dem Chloroform, von dem Rose zu viel einatmen musste. Denn Papa Gardner Lodge (Matt Damon) scheint nun mit Mamas Schwester Margaret Lodge (Julianne Moore in einer Doppelrolle) viel glücklicher zu sein.

Regisseur George Clooney („Monuments Men", „The Ides of March", „Good Night, and Good Luck") macht die klügsten politischen Filme unserer Zeit. Nun pflanzt er zwei parallele Verbrechen in eine Bilderbuch-Siedlung, die Schmelztiegel nur für weiße WASP-Abarten aus vielen US-Staaten sein will. Dass Clooney mit seinen regelmäßigen Regisseuren Joel und Ethan Coen („Fargo", „No Country for Old Men", „Hail, Caesar!") das Drehbuch schrieb, sorgt für den herrlich schwarzen, bitterbösen Touch. Denn während wir mit dem hellwachen Nicky um dessen Leben bangen, wächst wie bei „Fargo" dem gierigen kleinen Mann die Dynamik seines Verbrechens über den Kopf. Wieder einmal eine Musterrolle für Matt Damon, der dem komischen Krimi eine schauerliche Tiefe gibt.

Das wird bis zum irren Finale unheimlich spannend. Hitchcock fällt einem auch ohne das schöne Vertigo-Zitat durch die erblondende Julianne Moore ein. Allerdings Hitchcock mit einer politischen Agenda: Clooney geht immer gerne zurück in die Vergangenheit, um das Heute exakt zu kritisieren. Parallel zum Verbrechen der hässlichen, gierigen und dummen Weißen zeigt sich der Pöbel vor dem Haus der schwarzen Nachbarn als Abbild heutiger Fremdenfeindlichkeit. Das ist bei all der exzellenten und in Details (wie der TV-Fernbedienung mit Taschenlampe) wunderbar genießbaren historischen Kulisse hochaktuell. „Wir begrüßen die Rassenintegration, aber ..." Dieses berühmte, entlarvende „aber" von AfD und Genossen erweist sich als ebenso universell wie der Zaun als Schutz vor den „Anderen".

Wenn Hitchcock „Fargo" mit großem Thriller-Orchester gedreht hätte und auch noch eine politische Agenda gehabt hätte, es wäre nicht besser ausgefallen wie in dieser genialen Zusammenarbeit von Regisseur George Clooney mit Joel und Ethan Coen. Dass sie bei allem Horrenden noch ein positives, hoffnungsvolles Schlussbild finden, ist die Krönung eines engagierten Filmvergnügens.

5.11.17

Simpel

BRD 2017 Regie: Markus Goller mit David Kross, Frederick Lau, Emilia Schüle, Devid Striesow 113 Min. FSK: ab 6

Simpel gesagt ist „Simpel" eine extrem aufdringliche Heulsuse. Also der Film „Simpel", nicht die geistig behinderte Hauptfigur namens Simpel, die mit dem fürsorglichen Bruder für schön fotografierte Rührung von der Stange sorgt.

Ein Sirtaki im Watt, aus dem Ben (Frederick Lau) seinen geistig behinderten Bruder Simpel (David Kross) immer retten muss, zum Auftakt. Dann stirbt die krebskranke Mutter und der schon seit Jahren verschwundene Vater will sich nicht um das nur körperlich erwachsene Problemkind Simpel kümmern. Ben bringt es nicht übers Herz, den Bruder in einem Heim zu sehen und deswegen hauen sie gemeinsam ab. Direkt mit dem Polizei-Bulli, aus dem der Beamte der Fürsorge während der Fahrt geschmissen wird. Eine Odyssee zum Vater nach München beginnt. Der Autoverkäufer (Devid Striesow) freut sich, den gesunden Sohn wiederzusehen, will mit Simpel aber nichts zu tun haben.

Selbstverständlich stolpert der überforderte Ben von einer unmöglichen Situation ins nächste Problem. Und trifft auf die Ärztin Aria (Emilia Schüle), die sehr lässig aushilft. Hier finden sich zwei, deren Lebensweisen komplett gegensätzlich sind. Die nur berufliche, einsame, gänzlich unabhängige Heilerin und der selber sozial zurückgebliebene Ben, der sich sein ganzes Leben lang um seinen Bruder gekümmert hat.

„Simpel", Verfilmung von Marie-Aude Murails gleichnamigem Roman und Remake eines französischen TV-Films, ist der perfekte deutsche Film, mit dem man und frau sich die Tränenkanäle durchspülen kann. Da er die Tragik ausgespielt, bis die letzte Tränendrüse überläuft wird, kann er zudem den Blutdruck hochtreiben mit viel Ärger über die simple Ausnutzung der emotionalen Klaviatur. Nie scheinen die Figuren ihren inneren Antrieben zu folgen, immer allein einem abgedroschenen Drehbuch-Standard. Bis zu extrem unfähigen Polizisten dient alles dem Drama. Mit Inbrunst geklampfte Popsongs und Weichspül-Gedudel wie Ben Howards „Keep your head up" halten die Stimmung auf hohem sentimentalen Niveau. Das ist dann doch arg simpel - aber auf jeden Fall rührend.

Allerdings auch richtig gut gespielt: David Kross („Die Vermessung der Welt", „Der Vorleser") ist als Simpel kaum wiederzuerkennen. Jungstar Frederick Lau („Victoria", „Traumfrauen") zeigt seine ganz weiche Seite. Emilia Schüle („High Society", „Mann tut was Mann kann") erfüllt als schöne Aria alle Erwartungen an ihr Können, überrascht jedoch nicht. Den Vater David gibt Devid Striesow („Ich bin dann mal weg") gekonnt widerlich. In seinen besten Momenten zeigt das wohl kalkulierte Rührstück, dass die Situation von Ben komplexer ist, als es im Film weitergeht.

Bad Moms 2

USA 2017 (A Bad Moms' Christmas) Regie: Jon Lucas, Scott Moore mit Mila Kunis, Kristen Bell, Kathryn Hahn, Christine Baranski, Cheryl Hines, Susan Sarandon 104 Min.

Naaa? Schon alle Weihnachtsgeschenke zusammen? Und auch die neue, aufwändige Deko eingekauft? Dieses schlechte Gewissen garantiert in voller Ladung und verlogen „Bad Moms 2", der erste Weihnachtshasser–Film des Jahres.

Amy, Kiki und Carla (Mila Kunis, Kristen Bell, Kathryn Hahn) sind schon einige Tage vor Weihnachten fix und fertig. Vorbereitungen für ein perfektes Weihnachtsfest fordern vor allem Mütter, auch wenn Carla die Geschenke für ihren debilen Sohn nur aus dessen Zimmer raussucht und noch mal verpackt. Doch nachdem die „Bad Moms" in ihrer ersten, dreckigen Komödie vor einem Jahr radikal die Verhaltens-Regeln für (Schul-) Mütter auf den Kopf stellten, sind diesmal die Mütter der Mütter die „Bad Moms Nummer 2". Erst als sie perfektionistisch (Christine Baranski) bei Amy, besoffen und bekifft (klasse: Susan Sarandon!) bei Carla beziehungsweise psychotisch anhänglich (Cheryl Hines) bei Kiki einfallen, werden die Feiertage zur wahren Hölle.

Da hilft nur wieder einmal kräftig saufen, am besten schon früh am Morgen. Die Frauen in Doppelrolle als Mütter und Töchter beschließen, diesen Wahnsinn nicht mehr mit zu machen. Stattdessen rennen sie wie besoffene Stripperinnen im Kaufhaus rum. Wenn die drei Frauen und der Humor wirklich mal ausbrechen, wird es grob aber auch lustig. Dann erfahren wir interessante Details der amerikanischen Weihnacht, dass zum Beispiel vor den Feiertagen ein großer Andrang beim Intimbereich-Waxing herrscht. Doch „Bad Moms 2" ist leider hauptsächlich Küchen-Psychologie. Im wahrsten Sinne des Wortes. Da wird um zu wenige Wut- und sonstige Ausbrüche herum das Mutter-Tochter-Verhältnis aufgearbeitet. Und im Gegensatz zum Humor ist es dabei ärgerlich, dass alles grob gestrickt wie ein billiger Weihnachtspullover daherkommt.

Die Moral der typisch us-amerikanischen Geschichte ärgert schließlich besonders: Selbstverständlich müssen sich Mütter zu Weihnachten völlig aufopfern und fertig machen, damit eine repräsentative Weihnacht verkauft werden kann. Aber wir haben wenigstens probiert, so zu tun, als wäre die Menschheit entwicklungsfähig.

28.10.17

Good Time

USA 2017 Regie: Ben Safdie, Joshua Safdie mit Robert Pattinson, Ben Safdie, Jennifer Jason Leigh 101 Min. FSK: ab 12

Bei einem dämlich ausgeführten Banküberfall ließ Constantine (Robert Pattinson) seinen geistig behinderten Bruder zurück. Nun will er ihn aus dem Gefängnis rausbekommen, bekommt aber die Kaution nicht zusammen. Doch die Flucht aus dem Krankenhaus klappt, was nur der Beginn einer nächtlichen Odyssee ist. Twighlight-Star Pattinson ist mittlerweile beim kleinen, dreckigen Film angekommen. Aber noch nicht bei den guten kleinen, dreckigen Filmen: Die Brüder Safdie schicken ihn auf einen chaotischen Trip, bei dem die Neon-Farben ebenso rau sind, wie die sozialen Verhältnisse. Garniert wird der Independent-Film von einem Synthie-Soundtrack wie aus den 80ern liegengeblieben.

The Secret Man

USA 2017 (Mark Felt: The Man who brought down the White House) Regie: Peter Landesman mit Liam Neeson, Diane Lane, Marton Csokas 103 Min. FSK: ab 0

Der Mann, der Nixon stürzte

Ein Amtsenthebungsverfahren erscheint gerade die einzige Hoffnung, wie man die Welt von der Geißel Trump befreit. Der ungemein spannende und hochpolitisch aktuelle Film „The Secret Man", über den Mann, der laut Original-Titel „das Weiße Haus stürzte", zeigt wie das geht, beziehungsweise wie der unmoralische und kriminelle Präsident Nixon überführt wurde. Die Hauptfigur Mark Felt legt zwar definitiv zu Anfang einen Colt an, der wird jedoch im ganzen Geschehen nicht ein einziges Mal mehr angepackt. Denn Spannung geht auch ohne Schießerei.

1972 bestimmen Proteste gegen den Vietnamkrieg und Wahlkampf die USA. Dann lässt Noch-Präsident Nixon kriminelle Typen in die Zentrale der Demokratischen Partei einbrechen. Die Aktion im Watergate-Hotel verhindert allerdings nicht Nixons Wiederwahl. Nur das FBI ahnt, was wirklich passiert ist. Doch nach dem Tod des legendären Schnüfflers Edgar Hoover setzt das Weiße Haus seinen Mann an die Spitze des Geheimdienstes und steuert das FBI - völlig im Widerspruch zur Verfassung. Ein Affront für einen Mann, der seit 30 Jahren mit Überzeugung unter Hoover gedient hat: Mark Felt (Liam Neeson), ist Vize-Chef des FBI und wurde bei der Nachfolge grob übergangen. Doch noch unerträglicher ist, dass Informationen des FBI beim Präsidenten-Team landen und dass er nicht mehr in Sachen Watergate ermitteln soll. Mark Felt entscheidet sich zu einer Tat, die ihn an ein schreckliches Kindheits-Erlebnis erinnert: Sein Vater zwang Mark, das eigene, kranke Pferd zu erschießen!

Watergate, saubere Trennung der Institutionen im Staat, Amtsmissbrauch ... klingt nach Politik-Seminar, ist aber in der Inszenierung von „The Secret Man" mit einem sensationellen Liam Nesson der spannendste Film im aktuellen Kino. Schon Alan J. Pakulas Kinoklassiker „Die Unbestechlichen" von 1976 behandelte die Watergate-Affäre, die eigentlich Nixon-Affäre heißen müsste. Damals spielten Dustin Hoffman und Robert Redford die Journalisten der Washington Post, Carl Bernstein und Bob Woodward, die ihren mysteriösen Informanten „Deep Throat" in einer Tiefgarage trafen. Nun erzählt „The Secret Man" die Perspektive dieses berühmten Whistleblowers.

Und tatsächlich beruht der Film auf der Autobiographie „Felt: The Man Who Brought Down the White House". So beeindrucken zwar Standfestigkeit, mit der Mark Felt Grundprinzipien moderner Demokratien verteidigt, und die persönlichen Opfer, die er dafür bringt, aber der Vize-Chef des FBI wird kaum immer ein so ehrenwerter Kerl gewesen sein, als der er sich hier selbst darstellt.

Liam Neeson zeigt sich ohne Action aber trotzdem sensationell eindrucksvoll. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet der ungemein körperlich auftretende Schauspieler Liam Neeson diesen extrem standhaften Mann spielt. Eine lang unbewegte, fast versteinerte Miene, die Stimme tief wie bei Clint Eastwood. Das Drehbuch von Regisseur Peter Landesman gibt dieser eindrucksvollen Persönlichkeit durch eine Tochter, die seit mehr als einem Jahr in der linken Subkultur verschwunden ist, zusätzliche Schattierungen. Unglaublich gute Kamera und Musik komplettieren diesen sehr wichtigen und spannenden Film.

Thor: Tag der Entscheidung

USA 2017 (Thor: Ragnarok) Regie: Taika Waititi mit Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett, Idris Elba, Jeff Goldblum 131 Min. FSK: ab 12

Fantasy, Science Fiction, Trash, Kinderkram und ganz große Witznummer - der neue „Thor" müsste sich eigentlich entscheiden, was für ein Film er sein will. So unterhält das kurzweilige Durcheinander mit Chris Hemsworth und Cate Blanchett, bleibt aber nur noch ein Superhelden-Filmchen einer schon jetzt unübersichtlichen Sammlung.

„Thor: Ragnarok" heißt es im Original und dieses Ragnarok aus den nordischen Mythen ist wie die inflationäre Apokalypse der Christen - so richtig endgültig das Ende. Göttersohn Thor (Chris Hemsworth) spielt noch voller Muskeln und Ironie den Superhelden und trauert etwas um den irgendwie und doch nicht ganz verstorbenen Vater Odin. Doch das wirkliche Problem liegt wie so oft in der eigenen Familie: Die ältere Schwester Hela kehrt aus der Vergessenheit zurück und hat als mächtige Göttin des Todes alle Waffen für eine ganz große Racheaktion. Nun erzählt der Film mit einer grandios düsteren Cate Blanchett mit pieksigem Hirschgeweih und scharfem Lederklamotten eine durchaus tiefgründige Familiengeschichte um die zu unrecht verstoßene Tochter. Und schickt den entmachteten Thor auf eine alberne und mehr als holperige Abenteuer-Reise samt Werbeeinblendungen für andere Marvel-Konzernabteilungen.

„Thor" liefert Kindergarten-Dialoge, bevor lächerliche Kloppereien auf gleichem Niveau losgehen. Statt Thors mythischem Hammer Mjölnir sorgt Led Zeppelins fast noch 60er Wikinger-Rock „Immigrant Song" für Schwung. Allerdings hat alles, was aus den nordischen Mythen geklaut wurde, Hand und Fuß, fasziniert und lässt nachdenken. So wie Neil Gaimans Roman „American Gods" und deren grandiose Verfilmung ja auch nur eine ganz große Ragnarok-Geschichte ist. Wenn jedoch der Verräter der Götterheimat Asgard seine „Maschinengewehre aus Texas" mit „Des" und „-troy" benennt, ist das echt der Comic, der „Thor" einst war.

Ein Comic, aufgewertet mit erstaunlichen Schauspiel-Einlagen. Damit ist jetzt nicht die Lach-Nummer von Matt Damon gemeint, der in einer Theater im Film-Einlage einen heldenhaften Loki gewollt schlecht spielt. Während sich dieser hinterlistige Halbbruder Thors wieder einmal als Odin ausgibt und die ganze Maskerade im Shakespeare-Stil inszeniert. Die wenigen, kurzen Szenen, die Anthony Hopkins als Odin noch hinlegt, haben alle Gänsehaut-Potential. Und dann Cate Blanchett (demnächst völlig wandlungsfähig in „Manifesto"), die das Böse so gut wie noch nie aussehen lässt! Unter all den Effekten und Tricksereien ist es wieder mal echte Schauspiel-Superkraft, die einen hammermäßig umhaut.

Jeff Goldblum hat als alberner Grandmaster einen großen Auftritt auf einem Gladiatorkampf-Planeten, von dem man durch des „Teufels Anus" fliehen muss! Benedict Cumberbatch tritt als Dr. Strange dramaturgisch völlig unnötig auf. Wie auch die trampelhafte Einlage von Hulk und Bruce Banner nur Werbung für das Superhelden-Arsenal von Marvel darstellt.

Aber letztlich passt dies zu einem Film, in dem nichts zueinander passt: Science Fiction fliegt durchs All, politische Dystopie blitzt auf, wenn eine Weltraum-Müllhalde auf Blade Runner-Kopie macht. Haufenweise Auftritte, Welten, Stile und Gast-Einlagen purzeln durcheinander, auch die Musik findet keine Linie. Aber wenigstens vergeht bei diesem holperigen Walküren-Ritt - ja, auch die gibt es - die Zeit mit Lichtgeschwindigkeit.

27.10.17

Lady Macbeth

Großbritannien 2016 Regie: William Oldroyd mit Florence Pugh, Cosmo Jarvis, Paul Hilton 89 Min. FSK: ab 12

Für den Preis eines Stückchens Land wurde sie verkauft. Wir sind in England, zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Nun ist Katherine (Florence Pugh) Ehefrau von Alexander Lester (Paul Hilton), der sie abends im Schlafzimmer nicht anfasst, sondern sie nur nackt anschaut. Auch der Film sperrt Katherine ein - in einen Rahmen der Räumlichkeiten. Selten sorgt ein Sonnenstrahl oder ein Ausflug für Aufhellung. Doch als sowohl Alexander als auch der dominante Schwiegervater Boris Lester (Christopher Fairbank) ohne Ankündigung vom Anwesen abreisen, beginnt die geknechtete Hausherrin ein leidenschaftliches Verhältnis mit einem ungehobelten Arbeiter. Diese, auch sexuelle Befreiung führt zu einer Selbst-Ermächtigung gegen den schlagenden Schwiegervater. Auch der gemeinsame Mord des Paares am nach langer Zeit zurückkehrenden Ehemann zeigt eine schockierende Gewalt und Entschlossenheit. Das schwarze Hausmädchen Anna verstummt vor Schock und Schuld, doch die wahre „Lady Macbeth" ist noch nicht am Ziel.

Anders als in Nikolai Leskows Vorlage, dem Roman „Lady Macbeth von Mzensk" aus dem Jahr 1865, und der gleichnamigen Oper von Dmitri Schostakowitsch und Alexander Preis wird sich das Ende des Dramas gestalten. Mit der Verlagerung ins England des 19. Jahrhunderts kommen in der äußerst packenden Verfilmung zum Schlachtfeld Geschlecht auch das von Klasse und Ethnie hinzu. Ein in dichter Inszenierung und exzellenter Kamera (Ari Wegner) sehr eindrucksvolles Kinodebüt von William Oldroyd. Bei einer fesselnden und schockierenden Geschichte vor allem auch die Entdeckung der Hauptdarstellerin: Die bislang unbekannte Florence Pugh spielt Katherine in allen Gefühlslagen und Macht-Positionen geradezu atemberaubend intensiv. So blickt die Kamera nach Katherines dritten Mord eine gefühlte Nacht nur auf ihr Gesicht, das die Tat im Wandel verarbeitet. Ein unvergesslicher Kinomoment!

24.10.17

Die Unsichtbaren - Wir wollen leben

BRD 2017 Regie: Claus Räfle mit Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O. Fee, Aaron Altaras, Victoria Schulz, Florian Lukas, Andreas Schmidt 110 Min. FSK: ab 12

Das bewegende Doku-Drama re-inszeniert vier Geschichten von jungen Berliner Juden, die vor den tödlichen Transporten der Nazis untertauchten: Cioma Schönhaus gibt kurz vor dem Abtransport vor, dass er in einem kriegswichtigen Betrieb unabkömmlich sei. Mit weiteren Tricks wechselt er als angeblicher Soldat auf Heimaturlaub die Wohnungen. Dabei fälscht er nicht nur seinen eigenen, sondern auch viele andere Pässe. Aus Hanni Lévy wird mit blonden Haaren Hannelore Winkler. Eugen Friede verteilt nachts im Widerstand Flugblätter. Tagsüber versteckt er sich in der Uniform der Hitlerjugend und im Schoße einer deutschen Familie. Und schließlich ist da noch Ruth Gumpel, die als Kriegswitwe getarnt, NS-Offizieren Schwarzmarkt-Delikatessen serviert.

Regisseur Claus Räfle und seine Ko-Autorin Alejandra López haben die vier Überlebenden schon 2009 für einen anderen Film interviewt. Nun erzählen sie vor der Kamera, während Schauspieler die Erinnerungen nachspielen. So ist „Die Unsichtbaren - Wir wollen leben" in den Spielszenen ein spannend gestalteter Historienfilm, der seine Glaubwürdigkeit von den Gesichtern und den Stimmen der Überlebenden erhält. Das ist auch mit ein paar historischen Aufnahmen so gelungen, dass es in die Zeit hineinzieht. Dabei passt die Wahl der Schauspieler gut, vor allem der gewitzte Fälscher Cioma Schönhaus scheint als alter Mann und von Max Mauff als Untergetauchter dargestellt eine Person zu werden. Vor allem vermittelt das im Kino seltene Format des Doku-Dramas unter Ausblendung des wirklichen Horror des Holocaust, der nur eine Ahnung bleibt, die allgegenwärtigen Ängste, die dauernden Lügen und Verstellungen der „Unsichtbaren".

Maudie

Kanada, Irland 2016 Regie: Aisling Walsh mit Ethan Hawke, Sally Hawkins, Kari Matchett 116 Min. FSK: ab 12

„Maudie" ist Künstlerporträt, ist Biopic und lässt doch alle Klischees der Gattung weit hinter sich: Die Geschichte der kanadischen „Folk-Art-Künstlerin" Maud Lewis (1903-1970) beginnt trist im Haus ihrer Tante, wo die junge Frau „abgestellt" wurde. Als Kind an rheumatischer Arthritis erkrankt, wirkt sie zerbrechlich, humpelt und ihre Hände sind verkrüppelt. Man traut ihr nichts zu und so nutzt Maud (Sally Hawkins) die erste Gelegenheit, von ihrer grausamen Familie wegzukommen. Die Gelegenheit bietet sich in Form des polternden, groben Klotzes Everett Lewis (Ethan Hawke), der für seine schäbige Hüte eine Haushälterin sucht. Nun ist Maud überhaupt nicht als Haushaltshilfe geeignet, aber Everett gleichermaßen nicht fürs Zusammenleben. Trotzdem zieht sie bei ihm ein, schleppt den schweren Kochtopf mit krummen Händen und geht mit ihren krüppeligen Füßen den weiten Weg aus der Einöde zum kleinen Laden des Kaffs.

Es wäre untertrieben, Everett als sehr einfach gestrickten Mann zu beschreiben, der viel Mühe hat, mit ausgerechnet dieser Frau zurecht zu kommen. Aber in besonders schwierigen Momenten beginnt Maud zu malen: Auf der Wand, den Möbeln und auf kleinen Zetteln. Sie bringt auch seinen kleinen Fischhandel in Ordnung. Dabei bekommt sie allerdings bald mehr Aufmerksamkeit und Geld für die selbst gemalten Karten, die als Quittung herhalten. Sie beginnen, die Bilder zuhause auszustellen und zu verkaufen. Die bunten Zeichnungen aus Tier- und Pflanzenwelt werden ein großer Erfolg, sogar Präsident Nixon will eine, bekommt sie aber nur, wenn er zahlt. Da sind sich die beiden Käuze einig!

Heute ist Maud Lewis als Folk Art Künstlerin anerkannt, ihre Gemälde hängen in zahlreichen Kunstsammlungen. Doch in „Maudie" bleibt diese Erfolgsgeschichte beiläufig. Dies ist ein wunderbarer Liebesfilm der besonderen Art. Vor allem Everett ist verschroben in einer Weise, die richtig komisch wäre, wenn man nicht mit ihm leben müsste. Wie er allerdings betont, dass sie rausfliegt, wenn sie ihren Haushaltsjob nicht mehr macht, und dann selbst zum Besen greift, damit sie mehr Zeit zum Malen ihrer einträglichen Bilder hat, ist schon fast liebevoll. Er bleibt ein sehr grober Idiot und sie liebt ihn weiterhin. So kommt es auch in einer Mischung aus Pragmatismus und spröder Zuneigung sogar zur Hochzeit.

„Maudie" zeigt dieses Glück sehr schön, spielt zwischendurch die passend raue Landschaft und das Wetter an Kanadas Ostküste aus. Dazu gibt es sehr schön passende Folk-Musik. Aber der Film gewinnt einen vor allem über die Darstellung Mauds durch Sally Hawkins, die fast wieder ihren unerschütterlichen Poppy-Charakter aus „Happy-Go-Lucky" (2007) aufnimmt. Ein reiner Sonnenschein - so wie bei ihren Bildern ist die einfache Fröhlichkeit keineswegs naiv, sie kommt aus tiefem Herzen. Was einen kleinen Glücks-Film mit viel leisem Humor ergibt. Ethan Hawke ist in der assistierenden Hauptrolle so groß, dass er einige Filmpreise erhalten sollte. Da wird am Ende jeder tief gerührt in den Kinosesseln versunken sein, trotzdem der Hinweis, es gibt im Abspann noch ein paar wunderbare Originalbilder.

23.10.17

Django

Frankreich 2017 Regie: Etienne Comar mit Reda Kateb, Cécile de France, Beata Palya 117 Min. FSK: ab 12

Die Finger fliegen so rasant und ungewöhnlich über die Saiten wie bei Sean Penn in Woody Allens Biografie „Sweet and Lowdown". Doch dieser Django Reinhardt ist ein anderer, die Zeit ist brutal in ihrem Rassenhass: „Django" erzählt eine Episode im Leben des Belgiers Jean „Django" Reinhardt (1910-1953). Es ist die erfolglose Flucht vor den deutschen Besetzern in Paris in die Schweiz im Jahr 1943. Das Regie-Debüt des französischen Produzenten Etienne Comar („Von Männern und Göttern", „Mein Ein, mein Alles") zeigt den Wandel des unpolitischen Bohemiens und Genies des Gypsy-Swing zum Komponisten einer ergreifenden „Zigeunermesse" für die verfolgten und ermordeten Roma. Deren Partitur ging zwar verloren, der erhaltene Teil bildet aber den Schlussakkord des Films.

Bis zu diesem tieftraurigen Moment erlebt Django (großartig gespielt von Reda Kateb), der ersten Warnungen von Transporten nicht glaubt und von Angeboten der deutschen Führung lebt, wie immer mehr Menschen verhaftet werden und verschwinden. In einer schockierenden Szene werden die Wagen einer befreundeten Sippe im Flammenwerfern abgefackelt. Die absurden Forderungen der Kultur-Nazis, Django dürfte nicht improvisieren, keine „Negermusik" spielen und nicht mit dem Fuß wippen, sind noch der amüsante Teil eines schon verlorenen Kampfes um die Freiheit der Musik und damit der Kultur. Die andere Belgierin des Films, Cécile de France, verkörpert in der tragischen Figur der gefolterten und gebrochenen musikalischen „Königin von Montparnasse" dieses Ende der Freiheit. „Django", der Eröffnungsfilm der letzten Berlinale, gemahnt auf ergreifende Weise, zu was Rechte an Macht fähig sind.

Sommerhäuser

BRD 2017 Regie: Sonja Maria Kröner mit Thomas Loibl, Laura Tonke, Ursula Werner, Günther Maria Halmer, Mavie Hörbiger 97 Min. FSK: ab 12

Im besonders heißen Sommer des Jahres 1976 wurde in Entebbe eine Flugzeugentführung beendet, bei den olympischen Sommerspielen in Montréal kämpften noch BRD gegen DDR und Ulrike Meinhof starb unter umstrittenen Umständen in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim. Diese Ereignisse dringen kaum bis in den sommerlichen Garten einer großen Familie. Den alten Baum fällte symbolträchtig der Blitz, das Haus der gerade verstorbenen Oma ist fast abgebrannt. Jetzt kommen die Münchener zu den Verwandten auf dem Land. Der Sommer im Garten besteht aus Wespen töten und Baumhäuser bauen. Der aus Kinderperspektive unheimliche Nachbar im Wald hinterm Zaun hat einen Puppenfriedhof, in den Zeitungen wird ein Kind vermisst. Die Erwachsenen hegen Hoffnungen auf das Erbe, das Häuschen und das Grundstück. Die Spannungen zwischen den eifersüchtigen Schwestern setzen sich bei ihren Kindern fort. Gitti protzt mit teuren Klamotten von ihren wechselnden reichenden Männern, der Vater ihrer Tochter kommt allerdings nie zu deren Geburtstagen. Ihr Schwester Eva stichelt und betont der Wert ihrer kompletten Familie.

Das wird mit guten Darstellern schön charakterisiert. Drumherum sorgt eine Ausstattungsorgie mit furchtbaren Schlaghosen, gelben Telefonzellen, Kaugummi-Automaten, Mofas und Nachrichten, die man auf Papier schrieb, für die glaubhafte Zeitstimmung. In der sehr ruhigen Entwicklung klingt ein wenig Kirschgarten mit dem Verlust der alten Familien-Gemeinschaft an. Sehr gewitzt und „natürlich" steigt die Spannung. Der Kampf mit den Wespen artet in einer Szene a la Hitchcocks „Die Vögel" aus. Während einer stürmischen Gewitternacht mündet das Sommer-Drama in einer ungewöhnlich stillen und damit sehr berührenden Katastrophe. All dies und mehr gelang Sonja Maria Kröner in ihrem Langfilm-Debüt äußerst stimmig.

Fack ju Göhte 3

BRD 2017 Regie: Bora Dagtekin mit Elyas M'Barek, Jella Haase, Sandra Hüller, Katja Riemann, Max von der Groeben 118. Min

Für dumm verkauft

Ein dummes Blödelfilmchen, das zum Kinoerfolg wurde, kassiert im dritten Teil noch mal ab und gibt sich nicht im Geringsten Mühe, endlich auch mal einen guten Film abzuliefern. Das Beste an „Fack ju Göhte 3" ist, dass er nicht nur das, sondern auch der Letzte (seiner Serie) sein soll. Wer's glaubt, hat allerdings zu viel von solchem Mist gesehen.

Dramaturgisch geht es super originell wieder mal um die Schulschließung, dazu gibt es wie üblich einen Wettbewerb und Schul-Einbrecher Zeki Müller (Elyas M'Barek) muss erneut das Vertrauen seiner Problem-Schüler gewinnen. Chantal (Jella Haase), Danger (Max von der Groeben) und Zeynep (Gizem Emre) sind weiter, sehr, sehr dämlich. Andere Filme stellen sich gerne auf die Seite der Chancelosen und zeigen glaubhaft, was in ihnen steckt. Hier bleiben sie doof und bekommen trotzdem ihr Abi.

Die mittlerweile legendäre „Arschloch-Klasse" kann nichts und muss in der einfallslosen 08/15-Dramaturgie unweigerlich Erfolg haben. Dazu tragen die Mädels „FOT" und „ZE" auf ihren T-Shirts. Das soll jetzt provokativ sein, ist allerdings auch fast zwanzig Jahre nach „American Pie" nur verklemmt. Lächerlich machen und gleichzeitig Respekt sowie eine Chance für die Witzfiguren einfordern, das ist tatsächlich respektlos vom Film. Aber hier muss auch der Minderbemitteltste im Kino noch jemand blöderen auf der Leinwand sehen, über den er lachen kann.

Die Scherze bleiben mäßig und nicht überkomplex. Müllers Erstaunen darüber, dass es von Faust einen zweiten Teil gibt, mag umwerfend witzig erscheinen, war es aber schon vor 100 Jahren nicht. Selbst Cybersex bleibt hier Kinderkram, unappetitlicher zudem, weil die immer noch lebende Legende für skurille Rollen, Irm Hermann, dazu Kekse serviert. Dass „Influencer" kein Beruf ist, wurde schnell noch für die Intellektuellen ins Buch geschrieben. Dabei fällt alles grob aus: Die Riesenwarze der Pflegerin im Berufswahl-Video, das Riesenzäpfchen, dass erst rektal und dann oral in den Müller muss. Als versöhnlichen Ausgleich gibt es dann den M'Barek nackt unter der Dusche.

So quält man sich gelangweilt durch einen gerade noch so mittelmäßigen Film und sucht in dieser sich schrill gebenden Spießer-Ödnis irgendwas Substanzielles, etwas, was hängenbleibt. Und tatsächlich: Nach über einer Stunde sorgt das Bekenntnis von Müller als ehemaliges Mobbing-Opfer in einem rührend einfachen Anti-Mobbing-Seminiar beim Zielpublikum vielleicht für etwas Gesinnungswandel.

Erstaunlich nur die Präsenz respektabler Schauspieler wie Corinna Harfouch oder Uschi Glas, die ernsthaft Worthülsen absondern. Viele wollen auf diesen Erfolgszugs aufspringen und lassen sich auch für doof verkaufen. Außerdem ist die Marktmacht vom Produzenten Constantin Film groß, da hält man lieber den Mund. Einzig Sandra Hüller nutzt ihre Rolle als Party-Maus im Kollegium gekonnt zum Image-Wechsel.

So schließt die „Trilologie" mit vielen, vielen Misstönen. Zum Ende wird rührselig und langatmig noch die ganze überraschende Erfolgs-Serie abgefeiert. Für Filmliebhaber eine nicht endende Qual.