21.7.16

Legend of Tarzan

USA 2016 (The Legend of Tarzan) Regie: David Yates mit Alexander Skarsgård, Margot Robbie, Samuel L. Jackson, Christoph Waltz 109 Min.

Der vom belgischen König Leopold grausam privat ausgebeutete Kongo ist Ende des 19. Jahrhunderts Schauplatz eines Massakers an und von den Einheimischen. Mittendrin Christoph Waltz wieder sensationell zynisch, entspannt und bürokratisch effizient als Capt. Léon Rom, als Verwalter der Grausamkeit. Für eine Handvoll Diamanten verspricht er einem Häuptling (Djimon Hounsou) Hilfe bei dessen Racheplan: Tarzan muss zurück nach Afrika! Der Lianen-Schwinger ist allerdings mittlerweile Lord Greystoke und Parlamentsabgeordneter in London, in einem reichen Adelshaushalt verheiratet mit Jane (Margot Robbie). Aber britische Regierungsbeamte locken (schon damals) mit der Lüge von den vielen Jobs, die Tarzans Stippvisite einbringen würde. Und der us-amerikanische Delegierte George Washington Williams (Samuel L. Jackson) überzeugt den Lord letztlich mit seinem Anliegen, den Sklavenhandel aufzudecken.

So kehrt Tarzan inkognito als Backpacker in seine Heimat zurück, schmust mit Löwen und sieht Waggonladungen voller Elefanten-Stoßzähne. Ein melancholischer Mann, in dem viele (schwarzweiße) Erinnerungen wühlen. Der Abenteuerfilm nach den Erzählungen von Serien-Schreiber Edgar Rice Burroughs schreitet mit den Rückblenden zur bekannten Tarzan-Geschichte eher gemächlich voran. Bis der Schurke Rom mit seiner Söldner-Truppe ein Dorf niederbrennt, Jane und andere Frauen entführt. Der restliche Verlauf ist klar: Eine äußerst rasante Jagd zu Fuß durch den Dschungel mit einem albern langsamen George hintendran. Action-Einlagen, wenn Tarzan einen ganzen Eisenbahnwagen voller belgischer Soldaten verprügelt. Dazu die klassischen Szenen, die Lianen-Schwingerei, die Affen und Elefanten, sowie der Sprung vom Wasserfall.

„Legend of Tarzan" vom Harry Potter-Regisseur David Yates ist kein stimmiger, durchgehend anspruchsvoller Film. Es wird einem haufenweise Blödsinn vorgegaukelt, der Herr des Dschungels muss heutzutage selbstverständlich auch ein Superheld sein. In die Begegnung mit den aggressiven Ziehbruder Tarzans platzt ein pubertärer Genital-Scherz. Aber für ein Abenteuer-Filmchen ist diese erneute Verfilmung der reifen Tarzan-Geschichte nach „Greystoke" (1984) erfreulich inhaltsvoll und in Ansätzen sogar politisch bildend.

Die Folie des historischen Kongo, Vorlage für Joseph Conrads „Herz der Finsternis" (1899) und schließlich „Apocalypse Now", wirkt modern ist aber tragisch verbürgt: Wie bei der Niederländische Ostindien-Kompanie waren nicht Staaten sondern Konzerne und Privat-Armeen die Ausbeuter und Killer. „Legend of Tarzan" versucht den Bogen vom ersten Tier-Versteher Tarzan zur populären Achtung der Tierwelt zu spannen. Als ganz früher Öko sorgt er dafür, dass Natur sich verkauftes und verbautes Territorium zurückholt.

Die Schlüsselszene ist eine höchst gewagte Konfrontation zwischen Gorillas, afrikanischem Stamm, Tarzan und einem afroamerikanischen Gesandten der USA, in der man der Rache abschwört. Reichlich konstruiert, aber immerhin ein spannendes Denkspiel zum Thema Anstand und Respekt. Wobei der moderne Mensch die mörderische Bestie ist, verkörpert durch Christoph Waltz als teuflischem Söldner, als nerdiger Verwalter der Ausbeutung. Samuel L. Jackson hat wieder eine dieser spannenden Rollen, die Hautfarben reflektieren: Auch sein George Washington Williams kommt als Afroamerikaner irgendwie nach Hause und muss den blühenden Sklavenhandel erleben. Wobei auch noch mutig der Bogen zum Völkermord der US-Armee an den Indianern gespannt wird. Alexander Skarsgård sieht als Adonis, als Lendenschurz- und Frack-Model genau wie der Film jederzeit so gut aus, dass man sich diese Gedanken alle nicht zu machen braucht.

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