13.6.17

Der wunderbare Garten der Bella Brown

Großbritannien, USA 2016 (This beautiful Fantastic) Regie: Simon Aboud mit Jessica Brown Findlay, Andrew Scott, Jeremy Irvine, Tom Wilkinson 92 Min. FSK: ab 0

Gartenfreunde müssen die Gummistiefel ausziehen und ins Kino. Cineasten sollten Gartenhandschuhe anziehen und Antihistaminika einwerfen: „Der wunderbare Garten der Bella Brown" ist ein tatsächlich wunderbarer Film über die seltsame Pflanze Mensch, die manchmal im Schatten blüht, mal besondere Pflege braucht, aber dann sehr beglücken kann.

Bella Brown (Jessica Brown Findlay) ist so ein Schattengewächs, „nichts Normales war an diesem Mädchen" bemerkt der Erzähler. Bella ist eine Waise, die von Enten bewacht und einem skurrilen Schwimmer entdeckt wurde. Sehr pedantisch in einem kleinen Häuschen lebend, muss bei ihr immer alles am richtigen Platz liegen, ihre Mahlzeiten sehen streng geometrisch, wenn nicht gar symmetrisch aus. Eines Tages erbt sie vom griesgrämigen Nachbarn Alfie (Tom Wilkinson) den großartigen Koch Vernon (Andrew Scott), einen alleinerziehenden Vater, dem ein Übermaß an Mitgefühl aus den Poren strömt. Er wird Bellas Stütze sein, als ein strenger Hausverwalter eine Frist zur Rettung des verwilderten Gartens setzt und mit Rausschmiss droht. Dabei hat sie seit frühester Kindheit eine Abneigung gegen alles Grüne und Vernon heftigen Heuschnupfen.

Bella Brown ist eine Art britischer Amélie Poulain. Allerdings wurde hier die Schraube der Verdrehtheit ein paar Umdrehungen weniger angezogen, der Stil hält sich zurück. Dafür wuchern kleine liebe- und humorvolle Szenen. Der beglückende, unbedingt sehenswerte Film gewinnt die Herzen nicht nur mit der schön verschrobenen Geschichte, sondern auch mit ungemein sympathischen Figuren: Bella ist kein hilfloser Sonderling, sie weiß sich durchaus gegen den Nachbarn Alfie zu wehren, der mit allen Mitteln seinen Koch zurückhaben will. Der grummelige alte Mann überrascht mit seinen Spleens und seiner Pflanzen-Leidenschaft als schillernder Charakter. Neben grandios zynischen Bemerkungen erfreut er wunderbar mit seinem Wissen über Pflanzen ihre Namen, Bedeutungen und Geschichten. Im Garten, dieser „Welt des schön geordneten Chaos", öffnet er sich Bella langsam. Er selbst würde eine passende Blüte anführen, die sich ähnlich scheu verhält. Denn er hat ja zu jeder Pflanze eine Geschichte seiner früheren Reisen parat. So wird Alfie schließlich auch Bellas Schreibblockade auflösen und ihre poetische Ader zum .... ja: erblühen bringen.

Jessica Brown-Findlay („Der wunderbare Garten der Bella Brown", „Victor Frankenstein") darf man hier in der Hauptrolle entdecken und sich auf ihre nächsten Filme freuen. Tom Wilkinson brilliert als Alfie wie in jeder seiner vielen, so verschiedenen Rollen („Snowden", „Verleugnung", „Grand Budapest Hotel", „Selma", „Lone Ranger"). Bei dieser wunderschönen Menschen-Familie, die hier zusammenwächst, gibt es auch die rührende Liebesgeschichte Bellas zum verschrobenen Billy, der mechanische Tiere erfindet. Sie kommen unter den Augen der ungemein strengen Bibliotheksleiterin zusammen - auch diese Szenen schwingen zwischen leicht verrückt und märchenhaft verträumt.

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