12.6.17

Wonder Woman (2017)

USA 2017 Regie: Patty Jenkins mit Gal Gadot, Chris Pine, Robin Wright, Danny Huston, David Thewlis, Connie Nielsen 140 Min. FSK: ab 12

Frieden bereiten mit Flamme und Schwert? Feminismus mit einem Action-Püppchen vorantreiben? Die Aufregung um den nächsten Superhelden-Film „Wonder Woman" liefert einige Paradoxien. Die Sache mit der Frauen-Power ist dabei schnell abgehakt: Mit Patty Jenkins („Monster") führt erstmals eine Frau Regie beim momentan dominanten Comic-Genre für Fan-Boys. Und mögliche „Fan-Girlz" oder weibliche Kino-Begleitung bekommen mit Wonder Woman Diana Prince eine starke Identifikationsfigur vorgesetzt - für die nächste Prügelei im Schlussverkauf.

Ja, in den ersten Minuten sieht man nur Frauen in „Wonder Woman" - und einen sehr trägen und schematischen Aufbau zur Vorgeschichte Dianas auf einer verborgenen Amazonen-Insel. Die stolzen Frauen üben sich dort seit Jahrhunderten mit glänzenden Griechen-Rüstungen im Schwertkampf, schießen mit Pfeil und Bogen, reiten erhaben herum. Bis mit dem notgelandeten amerikanischen Piloten Steve (Chris Pine) der erste Weltkrieg auf der Insel strandet. Dieser Spion will Informationen über ein diabolisches deutsches Giftgas-Projekt nach London bringen, und Amazone Diana ein für alle Mal den Kriegsgott Ares besiegen.

Bevor die Action allerdings bei den Schlachtfeldern ankommt, muss die naive Eingeborene Diana in London noch die aktuelle Mode anprobieren. Selbst wenn die Sache mit dem Giftgas doch eigentlich eilig wäre. Völlig 50er Jahre- und Doris Day-mäßig lässt der Film Wonder Woman mit Schild und Schwert durch die Metropole tapsen. Dann geht es aber bald rund mit der schlagkräftigen Pazifistin, die in ihrem Wahn, Ares zu schlagen, zielsicher nicht nur den Gott des Krieges bekämpft, sondern auch alle seine deutschen Jünger und Auswüchse. Dianas Entsetzen über die Schrecken des Krieges im flandrischen Grabenkampf wirkt auf dem Niveau eines Abenteuer-Filmchens tatsächlich.

Dianas Antwort mit Martial Arts, neu entdeckten übermenschlichen Kräfte sowie ein paar Wunderwaffen, ist dann echt wieder Comic und nicht wirklich friedlich. Was wenige Minuten später zum Sieg der „guten" mordenden, vergewaltigenden und folternden Soldaten führt. Auf diesem Reflektions- und Teenager-Niveau läuft auch die brave Vorschul-Romantik mit Steve ab. General Ludendorff geht als erster großer Gegner drauf, dabei wirkte der echte Ludendorff noch bis 1937 in seinem völkischen und rechten Wahn weiter.

Auch „Wonder Woman" ist so ein typischer Film für kleine Jungs jeden Alters. Unübersehbar der erste Teil einer ganzen Film-Reihe, ist diese Figur längst noch nicht in einer Phase, in der sich ein Superheld wie „Iron Men" mal Persönlichkeit als starke Waffe leistet. Auch wenn Diana als Pazifistin gegen die feigen kriegs-liebenden Führer auftritt, mit ihrer Kenntnis von über hundert Sprachen eine frühe Ikone des Multi-Kulti-Zusammenlebens darstellt, lässt sich das ganze gut aussehende, teure Filmchen nur schwer als feministisch interpretieren.

Gal Gadot („Die Jones - Spione von Nebenan"), ehemals israelische Soldatin, Modell und Martial Arts-Kämpferin, macht als Kämpferin für Liebe, Frieden und den Sieg der richtigen Seite eine gute und treffsichere Figur. Während Chris Pine nur eine typische flache Action-Figur gibt, kann David Thewlis („Harry Potter") einem fast verständlich machen, dass die Götter diese lästigen Menschen, die sich nur selbst und alles andere zerstören, vernichten wollen. Allerdings folgt diesem packenden göttlichen Moment wieder eine sehr banale Prügelei. Superhelden-Film halt.

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