27.3.17

Die andere Seite der Hoffnung

Finnland, BRD 2017 (Toivon tuolla puolen) Regie: Aki Kaurismäki mit Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen, Janne Hyytiäinen, Ilkka Koivula 98 Min.

Ja, dieser ältere Mann, der bei Preisverleihung der Berlinale so verwirrt nicht mal den Weg zur Bühne fand, um den Preis für die Beste Regie entgegen zu nehmen, dieser alte Finne macht tatsächlich gute Filme. Sehr gute sogar, früher. „Die andere Seite der Hoffnung" ist da zwar nur ein Schatten von, doch immer noch sehenswert und als Flüchtlings-Tragikomödie ein ungewohnter Ton in der notwendigen Diskussion.

Einst ging es bei Kaurismäki darum, auf ein Schiff und aus Finnland wegzukommen. Ariel hieß dies im gleichnamigen Film und fügte damit der typisch proletarischen Geschichte knorriger Typen in shakespear'sche Sphäre bei. Mittlerweile hat sich die Reiserichtung gewendet, schon in „Le Havre" verstecken Fischer einen Flüchtling auf ihrem Kahn und nun landet der Syrer Khaled (Sherwan Haji) in Helsinki.

Nicht einfach so, es ist einer der wenigen cineastischen Höhepunkte, wie sich das Gesicht von Khaled aus dem schwarzen Staub des Kohledampfers herauskristallisiert. Quasi das Prinzip des Films: Aus der angeblich so bedrohenden „Flüchtlings-Welle" sehen wir einem Menschen ins Gesicht. Wie der junge Syrier Asyl bei der Polizei beantragt, ins Flüchtlingsheim transferiert wird, eine Einweisung und sein Bett erhält, erzählt Aki Kaurismäki mit seiner lakonischen Effektivität. Kurz und knapp erleben wir die Flüchtlings-Situation in einem humanen Land Europas. Bis zur Ablehnung, weil Aleppo ja doch eine sichere Stadt sei - siehe die Trümmerfelder in den Abendnachrichten. Khaled haut mit Hilfe ein paar netter Menschen am Abend vor der Abschiebung ab und kloppt sich an seinem neuen Schlafplatz mit dem älteren Restaurant-Besitzer Wikström (Sakari Kuosmanen). Der Schnitt auf die Streithähne, die beide mit blutenden Nasen kurz darauf im Restaurant eine Suppe löffeln, ist so herrlich trocken wie der Humor von Kaurismäki. Wikström wird Khaled illegal einstellen und verstecken. Die Solidarität der skurrilen Belegschaft ist rührend, Khaled kann sogar seine Schwester nach Finnland holen. Aber da gibt es noch die rechten Schläger.

„Die andere Seite der Hoffnung" ist im lakonischen Stil mit seinem trockenen Humor unverwechselbar ein Kaurismäki. Wie sich Wikström, der ehemalige Handelsvertreter für Krawatten und Männerhemden, wortlos von der saufenden Ehefrau verabschiedet, einfach Schlüssel und Ehering abgibt, hat Klasse. Wie in der abgeratzten Kneipe Finnischer Sushi ohne jegliche Kenntnis der Herstellung zur Geschäftsankurbelung eingeführt und am nächsten Tag wieder abgesetzt wird, ist ein Slapstick-Kurzfilm für sich. Aber war früher nicht mehr von diesem Weniger bei Kaurismäki? Die Reduktion in Ausstattung, Farbe, Schauspiel und Drama wurde doch noch mehr auf den entscheidenden Punkt getrieben. Auch die „Die andere Seite der Hoffnung" geriet bei ihrer „Überlänge" von 98 Minuten selbstverständlich nicht übermäßig dramatisch. Doch diesmal in der typischen Reduzierung nicht sehr treffend und effizient. Ein starkes Plädoyer für den menschlichen Umgang mit Flüchtlingen aber ein schwacher Kaurismäki.

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