9.5.16

Victor Frankenstein

USA, Großbritannien 2015 Regie: Paul McGuigan mit James McAvoy, Daniel Radcliffe, Jessica Brown Findlay 110 Min. FSK: ab 16

Eine gruslige Kreatur ist dieser Film: Zusammengeflickt aus schon verwesenden Klassiker-Fetzen, etwas frisches Schauspieler-Blut reingepumpt, schnell mit dicker digitaler Schminke aufgefrischt. Mary Shelleys Frankenstein-Stoff ist nicht tot zu kriegen, aber so widerbelebt, hätte man sich die Energie fürs kinematographische Funkenschlagen sparen können.

Der Zauberlehrling wird zum MTA, zum Medizinisch-technischer Assistenten. Harry Potter - sorry: Daniel Radcliffe - ist der bucklige Clown im Zirkus, der von der Trapez-Künstlerin Lorelei hoch über ihm träumt. Und Anatomie auch in Büchern studiert, wenn er nicht gerade verprügelt wird. Dies Talent erkennt der Tierleichen-Fledderer Victor Frankenstein (James McAvoy), entführt den vermeintlichen Krüppel und richtet ihm im Schnellheilverfahren zum Assistenten auf.

Ja, dies ist das schummerige London der Dampfmaschinen, das mit Steam Punk-Elementen zu einer Action-Kulisse aufgehübscht wird. Der Schnellheilung und äußerliche Aufrichtung des Clowns, der nun Igor genannt wird, folgen gemeinsame Versuche, verstorbene Organe mit Elektrizität wieder zu beleben. Igor ist der eigentlich geniale, der für Fortschritte in dieser recht speziellen Wissenschaft sorgt. Parallel wird aus der Flucht vor den Zirkusleuten eine Kriminalgeschichte von der Suche nach einem Mann, der immer wieder Körperteile klaut.

Zuerst springt ein Zombie-Schimpanse wild herum, dann findet sich ein Mäzen, der den Menschenversuch fordert. Die Aussicht auf Erfolg lässt Frankenstein größenwahnsinnig und unsympathisch werden. Igor teilt die moralischen Bedenken des Polizisten. Was zu einem Duell der fortschrittlichen Wissenschaft gegen einen religiös extremistischen Beamten führt. Da dies wohl nicht reichte, wurde eine tragische Geschichte drangeklebt. Die nicht wirklich funktioniert - weder für Frankenstein noch für die Zuschauer. Nebenbei läuft recht lieblos die Romanze mit der Trapezkünstlerin mit. Im Finale wird es dann ganz lächerlich, wenn Frankenstein Leben schafft, um es direkt danach wieder umzubringen - nur für eine heftige Action-Szene.

Das Produktions-Design macht dem alten London keinen großen Eindruck, die Schauspieler könnten mehr. James McAvoy legt nur anfangs einen sehr lässigen Victor Frankenstein hin. Da kann man schon Bedenken haben, ob das wirklich moralisch ok ist, auf diese Weise einen alten Filmstoff wiederzubeleben. Die Verlagerung der Perspektive auf Igor zündet nicht, das Monster an sich, bringt dramaturgisch so viel wie ein Rest aus der Fleischtheke. Ein Trauerspiel, vor allem wenn man an das ganze moralische Konfliktpotential denkt und an die tragische Tiefe des Originals.

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