5.7.16

Verräter wie wir

Großbritannien, Frankreich 2016 (Our Kind of Traitor) Regie: Susanna White mit Ewan McGregor, Stellan Skarsgård, Damian Lewis, Naomie Harris 108 Min. FSK: ab 16

Ewan McGregor zeigt als naiver Poesie-Professor, was passiert, wenn der Bürger glaubt, unsere Sicherheitsdienste würden sich um unsere Sicherheit kümmern: Der Urlaub in Marrakesch ist für den Oxford-Dozenten Perry Makepeace (Ewan McGregor) vor allem frustrierend. Der belasteten Beziehung zur erfolgreichen Anwältin Gail (Naomie Harris) helfen Pool, Cocktails und laue Nächte doch nicht. Mit dem beängstigenden und faszinierenden Russen Dima (Stellan Skarsgård) zu feiern, ist allerdings etwas Neues für den zurückhaltenden Literaten. Dabei erweist sich Perrys Respekt für muskelbepackte und rundum tätowierte Gangster als begrenzt: Als einer von denen eine Frau vergewaltigt, greift der schmächtige und hoffnungslos unterlegene Kerl trotzdem ein.

Dies auch der Grund, weshalb Perry im Dienste dieser frischen Männerfreundschaft zu Dima einen Stick mit hochbrisanten Informationen dem britischen Geheimdienst überhändigen will. Denn Dima ist Geldwäscher der russischen Mafia und die ist unter einem neuen Paten gerade mit einem mörderischen Großreinemachen beschäftigt. Aller Vernunft und auch Gails Einspruch zum Trotz lässt sich Perry in eine schwierige Geheimdienst-Aktion einspannen, um Dima sowohl vor der Mafia als auch den korrupten Politiker in der Führung des Geheimdienstes zu schützen.

Schon im Prolog, wenn ein in Zeitlupe schwereloser Bolschoi-Tänzer einen poetisch schönen Mord im Schnee begleitet, spürt man die Qualitäten von Kameramann Anthony Dod Mantle. Diese Eröffnung verrät und verspricht viel, was der spannende und kluge Film „Verräter wie wir" fortan hält. Es ist nach „Der Ewige Gärtner", „Dame, König, As, Spion" und „A Most Wanted Man" eine weitere hochkarätige John le Carré-Verfilmung. Der Autor und Ex-Spion glaubt im Gegensatz zu seinem Protagonisten Perry nicht an ein gutes Ende. Politik und Sicherheitsdienste können nur noch zynisch betrachtet werden. Aber einige aufrechte Kämpfer gibt es selbst im System. Auch wenn dies in der Verkürzung kitschig klingt, diese hochaktuellen Geschichten von Carré bleiben packend. Drehbuchautor Hossein Amini („Drive") tat seinen Teil hinzu.

Stellan Skarsgård („The Avengers", „Verblendung") überzeugt als ruppiger Russe mit großem Herz und noch mehr Melancholie. Ewan McGregor gibt dem Gerechtigkeits-Sinn des naiven Professors aus dem Elfenbeinturm so viel Substanz, dass man diese Figur ernst nehmen kann. Die Sorgfalt, mit der auch Randfiguren beispielsweise aus der Familie Dimas mit ihren bedrückenden Geschichten dargestellt werden, beweist die sehr hohe Wertschätzung von Carré-Stoffen in der Film-Branche. Und der meist unsinnige Hintergrund solcher Geschichten ist hier eine Entdeckung, die den Blick auf Politiker nachhaltig verändern kann: Unter Führung eines Ministers erlauben korrupte britische Abgeordnete trotz Wirtschaftsembargo gegen Russland die Gründung einer russischen Bank in der „City of London", damit dort sehr schmutziges und blutiges Geld gewaschen werden kann. Das ist mal eine klare Aussage, die viel Ungereimtes in der Politik erklären würde. Das ist typisch für einen John le Carré-Thriller, ebenso wie die enorme Spannung, die sehr gut gespielten Figuren und die packende Story.

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