16.8.16

Suicide Squad

USA 2016 Regie: David Ayer mit Will Smith, Jared Leto, Margot Robbie, Joel Kinnaman, Viola Davis 123 Min. FSK: ab 16

Sie sind zur Zeit Gelddruckmaschine und Pest des Kinos zugleich: Superhelden. Immer erfolgreich gegen das Böse, meist einträchtig an der Kasse und in den Comic-Heftchen schlummert unendlicher Nachschub. Doch auch die Produzenten auf ihren Goldeseln ahnen, dass diese langweiligen Super-Gutmenschen in Strumpfhosen auf Dauer selbst die härtesten Fans langweilen werden. Deswegen versuchen sie noch etwas Älteres – gemischte Charaktere. Oder noch besser: Dunkle Charaktere auf der Seite des Guten. Bei „Hancock", dem Säufer unter den Super-Männern, ging das noch in die Latexhose. „Guardians of the Galaxy" war ein galaktischer Erfolg und „Deadpool" bekam einige gute Kritiken. Also auch hier Schritt 2 der Superhelden-Verwurstung, wir schmeißen einen Haufen von diesen miesen Typen zusammen und bauen ihnen ein eigenes Verwertungs-Universum. Mit einem grottenschlechten „Suicide Squad" als Teil 1...

In unglaublich langen zwanzig Minuten ohne eigentliche Handlung wird unverschämt schematisch und bürokratisch mit Aktenordnern das Team aus superbösen Helden zusammengestellt. Die knallharte Regierungsbeamtin Amanda Waller (Viola Davis) argumentiert wie gehabt mit irgendeiner imaginären Bedrohung der USA. Das hat nichts mit Realitäten zu tun, aber scheint als Begründung für jede Aufrüstung gegen das eigene Volk – in Fiktion und Realität – auszureichen. So bekommen die Psychopathen aus den Hochsicherheits-Trakten ein staatliches Waffenarsenal und sollen ein unüberwindliches Wesen überwinden. Das übrigens aus dem gleichen Superschurken-Staatsprogramm entstammt.

Dieses dann plötzlich gar nicht so unüberwindliche Wesen ähnelt irritierend dem sehr, sehr alten Ägypter aus dem letzten „X-Men" - Phantasie oder Hirnschmalz scheint bei der Superhelden-Serienproduktion nicht mehr nötig zu sein. Wofür es an der US-Kasse bereits die Quittung gab. Nach der seriellen Vorstellung vom Scharfschützen und Papa Deadshot (Will Smith), der durchgenallten Ex-Psychologin Harley Quinn (Margot Robbie), dem feuerwerfenden Latino Gang-Mitglied Diablo (Jay Hernandez) oder dem echsenhaften Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje) mit jeweils einem alten Vinylzeiten-Hit folgt das Übliche: Martialischer Overkill mit massenhaft Schusswaffen, Kugeln, Messern und Schwerter. Der Joker (Jared Leto) besucht zwischendurch seine Geliebte Harley, Batman Ben Affleck trinkt einen Kaffee. An die „Die glorreichen Sieben" („The Magnificent Seven", 1960) aus John Sturges' Western oder Kurosawas „Die sieben Samurai" sollte man dabei nicht denken - „Suicide Squad" ist derart oberflächlich in der Figurenzeichnung, dass sich das Wort „flach" im Vergleich beleidigt fühlen darf.

Nur der ebenso nachdenkliche wie schießwütige Deadshot und die ausgeflippte Punkfrau mit verletztem Herz Harley bekommen etwas persönliche Geschichte mit. Der Normal-Man Colonel Rick Flag (Joel Kinnaman) darf um seine Liebe kämpfen, die von einer übermächtigen Hexe besessen ist. Der Rest ist lautes, aber in der Inszenierung furchtbar unspektakuläres „Spektakel" mit unlogisch gutem und unbefriedigendem Finale. Schlechte Superhelden in einem noch schlechteren Superhelden-Film.

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