9.3.15

Cinderella

USA, Großbritannien 2014 Regie: Kenneth Branagh mit Cate Blanchett, Lily James, Richard Madden, Stellan Skarsgård, Holliday Grainger, Sophie McShera, Derek Jacobi, Helena Bonham Carter 105 Min. FSK: ab 0

Wenn ein Zeichentrick-Klassiker wie Disneys „Aschenputtel" (Originaltitel „Cinderella") aus dem Jahr 1950 von Disney selbst als Realfilm aufgefrischt wird, will der Instinkt schnell weglaufen, bevor die Uhr 12 schlägt. Doch der britischen Regie-Fee Kenneth Branagh („Thor") gelingt mit Erfahrung und Meisterschaft im Opulenten ein perfektes Leinwand-Märchen.

Wie war sie noch mal, die Vorgeschichte zu dem Märchen mit dem verlorenen Schuh und dem „Ruckidiku"? Indem wir erleben, wie Ella (Lily James) bescheiden und naturliebend glücklich aufwächst, bis erst die Mutter stirbt und dann der Vater nicht von einer Handelsreise zurückkehrt, scheinen wir in einer ganz anderen Geschichte zu sein. Der Vergleich mit dem Klassiker „Aschenputtel" ist angesichts dieser Figuren aus Fleisch und Blut schon vergessen. Und trotz hemmungslosem, bonbonfarbenem Kitsch hat das Vergnügen eines fein ausgewogenen Leinwand-Genusses längst begonnen.

Denn ohne die grandiose Überzeichnung, mit der Cate Blanchett die exquisit böse Stiefmutter anlegt, wären die süß animierten, tierischen Freunde nicht genießbar. Die Bitterkeit dieser Variante von „The Beauty and the Beast" wiegt den fast debilen Optimismus der ausgebeuteten und erniedrigten Ella, die längst zur Cinder-Ella, zum Aschenputtel wurde, exakt auf. Und immer wieder der wunderbare Humor: Mit einem Touch Verrücktheit, wenn Helena Bonham Carter als Gute Fee mit einigen Startschwierigkeiten den Kürbis in die Goldene Kutsche und die Mäuse in Pferde verwandelt. Mit doch erstaunlicher Modernität im selbstbewussten Flirt von Ella mit ihrem Prince Charming (Richard Madden). Vor allem hier versprüht Lily James („Downton Abbey") überwältigend Charme. Im Gegensatz zu Cate Blanchett mit dreckiger Lache und Boshaftigkeit aus tiefer Überzeugung und materieller Not.

Mit ausgezeichnet besetzten Nebenfiguren wie Stellan Skarsgård als intrigantem Höfling, Kleinigkeiten wie den nicht komplett in Livrees verwandelten Gänsen oder dem action-mäßigen Holterdiepolter der Rückverwandlung begeistert „Cinderella" immer wieder aufs Neue.

Das Schwärmen für Branaghs Mischung aus respektvoller Hommage und kongenialer Neuinterpretation darf die Kostüme von Sandy Powell ebenso wenig vergessen wie die opulente Ausstattung von Dante Ferretti. Beiden gelang die Gradwanderung des Films: Er zitiert einerseits den Zeichentrick beispielsweise mit der Tanzszene im Kleid und in den Farben. Und entführt doch das Sehen dank computer-unterstützter Bilder in neue Kitsch-Dimensionen. Überraschend dabei, wie blass die Originalbilder nachher aussehen, wo man doch dachte, Branagh kopiert stellenweise deckungsgleich die Zeichenbilder. Da hatte schon die Erinnerung den Uralt-Zeichentrick aufgehübscht.

Die wunderbar kitschige Realverfilmung von „Cinderella" des ehemaligen Shakespeare-Darstellers und -Regisseurs, des Wallander-Darstellers Kenneth Branagh hebt den Disney-Klassiker nach Charles Perraults Volksmärchen mit digitaler und Ausstattungs-Opulenz in eine neue Dimension, die selbst bei einer Disney-Allergie begeistert.

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