1.9.15

Die Kleinen und die Bösen

BRD 2015 Regie: Markus Sehr mit Christoph Maria Herbst, Peter Kurth, Emma Bading, Ivo Kortlang 91 Min. FSK: ab 12

Klein ist dieser deutsche TV- und Kino-Film ja schon. Aber böse? Ein klein wenig vielleicht. Beim Auftritt von Hotte (Peter Kurth) bei seinem biederen Bewährungshelfer Benno (Christoph Maria Herbst) poltert eine heftige Proleten-Komödie ins Amtszimmer: Plauze unterm verschwitzten Hawaii-Hemd. Drüber ein Schnauzer und auf den paar Metern zur Tür direkt einen iPod mitgehen lassen.

Was die beiden unterschiedlichen Typen verbindet, sind Kinder. Die, die Benno wegen Unfruchtbarkeit nicht bekommen kann, was als Geheimnis seine hübsch eingerichtete Beziehung mit Tanja bedroht. Und die Kids, die Hotte nie interessiert haben, die aber wegen Todesfall in der Familie und vor allem wegen dem Kindergeld plötzlich interessant werden. Hotte bringt zum ersten Wiedersehen nach Jahren und im Fall von Jenny überhaupt, Kinderschokolade vom Aldi mit. Bestimmt geklaut, so wie Dennis bestimmt sein Sohn ist, denn der raubt auch direkt einen Kiosk aus und kommt bei der Flucht unter einen Zug.

Nun will Benno Jenny notfalls mit illegalen Mitteln vor ihrem tapsig bemühten Vater retten. Hotte will mit Jenny nach Mallorca ziehen. Und der minderjährige Asylant Ivic, guter Kunde von Benno und bald Freund von Jenny, will mit Hotte einem gefährlichen Auto-Dealer 10.000 Euro aus der Lederweste klauen. Zudem reizt die alleinerziehende portugiesische Kellnerin Dorka Gryllus (Anabell) mit ihrer kleinen Tochter den kinderlieben Benno und sein Helfersyndrom viel mehr als die verkrampft unschwangere Ehefrau.

Christoph Maria Herbst als Netter, das braucht Gewöhnung und dann ist es doch anders: „Die einen können keine Kinder kriegen und die anderen, die keine haben sollten ..." Solche Sprüche könnten von Stromberg kommen, doch diese Versicherungskarriere ist ja auch im Kino bereits abgefeiert. Danach sah man Herbst in der üblen Klamotte „300 Worte Deutsch" als Amtsleiter Dr. Ludwig Sarheimer vom Ausländeramt. Und nun Softie Benno mit Hipster-Einschlag und großem Sozialarbeiter-Herz als Bewährungshelfer. Doch irgendwann wollen alle nur noch an die Scheine, dann bekommt die Komödie, die mit dem Tod von Dennis sogar rühren wollte, wieder Schwung.

Dafür sorgte im Genre-Mix bis dahin der Gauner Hotte, der nicht weiß, ob seine Kinder Junge oder Mädchen sind, der dem Reitfan Jenny zum Trost Sauerbraten vom Pferd kocht. Peter Kurth kann Herbst öfters die Show stehlen, doch Benno kann Hotte das Geld klauen. Kleine Böse, denn um Hotte zum echt bösen Gangster, zum charismatisch ordinären Kerl im Stile britischer Gangster-Komödien zu machen, hätte es mehr Mut gebraucht. So helfen nur die guten Dialoge, wenn der Film mal wieder etwas zu lange mit den kleinen Fluchten wartet, damit das Drehbuch noch eine Runde drehen kann.

Das ist in der Inszenierung nicht immer so gelungen, wie die letzte Kino-Komödie von Markus Sehr, die wunderbare Sonderlings-Geschichte „Eine Insel namens Udo" aus 2011, mit dem bis zur Unsichtbarkeit unscheinbaren Kaufhausdetektiv Udo. Aber wenigstens kommen „Die Kleinen und die Bösen" dank weiblicher Klugheit zu einen guten, weil unkonventionellen Happy End.

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