11.7.16

Mit besten Absichten

USA 2015 (The Meddler) Regie: Lorene Scafaria mit Susan Sarandon, Rose Byrne, J.K. Simmons, Jerrod Carmichael 104 Min. FSK: ab 0

Helikopter-Mutter wäre viel zu harmlos: Wie eine Klette klebt Marnie Minervini (Susan Sarandon) an ihrer Tochter Lori (Rose Byrne). Dabei ist Marnie eine reife, frisch verwitwete Frau, die kürzlich von New Jersey nach Los Angeles zog, um wieder näher bei Lori zu sein. Die ist auch eine erwachsene Frau und erfolgreiche TV-Autorin, aber gerade wegen der Trennung von der großen Liebe etwas neben der Spur. Nun ist Marnies wichtigster sozialer Kontakt der Typ von der Genius Bar im Apple Store. Dank des üppigen Erbes verschenkt sie reihenweise iPads, gibt auch mal einer Freundin der Tochter eine Traumhochzeit aus.

Klingt gut, fühlt sich aber anders an, weil die überkandidelte Dame sich dauernd hemmungslos aufdrängt und neue Freundschaften kaufen will. Sie will im Krankenhaus helfen, hat aber panische Angst vor Krankheiten. Sie trampelt auf den verletzten Gefühlen der Tochter herum und ist nicht wirklich interessant an den Leuten, denen sie hilft. Dieses „Happy in LA" sieht reichlich überspannt aus. Nur die gemeinsame Psychoanalytikerin wird wissen, ob bei Mutter oder Tochter der zuerst der Zusammenbruch zu erwarten ist.

Finanziell mehr als abgesichert, bei Hyperaktivität schwer gelangweilt, rennt Marnie vor der Trauer davon. Irgendwann ist das nicht mehr zu übersehen und man wartet, dass noch etwas anderes passiert. Dafür kommt der Ex-Polizist Zipper (J.K. Simmons) ins Spiel, ein verrückter Fan seiner Hühner und von Dolly Parton.

Bei diesem langen, langen Abschied vom verstorbenen Ehemann ist alles gut gemacht, stimmig und mindestens eine halbe Stunde zu lang. Susan Sarandon brilliert auch in dieser Rolle, doch nur nette Szenen machen noch keinen Film. Aber vielleicht fehlen auch einfach Östrogene beim Kritiker und „Mit besten Absichten" ist es ein toller Ü50-Film, bei dem auch Töchter mit dürfen.

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