30.5.16

Whiskey Tango Foxtrot

USA 2016 Regie: Glenn Ficarra, John Requa mit Tina Fey, Margot Robbie, Martin Freeman, Alfred Molina, Billy Bob Thornton 112 Min. FSK: ab 12

Der Titel „Whiskey Tango Foxtrot" spielt im Film keine große Rolle - außer wenn man ihn abkürzt: WTF - What the fuck! Auf Zeitungs-Deutsch: Was soll der Mist? Diese Frage stellt man sich Zweidrittel eines Films, der einen Kriegseinsatz in Afghanistan als Kur gegen die Midlife-Crisis us-amerikanischer Journalistinnen empfiehlt.

Die vom eigenen Leben gelangweilte TV-Reporterin Kim Baker (Tina Fey) übernimmt sehr spontan die Berichterstattung von der afghanischen Reporter-Front. Mit der Qualifikation, von Kabul und Umgebung keine Ahnung zu haben, stolpert sie mit dem Film durch ziemlich belangloses Szenen und staunt über die eingeschworene Kollegen-Clique vor Ort. Eher dämlich und naiv landet sie ihren ersten „Scoop", als sie mitten im Gefecht nur mit der Kamera bewaffnet herumrennt. Denn Volltreffen auf Jeep und fliegende Körperteile, das wollen die Leute sehen. Der ruppige Marine-Colonel Hollanek (gut: Billy Bob Thornton) und der bigott muslimische Politiker Ali Massoud Sadiq (Alfred Molina) werden zu Freunden, selbst das blonde Poster-Girl der Kriegsberichterstattung, Tanya Vanderpoel (Margot Robbie), erweist sich erst einmal als hilfreiche Kollegin.

Von ihr erfährt Kim, dass sie nun „kabul cute" sei, im frauenarmen, sittenstrengen Kriegsgebiet also auf der Werteskala steigt. Danach sorgt die Pinkelpause der schwachen Blase von Kim unter rein männlich soldatischer Aufsicht im Kriegsgebiet für die Selbst-Diskriminierung weiblicher Kriegs-Journalisten. Lange schleppt sich dieses komische Ding zwischen Satire, Frauen- und Politfilm dahin - nicht wirklich schwungvoll, lahm und brav wie seine Hauptfigur.

Basierend auf dem Roman der echten Kim Barker (mit einem r mehr), „The Taliban Shuffle: Strange Days in Afghanistan and Pakistan", erfährt man von Afghanistan nicht viel mehr, als dass die Frauen in den Dörfern immer wieder die neuen Brunnen sprengen, weil nur der lange Weg zur Wasserstelle ihnen sozialen Freiraum ermöglicht. Ansonsten verhält sich „Whiskey Tango Foxtrot" ähnlich ignorant wie seine Hauptfigur oder zuletzt Barry Levinsons „Rock the Kasbah". Nur der war mit Bill Murray komisch und ansonsten auch mutig inszeniert. An ernsthafte Beschäftigung mit der zwiespältigen Arbeit von Kriegskorrespondenten wie in Winterbottoms „Welcome to Sarajevo" oder zuletzt im großartigen „Louder Than Bombs" mit Isabelle Huppert ist nicht zu denken.

Nun, obwohl Tina Fey immerhin von „Saturday Night Live" kommt und letztens noch ganz gut in „Sisters" zu sehen war, zündet der Funke selten. Bis es ganz am Ende noch mal spannend, romantisch und unterhaltsam wird. Hier bekommen der Film und seine Hauptfigur die Kurve, als Kim Baker endlich erkennt, wie sie alle in der „Kabubble" festhängen und süchtig nach den mörderischen News sind. Für die sich in den USA längst keiner mehr interessiert. Symptomatisch folgt den kontrakartierenden Pop-Liedchen der ersten Hälfte nun im Finale mit „Nude" von Radiohead auch ein Song, der etwas zu sagen hat. Das mag im Buch der „Filme, die noch die Kurve bekommen" eine Erwähnung wert sein, reicht aber kaum als Empfehlung für den Kinobesuch.

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