10.3.15

Das Mädchen Hirut

Äthiopien, USA 2014 (Difret) Regie: Zeresenay Berhane Mehari mit Meron Getnet, Tizita Hagere, Haregewine Assefa, Brook Sheferaw 99 Min. FSK: ab 12

Auf dem Land gilt in Äthiopien 1996 noch die Tradition der „Telefa", der Entführung von Mädchen und Frauen zum Zweck der Eheschließung. So wird die 14-jährige Hirut Assefa (Tizita Hagere) drei Stunden außerhalb von Addis Abeba ausgerechnet auf dem Heimweg von der Schule, die ihr Bildung und Unabhängigkeit geben sollte, von einem älteren Mann entführt und vergewaltigt. Hirut gelingt die Flucht, doch erschießt sie dabei in Notwehr den Verbrecher. Nun steht sie unter Mordanklage, ihr droht die Todesstrafe.

Meaza Ashenafi (Meron Getnet) eine Anwältin, die sehr mutig gegenüber Männern auftritt, kämpft mit ihrer Pro Bono-Organisation nun für Hirut sowie gegen Polizisten, Staatsanwälte und Richter, die das Mädchen hinrichten wollen. Zuerst bekommt Meaza das Mädchen mit seinem gebrochenen Arm nicht mal aus der Zelle in ein Krankenhaus. Das mühsame Wegarbeiten der Steine, die Meaza in den Weg gelegt werden, zeigt Details des Lebens in Äthiopien: Der junge Staatsanwalt bezweifelt das Alter Hiruts - wie kann ein junges Mädchen so ein schweres Gewehr bedienen. Das Männer-Recht will dann das Alter von Mädchen am Brustumfang feststellen. Das klingt haarsträubend, aber der Film macht es sich nicht mit simplen Diffamierungen leicht. Er zeichnet ein komplexes System nach, in dem sich auch die Strömungen Stadt und Land, Fortschritt und Tradition begegnen.

So spielt auch in Abwesenheit der Anwältin ein Dorfrat eine Rolle, in welcher der Vater des Opfers, der des Vergewaltigers und der Lehrer heftig miteinander streiten. Diese „Justiz" aus alten Männern verurteilt das Mädchen und seine Familie. Die richtige Rechtsbarkeit in dieser wahren Geschichte entscheidet anders. Hiruts Fall führte zum Verbot derartiger Entführungen. Und zwischen 1995 und 2002 half Meazas Organisation über 30.000 Frauen und Kindern.

Der bewegende und informative Film hält sich in den dramatischen Momenten angenehm zurück und lässt den Schrecken über die Gesichter der Figuren wirken. Von der Form her ist das von Angelina Jolie koproduzierte Werk einfach und konventionell, doch vor allem in der Landessprache und von tollen lokalen Darstellern gespielt.

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