26.7.16

Zeit für Legenden

Kanada, BRD 2016 (Race) Regie: Stephen Hopkins mit Stephan James, Jason Sudeikis, Jeremy Irons, Carice van Houten, William Hurt, Eli Goree, David Kross, Barnaby Metschurat 118 Min. FSK: ab 0

Der Moment ist zu schön, um wahr zu sein, doch genau das ist er: Bei „Hitlers Spielen", den Olympischen von 1936, gewinnt der schwarze Leichtathlet Jesse Owens (1913-1980) vier Goldmedaillen und verhöhnt damit die rassistische Ideologie der Nazis. „Zeit für Legenden" ist nun der Film über den Weg von Owens zu den Spielen. Und so ein typischer Sportfilm mit einem harten Trainer, der zum Freund wird. Und selbstverständlich ein eigenes Trauma mit sich rumschleppt. Der politische Hintergrund dieser mehrfach politischen Geschichte spielt sich vor allem in den USA ab, wo sich das nationale olympische Komitee mit der populären Forderung eines Boykotts auseinandersetzen muss. Die großartigen William Hurt und Jeremy Irons (als späterer Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Avery Brundage) fechten die bekannten Standpunkte um die zeitlose Phrase „Politik hat im Sport nichts zu suchen" aus. Brundages Besuch im düster futuristischen Berlin ist ein furchtbarer Geschichts-Exkurs mit Carice van Houten als Leni Riefenstahl und Barnaby Metschurat als Goebbels. Die kosmetischen Vorschläge des obersten Olympioniken der USA werden dem Propaganda-Minister devot übersetzt. Wie dieser kühl beobachtet, dass Brundage eine millionenschwere Bestechung nach sehr kurzem Zögern annimmt, ist vielleicht das aktuellste Statement des Films.

Das andere Thema ist Rassismus, der Originaltitel „Race" bedeutet gleichzeitig Rasse und Rennen. Warnungen vor dem Rassismus in Nazi-Deutschland beantwortet Owens mit Hinweisen auf den Rassismus zuhause. Obwohl er bei seinem ersten Rennen für seine Universität gleich drei Weltrekorde bricht, muss er beim Duschen auf die weißen Footballer warten und die Rassentrennung in den Bussen einhalten.

Die Aufstiegsgeschichte eines schwarzen Sportlers inmitten der Wirtschaftskrise ist in vielerlei Hinsicht interessant, das Dilemma des Talents zwischen persönlichem und politischem Weg schnell abgehandelt. Regisseur Stephen Hopkins tat sich bisher vor allem durch Routine hervor und Routine präsentiert er auch hier. Informativ, recht unterhaltsam, aber zu wenig für diesen einzigartigen historischen Moment.

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