30.5.16

The Nice Guys

USA, Großbritannien 2016 Regie: Shane Black mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer 116 Min.

Ob Russell Crowe und Ryan Gosling „nice guys", also nette Kerle sind, darf das Boulevard entscheiden. Sehr prominente Kerle sind sie auf jeden Fall und beliebt beim Besetzen von Filmen. Leider verhindert das in diesem Film wohl eine nette Buddy-Actionkomödie. „The Nice Guys" bietet für die hohen Erwartungen an Regisseur und Autor Shane Black, mit „Lethal Weapon" und „Kiss Kiss Bang Bang" so was wie der Pate dieses Genres, zu wenig!

Der eine, Jackson Healy (Russell Crowe), ist ein guter Privatdetektiv, aber heruntergekommen und ohne Lizenz. Der andere übernimmt von alten Omis Jobs die eigentlich keine sind, weil der vermisste Gatte längst in der Urne auf dem Kaminsims ruht. Doch Holland March (Ryan Gosling) verdient mit moralisch schlechten Jobs reichlich Dollars. Selbstverständlich laufen oder raufen sich Healy und March über den Weg, als der eine seine junge Klientin vor ihren Verfolgern schützen und der andere eben diejenige verfolgen soll. Wie es zu dieser Verquickung kommt, verstehen die beiden ebenso wie die Zuschauer lange nicht.

Doch das ist unwichtig, wenn man Spaß dabei hat, wie ein kleiner Junge seinen Porno-Traum namens Misty Mountains verunglückt im Garten findet, wenn die so unterschiedlichen „private eyes" rumalbern dürfen, beziehungsweise immer zu ernst sein müssen. Außerdem gesellt sich in der Kulisse von Los Angeles des Jahres 1977 noch die neugierige und im zynischen Umfeld sehr gutherzige Tochter von March hinzu, die schon mal heimlich zu einer Porno-Party mitkommt und dabei mehr herausbekommt als die alten Herren.

Es geht in „The Nice Guys" tatsächlich darum, einen Pornofilm zu finden, der irgendwie beweisen soll, dass das kalifornische Justizministerium Schadstoff-Betrügereien der Autoindustrie deckt. Alle am Dreh Beteiligten werden deshalb von der Konzern-Mafia ermordet. Wie absurd: Ein Blick in die Zeitung und drei Millisekunden Nachdenken genügen, um festzustellen, dass überall Justiz- und Verkehrsministerium so sehr die Autoindustrie decken, dass der Vorwurf der Korruption eine Schmeichelei wäre.

Aber um irgendwas geht es ja bei solchen Action-Komödien ernsthaft nie. Es sollen sich vor allem die beiden Hauptfiguren („buddys") zusammenraufen. Der Film nimmt auch sonst wenig Rücksicht wenn er drastisch und für einen Scherz nebenbei seine Opfer über die Klinge springen lässt. Das macht stellenweise Spaß, aber bald erinnern die Szenen mit den entgegengesetzten Typen stark an „Kiss Kiss Bang Bang" vom gleichen Autor Shane Black. Der übrigens das Genre eine Epoche vorher mit den „Lethal Weapon"-Filmen geprägt hat. Und plötzlich sehen im Vergleich zu vor allem Robert Downey Jr. diese Buddys Russell Crowe und Ryan Gosling reichlich alt aus. Kim Basinger ist in einer Nebenrolle als korrupte Mitarbeiterin des Justizministeriums gar völlig ein seltsam im Gesicht deformiertes Abbild vergangener Rollen. Das muss man auch zum Autor Shane Black sagen. Wahrscheinlich haben diesmal die teuren „Produktions-Werte" der Kreativität die Luft abgeschnürt.

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