6.6.17

Mein neues bestes Stück

Frankreich, Belgien 2017 (Si j'etais un homme) mit Audrey Dana, Christian Clavier, Éric Elmosnino, Alice Belaïdi 99 Min.

Der alte Komödien-Gag vom Geschlechterwechsel erlebt in diesem trüben Aufguss eine seiner schwächsten Varianten: Jeanne (Audrey Dana) ein ängstlicher Tollpatsch, wurde von Scheidung, Sorgerechts-Streit, Männern und dem Beruf, also dem Leben überhaupt, arg mitgenommen. Ihr Bauprojekt droht im großen Still zu scheitern, ihr Leben ist eine Katastrophe. Nun kommt der ansonsten lahme Film wenigstens schnell zu Potte, besser gesagt zur Schüssel, wenn Jeanne unvermittelt in der Nacht stehend in die Toilette pinkelt, nachdem sie die Weiblichkeit verflucht hat. Mit einem über Nacht gewachsenen Penis macht sich Jeanne im Büro männlich über die Männer lustig, pinkelt ihren Namen auf der Baustelle in den Sand, hat die Erfahrung männlicher Selbstbefriedigung und die Erkenntnis, dass ein Penis blöd macht.

Schon als Frau ist die Figur Jeanne sehr unglaubwürdig, das geht auch in einer dämlichen Komödie nicht. Abstruse Szenen kann man in so einer Situation erwarten, aber was bei „Was Frauen wollen" in Wechsel der Perspektive noch Spaß machte, geriet hier nur grob, zäh und langweilig. Die ganze Zeit über die Größe von „dem Ding" gescherzelt. Dadurch, dass Jeanne nur unter der Gürtellinie Mann ist, ergeben sich für die Paarung verschiedene Paar-Kombinationen. Der schale Film könnte sogar ganz modern Transgender thematisieren! Doch hier wurde das Potential dieser Film-Formel gnadenlos für geil hechelnde Teenager-Scherze verheizt.

Der Wechsel zwischen den Rollen des verhuschten Büromäuschens und des aufbrausenden Typens gelingt der Schauspielerin (und in anderen Filmen auch Autorin und Regisseurin) Audrey Dana gar nicht. Man sehnt sich da sogar nach Steve Martins Klamotte „Der Mann mit zwei Gehirnen" aus 1983, die war wenigstens zeitweise witzig und hatte einen Hauptdarsteller, der den schauspielerischen Spagat zwischen Mann und Frau hinbekam. Nur die positiv denkende Nachbarin macht etwas Spaß. Christian Clavier dagegen, der sich als Gynäkologe an Jeannes Situation aufgeilt, ist der peinlichste Ausfall des selbst sehr peinlichen Films.

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