30.8.16

Ben Hur (2016)

USA 2016 Regie: Timur Bekmambetov mit Jack Huston, Toby Kebbell, Morgan Freeman 124 Min. FSK: ab 12

Dieses Wagenrennen, damals ... ist auch in diesem Remake vom Remake von „Ben Hur" wieder die Hauptattraktion. Allerdings eher als Kleinwagen-Rennen, denn Timur Bekmambetov, Regisseur besonders ruppiger Schlachten und Spektakel in „Abraham Lincoln Vampirjäger" (2012), Wanted (2008) oder „Wächter der Nacht" (2004), bekam nur begrenzte Mittel für diese Imitation eines Hollywood-Blockbusters. Das macht aus dem 2016er „Ben Hur" ein redereiches historisches Kammerspiel mit spektakulären Ausritten ins Action-Gemetzel.

Die Vorlage von Lew Wallace stammt aus dem Jahr 1880, schon der frühe Stummfilm stürzte sich auf den Stoff, dann verführte er zu opulenten Epen bis hin zu William Wylers vierstündigem, mit Oscar überschütteten Klassiker aus dem Jahr 1959. Jetzt geht es bei Bekmambetov direkt an den Start des Rennens, um dann in der Rückblende den Römer Messala (Toby Kebbell) zu zeigen, der als Adoptivsohn einer reichen Jerusalemer Familie aufwächst. Die Freundschaft zu Judah Ben Hur (Jack Huston) zerbricht als Messala nach Jahren der Abwesenheit als aufsteigender Soldat der Besatzungsarmee von Pontius Pilatus zurückkehrt. Judah Ben Hur ist zwar kein Freund des Widerstands der radikalen Zeloten, wird aber nach einem Attentat zur Galeeren-Sklaverei verurteilt. Fünf Jahre am Ruder vergehen in einem Peitschenschlag - ohne Pinkelpause oder Nahrungsaufnahme. Dadurch ist Zeit genug für eine eindrucksvolle Seeschlacht aus der Perspektive der Galeerensträflinge im Schiffsbauch. Judah Ben Hur überlebt, strandet und sein afrikanischer Retter Ilderim (Morgan Freeman) bringt ihn als Besitzers eines Pferde-Rennstalls nach Jerusalem zurück. Dort kommt es in der Arena, die mit den Grabsteinen der Juden gebaut wurde, endlich zu den finalen zwanzig Minuten Brot und Spiele, zum Wagenrennen, um das sich dieses Remake dreht.

Aus dem Monumental-Spektakel wird ausgerechnet unter der Regie vom Spektakel-Spezialist Timur Bekmambetov ein Kammerspiel mit blutigen Einlagen. Und blutigen Anfängern in den Hauptrollen. Besonders im Zusammenspiel mit einem sehr souveränen Morgan Freeman fällt auf, wie wenig Eindruck Jack Huston und Toby Kebbell machen können. Das wiegen dann die Wagen auf, rasend, zerfetzend, splitternd und metzelnd. Das Rennen ist glatt 2 Euro Eintritt wert, die ersten 100 Minuten kann man sich allerdings sparen und dann die Seeschlacht auf DVD nachholen.

Der Hintergrund könnte als zeitlose Geschichte von Macht und Widerstand eigentlich interessant sein. Doch es bleibt bei zu viel Gerede von unbekannten Schauspielern. Was neben der Männerfreundschaft, die ja bei William Wyler in einer legendären homoerotischen Badeszene kulminierte, sonst so an Beziehungen mitläuft, ist wie die Stadtpanoramen nur Deko. Judah Ben Hurs Liebe Esther (Nazanin Boniadi) predigt als frühe christliche Missionarin Versöhnung. Jesus Christus selbst verbreitet als Model für Haargel kluge Sprüche und bekommt erst in der angeklebten Kreuzigung, einem pathetischen Gedöns ohne Zusammenhang, etwas mehr Leinwand-Zeit. Das wirkt wie eine störende Split Screen-Werbung für religiöse Eiferer mitten im eigentlich gebuchten Formel 1-Spektakel mit viel Unfall und Sadismus.

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