31.10.16

Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Israel, USA 2015 (A Tale of love and darkness) Regie: Natalie Portman mit Natalie Portman, Gilad Kahana, Amir Tessler 98 Min. FSK: ab 12

Natalie Portman ist nicht nur das hübsche Gesicht der Queen Amidala aus „Star Wars". Seit dem Anfang ihrer Karriere, 1994, in der Lehre des Auftragskillers „Léon", gespielt von Jean Reno, hat sie Rollen angenommen, die sich selbst und die Zuschauer forderten. Als Höhepunkt und Beispiel muss ihr oscarprämierter „Black Swan" gesehen werden. Auch hier spielte sie wieder mit einem Regisseur, der nicht zur populärsten Liga Hollywoods gehört.

Nun verfilmt die Frau, die 1981 in Jerusalem geboren wurde und jung in die USA zog, die in Jerusalem spielende Autobiografie von Amos Oz. Mit der Mutter des Protagonisten als Hauptfigur, gespielt von Natalie Portman. Die Jugend von Fania (Portman) in Polen wird brüsk beendet von einem Massaker der Nazis. Nach der Flucht lebt sie in Jerusalem unter dem Protektorat der britischen Armee. Sie träumt von einem starken, intellektuellen Kibbuz-Bewohner, ist aber mit einem erfolglosen Autor verheiratet. Während ein UN-Beschluss 1947 die Gründung eines israelischen Staates absegnete und in den Jahren darauf ein Krieg mit den arabischen Nachbarn stattfand, verschlechtert sich der psychische Zustand von Fania. Migräne und Depressionen stoppen auch die schönen Geschichten, die sie immer ihrem Sohn Amos (Amir Tessler) erzählte. Während der andauernden Fürsorge für die bald betrogene Mutter entwickelt sich der stille Junge selbst zum Erzähler, der mit selbst erfundenen Abenteuer-Geschichten die prügelnden Mitschüler abwehrt.

„Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" erzählt von der Jugend eines berühmten Autoren, von Jerusalem und Israel. Wie der junge Amos unter dem Tisch die Geschichten der Frauen belauscht, erinnert an Elias Canettis Kindheitserinnerungen. Nur wo dort Liebe war, herrscht hier vor allem Finsternis. Überzeugend verkörpert von Natalie Portman, doch um sie herum fällt ausgerechnet ihr eigener Film stark ab. Zwar gibt es ab und zu gelungene Bilder, auch ein paar eindrucksvolle Szenen vom Sterben im ausbrechenden Nahostkonflikt. Jedoch, ebenso wie der nicht eindrucksvoll gespielte Junge bleibt auch der Film davon seltsam unberührt.

Dass dies teilweise seelenlos wirkt, mag auch an der deutschen Synchronisation liegen. Doch letztendlich ist das mit Ironie und Melancholie erzählte Drama in dieser Form das Leiden nicht so sehr am Holocaust sondern an der Entwurzelung einer verwöhnten polnischen Bürgertochter in Jerusalem. Die wenigen Off-Texte aus den Memoiren von Amos Oz machen vor allem neugierig darauf, wie viel mehr und besser das Buch wohl erzählt. So beeindruckt ein sehr treffender Satz über den Kern des Nahost-Konflikts mehr als die keineswegs einseitig zusammengerafften historischen Details: Oz wundert sich darüber, dass wieder zwei Verfolgte gegeneinander kämpfen, statt sich vielleicht sogar vereint gegen die eigentlich unterdrückenden Nationen zu wenden. Im Verständnis für beide Seiten gewinnt der Film Natalie Portmans einige Sympathien. Schon in „Free Zone" (2005) von Amos Gitai überschritt sie als Schauspielerin ganz offen die Grenzen zu den besetzten palästinensischen Gebieten. Filmische Grenzüberschreitungen lässt „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" allerdings vermissen. Es ist eine Literatur-Verfilmung, deren Länge man lieber lesend verbracht hätte.

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